Hallo Nebin,
wenn Du eine Nachführung willst, dann fliegt der Dobson normalerweise raus. Ein Dobson mit DobDrive wird wohl recht teuer, dann wird das unattraktiv, auch mit dem Foto-Hintergrund.
Du nennst Kugelsternhaufen und willst eine bessere Planetenleistung. Ich denke ein Paket, was dies alles visuell leistet, wäre ein Newton ab 8" Öffnung mit am liebsten f/5 bis f/6 montiert auf einer tragfähigen Montierung. Kompakt ist so ein Newton aber nicht mehr. Als kompakte Systeme kommen natürlich die diversen Cassegrain-Varianten in Frage, wobei aber der Preis auch seine Rolle spielt, wenn mehr als 8" Öffnung gefragt sind. Nun, immerhin, die von Dir zunächst betrachteten Kombination zeigen ja einen gewissen Spielraum auf.
Die Wahl der Montierung wird entscheidend für die Fotografie-Gedanken sein. Mit einer EQ-6 oder HEQ-5 wäre Planetenfotografie möglich und Deepsky-Fotos mit kurzen Brennweiten. Für längere Brennweiten steht bei der EQ-6 ein Umbau an, damit die Nachführgenauigkeit stimmt. Die HEQ-5 ist bei längeren Brennweiten und größerem Teleskop bald an der Belastungsgrenze angekommen. Diese konkreten Montierungen nur, um mal den Minimalbereich aufzuzeigen.
Die Frage ist ganz einfach "quo vadis", und zwar bezüglich der Optik, die Du Dir aussuchst.
Kugelsternhaufen: Im 6-Zöller sind bei den größeren schon ordentlich Randsterne zu sehen. Um im Zentrum mehr zu sehen, müssen schon 8" an den Start, aber erst ab 12" werden richtig viele Kugelsternhaufen zu einer wirklichen Offenbarung. Dann werden auch unter mittleren Himmelsbedingungen schwache Funzeln wie M56 (und ganz schwache mit NGC-Nummer) oder problematisch dicht stehende wie M71 schön aufgelöst und gut beobachtbar. Die sehr dicht stehenden KSth wie M3 oder M15 sind aber auch damit noch "gemein konzentriert" zum Zentrum hin. Da kann man den Öffnungswahn beliebig fortführen.
Was die Planetenbeobachtung angeht, da kann man mit einem 8" f/6 Newton schon ungeheuer weit kommen, und wird damit die typischen "ca. 8" f/10" Cassegrain-Systeme hinter sich lassen, wenn man den Newton gut beherrscht und im Idealfall mit sauber arbeitendem Belüftungssystems und anderen "Tunings" aufwertet. Von der Stange sind die Vorteile eines Newtons kleiner, subtiler und bei schlechter Justage ist jedes Teleskop dieser Größenordnung grottig...
Der eventuelle Wunsch nach mehr Öffnung für Kugelsternhaufen kollidiert dann schnell mit den Ideen für die Planetenbeobachtung. Gründe:
- geschlossene Systeme wie SCs von der Stange haben unpraktikable Auskühlzeiten und werden kaum vom Hersteller mit einem Belüftungskonzept geliefert.
- Nur wenige Cassegrains gibt es als offene Systeme, auch hier ist aber eine aktive Belüftung wünschenswert.
- Newtons kommen langsam auf unangenehme Öffnungsverhältnisse für die Planetenbeobachtung zu. Bei f/5 wollen die Okulare gut ausgewählt sein, f/4 würde ich mit dem Ziel visueller Planetenbeobachtung überhaupt nicht auswählen. Von der Öffnung her ist ein Teleskop mit 8" praktisch an 363 Nächten im Jahr dazu in der Lage, alles überhaupt mögliche zu zeigen. Ein guter 10-Zöller zeigt zwar nicht weniger (entgegen manchen Unkenrufen), aber kann nur bei sehr wenigen, extrem guten Seeingbedingungen mehr zeigen.
Sollte man sich dann in der Summe der Eigenschaften für einen Newton entscheiden, dann wäre ein gut zu den beobachtungszielen passender 12" f/5 Newton kaum noch parallaktisch montierbar, der bringt auch in der Leichtbau-Version eine EQ-6 an ihre Grenzen, ist schwer zu transportieren, passt nicht mehr quer ins Auto...
12" f/4 sind gerade noch handhabbar, aber f/4 ist ja in meinen Augen nicht empfehlenswert.
10" f/5 (zur Not f/4,8) wären ein guter Mittelweg, gehen noch quer auf die Autorückbank und sind auf diversen Montierungen unterzubringen. Als Leichtbau-Newton kann man selbst eine GP-DX ins Auge fassen, sollte aber dann auf das Originalstativ verzichten und eher auf eines der robusten Berlebach-Stative oder wirklich vergleichbare Produkte zurückgreifen.
Was ein offenes Cassegrain angeht, um ein kompakteres Teleskop zu nutzen, findet man ja recht wenige Vertreter am Markt. Mit einem VMC260L, was dazu passen würde, wird wohl der Preisrahmen gesprengt sein...
Von daher mache Dir mal drüber Gedanken und teile sie uns mit. Es könnte auch das beste sein, wenn Du Dir mal bei jemandem Aufbau und Transport solcher Geräte anschaust. Und bei der Gelegenheit sollte man dann natürlich auch gleich mal durchschauen.
Clear Skies
Sven