Am 15. Oktober geht das LBT in Betrieb

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blue_scape

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Hallo,

heute habe ich hier das erste Mal vom LBT gehört. Es soll nun am 15. Oktober in Betrieb genommen werden.
The LBT Corporation announced last Friday (September 17) that the dedication ceremonies for the Large Binocular Telescope (LBT) will be held Oct. 15. This scientific achievement will be marked by a formal dedication dinner for partners and their guests.
Es ist in der Nähe von Safford auf dem Mount Graham in Arizona zu finden.

Das "Riesenbino" besteht aus zwei 8,4 Meter Spiegeln, deren Mittelpunkte 14,4 Meter voneinander getrennt sind. Rein rechnerisch ergibt sich eine maximale "baseline" von 22,8 Metern.

Nun zu meiner Frage. Wo liegt jetzt der allgemeine Vorteil gegenüber dem VLT, das gleich mit vier 8,2 Meter Spiegeln daherkommt und eine maximale Basislinie von 130 Metern hat?

Und wenn das LBT gleich 10-mal schärfere Bilder vom HDF liefern soll, was wäre dann mit dem VLT möglich?
It will provide high-resolution images of many faint objects over a wide field-of-view, including galaxies in the Hubble Deep Field with 10 times the Hubble resolution.
Nun gibt es noch die Homepage des Large Binocular Telescope Observatory.

Bis dann

Gruß - Nico
 
Hallo Nico,

Nun zu meiner Frage. Wo liegt jetzt der allgemeine Vorteil gegenüber dem VLT, das gleich mit vier 8,2 Meter Spiegeln daherkommt und eine maximale Basislinie von 130 Metern hat?

das LBT ist billiger.
VLT 4x 8,2m = 292Mio$
LBT 2x 8,4m = 94Mio$

Das waren die geplanten Kosten, weiß jemand die tatsächlichen?

Übrigens ist die Bildschärfe des LBT nur in einer Richtung wie die eines 22,4m Teleskops, senkrecht dazu bleibt es beim 8,4m (falls die Luftunruhe vollständig korrigiert werden würde)
Die Beugungsscheibchen sind also oval.

Grüße UMa.
 
VLT gegenüber LBT

Hallo UMa,

es heißt, dass das LBT 120 Millionen Dollar verschlungen haben soll.

Kann denn jemand ein paar Vor- und Nachteile der beiden Observatorien nennen?

Bis dann

Gruß - Nico
 
Re: VLT gegenüber LBT

Hallo Nico.

Ein klarer Vorteil des LBT ist, dass man eine fixierte Basis hat und sich damit die Parameter für die Interferometrie kaum verändern. Vielmehr ist das ganze Teleskop von vorn herein für Interferometrie konstruiert. Dies macht die Datengewinnung und -reduzierung deutlich einfacher als beim VLTI. Ein weiterer Vorteil ist, dass die komplette Beobachtungszeit auch für Interferometrie genutzt werden kann, beim VLT wollen ja auch mal nicht-Interferometriker ran. Außerdem steht ein kleineres Konsortium dahinter, was speziell für viele deutsche Institute (zumindest die der Beteiligungsgesellschaft) einen sicheren Zugriff erlaubt.

Nachteile des LBTs gegenüber VLTI ist v.a. die Basislänge: ~20x8m sind nicht mehr allzu berauchend. V.a. wenn die Auxiliary Teleskope am Paranal mal stehen, sind die Basislängen größer -- wenn auch nicht immer die Fläche. Prinzipiell lässt sich mit AMBER dann aber auch die Fläche deutlich vergößeren (3 8.2-Spiegel mit mindestens 200m baseline). Auch die beiden Keck-Teleskope bieten ne größere Basislänge und 2 10m-Spiegel). Man sollte auch nicht verschweigen, dass das LBT komplett "experimentell" ist, soll heißen man weiß noch nicht sicher wie gut es denn auch mal funktionieren wird. Schon aus reinem Eigennutz hoffe ich natürlich, dass alles klappt. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Nur mal eine kurze Zusammenstellung ohne Anspruch auf Vollständigkeit vor dem ins-Bett-gehen.

Gute Nacht,
Sebastian
 
Vorteile vom LBT

Hallo Sebastain,

du sagst:
Ein klarer Vorteil des LBT ist, dass man eine fixierte Basis hat und sich damit die Parameter für die Interferometrie kaum verändern.
Wieso ist das aber ein Vorteil? Scheint es nicht besser, wenn man ein wenig mit den Parametern "spielen" kann?

Bis dann

Gruß - Nico
 
Endlich: First Light vom LBT

Hallo,

ein Jahr musste das LBT nach seiner Einweihung auf die Lichttaufe warten. Am 12. Oktober 2005 war es nun endlich soweit.

- Größtes Teleskop der Welt liefert erste Himmelsbilder

- Large Binocular Telescope successfully achieves "First Light"

Besonders der zweite Link enthält auch viele weiterführende Links mit zahlreichen Informationen zum First Light.

First Light-Aufnahme vom LBT - NGC 891:
Link zur Grafik: http://medusa.as.arizona.edu/lbto/FL/BW/n891_720x486.jpg

Gruß - Nico
 
Re: Vorteile vom LBT

Hallo Nico,

da seh ich doch, dass ich Dir noch eine Antwort schuldig bin...

Scheint es nicht besser, wenn man ein wenig mit den Parametern "spielen" kann?
Es kommt darauf an, welche "Parameter" Du meinst. Sicher wäre es sehr interessant, die Basislinien verändern zu können (siehe VLTI). Das Problem bei Interferometern wie Keck-Int. oder VLTI ist jedoch, dass die "internen Parameter" wie optischer Weg, Temperatur, etc. stark variieren. Das hat z.B. zur Folge, dass das Keck-Interferometer nur unter großen Anstrengungen verwendet werden kann und meist eben doch nur die Einzelteleskope verwendet werden. Ein großer Nachteil von nicht voll auf Interferometrie ausgerichteten Systemen ist auch, dass fast immer störende Vibrationen auftreten. Diese in den Griff zu bekommen, ist äußerst schwierig. Das alles hat zur Folge, dass es weltweit nur das VLTI es schafft, ein Interferometer im großen Stil für die Wissenschaftsgemeinde zur Verfügung zu stellen. Bei Keck kann das praktisch nur die Mannschaft vor Ort. Das LBT setzt hier nun einen neuen Meilenstein. Durch die vollkommene Ausrichtung auf Interferometrie gibt es keine Probleme mit Vibrationen, etc. Außerdem wird es auch möglich sein, Echtbilder aus den interferometrischen Daten zu rekonstruieren, was aufgrund der benötigten Beobachtungszeit am VLTI und Keck zur Zeit nicht möglich ist.

Viele Grüße,
Sebastian
 
Re: Vorteile vom LBT

Hallo Sebastian,

und Danke für deine späte Antwort. Ich muss jedoch nochmal nachhaken, denn deine aufgeführten Nachteile (optischer Weg, Temperatur, Vibration) werden mir noch nicht ganz klar. Kannst du das noch etwas näher erläutern, was darunter zu verstehen ist?

Gruß - Nico
 
Re: Vorteile vom LBT

Hallo Nico,

zu den Vibrationen: Alle modernen Großteleskope vibrieren. Ursachen dafür gibt es viele. Ein Punkt ist die dünne Hauptspiegelkonstruktion. Solche dünnen Spiegel nehmen gern Vibrationen der Nachführmotoren, Kühlung, adaptiven Optik, o.ä. auf. Desweiteren kann durch kleinste mechanische "Unwuchten" weitere Vibrationen auf die Optik übertragen werden. Bei der Interferometrie hat man dann noch einen optischen Weg von mehreren 10 oder gar 100m, bis die Lichtbündel im entsprechenden Instrument vereinigt werden können (siehe VLTI). Auf diesen Wegen können schon elektrische Schaltschränke in der Nähe Vibrationen verursachen, die für die Interferometrie tötlich sind. Diese Vibrationen fallen bei der normalen Beobachtung meist gar nicht auf, da sie unter der Auflösungsgrenze für Einzelteleskope liegen. Für die Interferometrie sind sie aber umso schädlicher.

Noch unbequemer wird es dann, wenn sich aufgrund der Umweltbedingungen (z.B. Temperatur) an und um die Einzelteleskope herum der optische Weg praktisch ständig variiert. Und so kann man die Liste noch fortsetzen. Ergebnis ist z.B. eine schlechte Grenzgröße.

Ein Teleskop, das von Anfang an auf Interferometrie ausgerichtet ist, wird so konzipiert, dass es keine Vibrationsquellen liefert (z.B. keine adaptive Optik). Als Ergebnis wird das LBT in Sachen Auflösung und Grenzgröße alles bislang da gewesene in den Schatten stellen.

Grüße,
Sebastian
 
Re: Vorteile vom LBT

Hallo Sebastian,

und Danke für deine Ausführungen!

Dennoch finde ich aber, dass bei der Vorstellung von neuen Großteleskopen nie richtig über die Vor- und Nachteile gegenüber den schon vorhandenen Observatorien berichtet wird. Da kommt mir eben immer diese Frage in den Sinn: Warum wird dieses Projekt realisiert?

Als Ergebnis wird das LBT in Sachen Auflösung und Grenzgröße alles bislang da gewesene in den Schatten stellen.
Aber nur bis das GMT 2016 an den Start geht, wie ich gestern gelesen habe.

- GMT - Giant Magellan Telescope

Gruß - Nico
 
Re: Vorteile vom LBT

Hallo Nico,

Aber nur bis das GMT 2016 an den Start geht, wie ich gestern gelesen habe.

Abwarten. Zum einen wird(wurde?) erstmal 1 Spiegel gegossen, was noch nichts über die Realisierung des gesamten Konzepts aussagt. Zum anderen ist es ein Multi-Mirror-Teleskop, und das dies nicht ohne Probleme ist, davon könnten Dir die Leute von Keck auch einiges erzählen. Siehe auch MMT in Arizona, das inzwischen einen festen Spiegel hat statt mehrerer Segmente.

Grüße,
Sebastian
 
Re: Endlich: First Light vom LBT

Schönes First Light vom VLB! hier mal zum vergleich NGC891 von mir, aber nicht mit 2x8,4m Bino sondern Mono 1x0.25m zum vergleich! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" /> Werden die Bilder noch besser vom VLB oder ist das schon das beste was geht, weil zwar schön aber für 2x8,4m sollte doch eigentlich noch mehr drin sein, oder?
Link zur Grafik: http://www.intermediazone.com/astro/cge/ngc891__26x180s_2.jpg
 
Re: Endlich: First Light vom LBT

Hallo Marcus,

das Bild wurde mit nur *einem* 8.2-m Spiegel gemacht. Nachdem das LBT (nicht VLB) ein Interferometer ist, besitzt es keine adaptive Optik. D.h. das Bild ist Seeing-begrenzt. Als folge erzielt man mit einem Spiegel ohne Interferometrie auch keine bessere Auflösung als ein Amateur (bei diesem Bild sind es 0.8"). Als Interferometer werden die Bilder dann unter 10 Millibogensekunden (<0.001") Auflösung haben!

Grüße,
Sebastian

PS: Zur Leserlichkeit des Threads hier wäre es nett, wenn Du die Bildgröße etwas kleiner machen könntest. Danke.
 
Re: Endlich: First Light vom LBT

Hallo Marcus,

ich glaube aber nicht, dass deine Aufnahme fast 38 Megapixel groß ist. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> Die Kamera (LBC, Large Binocular Camera) besteht aus vier CCDs mit je 2048 x 4608 Bildpunkten.

Einen ausführlichen Bericht zum First Light des LBT gibt es auch in deutscher Sprache vom Max-Planck-Institut für Astronomie, dass ja mit 25% an der Beobachtungszeit
beteiligt ist. Unter anderem werden auch Simulationen von Beobachtungen mit dem LBT (Large Binoocular Telescope) und dem HST (Hubble Space Telescope) gezeigt.

- "Erstes Licht" für das Large Binocular Telescope

In einer anderen Mitteilung gab es auch noch diese Darstellung zum Auflösungsvermögen zu lesen:

Ein Gedankenexperiment macht die enorme Leistungsfähigkeit des LBT deutlich: Zwei im gegenseitigen Abstand von 100 Metern aufgestellte brennende Kerzen könnte
es noch aus einer Entfernung von 2.5 Millionen Kilometern (sechsfache Mondentfernung!) als getrennte Lichtquellen nachweisen.
Und es geht schon wieder ein neues Großteleskop an den Start:

- SALT (South African Large Telescope) wird am 09./10. November 2005 eingeweiht

Gruß - Nico
 
Re: Endlich: First Light vom LBT

Hallo Nico,

Einen ausführlichen Bericht zum First Light des LBT gibt es auch in deutscher Sprache vom Max-Planck-Institut für Astronomie, dass ja mit 25% an der Beobachtungszeit
beteiligt ist.
Das stimmt nicht. Die Institute der deutschen Beteiligungsgesellschaft teilen sich die insgesamt 25% der Beobachtungszeit. Dies sind das MPIA (Heidelberg), MPE (München), MPIfR (Bonn), AIP (Potsdam) und LSW/ZAH (Heidelberg).

Grüße,
Sebastian
 
Re: Endlich: First Light vom LBT

Hallo Sebastian,

dann habe ich wohl diesen Satz falsch interpretiert:

Unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg sind fünf deutsche Institute mit insgesamt 25 Prozent Beobachtungszeit am LBT-Projekt
beteiligt.
Und noch eine weitere Frage: Kann man eigentlich die LBC für beiden Spiegel nutzen? Es heißt ja:

... Large Binocular Camera" (LBC) which is mounted high above the primary mirror at the prime focus of the left primary mirror.
Gruß - Nico
 
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Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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