hallo Eberhard,
bei allem Respekt für den umsatzstärksten deutschen Händler und Wolfgang Paech - das ist zuvorderst eine Werbeschrift wie mir scheint. Ich habe nur zwei edgeHD untersucht, das eine hatte die Streifen (war aber knapp an der Beugungsgrenze) und das andere gehörig Astigmatismus. Hätte ja zumindest fifty-fifty sein können. Den Sermon von den unentwegten optischen Tests während der Herstellung, und der Retusche des FS nach Prüfung des Gesamtsystems lese ich ja gerne, aber... hm?
Dass den Celestron Ingenieuren sehr rasch klar war dass da eine neue Generation an Teleskopen her muss (S.7), klingt nach 40 Jahren unentwegter Produktion von klassischen SC's ein bissl lustig. Vielmehr war es der Auftritt der komafreien Meade ACF's der denen Dampf gemacht hat, so meine private Meinung.
Dass man das mit zwei kleinen Linsen aus normalem Glas (SK2 und K10) im Blendrohr erreicht ist sehr schön, aber warum verdoppelt das gleich den Preis? Ich hab die Glaspreise jetzt nicht nachgeschlagen, vielleicht 30.- Material?
Ausseraxiale Koma - das ist ein häufiger Irrtum. Die merkt man beim klassischen SC nicht nur beim Weitwinkelokular, sondern immer. Weil man bei hoher Vergrösserung die achsnahe Koma auch entsprechend mitvergrössert, sodass sie genauso gross erscheint wie die achsfernere und weniger vergrösserte. Dadurch hängt die Koma, welche in einem Okular sichtbar ist, ausschliesslich vom Gesichtsfeld des Okulares ab (und seinen Abbildungsfehlern, bei f/10 sind die aber klein).
Spiegelshifting - mein C11 edgeHD hat definitiv einen Jupiterdurchmesser Shifting, und nicht >30".
Hauptspiegelarretierung - funktioniert bei mir nicht. Spiegel flattert weiter.
Sphärochromasie - daran hat sich nichts geändert, wenn man der Optikrechnung vertraut. Immerhin, denn mehr Linsen im Strahlengang können die Chromasie ja verändern.
Die komafreien SC's haben Bildfeldkrümmung, aber die ist sehr moderat wie selbst in dieser Broschüre versteckt steht, nämlich unter einem Millimeter bei langer Brennweite von 2000mm und mehr, also weniger als 0,1 Promille. Wer merkt denn das bei den fetten Sternen welche diese Brennweite erzeugt?
Von wegen fetten Sternen, was soll man von Sätzen wie diesen halten (S.30), welche die Grösse des Beugungsscheibchens von 13µ mit den 6,5µ Pixeln eins modernen Sensors verknüpfen: "Es wird sofort klar, dass ungefähr 2 Pixel des Aufnahmesensors das Beugungsscheibchen abdecken. Das bedeutet dass bei idealen Bedingungen, bei einer Pixelgrösse von 6,5µ ein Hauptteil des Lichtes auf dieses eine Pixel konzentriert wird." Wie bitte? Versteh ich nicht.
Was nun, ein Pixel, zwei Pixel, vier Pixel für die ganze Fläche des Beugungsscheibchens? Wohl eher Pi, aber mal Daumen: "Ideale Bedingungen" bedeutet hier nämlich luftleeren seeingfreien Raum, nicht "sehr gute Bedingungen" die bestenfalls in der Realität auftreten. Achja, Werbeschrift! Immerhin steht dann auch, dass das Seeingscheibchen mit zunehmender Brennweite wächst. Koch/Martin empfehlen für 6,4µ Pixel eine Brennweite von 660mm um das Nyquist-Shannon Theorem unter 2" Seeing zu erfüllen.
In dem Dokument steht auch Blödsinn, zB dass der Spiegel beschlagen kann wenn das Instrument aus der warmen Wohnung ins Kalte gebracht wird. Umgekehrt wäre korrekt, naja kann passieren.
Wir sind alle glücklich, wenn besser korrigierte Teleskope auf den Markt kommen! Die optische und verarbeitungstechnische Realität scheint jedoch nicht ganz kongruent mit den Informationen dieser sehr gut formulierten Werbeschrift zu sein.
lg Tommy