Hallo Gerd,
nein, keine Sorge, kein Heizöl. Aber ich würde zu gerne mal dabei geben, dass die Vokabel "Refraktor" für die hier angeführten Vergleiche immer nur auf solche Refraktoren anzuwenden ist, die nur noch sehr wenig Farbfehler aufweisen. Einen FH 90/1000 sehe ich da schon sehr grenzwertig und lieber ist mir ein FH 80/1200 als Untergrenze bezüglich des Farbfehlers.
Der 80/1200 verfehlt ganz knapp den Conrady-Standard. Diese Tabelle hier zeigt sehr gut, welche Masse an FHs und Achromaten aus diesem Kriterium herausfallen:
http://neilenglish.net/wp-content/uploads/CA-index1.jpg
Somit sollten wir also schon über Refraktoren mit entsprechender Auslegung sprechen.
Und auch beim Newton möchte ich in Erinnerung rufen, dass der wir über Optiken mit korrekten Spiegeln sprechen. Hier habe ich leider keine so schöne Tabelle, gemeint ist aber, dass bei einem 130/650 ein Kugelspiegel keine gute Abbildung liefern kann, weil diese Kombination aus Öffnung und Öffnungsverhältnis eine Parabolform des Spiegels erzwingt. Dies ist ja beim 114/900 schon wieder anders, weil bei diesem die Unterschiede zwischen Kugelform und Parabelform innerhalb der Toleranzen liegen.
Um es ausdrücklich zu sagen: Ich bekomme zum Teil wiedergegeben, dass Händler "aus der Not" auf die Gretchenfrage "Parabolspiegel" antworten mit "anparabolisiert". Das ist eigentlich nur sowas wie ein Eingeständnis, das Problem zu kennen. Auch solche Geräte müssen ein rotes X für diese Vergleiche bekommen.
Daran wollte ich nur erinnern, bevor nun jemand vom hervorragenden Kontrastdurchmesser seines 80/400 Achromaten spricht.
Persönlich habe ich in all den Jahren einiges an Vergleichen bei kleineren Öffnungen hinter mir. Daher möchte ich beisteuern, dass ich bei der Planetenbeobachtung wirklich dringend empfehlen muss, ein Gerät mit wenigstens Sidgwick Level aus der obigen Tabelle herzunehmen. Dass übrigens jeder ED dieses Level erreicht, ist Wunschdenken. Manche Geräte erreichen das einfach nicht, zum Beispiel jene schnellen EDs mit f/6 wo man davon ausgehen muss, dass ein großer Restfarbfehler auftritt, weil die Hersteller (Gruß an China) einfach mal mit Katalog-Glasdaten und nicht mit Daten der konkreten Schmelze gerechnet und gefertigt haben. Die von Antares erwähnte Sache mit der ausgesuchten Optik kommt da übrigens noch oben drauf, nachdem man erst ein Gerät mit gut ausgelegter Bauart gefunden hat.
Ich kann im gefragten Öffnungsbereich auf intensive Beobachtungen mit 80/1200 FH, 90/1000 FH, 100/600 FH, 100/500 FH, 100/1000 FH und 120/1000 Achromat, auf 110/655 China ED, 114/650 Japan ED, 105/800 Triplet ED, 114/900 Newton, 114/1000 CAT Newton, 114/500 Newton (den korrekten, parabolisierten), 76/750 Newton, 127/1900 Mak, 127/1500 Mak, 90/1250 Mak und 100/1000 Mak zurückgreifen. Unter diesen sind einige, die ich in mehreren Exemplaren und auch von unterschiedlichen Herstellern kenne. Viele andere Geräte habe ich darüber hinaus in einem Umfang kennengelernt, dass ich mir kein abschließendes Urteil erlauben würde.
Meine Erfahrung aus all diesen Beobachtungen ist, dass der Farbfehler bei der Beobachtung von Mars, Jupiter und Saturn stets der problematischste Bildfehler war. Schnelle Teleskope sind darüber hinaus extrem von einer klugen Okularwahl abhängig. Ich weiß ziemlich genau, dass sehr viele Geräte mit f/4 bis f/6 von ihren Besitzern weit ab vom möglichen Leistungspotenzial betrieben werden, ganz einfach deshalb, weil adäquate Okulare oder entsprechende Kombinationen aus Okular und Barlow fehlen. Stattdessen immer wieder der Wunderglaube in das selektierte Einzelexemplar einer China-Barlow...
Erst nach diesen Einflüssen komme ich auf Obstruktion zu sprechen. Deren Einfluss ist störend und das Bild wird wirklich weichgezeichnet. Aber die Forderung nach einem geringen Farbfehler des Teleskops muss ich weit oberhalb ansiedeln.
Es ist für einige Forenteilnehmer mit viel Erfahrung einfach Standard, ein passendes Okular zu verwenden und zur Planetenbeobachtung ein Teleskop mit geringem Farbfehler zu verwenden. Daher ist es logisch, dass mit solchen Standards die Obstruktion als der erste, größte Bildfehler in Erscheinung tritt. (Justage und Streulichtabschirmung oder Temperaturanpassung sind für diese Beobachterklasse ebenso Standard.) Weniger Standard scheint mir hingegen der korrekte Einsatz eines Graufilters wo nötig. Schon interessant, dass es scheinbar keinen Markt gibt für Graufilter mit weniger Wirkung als 2x (ND 0,3).
Dadurch aber kommt beim Einsteiger ein stark verzerrtes Bild an. Zum Beispiel, dass bei größerer Öffnung und gleichem Kontrastdurchmesser natürlich die größere Öffnung immer noch mehr Potenzial bietet, eben bei solchen Details, die durch starke Kontraste schon prominent sind. Das wird dann bei der Mondbeobachtugn am Terminator und an Saturns Ringen zum Kriterium, aber natürlich auch bei Mondschatten-Durchgängen auf Jupiter.
Das ist übrigens keine Horrorvision, sondern mich erreichen viele Nachrichten, aus denen ersichtlich wird, dass der Einsteiger zu völlig falschen Gewichtungen kommt, weil seitens der alten Hasen viele "Selbstverständlichkeiten" einfach nicht erwähnt werden.
Und nun mal zu meiner persönlichen, visuellen Einschätzung eines guten 130/650 Newtons mit korrektem Parabolspiegel: Bei korrekter Handhabung wird es sich mit guten Apos von 100mm bis 110mm Öffnung messen können. Mal mit geringfügig mehr Detail bei hohem Kontrast und mal mit geringfügig weniger Kontrast bei feinen Pastelltönen. Perfekte 80mm Öffnung sind aber eindeutig eine Kategorie drunter.
Und jetzt noch das Damokles-Schwert: Von der Stange können solche 130/650er in fast beliebigem Zustand fallen. Vom "anparabolisiertem" Spiegel bis hin zum perfekt grauenhaft astigmatisch gequetschtem Parabolspiegel. Naja, und das gilt ja entsprechend auch für eine ganze Menge Refraktoren.
Clear Skies
Sven