Hallo Ludwig,
wenn Dir neben der lästigen Justage vielleicht auch andere Eigenschaften des Newtons nicht so gefallen (z.B. Spikes an hellen Sternen, oder unbequemer und die Orientierung erschwerender Einblick seitlich vorn, der bei Deiner parallaktischen Montierung auch noch ständig in den Rohrschellen gedreht werden muß, lästiges Auskühlen, höhere Windlast wegen des größeren Tubusquerschnitts, usw, usw.) kann ich verstehen, dass Du mit einem Refraktor liebäugelst.
Auch ich selbst ziehe im Öffnungsbereich bis 150mm aus genau diesen Gründen Linsenteleskope für die visuelle Anwendung vor, und der für gute Augen sichtbar bessere Kontrast bei niedrigen bis mittleren Vergrößerungen ist ein weiterer Pluspunkt. Andere stören sich dagegen so sehr am bei Hochvergößerung auffälligen Farbfehler eines Achromaten, dass sie lieber die genannten Nachteile des Newtons in Kauf nehmen. (und erklären, dass wären gar keine Nachteile...

) Das muß jeder selbst abwägen.
Nich persönlich stört visuell auch ein stärkerer Farbfehler so wenig, dass ich sogar mit meinem kurzen 120/600 gern die Planeten anschaue, am liebsten mit Binokularansatz. (Das ist sicher nicht jedermanns Geschmack, aber man darf auch nicht vergessen, dass am Saturn oder Mars der Farbfehler noch keine wesentlich Rolle spielt, und er eigentlich nur an den drei kritischsten Objektien Mond, Jupiter und hellen Sternen für unschöne Verfärbungen sorgt).
Ein längerer Achromat, wie Du ihn nun vorschlägst, ist diesbezüglich natürlich noch deutlich besser korrigert, wobei er aber leider aufgrund des zusätzlichen Hebels nicht nur die Montierung stärker belastet, und auch einen höheren und damit instabileren Stativauszug nötig macht, sondern auch die erreichbaren Sehfelder bei geringen Vergrößerungen etwas einschränkt sind. Ich würde daher zunächst überlegen, ob ein 120/1000 für Deine GP-DX nicht ein besserer Kompromiss wäre, als ein 127/1200, und mir die Abmessungen mal mit dem Meterstab vor Augen führen... Etwas Lesefutter zu einem 120/1000er Skywatcher gibt es hier:
Test des Skywatcher 120/1000 von W. Howurek Auf dieser Seite,
Vergleichende Tests verschiedener Teleskope werden auch andere Geräte vorgestellt, und der Autor hat Erfahrung und weiß, wovon er schreibt.
Wenn auch Dich der Farbfehler eines Achromaten weniger stören sollte, würde ich mich an Deiner Stelle nicht mehr länger mit dem Newton abquälen und zu einem Wechsel raten. (Ich denke ohnehin, dass hier im Forum die Einsteigerberatung tendenziell viel zu stark in Richtung möglichst großer Newton geht, und in Wahrheit so mancher damit ohne es zu ahnen unglücklicher ist, als es nötig wäre). Wenn Du Dir da aber unsicher bist, würde ich mir so einen längeren Achromaten, wie Du ihn vorschlägst, möglichst mal in natura und unter dem Nachthimmel ansehen, damit Du weißt, was Dich erwartet, und nicht enttäsucht bist, und vom Regen in die Traufe kommst.
Last but not least: Saturn sollte mit jedem halbwegs brauchbaren Teleskop, und wenn es nur 60mm Öffnung hat, eine der leichtesten Übungen sein. Wenn das mit Deinem 150/750er Newton noch nicht geklappt hat, dann vermute ich, dass Du mit Justage nicht nur die Spiegelkollimation meinst, sondern auch die Ausrichtung aufs Beobachtungsobjekt, die Dir bisher nicht gelungen ist. Vielleicht ist Dein Sucher ebenfalls dejustiert, so dass Du damit immer vorbeizielst? Mit einem Newton muß man sich leider an das "Um-die-Ecke-Gucken" gewöhnen, und wenn man den Planeten finden und im Bildfeld halten will macht das nötige kontra-intuitive Verstellen die Sache auch nicht einfacher. (Bei richtigen Teleskope ist das dagegen alles viel einfacher, da kann man nämlich von hinten reingucken ;-)
Gruß,
Mathias