Gelöschte Mitglieder 487
Hallo Leute,
ich möchte mich im folgenden einmal an einer etwas anderen Art des Beobachtungsberichtes versuchen und euch die Atmosphäre meiner gestrigen Nacht zu vermitteln – ich war praktisch ohne Ausrüstung unterwegs, lediglich ein halbes 10*50 FG hat mich begleitet. Dennoch war die Nacht durchaus lohnenswert…
In Bernburg wohnend bin ich von Lichtglocken größerer Städte in nahezu allen Himmelsrichtungen eingemauert – ein deprimierender Zustand. Vor einiger Zeit machte ich mich auf die Suche nach einem guten Beobachtungsplatz, den ich als Noch-nicht-Besitzer des FS gut erreichen kann – per Bahn+Rad. Resultat des Suchens: ein Feld bei Wutzow - an der Grenze von Sachsen-Anhalt zu Brandenburg, wo der Hund praktisch begraben liegt… Ein Blick aufs Satellitenbild zeigt, was ich meine:
http://www.bilder-space.de/show.php?file=j1CHSm0aKbWA4rh.GIF
Um 22 Uhr in den Zug gesetzt, gut 2 Liter Getränke, drei Doppeltoasts und Isomatte sowie halbes FG im Gepäck. Die Zugfahrt führte mich über Dessau nach Wiesenburg/Mark-Bahnhof, von wo aus ich geradelt bin, etwa 16 km bis zu meinem Platz. Ich hatte mir vorher die wichtigen Kreuzungen mit Straßennamen notiert und war guter Dinge.
Der Weg
Am Bahnhof kurz vor Mitternacht angekommen war ich im Dunkeln erst mal etwas desorientiert, schon hier musste ich rätseln, wo es langgeht…glücklicherweise war doch tatsächlich noch jemand menschliches um diese Zeit am Bahnhof, der mir gleich weiterhelfen konnte. Dann gings los: Keine 200 m geradelt blickte ich nach oben. Mir kam nur eins über die Lippen: „Ohhhmann!“ trotz des gut ausgebauten Radweges bin ich drei mal fast in den Seitengraben bzw. aufs Feld gerasselt, weil ich nach obenschielend ins Schlängeln geriet. Ich musste anhalten. Fahrradlampe aus und nach oben geblickt – in Ruhe. Ich war HIN und WEG. Die Milchstraße im Schwan leuchtete wie lange nicht gesehen. Jetzt hatte mich das Astrofieber komplett gepackt, mein Herz pochte in freudiger Erwartung gleich stärker … also sofort wieder rauf aufs Rad und weiter Richtung Beobachtungsplatz. Das eigentliche Wiesenburg (Bahnhof bildet eigenen Ort) liegt noch etwas weiter nördlich und wartet mit einer gemeinen Gabelung auf, die auf meiner Wegnotiz nicht auftaucht. Ich mußte nach Norden, die eine Gabelhälfte zeigte aber nach Nordwesten, die andere nach Nordosten. Keine Ausschilderung mit von mir notierten Ortschaften ersichtlich. Mist. Ich hatte so eine Situation schon einmal und hatte mir seit dem geschworen, eine Seite aus dem Autoatlas rausgerissen mitzunehmen. Habe ich natürlich nicht gemacht… Also erst mal die falsche Richtung eingeschlagen und auf blauen Dunst losgeradelt. Nach 2 km kam mir das alles sehr spanisch vor und ich wählte die andere Richtung, die sich nach etwa 3km als die richtige herausstellte. Ich atmete auf. Ein wichtiger Eckpunkt den ich erreichen musste war Görzke. Der Weg dorthin war sehr sehr dunkel…er führte etwa drei km durch finstersten Buchenwald (habe ich morgens gesehen). Ich fuhr genau in der Mitte der Straße, um die Gefahr von Zusammenstößen mit Tieren zu minimieren. Von der Seite kam nix…allerdings schrammte mitten im Dunkel auf einmal etwas auf meinem Kopf lang und ich hörte ein leicht flatterndes Geräusch in diesem Augenblick – ich vermute eine Fledermaus! die nachts die Straße wegen den Insekten entlangjagt…In Görzke angekommen war ich guter Dinge aufgrund meiner Notizen jetzt leicht weiterzukommen. Ich hielt die Augen nach den notierten Straßennamen offen und fand nichts… lediglich mein Orientierungssinn führte mich in die Richtige Richtung, aber die Notizen mit den Straßennamen waren völlig umsonst. Am Morgen danach stellte sich heraus, dass ich viel zu spät abgebogen bin, weil ich im Dunkeln das Straßenschild nicht gesehen habe, welches nicht an der Kreuzung, sondern 20 m in der Straße stand…Nochmal ging es kurz durch dunklen Wald, dieses mal war das tierische Hindernis ein toter Fuchs auf der Fahrbahn…
Angekommen
Endlich sah ich etwas helles durch die Bäume – ich war fast da, da kam auch schon der Feldweg, den ich mir ausgeguckt habe, und rein da…es tat sich mehr und mehr mit jeder Pedalumdrehung ein grandioses Panorama auf, der Horizont wurde immer weiter und weiter bis ich endgültig angekommen mitten auf dem Feldweg stand – in alle Richtungen kein Hindernis im Blick, besonders nach Süden sah ich eine einzige langgestreckte Kante, nur unterbrochen von einer näherstehenden Baumgruppe. Letztere war sehr praktisch: das 30 km entfernte Dessau leuchtete noch ziemlich stark in einer 5 Grad großen kondensierten Kugel, die durch die Baumgruppe prima abgedeckt werden konnte. Es war aufgrund der Schwierigkeiten den Weg zu finden schon 1.15 Uhr, aber 2 Stunden auf der Isomatte unter dunklem Himmel lagen noch vor mir!
Die Atmosphäre war phantastisch. Eine duftende warme Briese mit dezentem Heu-Aroma wehte um meinen Kopf. Grillen zirpten. Ich lief ein paar Schritte auf dem weichen von Heuresten gepolsterten Feldweg Richtung Süden, um mich von der Radelei zu erholen und mir einen Überblick zu verschaffen. Allein auf weiter einsamer Flur, nur der Himmel und ich. Wow. Die ersten Sternschnuppen begrüßten mich, ich ließ den Blick genussvoll streifen. Die Milchstraße zog sich klassisch über den gesamten Himmel, fein unterteilt und völlig unverdeckt von Bäumen o.ä. . Der Andromedanebel stach mir ins Auge. Hatte ich den schon mal so gesehen? Theoretisch ja, ich konnte mich aber nicht mehr erinnern. Der Blick am Horizont entlang zeugte davon, dass ich noch nicht in der Wüste war, auch wenn es in der näheren Umgebung einen Ort „Wüstenjerichow“ gab: fast der gesamte Horizont zeigte durchweg mindestens minimale Aufhellungen (1 Grad hoch), die von örtlich stärkeren Lichtglocken unterbrochen wurden – Mein Standort lag genau so, dass die Lichtglocken von Magdeburg und Berlin gleichgroß waren, aber so klein, dass ich nicht mehr sagen konnte, ob die Glocken nicht doch von anderen davor liegenden Ortschaften stammten…An einem Standort wie diesem, wo es so dunkel ist, kann man die erschreckende Auswirkung einer einzelnen Stadt erkennen – mit indirektem Sehen kann man die Lichtglocke vom 30 km entfernten Dessau noch bis zu etwa 40 Grad hoch verfolgen, obwohl diese eigentlich klein ist und nicht wirklich stört auf den ersten Blick.
Rumms!
Der 1km entfernte Truppenübungsplatz machte sich bemerkbar. Weit entfernt waren Kettenfahrzeuge zu hören.
Ich widmete mich wieder dem Sternenhimmel. Ein Blick zu M 13 – indirekt sehr leicht, fast direkt zu sehen. Der nächste Blick ging zu M33, ohne die Position 100%ig zu wissen. Ich hielt einen dezenten schwierig zu haltenden Flecken für das Ziel, das FG brachte die Positivmeldung: auch dieses Objekt freisichtig machbar, obwohl noch nicht allzu hochstehend (35 Grad vielleicht).
Ich breitete endlich meine Isomatte aus und legte mich mitten unters Sternenzelt. Den soeben übergestreiften Pullover zog ich schnell wieder aus. Es war herrlich mild. Der Cirrusnebel war supereinfach im FGF, selbst einäugig, allerdings nur der hellere Teil. Die Zeit verrann und es war gegen 2.30 Uhr an der Zeit, den aktuellen Kometen Boattini per Fernglas aufzusuchen: Ich fand ihn sehr schnell, allerdings ziemlich schwach, zumal einäugig…Er befand sich in direkter Nachbarschaft zu einem kleinen Asterismus, vielleicht auch Haufen, ein Teleskop hätte hier mit Sicherheit einen wunderschönen Anblick geboten.
In Anbetracht der Atmosphäre war ich aber überhaupt nicht traurig, ohne Teleskop dazustehen. Die lange Astrodurststrecke ließ diese Nacht selbst mit bloßem Auge ein Erlebnis werden – ein Natur- und Freiheitserlebnis, wie es das Hantieren mit diversem Gepäck und Equipment ohnehin einfach nicht zulassen würde.
Die Dämmerung nahte pünktlich. Ich streifte nochmals ein wenig umher, um die Atmosphäre zu genießen. Gegen halb 4 wurden ein paar Waldkäuze aktiv und ihre Rufe hallten über die weite Landschaft.
Ein orangefarbener Streif am Horizont zeugte von der bald aufgehenden Sonne. Ein feuriger Punkt glimmte auf und wurde schnell größer. Ich blickte auf die Uhr. Ziemlich genau 3 Minuten nach dem ersten Auftauchen der Sonne war selbige in voller Pracht und Größe über den Horizont getreten. Der feurig rote Ball fesselte mich. Ich war zuvor den kleinen Hügel des abgeernteten Feldes hinaufgestiegen und fühlte mich fast wie im Gebirge. Auf dem Satellitenbild nicht zu erkennen, aber vor Ort bot sich eine wunderschöne differenzierte hügelige Landschaft, eine einzelne riesige Robinie lockerte die ansonsten freie Sicht nach Westen attraktiv auf – Ein Traumplatz für einen Dobson dachte ich bei mir. Leider nicht mit Fahrrad so weit zu transportieren…Ich konnte mich nur schwer lösen, aber der Blick zur Uhr – 6 Uhr, erforderte die Beendigung meines Ausfluges. Mein Rückweg durch die Waldpassagen hatte Kurcharakter: die mittlerweile abgekühlte Luft roch herrlich frisch, eine kurze Strecke durch Nadelwald ließ mich unwillkürlich tief einatmen und die Lungen mit den ätherischen Düften vollsaugen. Jawoll, ich war in Brandenburg, meiner eigentlichen Heimat, es roch nach Heimat. In Bernburg meinem Studienort gibt’s kaum Wald und folglich keine frische Luft. So genoss ich schließlich am Bahnsteig noch die gute Luft, bevor der Zug kam, und mich wieder in den Alltag zurückholte…
In der Hoffnung, dass euch mein Bericht ein wenig träumen(nicht einschlafen :/) ließ...
beseelt grüßend,
Norman
ich möchte mich im folgenden einmal an einer etwas anderen Art des Beobachtungsberichtes versuchen und euch die Atmosphäre meiner gestrigen Nacht zu vermitteln – ich war praktisch ohne Ausrüstung unterwegs, lediglich ein halbes 10*50 FG hat mich begleitet. Dennoch war die Nacht durchaus lohnenswert…
In Bernburg wohnend bin ich von Lichtglocken größerer Städte in nahezu allen Himmelsrichtungen eingemauert – ein deprimierender Zustand. Vor einiger Zeit machte ich mich auf die Suche nach einem guten Beobachtungsplatz, den ich als Noch-nicht-Besitzer des FS gut erreichen kann – per Bahn+Rad. Resultat des Suchens: ein Feld bei Wutzow - an der Grenze von Sachsen-Anhalt zu Brandenburg, wo der Hund praktisch begraben liegt… Ein Blick aufs Satellitenbild zeigt, was ich meine:
http://www.bilder-space.de/show.php?file=j1CHSm0aKbWA4rh.GIF
Um 22 Uhr in den Zug gesetzt, gut 2 Liter Getränke, drei Doppeltoasts und Isomatte sowie halbes FG im Gepäck. Die Zugfahrt führte mich über Dessau nach Wiesenburg/Mark-Bahnhof, von wo aus ich geradelt bin, etwa 16 km bis zu meinem Platz. Ich hatte mir vorher die wichtigen Kreuzungen mit Straßennamen notiert und war guter Dinge.
Der Weg
Am Bahnhof kurz vor Mitternacht angekommen war ich im Dunkeln erst mal etwas desorientiert, schon hier musste ich rätseln, wo es langgeht…glücklicherweise war doch tatsächlich noch jemand menschliches um diese Zeit am Bahnhof, der mir gleich weiterhelfen konnte. Dann gings los: Keine 200 m geradelt blickte ich nach oben. Mir kam nur eins über die Lippen: „Ohhhmann!“ trotz des gut ausgebauten Radweges bin ich drei mal fast in den Seitengraben bzw. aufs Feld gerasselt, weil ich nach obenschielend ins Schlängeln geriet. Ich musste anhalten. Fahrradlampe aus und nach oben geblickt – in Ruhe. Ich war HIN und WEG. Die Milchstraße im Schwan leuchtete wie lange nicht gesehen. Jetzt hatte mich das Astrofieber komplett gepackt, mein Herz pochte in freudiger Erwartung gleich stärker … also sofort wieder rauf aufs Rad und weiter Richtung Beobachtungsplatz. Das eigentliche Wiesenburg (Bahnhof bildet eigenen Ort) liegt noch etwas weiter nördlich und wartet mit einer gemeinen Gabelung auf, die auf meiner Wegnotiz nicht auftaucht. Ich mußte nach Norden, die eine Gabelhälfte zeigte aber nach Nordwesten, die andere nach Nordosten. Keine Ausschilderung mit von mir notierten Ortschaften ersichtlich. Mist. Ich hatte so eine Situation schon einmal und hatte mir seit dem geschworen, eine Seite aus dem Autoatlas rausgerissen mitzunehmen. Habe ich natürlich nicht gemacht… Also erst mal die falsche Richtung eingeschlagen und auf blauen Dunst losgeradelt. Nach 2 km kam mir das alles sehr spanisch vor und ich wählte die andere Richtung, die sich nach etwa 3km als die richtige herausstellte. Ich atmete auf. Ein wichtiger Eckpunkt den ich erreichen musste war Görzke. Der Weg dorthin war sehr sehr dunkel…er führte etwa drei km durch finstersten Buchenwald (habe ich morgens gesehen). Ich fuhr genau in der Mitte der Straße, um die Gefahr von Zusammenstößen mit Tieren zu minimieren. Von der Seite kam nix…allerdings schrammte mitten im Dunkel auf einmal etwas auf meinem Kopf lang und ich hörte ein leicht flatterndes Geräusch in diesem Augenblick – ich vermute eine Fledermaus! die nachts die Straße wegen den Insekten entlangjagt…In Görzke angekommen war ich guter Dinge aufgrund meiner Notizen jetzt leicht weiterzukommen. Ich hielt die Augen nach den notierten Straßennamen offen und fand nichts… lediglich mein Orientierungssinn führte mich in die Richtige Richtung, aber die Notizen mit den Straßennamen waren völlig umsonst. Am Morgen danach stellte sich heraus, dass ich viel zu spät abgebogen bin, weil ich im Dunkeln das Straßenschild nicht gesehen habe, welches nicht an der Kreuzung, sondern 20 m in der Straße stand…Nochmal ging es kurz durch dunklen Wald, dieses mal war das tierische Hindernis ein toter Fuchs auf der Fahrbahn…
Angekommen
Endlich sah ich etwas helles durch die Bäume – ich war fast da, da kam auch schon der Feldweg, den ich mir ausgeguckt habe, und rein da…es tat sich mehr und mehr mit jeder Pedalumdrehung ein grandioses Panorama auf, der Horizont wurde immer weiter und weiter bis ich endgültig angekommen mitten auf dem Feldweg stand – in alle Richtungen kein Hindernis im Blick, besonders nach Süden sah ich eine einzige langgestreckte Kante, nur unterbrochen von einer näherstehenden Baumgruppe. Letztere war sehr praktisch: das 30 km entfernte Dessau leuchtete noch ziemlich stark in einer 5 Grad großen kondensierten Kugel, die durch die Baumgruppe prima abgedeckt werden konnte. Es war aufgrund der Schwierigkeiten den Weg zu finden schon 1.15 Uhr, aber 2 Stunden auf der Isomatte unter dunklem Himmel lagen noch vor mir!
Die Atmosphäre war phantastisch. Eine duftende warme Briese mit dezentem Heu-Aroma wehte um meinen Kopf. Grillen zirpten. Ich lief ein paar Schritte auf dem weichen von Heuresten gepolsterten Feldweg Richtung Süden, um mich von der Radelei zu erholen und mir einen Überblick zu verschaffen. Allein auf weiter einsamer Flur, nur der Himmel und ich. Wow. Die ersten Sternschnuppen begrüßten mich, ich ließ den Blick genussvoll streifen. Die Milchstraße zog sich klassisch über den gesamten Himmel, fein unterteilt und völlig unverdeckt von Bäumen o.ä. . Der Andromedanebel stach mir ins Auge. Hatte ich den schon mal so gesehen? Theoretisch ja, ich konnte mich aber nicht mehr erinnern. Der Blick am Horizont entlang zeugte davon, dass ich noch nicht in der Wüste war, auch wenn es in der näheren Umgebung einen Ort „Wüstenjerichow“ gab: fast der gesamte Horizont zeigte durchweg mindestens minimale Aufhellungen (1 Grad hoch), die von örtlich stärkeren Lichtglocken unterbrochen wurden – Mein Standort lag genau so, dass die Lichtglocken von Magdeburg und Berlin gleichgroß waren, aber so klein, dass ich nicht mehr sagen konnte, ob die Glocken nicht doch von anderen davor liegenden Ortschaften stammten…An einem Standort wie diesem, wo es so dunkel ist, kann man die erschreckende Auswirkung einer einzelnen Stadt erkennen – mit indirektem Sehen kann man die Lichtglocke vom 30 km entfernten Dessau noch bis zu etwa 40 Grad hoch verfolgen, obwohl diese eigentlich klein ist und nicht wirklich stört auf den ersten Blick.
Rumms!
Der 1km entfernte Truppenübungsplatz machte sich bemerkbar. Weit entfernt waren Kettenfahrzeuge zu hören.
Ich widmete mich wieder dem Sternenhimmel. Ein Blick zu M 13 – indirekt sehr leicht, fast direkt zu sehen. Der nächste Blick ging zu M33, ohne die Position 100%ig zu wissen. Ich hielt einen dezenten schwierig zu haltenden Flecken für das Ziel, das FG brachte die Positivmeldung: auch dieses Objekt freisichtig machbar, obwohl noch nicht allzu hochstehend (35 Grad vielleicht).
Ich breitete endlich meine Isomatte aus und legte mich mitten unters Sternenzelt. Den soeben übergestreiften Pullover zog ich schnell wieder aus. Es war herrlich mild. Der Cirrusnebel war supereinfach im FGF, selbst einäugig, allerdings nur der hellere Teil. Die Zeit verrann und es war gegen 2.30 Uhr an der Zeit, den aktuellen Kometen Boattini per Fernglas aufzusuchen: Ich fand ihn sehr schnell, allerdings ziemlich schwach, zumal einäugig…Er befand sich in direkter Nachbarschaft zu einem kleinen Asterismus, vielleicht auch Haufen, ein Teleskop hätte hier mit Sicherheit einen wunderschönen Anblick geboten.
In Anbetracht der Atmosphäre war ich aber überhaupt nicht traurig, ohne Teleskop dazustehen. Die lange Astrodurststrecke ließ diese Nacht selbst mit bloßem Auge ein Erlebnis werden – ein Natur- und Freiheitserlebnis, wie es das Hantieren mit diversem Gepäck und Equipment ohnehin einfach nicht zulassen würde.
Die Dämmerung nahte pünktlich. Ich streifte nochmals ein wenig umher, um die Atmosphäre zu genießen. Gegen halb 4 wurden ein paar Waldkäuze aktiv und ihre Rufe hallten über die weite Landschaft.
Ein orangefarbener Streif am Horizont zeugte von der bald aufgehenden Sonne. Ein feuriger Punkt glimmte auf und wurde schnell größer. Ich blickte auf die Uhr. Ziemlich genau 3 Minuten nach dem ersten Auftauchen der Sonne war selbige in voller Pracht und Größe über den Horizont getreten. Der feurig rote Ball fesselte mich. Ich war zuvor den kleinen Hügel des abgeernteten Feldes hinaufgestiegen und fühlte mich fast wie im Gebirge. Auf dem Satellitenbild nicht zu erkennen, aber vor Ort bot sich eine wunderschöne differenzierte hügelige Landschaft, eine einzelne riesige Robinie lockerte die ansonsten freie Sicht nach Westen attraktiv auf – Ein Traumplatz für einen Dobson dachte ich bei mir. Leider nicht mit Fahrrad so weit zu transportieren…Ich konnte mich nur schwer lösen, aber der Blick zur Uhr – 6 Uhr, erforderte die Beendigung meines Ausfluges. Mein Rückweg durch die Waldpassagen hatte Kurcharakter: die mittlerweile abgekühlte Luft roch herrlich frisch, eine kurze Strecke durch Nadelwald ließ mich unwillkürlich tief einatmen und die Lungen mit den ätherischen Düften vollsaugen. Jawoll, ich war in Brandenburg, meiner eigentlichen Heimat, es roch nach Heimat. In Bernburg meinem Studienort gibt’s kaum Wald und folglich keine frische Luft. So genoss ich schließlich am Bahnsteig noch die gute Luft, bevor der Zug kam, und mich wieder in den Alltag zurückholte…
In der Hoffnung, dass euch mein Bericht ein wenig träumen(nicht einschlafen :/) ließ...
beseelt grüßend,
Norman
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