Seeing beurteilen

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emmuttersbach

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Hallo Leute,

ich habe mich mit dem Thema noch nie wirklich beschäftigt. Mich würde aber generell interessieren, wie das Seeing beurteilt wird (da gibt es öfter Angaben in Zahlen usw).

Mein konkretes Problem aber ist folgendes:
Ich versuche vom Balkon aus Jupiter zu beobachten, auch mit WebCam. Neben dem üblichen Hin und Her des Objektes auf dem Bildschirm oder im Okular, sehe ich auch regelrechte Verformungen (Ausbuchtungen usw) des Planetenscheibchens.

Meine Frage ist, ob man an der Abbildung und dem Verhalten des Abbildes auf die etwaige Entfernung der Störung schließen kann - also "Nah" (nähere Umgebung bis vielleicht 100 m oder "nicht wetterbedingt") oder "Fern" (wetterbedingt).
Ich vermute nämlich, dass mir eine Thermik ganz in der Nähe das Bild zerstört. Bestes Beispiel war am Samstag, 25.10.2008, bei fast völliger Windstille und sehr klarem Himmel und eigentlich ruhiger Luft (Sterne flackerten mit bloßem Auge nicht). Trotzdem machte Jupiter oft eine Figur wie ein malträtierter Ball aus Schaumgummi.
Dass ein Balkon zum Beobachten nicht ideal ist - da in Hausnähe - ist mir schon bewusst. Aber so krass?

Gruß
Matthias
 
Hallo Ulf,

die von Dir genannten Seiten sind gut um die Grundlagen zur Entstehung und Einschätzung kennen zu lernen und zu verstehen. Und in erster Linie geht es dabei wohl um das "globale" (Wetterbedingte) Seeing. Matthias geht es aber wohl mehr um das "lokale" Seeing im Nahbereich des Boeobachtungsplatzes.
Denn da stelle ich mir auch die Frage, wie weit z.B. eine (tagsüber durch die Sonne erwärmte) Straße vom Beobachtungsort entfernt sein darf, um die Luftunruhe nicht negativ zu beeinflussen, und bis in welche Höhe sich ein derartiger "Warmluftvorhang" auswirkt.

Viele Grüße

Werner
 
Hallo Ulf,

vielen Dank für die Links. Ist schon interessant sich damit mal zu befassen, denn die Feststellungen "schlechtes" oder "mäßiges Seeing" sind doch eher vage. Ich werde mich da noch mal reinlesen.

Andererseits geht es mir aber auch um das Problem des lokalen Seeings und ob es möglich ist, eine lokale Störung von einer "globalen" unterscheiden zu können.

Meine Ausrüstung steht fest auf dem Balkon. Ich kann also leider nicht schnell mal den Standort wechseln um zu testen, ob die Störungen in der Nähe zu suchen sind und ein Standortwechsel wirklich Sinn macht.

Deswegen die Frage, in wie weit man diese Störungen an Hand der Abbildungsqualität "lokalisieren" kann.
Wenn ich zB die Hand vor die Öffnung halte sehe ich deutliche Unterschiede zum normalen Seeing. Der wabernde Mondkrater auf der WIKI-Seite kommt meinen Beobachtungen hier schon nahe - die scheinbare Verformung ist bei mir hier vor Ort aber sehr viel kräftiger ausgeprägt, als ob halt jemand ein Feuerzeug vor die Linse halten würde.

Lässt sich eine Aussage vielleicht auch über die Beurteilung des extra- oder intrafokalen Bildes machen?

Ist mal so eine Idee.

Viele Grüße
Matthias
 
Hallo Matthias,

wenn die Schlieren bei stark extrafokalem Fokus schärfer erscheinen, dann ist es mit Sicherheit ein lokales Seeing. Gerade bei Turbulenzen über Hausdächern und Schornsteinen kann man sehr schön beobachten, wie man selbige durch geeignetes Fokusieren in der Entfernung lokalisieren kann. Das geht aufgrund der extremen Brennweite eines Teleskops aber nur mit einem relativ großem Mindestabstand. Bei meinem 150/1200 Newton dürfet der schon bei ca. 30m liegen.

Viele Grüße
Stephan
 
Hallo Matthias,

ist aufjedenfall alles sehr interessant, aber was bringt es mir wenn ich unterscheiden kann ob es Globales oder Lokales Seeing ist. Mit starkem Seeing ist schlecht Beobachten, egal woher es kommt.
Auf einer Straße, Betonierten oder mit Platten belegten Terrasse oder zwischen Häusern ist aufjedenfall mehr Seeing als auf freien Feld.
Also weg von der Terrasse oder dem Balkon, raus aufs Feld.
 
Hi Ulf,

ich kenne die Regel "weg von den Häusern" sehr gut. Ich kann diese zZ aber nicht einhalten. Es ist schlicht weg nicht möglich, diese einzuhalten.

Stell Dir vor, Du bist auf dem Feld. Du siehst durch Dein ausgekühltes Teleskop auf Jupiter in Horizontnähe (ca 15° überm Horizont). Der wabert aber was das Zeug hält und Du siehst kaum Details.
Dann schwenkst Du Dein Teleskop auf ca 45° über dem Horizont (Atair) und der Stern dort steht ruhig und gelangweilt im Okular.
Du willst aber Jupiter beobachten. Also wieder runter. Es wabert noch immer.

Wie kann man nun beurteilen, ob die Störungen "lokal" (Baum, Hütte, Strasse, Feldweg, Waldstück oder so - also durch Standortwechsel vermeidbar) sind oder "global" (wegen der Nähe zum Horizont und dort allgemeiner Luftunruhe nicht vermeidbar). Das würde mir erleichtern zu entscheiden, den Beobachtungsplatz zu wechseln oder nicht.

Ich habe unter ähnlichen Bedingungen (Jupiter ca 17° überm Horizont, ca 12° über einem Wald) analog Bilder geschossen, von denen so einige WebCam-Astronomen noch heute träumen dürften.

Viele Grüße
Matthias

PS.: Hallo Stephan, vielen Dank für die Infos. Ich weiß, dass Seeing nicht so einfach zu beurteilen ist. Aber Deine Erfahrungen helfen mir schon mal weiter.
Für mich steht eben die Frage, ob ich alles komplett verlagern muss. Wenn besseres Wetter ist, werde ich mal mit extrafokalen Objekten experimentieren. Mir ist auch aufgefallen, dass "lokales" Seeing auch extrafokal sichtbar ist - "globales" Seeing dagegen kaum oder gar nicht. Deine Beobachtungen bestätigen mehr oder weniger meine Vermutungen.

Ich will einfach nur wissen, ob man Seeing lokalisieren kann.

Viele Grüße
Matthias
 
Hallo Matthias,

wie gesagt interessantes Thema.

Du sagst ja das Du momentan nur vom Balkon aus Beobachten kannst und da wird es Dir wenig helfen wenn Du erkennst das die Abbildung wegen Lokalen Seeing so schlecht ist. Den ein Standortwechsel deswegen ist bestimmt nicht mir ein paar Metern getan. Ich würde eher von ein paar 100 Metern ausgehen.

Da wo ich beobachte, mitten in den Weinbergen, ist der nächste Ort ca. 4km entfernt und Objekte in einer Höhe von 10 bis 15° machen da auch oft keinen großen Sinn. Manchmal gehen auch sehr tiefe Objekte sehr gut, auch Jupiter konnte ich knapp über den Bäumen schon recht gut beobachten, aber wenn es nicht geht hilft ein Standortwechsel eher nichts. Es seiden man fährt ein paar km.
 
nabend,

Ich schreib hier auch mal was, weil es mir auch interessieren würde.
Die Flucht vor dem Seeing. Bei mir ist das schon einunterschied von 50 m. Beochbachte ich vom Garagendach aus..Wabbert es in den Unteren Himmelsebenen wie [zensiert]. Gehe ich nur 50 Meter weit weg in den Garten, weg vom Haus. Ist es meist besser, so konnte ich die Erfahrung machen, klar das Seeing kann einem Jede Nacht einen Strich durch die Rechnung machen. Ich bin noch nicht so lange dabei um zu sagen: " Ok das Seeing...das schlechte Seeing ist jetzt am erwärmten Haus Schuld oder doch die Wetterbedinungen oder gar beides aufeinmal!". Es kommt für mich auf das Wetter an, meistens zumindest. Hab schon in einer Sommernacht einmal den Beobachtungsort gewechselt. Ersten um dem Seeing zu entgehen und um auch ein bisschen dunkleren Himmel zu bekommen. Gebracht hat mit die Halbstündige Fahrt in soweit nichts, denn dem Seeing konnte ich nicht entfliehen. Also Matthias muss man wirklich eine Abtrennung machen zwischen Lokalem und Allgemeinen, sagen wir mal Wetter-Seeing ;D
Es reicht ja schon das der Nachbar ne Klimaanlage hat, nen Schornstein oder sagen wir mal ein undichtes Dach. Dazu hab ich mir Tagsüber die gegebenheiten hier angesehen und meist hat, das ist wirklich schon Super!, die Zweite Nachthälfte geholfen.

cs
Daniel
 
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