Lohnen sich eigentlich Binokularansätze?

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NorbertB

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Hallo zusammen!

Mich würde einmal interessieren, was ihr - ganz allgemein - von Binokularansätzen bei der Deep Sky Beobachtung haltet. Wiegt der Vorteil des beidäugigen Sehens die Lichtverluste auf? Und bietet bei Deep Sky - Objekten das beidäugige Sehen überhaupt einen nennenswerten Vorteil, davon abgesehen dass es auf Dauer anstrengend ist, ein Auge zuzukneifen? Wie gut kommt ihr an großen Newtons damit zurecht?

Gruß,
Norbert
 
Hallo Norbert,

Zitat von NorbertB:
Wiegt der Vorteil des beidäugigen Sehens die Lichtverluste auf?


Ja, in der Praxis tatsächlich weitestgehend. Das Gehirn funktioniert (zum Glück) offenbar hier etwas anders als die Rechenschieber der Theoretiker.
Klare Einschränkung allerdings: Objekte, die schon "Mono" ganz hart an der Wahrnehmungsgrenze liegen. Die sind u.U. ganz einfach nicht mehr sichtbar.

Zitat von NorbertB:
Und bietet bei Deep Sky - Objekten das beidäugige Sehen überhaupt einen nennenswerten Vorteil, davon abgesehen dass es auf Dauer anstrengend ist, ein Auge zuzukneifen?

Dieser Punkt ist fast der wesentlichste Vorteil ggü. Mono-Betrachtung. Man kann lange sehr konzentriert beobachten. D.h. zB. auch, dass man sich ganz natürlich und unangestrengt insbesondere im Hochvergrößerungsbereich genügend Zeit und Ruhe für die guten Momente bei wechselhaftem Seeing geben kann.


Einen weiteren Punkt hast Du vergessen: Es macht einfach mehr Spaß! (Das allerdings ist natürlich sehr subjektiv)

Und noch ein weiterer Punkt: Nicht jeder kann überhaupt ohne Doppelbild-Probleme etc. binokular sehen. Am besten nach Möglichkeit vor einer solchen Anschaffung leihweise ausprobieren, wie dann überhaupt einer solcher Test Dir zeigen wird, ob der (geringe) Lichtverlust zu Deinen Beobachtungsvorlieben/Objekten passt.

Grüße,
Rainer
 
Hallo Rainer,

danke für Deine Antwort!

Klingt als müsste ich es mal ausprobieren! Von der Doppelbildproblematik hab ich auch schon viel gehört.
Ich persönlich habe schon durch einige Stereo-Mikroskope geschaut und keine Probleme in der Hinsicht gehabt.

Ich kann gut nachvollziehen, dass die entspanntere Beobachtung der Detailwahrnehmung sehr förderlich ist. Nach einiger Zeit mit zugekniffenem Auge fällt die Konzentration richtig schwer, so dass ich dazu übergegangen bin das eine Auge offenzulassen, und mit der Hand abzudecken. Funktioniert gut, ist aber bei Streulicht auch nicht unproblematisch.

Der Spaßfaktor ist es auch, der mich ins Grübeln gebracht hat ob es nicht mal auszuprobieren wäre... Beidäugig im All zu schweben stelle ich mir recht interessant vor. :D

(EDIT: Letzten Absatz eingefügt)

Gruß,
Norbert
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Norbert,

Zitat von NorbertB:
Nach einiger Zeit mit zugekniffenem Auge fällt die Konzentration richtig schwer, so dass ich dazu übergegangen bin das eine Auge offenzulassen, und mit der Hand abzudecken. Funktioniert gut, ist aber bei Streulicht auch nicht unproblematisch.

..kommt mir bekannt vor: Ich versuchte es dann mit einer Augenklappe aus der Apotheke. Das war aber auch nicht so die dolle Lösung: Zwickte immer ein bisschen, verrutschte gern und sah nebenbei ein klein wenig behämmert aus...;-)

Grüße,
Rainer
 
Zitat von cocacola:
Augenklappe...und sah nebenbei ein klein wenig behämmert aus...;-)


Das mit der Augenklappe (kostet in der Apotheke ca. 1,40 Euro) finde ich sehr angenehm wenn man die schwarze Seite nach innen dreht.


Es sieht einen Nachts doch eh keiner!


Angenehmer empfinde ich als Alternative noch ein Beobachtungstuch (zB. 100x100cm), so ist man restlos abgeschirmt vom störenden Lichtglimmen im Hintergrund und kann bei der Beobachtung beide Augen offen lassen.
 
Hi Norbert,

als langjähriger Mono-Beobachter mit Deepsky-Neigung bin ich wohl soweit trainiert, dass mir der Bino-Ansatz nur bei den hellen Paradeobjekten Spaß macht, und das heißt, für Deepsky bleibt der meist in der eigenen Okularkiste zu hause liegen...

Es dürfte somit wohl sehr von den Beobachtungsgewohnheiten und den Objektvorlieben abhängen, ob ein Bino sich als "lohnenswert" im Sinne des Besitzers erweist!

Was den Rechenschieber angeht, dem habe ich ja einen Artikel gewidmet: Der hat schon seine Berechtigung, deshalb verschwinden ja die schwachen Objekte oder die schwachen Details. Bei M76 die Schmetterlingsflügel zu sehen, dürfte mit Bino dann wirklich schwierig werden, vielleicht extrem gute Bedingungen erfordern.
http://www.svenwienstein.de/HTML/binoansatze_mit_haken_und_osen.html

Clear Skies
Sven
 
Hallo Rainer, Robert und Sven,

vielen Dank für eure Antworten!

Zunächstmal zu den "Hausmitteln" ;) :
Mit einem Tuch hab ichs auch mal probiert. Ist extrem angenehm, aber man muss sehr aufpassen dass die Okularlinse nicht beschlägt. Eine Stoffklappe vor dem Auge könnte gut funktionieren. Muss mal was basteln oder zur Apotheke gehen... .

Sven, danke für Deinen Bericht! Sehr ausführlich und gut geschrieben, und er beseitigt viele (meiner) Unklarheiten. (Speziell zur Problematik mit schnellen Optiken und zum Einsatz von Glaswegkorrektoren).

Dass schwache Details an Deep Sky Objekten schwieriger werden, bzw. nicht mehr machbar sind hatte ich befürchtet. Damit wird es für mich persönlich wahrscheinlich nicht unbedingt das Optimum für Deep Sky sein, da ich gerade schwache Details und Strukturen reizvoll finde.
Aber ausprobieren muss ich es dennoch mal, vielleicht überwiegt ja doch der "Wow-Effekt". ;)

Gruß,
Norbert
 
Hallo Norbert,

wie Du selber schreibst, „einfach mal ausprobieren“, ist in der Tat insbesondere in dieser Frage fast die einzigste Möglichkeit die Vor- und Nachteile für Dich persönlich gegeneinander abzuwägen.

Der Vollständigkeit halber aber noch dazu ergänzend ein grundsätzlicher Aspekt (der auch in Svens verlinkter Aufstellung trotz aller sonstigen Detailbemühtheit in diesem Punkt nicht erwähnt wird):
Faktisch werden bei der Bino-Beobachtung dann die beiden (ohne Zweifel natürlich schwächeren) Lichtsignale von der doppelten Netzhautfläche, sprich der doppelten Anzahl an Sehnervenzellen detektiert. Nun könnte man also durchaus erst einmal die Analogie eines „Foto-Chips“ mit doppelter Auflösung anwenden.

Was dann aber noch hinkt, bzw. nicht ausreicht. Denn hinzu kommt, dass unmittelbar dahinter – wie auch schon von Sven beschrieben – im Gehirn eine Art Summenbild-Prozess stattfindet, d.h. in einem gewissen Mass können Signalschwächen oder -fehler des einen Auges von dem Signal des anderen ausgeglichen/ergänzt werden.
Daher meine Anmerkung generell zum „Rechenschieber“. Es reicht insbesondere hier nicht aus, nur die Physik der optischen (Primär-) Gerätschaft zu betrachten. Die liefert eh kein Bild. Ein Bild entsteht immer erst im Gehirn.

Und das Ergebnis ist immer individuell.

Grüße,
Rainer

 
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