Beobachtungsbericht: Richfield auf La Palma

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KlausTietzel

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Hallo Leute,

etwas verspätet mein Beobachtungsbericht aus La Palma.

Zeit: 10-22.12.08, insgesamt 4 Abende.
Ort : Playa de Chaco Verde, nähe Puerto Naos (Meereshöhe auf der Ostseite).
Instrumente: Bresser 10x50, TS 80/480 Vollchromat ;)

Der Beobachtungsplatz liegt super erreichbar ca. 5 Autominuten von Puerto Naos entfernt.
Man kommt an eine runde Parkbucht direkt am Meer, keinerlei Beleuchtung und Zappenduster,
wenn nicht grade ein Pärchen im Auto den Sternenhimmel oder anderes geniest.

Geschätzte Grenzgröße: Deutlich über 6m, M31 war locker direkt als nebelige Region
auszumachen, M33 zu erahnen. Die Wintermilchstrasse nahezu über das gesamt
Firmament wie ein Band sichtbar, ueber aufgehellten Dunstglocken am
Horizont verlor sich das Band.

Also, der Himmel ist tatsächlich eine Wucht. Bereits vom Hotelbalkon aus habe ich M31
mit dem Fernglas ins Visier genommen. Als erstes dachte ich mir, naja, nicht besonders hell,
aber: das Glas hat knapp 4° Feld und die Galaxie passt grade so rein! Das war schon mal
der erste Knaller.

übrigens: La Palmas Gesetz gegen Lichtverschmutzung greift tatsächlich gut. Am Hotelbalkon
ist zwar eine Aussenlampe angebracht, die darf aber nur an Weihnachten und Sylvester
angeschalten werden. Wenn nicht grade ein Nachbar die Zimmerbeleuchtung bei offenem Fenster
anschaltet ist bereitss auf dem Balkon ein wunderbarer Sternhimmel sichtbar.

Jetzt also an den Refraktor.

M31 mit 32mm Superplössl
Nicht viel besser als im Fernglas, etwas heller und genauso eindrucksvoll, einfach
riesengroß, sehr schmal und langgestreckt. Spiralarme waren nicht zu erahnen, dafür
brauchts vermutlich mehr Öffnung.

M33 mit 32mm Superplössl
Einfach nur Grandios! Ich kannte M33 bisher nur vom 8" F6, dort meist als geheimnivolle
Aufhellung mit schwer auszumachender Struktur. Hier ganz anders: Hell vom Untergrund
abgegrenzt, ganz deutlich begrenzt, gannz deutliche nichtrunde asymmetrische Form- wenn man
so will bereits die ersten Ansätze von Spiralarmen. Ein toller Anblick.

M1 mit 32mm Superplössl
Mal sehen ob die Entscheidung richtig war, den Sucher zuhause zu lassen. Einfach mal
Richtung Xi-Tauri schwenken und kucken. Plopp - da. Wieder erstaunlich, einfach so da,
sehr einfach zu sehen. Deutliche etwas langestreckte Form, bei höherer Vergrößerung
im 15mm TSWA dieses typische subtile Flimmern im Nebel, was andeutet, dass hier Struktur
drin ist. Strukturen aber nicht auflösbar.
Die Abende waren auch hier von unterschiedlicher Qualität, so deutlich wie beschrieben
ist M1 mit der kleinen Öffnung nicht immer zu sehen gewesen.

M42
Na klar, Urlaub auf La Palma, also im leichten Jäckchen ( :) )in den Orion.
Was soll man schon schreiben. Dieser Nebel und die Formen sind irre wie immer.
Jetzt interessant: mit der kleinen Röhre läßt sich dieser Nebel leicht auf fast 80-fach
ziehen um mehr Detail zu sehen, genügend Licht da! Allerdings nicht genügend gutes Seeing.
Mehr als 100-fach wäre wohl nicht drin. Mit dem 6mm ist grade noch das Trapez im Flimmern
zu trennen.

NGC 2237, Rosettennebel
Jetzt den Dominostein NGC2244 aufgesucht und dann den Astronomik UHC ins Okular.
Cool! "nur" ein UCH, aber der Nebel ist gut sichtbar. Unregelmäßige Umrandung, deutliche
hellere Teile des Nebels im unteren Teil zu sehen. Sehr schönes Objekt, halt ein bisschen
klein bei 3 Zoll Öffnung. Dafür aber als Ganzes zu sehen: eine große helle Scheibe mit
subtilen Strukturen in der Sternenumgebung

NGC 2301, 2324
Offene Sternhaufen sind mit ideale Objekte für nen Richfielder. NGC 2301 schön als
aufgelöster Haufen mit viel Umfeld zu sehen. NGC 2324 auch gut auszumachen. Zum Auflösen
ist aber höhere Vergrößerung nötig - dann nur noch sehr wenig Licht im 80er.

NGC 2392, Eskimonebel
Wenn wir schon in den Zwillingen sind: auf zum Eskimoinebel. Kühner Plan, leider mit der
kleinen Röhre nicht so der Brüller. Bei höherer Vergrößerung zwar als kleine neblige
Scheibe zu erkennen, aber sehr klein, fast Sternähnlich, unspektakulär, keine Strukturen.

M35
Dieses Objekt dagegen wieder sehr schön. Schon im Fernglas locker zu sehen, im Refraktor
hübsch aufgelöst.

M36-38
Die offenen Sternaufen in Auriga. Leichte Beute und hübsch anzusehen.
Ich bin zwar kein Fan von Offenen Haufen, aber mit dem kleinen Teleskop sehr schöne
Objekte.

H+chi
Auch im Richfielder bei kleiner Öffnung: Grandioses Objekt. Bei Vergrößerungen, die die
Haufen vollständig auflösen fehlt zwar das Licht und das Objekt wird unspektakulär
weil dunkel, als richtiges Widefield im Sternenmeer aber eine tolle Struktur.

So, ich bin zwar im Winter hier, aber mal sehen was der "Südhimmel" Europas zuläßt,
was bei uns nicht so möglich ist.

NGC 1360 im Fornax
Das ist bei uns zuhause ja meist völlig im Dunst am Horizont. Hier ist
der Teil des Himmels noch gut dunkel, das Objekt steht noch relativ hoch.
Ohne Sucher jetzt doch etwas knifflig beim Aufsuchen, aber der Richfielder hat genügend
Feld zum Starhopping durchs Okular.
Boah, ein tolles Objekt! der Planetarische Nebel ist richtig groß und auch bei höheren
Vergrößerungen (also "hoch" für den 80/400: 60-80 ;) ) deutlich als Scheibe mit
verschiedenen Helligketisregionen zu sehen. Fast eindrucksvoller als bei uns der Ringnebel.

NGC 247 im unteren Teil des Cetus
Mit dem großen Feld leicht zu finden. Eindrucksvolle größere Ellipse, keine Strukturen
zu sehen.

NGC 253, die Galaxie im Bildhauer
Boah, ey - mit DAS Highlight! Groß, Lang, deutliche Assymetrie in der Aufhellung zu sehen,
erste Staubstrukturen indirekt erkennbar! Und das mit der kleinen Röhre, stark.

M79
Naja, immerhin als Wattebäuschlein auszumachen, wenig spektakulär, aber immehrin auch nicht
schlechter als bei uns mit deutlich mehr Öffnung.

Alles in allem: La Palma ist vom Himmel her wirklich eine Wucht. Selbst mit kleinem
Instrument kann man viele Objekte erreichen und tolle Beobachtungen machen.
Für den Roque hats leider nicht gereicht: das Wetter war einfach zu kalt, mit Blitzeis
und Nebel ist jederzeit zu rechnen. Mir war dieses Eisen alleine unterwegs in dieser
Jahreszeit zu heiss. Aber: I'll be back! Möglichst im Sommer.


CS

Klaus


 
Hi Klaus,

toller Bericht, da freue ich mich schon auf den August, da bin ich nämlich auf La Palma.

Geschätzte Grenzgröße: Deutlich über 6m, M31 war locker direkt als nebelige Region
auszumachen, M33 zu erahnen. Die Wintermilchstrasse nahezu über das gesamt Firmament wie ein Band sichtbar,

Also da tippe ich mal locker auf 6m7/6m8. Die Wintermilchstraße sowie M33 sind in D kaum noch sichtbar!

Gruß
Lots
 
Hallo Lothar,

danke für das Feedback.

Kannst Dich wirklich freuen, der Himmel da ist genial.
Im August wirds wohl keine Probleme mit der Zufahrt zum Roque geben. Kleiner Tipp: man kann beim Observatorium anrufen und sich für den Abend anmelden. Dann darf man in der Nähe der Observatorien bis Mitternacht glaube ich beobachten. Und dann ist das Seeingproblem wohl auch gegessen.

Viele Grüße

Klaus
 
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