Stefan1960
Aktives Mitglied
Moin zusammen,
eins der ersten Dinge, die mir hier im Forum aufgefallen sind, ist eine ziemlich verbreitete Händler-Phobie. Das äußert sich manchmal positiv, wenn Händler oder Hersteller eine zielgerichtete Sachdiskussion durch mehr oder weniger versteckte Werbephrasen aufweichen, und dann unmittelbar auf heftigen Widerstand stoßen. Oft ist es aber so, dass Händler auch aktive Hobbyastronomen mit ordentlichem Erfahrungsbackground sind, und dass deren Äußerungen dann pauschal als Händlergewäsch abgebügelt werden. Das führt dann zu so kuriosen Begleiterscheinungen, dass der sonst hier so aktive und geschätzte Günther *entfernt* seit seinem kürzlich eingeführten Händlerstatus ganz kleinlaut geworden ist. Da werden Fragen nach Brennweiten- und Fokus-Anpassung gestellt, und Günther hält sich diskret zurück, damit er nicht Gegenstand der schnell aufkeimenden Händlerschelte wird.
Dies ist im vorliegenden Falle schade, da sein „*entfernt*“-Konzept ein nützliches Hilfsmittel ist, aber zumindest hier im Forum bislang kaum zum Thema geworden ist. Da ich mit Günther weder verwandt noch verschwägert bin, ihn nicht einmal persönlich kenne und ihm auch nichts schulde, traue ich mich jetzt mal, sein „*entfernt*“-Konzept vorzustellen, sozusagen als Versuch einer Referenz für meine Mitsuchenden in gleicher Sache.
Während meiner Okularzusammenstellung tauchten immer wieder folgende Fragestellungen auf:
1. Zoom oder Nichtzoom?
2. Was tun, wenn ich mit meinen Okularen nicht oder nur gerade eben in den Fokus komme (Problem bei meinen beiden Speers Waler Festbrennweiten 13,4mm und 9,4mm)?
3. Gibt’s sowas wie eine Brennweitenanpassung, wenn die verfügbare Brennweitensammlung keine hinreichend gleichmäßige Abstufung aufweist?
4. 1 ¼“ Filter oder 2“ Filter? Oder Verwendung von 2“ Filter an 1 ¼“ Okularen?
5. Was tun gegen den lästigen OAZ-Umbau zwischen 1 ¼“ und 2“?
Auf Empfehlung hier im Forum hatte ich mich vor wenigen Wochen an Günther gewandt, da er dem Vernehmen nach einen Dreher bei der Hand hatte, der irgendwelche Hülsen nach Günthers Maßgabe drehte, um obigen Problemen zu Leibe zu rücken. Ich wurde zunächst in die Warteschleife geschickt, da sich eine Professionalisierung dieser mystischen Hülsen abzeichnete. Und tatsächlich, seit kurzem ist *entfernt*PunktDe online. Die ganze HP finde ich ehrlich gesagt ziemlich wenig informativ. Wenn man weiß, wie’s geht, findet man alles. Aber wenn man noch keine exakte Vorstellung davon hat, wie’s funktioniert und was man braucht, wird man aus der Präsentation nicht so richtig schlau. Zwischenzeitlich ist die HP schon ein wenig besser geworden, aber ich versuche das Konzept hier mal wie folgt zusammenzufassen:
Die Brennweite eines Okulars kann man durch ein Barlowelement verkürzen. Klar soweit, das ist nichts Neues. Der Verkürzungsfaktor lässt sich durch Einstellung unterschiedlicher Abstände zwischen Okular und Barlowelement verändern bzw. einstellen. Das ist schon nicht mehr trivial, geht zumindest über das Basiswissen des ambitionierten Anfängers hinaus. Verbreitete Okularbauformen wie Planetary, Blau- und Goldkanten, Hyperion und Speers Waler haben bereits im Okulardesign neben einer Augenlinsengruppe auch ein feldseitiges Barlowelement integriert, welches in der 1 ¼“ Steckhülse angeordnet ist. Musste ich auch erst lernen. Diese Bauform liefert den Grundstein für eine Brennweitenanpassung durch o.g. Abstandsveränderung. Eigentlich auch nicht wirklich neu, denn zumindest für die Hyperions werden seit einiger Zeit Schraubhülsen angeboten, die zwischen Steckhülse mit Barlowelement und Okularkörper eingesetzt werden können, wodurch dann die gesamte Okularbrennweite verkürzt werden kann.
Das *entfernt*-Konzept baut auf obigen Überlegungen auf, was zunächst nicht weiter aufregend ist. Interessant ist die ganze Sache aber im Wesentlichen deshalb, weil sich mal einer hingesetzt und die Sache zu einem schlüssigen Baukastenkonzept weiterentwickelt hat. Das Konzept trifft meine obigen Problempunkte, und erschien mir von Anfang an passend, weshalb ich gleich drei Stück davon in unterschiedlichen Konfigurationen geordert und kurz darauf auch geliefert bekommen habe. Hier mein Bericht:
Thema No. 1 waren meine drei Planetarys mit 7mm, 5mm und 3,2mm an meinen beiden Newtons (Nexstar SLT130 5“ mit f/5 und Skywatcher Dobson 10“ mit f/4,8) für den Hochvergrößerungsbereich. Mit der Abbildungsleistung der drei Okulare war ich soweit zufrieden. Allerdings hat mich besonders beim Dobson der Okularwechsel genervt. Man tastet sich je nach Seeing an die machbare Vergrößerung heran. Und bei jedem Wechsel muss man bei diesen hohen Vergrößerungen aufpassen, das Objekt der Begierde nicht zu verlieren. Speers Waler Zoom wäre die Lösung, aber soviel Geld wollte ich dann doch vorerst nicht investieren. Da standen andere Dinge weiter oben auf der Prioritätenliste. Außerdem wollte ich am liebsten alles im 2“-Format haben, um mir erstens den lästigen Umbau des OAZ zu ersparen, und um zweitens die Filter der einen Größe bei Bedarf auch an Okularen der anderen Größe einzusetzen. Die OAZs meiner beiden Newtons können zwar 2“ Okulare aufnehmen. Das Reduzierstück auf 1 ¼“ hat in beiden Fällen aber kein 2“ Filtergewinde, was die Sache schwierig macht.
Also wurde mein 7mm Planetary mit dem *entfernt* II Hülsenset aufgerüstet. Die beteiligten Komponenten ergeben sich aus Bild 1:
Link zur Grafik: http://img198.imageshack.us/img198/1079/astrozoom1.jpg
Hinten links sieht man ein Planetary-Klon der üblichen Bauart. Hinten rechts ist ein weiteres Planetary in seine zwei Basis-Komponenten zerlegt: Vom Okulargrundkörper mit der Augenlinsengruppe ist die 1 ¼“ Steckhülse, welche die Barlow-Linsengruppe enthält, abgeschraubt. Das *entfernt* II Set besteht aus einer 2“ Steckhülse und einer passenden Zoomeinsatzhülse. Die 2“ Steckhülse ist mit einer passenden Aufnahme für die 1 ¼“ Steckhülse mit Barlow-Linsengruppe versehen, die dort mit drei Madenschrauben fixiert ist (vorne links in Bild 1). Die Zoomeinsatzhülse nimmt das Okularoberteil mit der Augenlinsengruppe auf. Sie ist an dessen Außendurchmesser angepasst, so dass das Okularoberteil tief genug hinein geschoben und dort mit ebenfalls drei Madenschrauben fixiert wird (vorne rechts in Bild 1).
Vorne links in Bild 1 kann man übrigens erkennen, dass ich probehalber einen 1 ¼“ Filter eingeschraubt habe. Die 2“ Steckhülse enthält aber auch ein 2“ Filtergewinde, welches man benutzen kann, wenn kein 1 ¼“ Filter eingesetzt ist.
Und so sieht das ganze im montierten Zustand aus (Bild 2):
Link zur Grafik: http://img36.imageshack.us/img36/5074/astrozoom2.jpg
Ober- und Unterteil sind axial gegeneinander verschiebbar. Hierdurch wird nach dem oben beschriebenen Prinzip die Brennweite variiert, also gezoomt. Die silbrige Rändelschraube greift in eine Längsnut der Zoomeinsatzhülse. Dadurch kann nichts herausfallen. Durch Festziehen der Rändelschraube wird die gewählte Position und damit Brennweite fixiert.
Mit der gezeigten Zusammenstellung ergibt sich ein Zoombereich von ca. Nennbrennweite (7mm = 100%) bis ca. 3,2mm (ca. 45%). Dieser Zoombereich gilt aber nur für diese spezielle Bauform (Planetary). Bei Verwendung anderer Okulartypen fällt der Zoombereich kleiner (Goldkante etc.) bis deutlich kleiner (Speers Waler) aus.
Das Ganze funktioniert natürlich nicht nur bei Okularen mit in der Steckhülse integriertem Barlowelement. Es geht wohl auch mit Okularen ohne ein solches integriertes Barlowelement (Plössl, Kellner etc.), wobei dann eine externe Barlow zum Einsatz kommt. Hierfür ist das Zoomset I vorgesehen, wozu mir aber Bedarf und Erfahrung fehlen.
Soviel zum Prinzip. Jetzt zur Praxis:
Die Teile sind sauber auf professionellem Niveau gefertigt. Alle Oberflächen sind schwarz eloxiert und glänzen leicht. Man kann darüber nachdenken, ob im Innenbereich eine matte Schwärzung durch Schultafellack oder Velourfolie fehlt. Diesem Aspekt habe ich aber vorerst keine weitere Beachtung geschenkt. Die Gleitpassung zwischen Zoomeinsatzhülse und 2“ Steckhülse ist gut: Das Verschieben geht leichtgängig und macht ein leicht saugendes Geräusch. Da wackelt und hakelt nichts. Nach Festdrehen der Rändelschraube entsteht eine starre, nach Augenmaß verkantungsfreie Anordnung. Das 2“ Filtergewinde lässt nichts zu wünschen übrig. Allerdings habe ich derzeit überhaupt nur einen einzigen 2“-Filter, der sich jedenfalls ohne Mucken ein- und ausdrehen lässt. Die Montage geht völlig problemlos. Man muss nur sicherstellen, dass man einen kleinen Uhrmacherschraubendreher sowie einen 1,5mm-Inbusschlüssel zur Hand hat.
Mit dieser Anordnung war ich jetzt drei Nächte hintereinander auf dem Feld. Das Zoomen hat man schnell heraus und geht sehr bald intuitiv, was auch die Betätigung der Rändelschraube und das Nachfokussieren bei Brennweitenänderung beinhaltet. Bedenken hatte ich etwas wegen der optischen Qualität: Das Okular-eigene Barlowelement ist ja für 7mm Gesamtbrennweite ausgelegt. Wie würde sich das Bild präsentieren, wenn das Okular Richtung 5mm oder gar 3mm gequält wird? Nach jetzigem Kenntnisstand ist diese Sorge unbegründet: Ausgehend von den 7mm Nennbrennweite kommt man im voll ausgezogenen Zustand auf etwa 3,2mm. Ich habe einen Direktvergleich mit meinen regulären 5mm und 3,2mm Planetarys vorgenommen und konnte keinen Qualitätsverlust erkennen. Bei 3,2mm kam mir die gezoomte Version sogar etwas besser vor. Diese Aussagen sind aber mit Vorsicht zu genießen, da in meinen Testnächten das Seeing nicht gut war, und Vergrößerungen jenseits der 200x keine ordentlichen Bilder mehr lieferten. Der vorerst positive Eindruck der optischen Qualität muss noch verifiziert werden.
Die Praxistauglichkeit ist nach vorläufigem Kenntnisstand klasse. Ausgehend von 7mm kann man stufenlos in einen Bereich runterzoomen, der allenfalls unter allerbestem Himmel überhaupt sinnvoll ist. Die kürzerbrennweitigen Planetarys sind damit überflüssig geworden. Der lästige Okularwechsel entfällt. Man zoomt, während man das Objekt im Blick hat, fokussiert kurz nach, und fertig. Das geht so leicht, dass man tatsächlich das Objekt auch nicht versehentlich verliert. Die volle Bandbreite des Filterarsenals steht mit 1 1/4" und 2" zur Verfügung. Mit einer Ausnahme (mein wenig benutztes 17mm TSWA) habe ich jetzt alles im 2" Format und muss den OAZ nicht mehr zwischen beiden Formaten umbauen. Macht einfach Spaß so.
Unterm Strich kann ich das Zoomset II in Verbindung mit dem 7mm Planetary bedenkenlos weiterempfehlen.
Thema No. 2 waren meine beiden Speers Waler 13,4 und 9,4mm Festbrennweiten. In beiden Fällen muss man zum Erreichen des Fokus sehr weit hineinkurbeln. Bei meinem großen Dobson gelingt das so gerade eben. Bei meinem kleinen Newton kriege ich 13,4er nicht in den Fokus. Bei beiden Newtons ist ein einfacher Zahn-und-Trieb-China-OAZ verbaut mit der üblichen 1 ¼“ Reduzierhülse ohne Filtergewinde, die sehr lang baut und gegenüber dem 2“ Anschlag sehr weit nach draußen ragt. Eine kurzbauende 1 ¼“ Reduzierhülse hätte dieses Problem wohl behoben, was sowohl die Fokuslage entschärft hätte, als auch die Verwendung von 2“ Filtern ermöglicht hätte.
Ich wollte aber außerdem mit der Brennweite spielen können, weshalb auch hier *entfernt* zum Einsatz kam, und zwar für meine beiden Speers Waler Exemplare. Hierbei gibt es zunächst eine Überraschung: Um aus Speer Waler Festbrennweiten ein Zoomokular zu machen, braucht man kein komplettes Zoomset. Es wird zwar ein Zoomset III eigens für Speers Waler angeboten. Aber dieses beinhaltet neben der Zoomfunktion zusätzlich auch eine fixe Brennweitenreduzierung. Wenn man die Nennbrennweite beibehalten und nur zoomen will, reicht eine 2“ Steckhülse aus dem *entfernt*-System aus. Die Funktion der oben beim Planetary beschriebenen Zoomeinsatzhülse wird durch den Okularkörper des Speers Waler übernommen. Dieser passt nämlich genau in die *entfernt* 2“ Steckhülse hinein, sofern man die Griffgummierung um das entsprechende Maß kürzt. Die einzelnen Komponenten ergeben sich aus Bild 3:
Link zur Grafik: http://img8.imageshack.us/img8/1829/astrozoom3.jpg
Rechts in Bild 3 erkennt man ein SW-Okular mit abgeschraubter, das Barlowelement enthaltender 1 ¼“ Steckhülse. Letztere wird wie oben beim Planetary in die 2“ Steckhülse eingesetzt und fixiert. Rechts im Bild erkennt man auch, dass ich die Griffgummierung nach unten hin gekürzt habe. Links In Bild 3 ist die ganze Sache montiert und dabei im herausgezogenen Zustand gezeigt. Im voll eingefahrenen Zustand sitzt die Griffgummierung gerade eben auf dem oberen Rand der 2“ Steckhülse auf. Die Rändelschraube dient auch hier der Fixierung und als Rausfallsicherung für das Okularoberteil. Rechts oben im Bild kann man auch sehen, dass das Okularoberteil im Bereich der entfernten Griffgummierung einen verringerten Durchmesser aufweist. Damit hier nichts wackelt, sind in der 2“ Steckhülse gegenüberliegend zur Rändelschraube noch kleine Kunststoffschrauben angeordnet, die als Zentrierung und Gegengleitlager dienen.
In der praktischen Anwendung fällt zunächst auf, dass das oben beschriebene Fokusproblem nicht nur beseitigt ist. Vielmehr muss man aufpassen, das neu entstandene Zoomokular nicht zu weit, jedenfalls nicht bis zum Anschlag in den OAZ zu schieben. Man hat sonst nicht mehr das Problem, nicht weit genug hineinzukommen, sonder vielmehr umgekehrt nicht weit genug herauszukommen.
Die Zoomfunktion selbst ist nicht so kritiklos wie bei der obigen Planetary-Zoomset-II-Kombination: Der Bereich der entfernten Griffgummierung, der als Gleitfläche für die Rändelschraube und die beiden Kunststoffschrauben dient, ist werksseitig nicht glatt sondern leicht gewellt ausgestaltet. Dies führt dazu, dass der Verschiebevorgang nicht so schön butterweich geht, sondern eine etwas hakelige Angelegenheit ist. Das Fehlen einer Längsnut (wie sie bei der Zoomeinsatzhülse des Zoomset II vorhanden ist) führt auch dazu, dass man das Oberteil gegenüber der 2“ Steckhülse verdrehen kann, was man zumindest im kleinen Maßstab beim Zoomen auch immer tut. Es kommt dann schon mal vor, dass das Okularoberteil im eingefahrenen Zustand wieder in das Gewinde des Okularunterteils eingreift. Und dann hakt‘s beim erneuten Versuch des Herausziehens erst recht. Ein leichter Dreh entgegen dem Uhrzeigersinn löst diese Verhakung aber ohne weiteres.
Über noch etwas muss man sich im Klaren werden: Die Zoomwirkung ist nicht nur vom mechanischen Verschiebeweg abhängig, sondern auch von der optischen Auslegung des Barlowelementes. Während beim Planetary mit dem verfügbaren Verschiebeweg die Nennbrennweite auf unter 50% gedrückt werden kann, schafft man beim Speers Waler gerade mal 80%. Ein Zoomfaktor zwischen 100% und 80% ist nicht sehr viel.
Im praktischen Versuch zeigt sich, dass das Zoomen des 13,4ers wegen des geringen Zoombereiches und der hakeligen Bewegung eher unattraktiv ist. Anders beim 9,4er: Hier ist man an f/5 bereits nahe dem Hochvergrößerungsbereich. Und da macht der nahezu lückenlose Anschluss an die darunter liegenden 7mm Brennweite Spaß. Die etwas unbefriedigende Zoommechanik nehme ich hierbei gerne in Kauf. Schön ist in jedem Falle die Option, nach Wahl einen 1 ¼“ oder 2“ Filter einsetzen zu können. Zur optischen Abbildungsqualität gilt das gleiche wie beim Planetary: Nachteilige Einflüsse konnte ich nicht entdecken, was aber der Verifikation am besseren Himmel bedarf.
Zusammengefasst ist für Speers Waler Festbrennweiten die *entfernt* 2“ Steckhülse eine sehr einfache Möglichkeit, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Entschärfung der Fokallage, Umstellung auf 2“ Steckmaß mit der Option, wahlweise beide Filtergrößen einzusetzen, sowie eine einfache Zoomfunktion, die beim 9,4er nützlich und beim 13,4er als nice to have einzustufen ist.
Nachbemerkung:
Für die Speers Waler wird noch das Zoomset III angeboten. Hierbei gleitet der Okularkörper nicht direkt in der 2“ Steckhülse. Vielmehr kommt eine Verlängerungshülse vergleichbar zur Zoomeinsatzhülse beim Zoomset II (Planetary etc.) zum Einsatz. Diese ist als auf Maß gedrehte Gleithülse konzipiert und dürfte das o.g. Hakeln beim Verschieben beseitigen. Darüberhinaus reduziert sie aber auch die Nennbrennweite um ebenfalls ganz grob 80%. Der entstehende Zoombereich ist dann also nicht 100% bis 80%, sondern 80% bis 64% der Nennbrennweite (Maße grob geschätzt). Diese Version ist also nur dann interessant, wenn einem die Nennbrennweite zu groß ist, wie dies gelegentlich beim Speers Waler Zoom 5-8mm diskutiert wird. Hier hat man dann alles Zusammen: Brennweitenverkürzung, zusätzliche (wenn auch geringe) Zoomfunktion, Fokallagenentschärfung, 2“-Filteroption. Wer die Brennweitenverkürzung nicht braucht, kommt mit der 2“ Steckhülse alleine aus!
Kritik:
In den bislang nur drei Beobachtungsnächten habe ich meine *entfernt*-Teile schätzen gelernt. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch noch etwas zu verbessern gäbe:
1. Das Zoomset II ist für Planetarys der üblichen Bauart samt seiner vielfältigen Klone ausgelegt. Der für das Okularoberteil genau passende Innendurchmesser der Zoomeinsatzhülse soll die Sache einfach und spielfrei machen. In meinem speziellen Falle habe ich aber ein Planetary Klon mit leicht abgewandelter Gehäuseform. Die Griffgummierung schließt nach unten hin an eine Gehäusekante an, deren Durchmesser geringfügig zu groß ist. Dort musste ich mit der Feile auf einer Breite von einem knappen mm etwa 0,5mm Radius wegnehmen, um das Okulargehäseoberteil in die Zoomeinsatzhülse einfädeln zu können. Ist keine große Sache und hat gerade mal zwei Minuten am Küchentisch mit der einfachen Baumarktfeile ohne weitere Hilfsmittel gebraucht. Ich habe aber dennoch Günther auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Und er sinniert über Abhilfe.
2. Das, was bei den Speers Waler für die Fokallagenentschärfung nützlich ist, wird beim Planetary Zoomset II zum Nachteil: Man darf die neue 2“ Steckhülse nicht mehr voll bis zum Anschlag in den OAZ schieben. In meinem Falle darf man die ganze Sache überhaupt nur sehr wenig hineinschieben, um noch den Fokus erreichen zu können. Okay, es reicht und funktioniert. Aber beim Gefummel im Dunklen ist mir dieses undefinierte Verschieben nicht geheuer. Einen soliden Anschlag ziehe ich vor. Jetzt wird man vom Günther nicht erwarten können, für tausend verschiedene Okulartypen eine ebensolche Anzahl von unterschiedlichen Steckhülsen anzubieten. Aber dennoch könnte man das vorliegende Baukastensystem doch weiterspinnen. Wie wär’s mit einem 2“-Anschlagring, der auf die Steckhülse aufgeschoben und mit drei Madenschrauben vom Benutzer an der gewünschten Position fixiert wird?
3. Anders als 1 ¼“ Reduzierstücke sind die *entfernt* 2“ Hülsen für den festen Verbleib am Okular vorgesehen. Sobald man diese montiert hat, fällt einem beim anschießenden Verstauen des umgerüsteten Okulars als erstes auf, dass man die alte 1 ¼“ Abdeckkappe nicht mehr montieren kann. Was fehlt, ist eine 2“ Okularkappe. Und eigens dafür eine Bestellung beim Versandanbieter der Wahl loszutreten, ist unangenehm. Wäre schön, wenn ein solcher Billigartikel entweder mitgeliefert oder aber zumindest separat aus einer Hand angeboten würde.
Obige Kritikpunkte stellen aber das Gesamtkonzept nicht in Frage. Mir gefällt’s. Und schon nach so kurzer Benutzungszeit möchte ich mein *entfernt* Equipment nicht mehr missen.
Gruß,
Stefan.
eins der ersten Dinge, die mir hier im Forum aufgefallen sind, ist eine ziemlich verbreitete Händler-Phobie. Das äußert sich manchmal positiv, wenn Händler oder Hersteller eine zielgerichtete Sachdiskussion durch mehr oder weniger versteckte Werbephrasen aufweichen, und dann unmittelbar auf heftigen Widerstand stoßen. Oft ist es aber so, dass Händler auch aktive Hobbyastronomen mit ordentlichem Erfahrungsbackground sind, und dass deren Äußerungen dann pauschal als Händlergewäsch abgebügelt werden. Das führt dann zu so kuriosen Begleiterscheinungen, dass der sonst hier so aktive und geschätzte Günther *entfernt* seit seinem kürzlich eingeführten Händlerstatus ganz kleinlaut geworden ist. Da werden Fragen nach Brennweiten- und Fokus-Anpassung gestellt, und Günther hält sich diskret zurück, damit er nicht Gegenstand der schnell aufkeimenden Händlerschelte wird.
Dies ist im vorliegenden Falle schade, da sein „*entfernt*“-Konzept ein nützliches Hilfsmittel ist, aber zumindest hier im Forum bislang kaum zum Thema geworden ist. Da ich mit Günther weder verwandt noch verschwägert bin, ihn nicht einmal persönlich kenne und ihm auch nichts schulde, traue ich mich jetzt mal, sein „*entfernt*“-Konzept vorzustellen, sozusagen als Versuch einer Referenz für meine Mitsuchenden in gleicher Sache.
Während meiner Okularzusammenstellung tauchten immer wieder folgende Fragestellungen auf:
1. Zoom oder Nichtzoom?
2. Was tun, wenn ich mit meinen Okularen nicht oder nur gerade eben in den Fokus komme (Problem bei meinen beiden Speers Waler Festbrennweiten 13,4mm und 9,4mm)?
3. Gibt’s sowas wie eine Brennweitenanpassung, wenn die verfügbare Brennweitensammlung keine hinreichend gleichmäßige Abstufung aufweist?
4. 1 ¼“ Filter oder 2“ Filter? Oder Verwendung von 2“ Filter an 1 ¼“ Okularen?
5. Was tun gegen den lästigen OAZ-Umbau zwischen 1 ¼“ und 2“?
Auf Empfehlung hier im Forum hatte ich mich vor wenigen Wochen an Günther gewandt, da er dem Vernehmen nach einen Dreher bei der Hand hatte, der irgendwelche Hülsen nach Günthers Maßgabe drehte, um obigen Problemen zu Leibe zu rücken. Ich wurde zunächst in die Warteschleife geschickt, da sich eine Professionalisierung dieser mystischen Hülsen abzeichnete. Und tatsächlich, seit kurzem ist *entfernt*PunktDe online. Die ganze HP finde ich ehrlich gesagt ziemlich wenig informativ. Wenn man weiß, wie’s geht, findet man alles. Aber wenn man noch keine exakte Vorstellung davon hat, wie’s funktioniert und was man braucht, wird man aus der Präsentation nicht so richtig schlau. Zwischenzeitlich ist die HP schon ein wenig besser geworden, aber ich versuche das Konzept hier mal wie folgt zusammenzufassen:
Die Brennweite eines Okulars kann man durch ein Barlowelement verkürzen. Klar soweit, das ist nichts Neues. Der Verkürzungsfaktor lässt sich durch Einstellung unterschiedlicher Abstände zwischen Okular und Barlowelement verändern bzw. einstellen. Das ist schon nicht mehr trivial, geht zumindest über das Basiswissen des ambitionierten Anfängers hinaus. Verbreitete Okularbauformen wie Planetary, Blau- und Goldkanten, Hyperion und Speers Waler haben bereits im Okulardesign neben einer Augenlinsengruppe auch ein feldseitiges Barlowelement integriert, welches in der 1 ¼“ Steckhülse angeordnet ist. Musste ich auch erst lernen. Diese Bauform liefert den Grundstein für eine Brennweitenanpassung durch o.g. Abstandsveränderung. Eigentlich auch nicht wirklich neu, denn zumindest für die Hyperions werden seit einiger Zeit Schraubhülsen angeboten, die zwischen Steckhülse mit Barlowelement und Okularkörper eingesetzt werden können, wodurch dann die gesamte Okularbrennweite verkürzt werden kann.
Das *entfernt*-Konzept baut auf obigen Überlegungen auf, was zunächst nicht weiter aufregend ist. Interessant ist die ganze Sache aber im Wesentlichen deshalb, weil sich mal einer hingesetzt und die Sache zu einem schlüssigen Baukastenkonzept weiterentwickelt hat. Das Konzept trifft meine obigen Problempunkte, und erschien mir von Anfang an passend, weshalb ich gleich drei Stück davon in unterschiedlichen Konfigurationen geordert und kurz darauf auch geliefert bekommen habe. Hier mein Bericht:
Thema No. 1 waren meine drei Planetarys mit 7mm, 5mm und 3,2mm an meinen beiden Newtons (Nexstar SLT130 5“ mit f/5 und Skywatcher Dobson 10“ mit f/4,8) für den Hochvergrößerungsbereich. Mit der Abbildungsleistung der drei Okulare war ich soweit zufrieden. Allerdings hat mich besonders beim Dobson der Okularwechsel genervt. Man tastet sich je nach Seeing an die machbare Vergrößerung heran. Und bei jedem Wechsel muss man bei diesen hohen Vergrößerungen aufpassen, das Objekt der Begierde nicht zu verlieren. Speers Waler Zoom wäre die Lösung, aber soviel Geld wollte ich dann doch vorerst nicht investieren. Da standen andere Dinge weiter oben auf der Prioritätenliste. Außerdem wollte ich am liebsten alles im 2“-Format haben, um mir erstens den lästigen Umbau des OAZ zu ersparen, und um zweitens die Filter der einen Größe bei Bedarf auch an Okularen der anderen Größe einzusetzen. Die OAZs meiner beiden Newtons können zwar 2“ Okulare aufnehmen. Das Reduzierstück auf 1 ¼“ hat in beiden Fällen aber kein 2“ Filtergewinde, was die Sache schwierig macht.
Also wurde mein 7mm Planetary mit dem *entfernt* II Hülsenset aufgerüstet. Die beteiligten Komponenten ergeben sich aus Bild 1:
Link zur Grafik: http://img198.imageshack.us/img198/1079/astrozoom1.jpg
Hinten links sieht man ein Planetary-Klon der üblichen Bauart. Hinten rechts ist ein weiteres Planetary in seine zwei Basis-Komponenten zerlegt: Vom Okulargrundkörper mit der Augenlinsengruppe ist die 1 ¼“ Steckhülse, welche die Barlow-Linsengruppe enthält, abgeschraubt. Das *entfernt* II Set besteht aus einer 2“ Steckhülse und einer passenden Zoomeinsatzhülse. Die 2“ Steckhülse ist mit einer passenden Aufnahme für die 1 ¼“ Steckhülse mit Barlow-Linsengruppe versehen, die dort mit drei Madenschrauben fixiert ist (vorne links in Bild 1). Die Zoomeinsatzhülse nimmt das Okularoberteil mit der Augenlinsengruppe auf. Sie ist an dessen Außendurchmesser angepasst, so dass das Okularoberteil tief genug hinein geschoben und dort mit ebenfalls drei Madenschrauben fixiert wird (vorne rechts in Bild 1).
Vorne links in Bild 1 kann man übrigens erkennen, dass ich probehalber einen 1 ¼“ Filter eingeschraubt habe. Die 2“ Steckhülse enthält aber auch ein 2“ Filtergewinde, welches man benutzen kann, wenn kein 1 ¼“ Filter eingesetzt ist.
Und so sieht das ganze im montierten Zustand aus (Bild 2):
Link zur Grafik: http://img36.imageshack.us/img36/5074/astrozoom2.jpg
Ober- und Unterteil sind axial gegeneinander verschiebbar. Hierdurch wird nach dem oben beschriebenen Prinzip die Brennweite variiert, also gezoomt. Die silbrige Rändelschraube greift in eine Längsnut der Zoomeinsatzhülse. Dadurch kann nichts herausfallen. Durch Festziehen der Rändelschraube wird die gewählte Position und damit Brennweite fixiert.
Mit der gezeigten Zusammenstellung ergibt sich ein Zoombereich von ca. Nennbrennweite (7mm = 100%) bis ca. 3,2mm (ca. 45%). Dieser Zoombereich gilt aber nur für diese spezielle Bauform (Planetary). Bei Verwendung anderer Okulartypen fällt der Zoombereich kleiner (Goldkante etc.) bis deutlich kleiner (Speers Waler) aus.
Das Ganze funktioniert natürlich nicht nur bei Okularen mit in der Steckhülse integriertem Barlowelement. Es geht wohl auch mit Okularen ohne ein solches integriertes Barlowelement (Plössl, Kellner etc.), wobei dann eine externe Barlow zum Einsatz kommt. Hierfür ist das Zoomset I vorgesehen, wozu mir aber Bedarf und Erfahrung fehlen.
Soviel zum Prinzip. Jetzt zur Praxis:
Die Teile sind sauber auf professionellem Niveau gefertigt. Alle Oberflächen sind schwarz eloxiert und glänzen leicht. Man kann darüber nachdenken, ob im Innenbereich eine matte Schwärzung durch Schultafellack oder Velourfolie fehlt. Diesem Aspekt habe ich aber vorerst keine weitere Beachtung geschenkt. Die Gleitpassung zwischen Zoomeinsatzhülse und 2“ Steckhülse ist gut: Das Verschieben geht leichtgängig und macht ein leicht saugendes Geräusch. Da wackelt und hakelt nichts. Nach Festdrehen der Rändelschraube entsteht eine starre, nach Augenmaß verkantungsfreie Anordnung. Das 2“ Filtergewinde lässt nichts zu wünschen übrig. Allerdings habe ich derzeit überhaupt nur einen einzigen 2“-Filter, der sich jedenfalls ohne Mucken ein- und ausdrehen lässt. Die Montage geht völlig problemlos. Man muss nur sicherstellen, dass man einen kleinen Uhrmacherschraubendreher sowie einen 1,5mm-Inbusschlüssel zur Hand hat.
Mit dieser Anordnung war ich jetzt drei Nächte hintereinander auf dem Feld. Das Zoomen hat man schnell heraus und geht sehr bald intuitiv, was auch die Betätigung der Rändelschraube und das Nachfokussieren bei Brennweitenänderung beinhaltet. Bedenken hatte ich etwas wegen der optischen Qualität: Das Okular-eigene Barlowelement ist ja für 7mm Gesamtbrennweite ausgelegt. Wie würde sich das Bild präsentieren, wenn das Okular Richtung 5mm oder gar 3mm gequält wird? Nach jetzigem Kenntnisstand ist diese Sorge unbegründet: Ausgehend von den 7mm Nennbrennweite kommt man im voll ausgezogenen Zustand auf etwa 3,2mm. Ich habe einen Direktvergleich mit meinen regulären 5mm und 3,2mm Planetarys vorgenommen und konnte keinen Qualitätsverlust erkennen. Bei 3,2mm kam mir die gezoomte Version sogar etwas besser vor. Diese Aussagen sind aber mit Vorsicht zu genießen, da in meinen Testnächten das Seeing nicht gut war, und Vergrößerungen jenseits der 200x keine ordentlichen Bilder mehr lieferten. Der vorerst positive Eindruck der optischen Qualität muss noch verifiziert werden.
Die Praxistauglichkeit ist nach vorläufigem Kenntnisstand klasse. Ausgehend von 7mm kann man stufenlos in einen Bereich runterzoomen, der allenfalls unter allerbestem Himmel überhaupt sinnvoll ist. Die kürzerbrennweitigen Planetarys sind damit überflüssig geworden. Der lästige Okularwechsel entfällt. Man zoomt, während man das Objekt im Blick hat, fokussiert kurz nach, und fertig. Das geht so leicht, dass man tatsächlich das Objekt auch nicht versehentlich verliert. Die volle Bandbreite des Filterarsenals steht mit 1 1/4" und 2" zur Verfügung. Mit einer Ausnahme (mein wenig benutztes 17mm TSWA) habe ich jetzt alles im 2" Format und muss den OAZ nicht mehr zwischen beiden Formaten umbauen. Macht einfach Spaß so.
Unterm Strich kann ich das Zoomset II in Verbindung mit dem 7mm Planetary bedenkenlos weiterempfehlen.
Thema No. 2 waren meine beiden Speers Waler 13,4 und 9,4mm Festbrennweiten. In beiden Fällen muss man zum Erreichen des Fokus sehr weit hineinkurbeln. Bei meinem großen Dobson gelingt das so gerade eben. Bei meinem kleinen Newton kriege ich 13,4er nicht in den Fokus. Bei beiden Newtons ist ein einfacher Zahn-und-Trieb-China-OAZ verbaut mit der üblichen 1 ¼“ Reduzierhülse ohne Filtergewinde, die sehr lang baut und gegenüber dem 2“ Anschlag sehr weit nach draußen ragt. Eine kurzbauende 1 ¼“ Reduzierhülse hätte dieses Problem wohl behoben, was sowohl die Fokuslage entschärft hätte, als auch die Verwendung von 2“ Filtern ermöglicht hätte.
Ich wollte aber außerdem mit der Brennweite spielen können, weshalb auch hier *entfernt* zum Einsatz kam, und zwar für meine beiden Speers Waler Exemplare. Hierbei gibt es zunächst eine Überraschung: Um aus Speer Waler Festbrennweiten ein Zoomokular zu machen, braucht man kein komplettes Zoomset. Es wird zwar ein Zoomset III eigens für Speers Waler angeboten. Aber dieses beinhaltet neben der Zoomfunktion zusätzlich auch eine fixe Brennweitenreduzierung. Wenn man die Nennbrennweite beibehalten und nur zoomen will, reicht eine 2“ Steckhülse aus dem *entfernt*-System aus. Die Funktion der oben beim Planetary beschriebenen Zoomeinsatzhülse wird durch den Okularkörper des Speers Waler übernommen. Dieser passt nämlich genau in die *entfernt* 2“ Steckhülse hinein, sofern man die Griffgummierung um das entsprechende Maß kürzt. Die einzelnen Komponenten ergeben sich aus Bild 3:
Link zur Grafik: http://img8.imageshack.us/img8/1829/astrozoom3.jpg
Rechts in Bild 3 erkennt man ein SW-Okular mit abgeschraubter, das Barlowelement enthaltender 1 ¼“ Steckhülse. Letztere wird wie oben beim Planetary in die 2“ Steckhülse eingesetzt und fixiert. Rechts im Bild erkennt man auch, dass ich die Griffgummierung nach unten hin gekürzt habe. Links In Bild 3 ist die ganze Sache montiert und dabei im herausgezogenen Zustand gezeigt. Im voll eingefahrenen Zustand sitzt die Griffgummierung gerade eben auf dem oberen Rand der 2“ Steckhülse auf. Die Rändelschraube dient auch hier der Fixierung und als Rausfallsicherung für das Okularoberteil. Rechts oben im Bild kann man auch sehen, dass das Okularoberteil im Bereich der entfernten Griffgummierung einen verringerten Durchmesser aufweist. Damit hier nichts wackelt, sind in der 2“ Steckhülse gegenüberliegend zur Rändelschraube noch kleine Kunststoffschrauben angeordnet, die als Zentrierung und Gegengleitlager dienen.
In der praktischen Anwendung fällt zunächst auf, dass das oben beschriebene Fokusproblem nicht nur beseitigt ist. Vielmehr muss man aufpassen, das neu entstandene Zoomokular nicht zu weit, jedenfalls nicht bis zum Anschlag in den OAZ zu schieben. Man hat sonst nicht mehr das Problem, nicht weit genug hineinzukommen, sonder vielmehr umgekehrt nicht weit genug herauszukommen.
Die Zoomfunktion selbst ist nicht so kritiklos wie bei der obigen Planetary-Zoomset-II-Kombination: Der Bereich der entfernten Griffgummierung, der als Gleitfläche für die Rändelschraube und die beiden Kunststoffschrauben dient, ist werksseitig nicht glatt sondern leicht gewellt ausgestaltet. Dies führt dazu, dass der Verschiebevorgang nicht so schön butterweich geht, sondern eine etwas hakelige Angelegenheit ist. Das Fehlen einer Längsnut (wie sie bei der Zoomeinsatzhülse des Zoomset II vorhanden ist) führt auch dazu, dass man das Oberteil gegenüber der 2“ Steckhülse verdrehen kann, was man zumindest im kleinen Maßstab beim Zoomen auch immer tut. Es kommt dann schon mal vor, dass das Okularoberteil im eingefahrenen Zustand wieder in das Gewinde des Okularunterteils eingreift. Und dann hakt‘s beim erneuten Versuch des Herausziehens erst recht. Ein leichter Dreh entgegen dem Uhrzeigersinn löst diese Verhakung aber ohne weiteres.
Über noch etwas muss man sich im Klaren werden: Die Zoomwirkung ist nicht nur vom mechanischen Verschiebeweg abhängig, sondern auch von der optischen Auslegung des Barlowelementes. Während beim Planetary mit dem verfügbaren Verschiebeweg die Nennbrennweite auf unter 50% gedrückt werden kann, schafft man beim Speers Waler gerade mal 80%. Ein Zoomfaktor zwischen 100% und 80% ist nicht sehr viel.
Im praktischen Versuch zeigt sich, dass das Zoomen des 13,4ers wegen des geringen Zoombereiches und der hakeligen Bewegung eher unattraktiv ist. Anders beim 9,4er: Hier ist man an f/5 bereits nahe dem Hochvergrößerungsbereich. Und da macht der nahezu lückenlose Anschluss an die darunter liegenden 7mm Brennweite Spaß. Die etwas unbefriedigende Zoommechanik nehme ich hierbei gerne in Kauf. Schön ist in jedem Falle die Option, nach Wahl einen 1 ¼“ oder 2“ Filter einsetzen zu können. Zur optischen Abbildungsqualität gilt das gleiche wie beim Planetary: Nachteilige Einflüsse konnte ich nicht entdecken, was aber der Verifikation am besseren Himmel bedarf.
Zusammengefasst ist für Speers Waler Festbrennweiten die *entfernt* 2“ Steckhülse eine sehr einfache Möglichkeit, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Entschärfung der Fokallage, Umstellung auf 2“ Steckmaß mit der Option, wahlweise beide Filtergrößen einzusetzen, sowie eine einfache Zoomfunktion, die beim 9,4er nützlich und beim 13,4er als nice to have einzustufen ist.
Nachbemerkung:
Für die Speers Waler wird noch das Zoomset III angeboten. Hierbei gleitet der Okularkörper nicht direkt in der 2“ Steckhülse. Vielmehr kommt eine Verlängerungshülse vergleichbar zur Zoomeinsatzhülse beim Zoomset II (Planetary etc.) zum Einsatz. Diese ist als auf Maß gedrehte Gleithülse konzipiert und dürfte das o.g. Hakeln beim Verschieben beseitigen. Darüberhinaus reduziert sie aber auch die Nennbrennweite um ebenfalls ganz grob 80%. Der entstehende Zoombereich ist dann also nicht 100% bis 80%, sondern 80% bis 64% der Nennbrennweite (Maße grob geschätzt). Diese Version ist also nur dann interessant, wenn einem die Nennbrennweite zu groß ist, wie dies gelegentlich beim Speers Waler Zoom 5-8mm diskutiert wird. Hier hat man dann alles Zusammen: Brennweitenverkürzung, zusätzliche (wenn auch geringe) Zoomfunktion, Fokallagenentschärfung, 2“-Filteroption. Wer die Brennweitenverkürzung nicht braucht, kommt mit der 2“ Steckhülse alleine aus!
Kritik:
In den bislang nur drei Beobachtungsnächten habe ich meine *entfernt*-Teile schätzen gelernt. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch noch etwas zu verbessern gäbe:
1. Das Zoomset II ist für Planetarys der üblichen Bauart samt seiner vielfältigen Klone ausgelegt. Der für das Okularoberteil genau passende Innendurchmesser der Zoomeinsatzhülse soll die Sache einfach und spielfrei machen. In meinem speziellen Falle habe ich aber ein Planetary Klon mit leicht abgewandelter Gehäuseform. Die Griffgummierung schließt nach unten hin an eine Gehäusekante an, deren Durchmesser geringfügig zu groß ist. Dort musste ich mit der Feile auf einer Breite von einem knappen mm etwa 0,5mm Radius wegnehmen, um das Okulargehäseoberteil in die Zoomeinsatzhülse einfädeln zu können. Ist keine große Sache und hat gerade mal zwei Minuten am Küchentisch mit der einfachen Baumarktfeile ohne weitere Hilfsmittel gebraucht. Ich habe aber dennoch Günther auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Und er sinniert über Abhilfe.
2. Das, was bei den Speers Waler für die Fokallagenentschärfung nützlich ist, wird beim Planetary Zoomset II zum Nachteil: Man darf die neue 2“ Steckhülse nicht mehr voll bis zum Anschlag in den OAZ schieben. In meinem Falle darf man die ganze Sache überhaupt nur sehr wenig hineinschieben, um noch den Fokus erreichen zu können. Okay, es reicht und funktioniert. Aber beim Gefummel im Dunklen ist mir dieses undefinierte Verschieben nicht geheuer. Einen soliden Anschlag ziehe ich vor. Jetzt wird man vom Günther nicht erwarten können, für tausend verschiedene Okulartypen eine ebensolche Anzahl von unterschiedlichen Steckhülsen anzubieten. Aber dennoch könnte man das vorliegende Baukastensystem doch weiterspinnen. Wie wär’s mit einem 2“-Anschlagring, der auf die Steckhülse aufgeschoben und mit drei Madenschrauben vom Benutzer an der gewünschten Position fixiert wird?
3. Anders als 1 ¼“ Reduzierstücke sind die *entfernt* 2“ Hülsen für den festen Verbleib am Okular vorgesehen. Sobald man diese montiert hat, fällt einem beim anschießenden Verstauen des umgerüsteten Okulars als erstes auf, dass man die alte 1 ¼“ Abdeckkappe nicht mehr montieren kann. Was fehlt, ist eine 2“ Okularkappe. Und eigens dafür eine Bestellung beim Versandanbieter der Wahl loszutreten, ist unangenehm. Wäre schön, wenn ein solcher Billigartikel entweder mitgeliefert oder aber zumindest separat aus einer Hand angeboten würde.
Obige Kritikpunkte stellen aber das Gesamtkonzept nicht in Frage. Mir gefällt’s. Und schon nach so kurzer Benutzungszeit möchte ich mein *entfernt* Equipment nicht mehr missen.
Gruß,
Stefan.