Probleme beim Justieren

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Ringo

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Hallo,
ich habe eine Frage zum Justieren.
Ich habe schon öfters verstaubte Ferngläser zerlegt, gereinigt, anschließend justiert und war mit dem Ergebnis auch zufrieden.
Nun habe ich aber festgestellt, dass sich die beiden Bilder gegeneinander verschieben, wenn ich den Augenabstand verändere, also das Fernglas knicke.
Worin liegt der Fehler?
Bei dem Fernglas handelt es sich um ein älteres Hensoldt-Fernglas mit Justierringen, bei dem ich die Objektive und Okulare ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut habe. Die Prismen wurden nicht angerührt.
Ich würde mich freuen, wenn mir jemand mitteilen kann, was ich falsch gemacht habe.

Viele Grüße,
Ringo
 
Hallo Ringo.

Ich habe das gleiche Problem bei meinem 25X100, d.h. Knicken verändert die relative Justage der zwei Hälften zueinander und führt zu Schielen. Mit der Optik hat das (zumindest bei mir) nichts zu tun, sondern scheint ein rein mechanisches Problem zu sein: knicke ich nämlich öfters "auf und zu", dann erscheint das Schielen jedesmal etwas anders, obwohl ich an den Optiken nichts ändere. Ich hab's auf die Alu-Mechanik geschoben (die besser in Stahl ausgeführt wäre) und das recht hohe Gewicht von 5.5 kg, aber angesichts des günstigen Preises für das Glas hätte ich auch nicht viel mehr erwartet.
Abhilfe: ich knicke so oft "auf und zu", bis das Schielen verschwunden ist. Das dauert 30 Sekunden und hält dann den ganzen Abend, ist aber natürlich keine saubere Lösung.
Bin gespannt, ob noch ein Experte eine andere Erklärung parat hat.......

Viel Glück weiterhin, Jürgen.
 
Hallo Jürgen,

vielen Dank für die Antwort. Ich denke, dass es bei mir kein mechanisches, sondern ein optisches Problem ist. Ich könnte mir vorstellen, dass sich die optischen Achsen von Objektiven und Okularen zueinander durch den Ausbau irgendwie verschoben haben (ich weiss aber nicht, ob so etwas möglich ist).
Mir ist das Problem auch erst jetzt aufgefallen, als ich mit zwei von mir justierten Ferngläsern mit ausgestrecktem Arm einen weit entfernten Punkt anvisierte und dabei das Fernglas knickte. Dabei verschoben sich die Bilder.

Mal sehen, ob uns jemand helfen kann,
Viele Grüße, Ringo
 
Hallo,

Ich kann Euch nur sagen, das ich genau das gleiche Problem mit der Optik von Ferngläsern habe und deshalb ungern durch Ferngläser schaue. Ihr seid also mit Eurem Problem nicht allein.
:)

Viele Grüße,
Stefan
 
Hallo Ringo und allerseits,

wenn ihr sowas beobachtet, dass nämlich die Ausrichtungen der beiden optischen Achsen zueinander sich mit dem Knickwinkel vom Fernglas ändert, so bedeutet das schlicht und einfach, dass die optischen Achsen gegenüber der Knickachse verkippt sind.

Stellt euch mal vor, dass ihr die Ausrichtung der optischen Achsen zueinander bei maximal gespreizter Knickbrücke durchgeführt habt, also bei einem Knickwinkel von etwa 180°. Dann befinden sich Knickachse und optische Achsen, jedenfalls näherungsweise, in einer gemeinsamen Ebene. Wenn keine weiteren Vorkehrungen getroffen werden, kann das Resultat einer solchen Justierung sein, dass die optischen Achsen (für diesen Knickwinkel) zwar zueinander kollimiert sind, dabei aber gegenüber der Knickachse verkippt sind, und zwar beide um denselben Winkel und in derselben Richtung.

Wenn ihr jetzt das Glas auf minimalen Augenabstand einstellt, so dass der Knickwinkel irgendwo in der Nähe von 90° liegt, so werdet ihr feststellen, dass die optischen Achsen nun nicht mehr übereinstimmen.

Wie ist das möglich?

Mit der Veränderung des Knickwinkels ändert sich der Orientierungswinkel der axialen Verkippung. Wenn im ersten Fall z.B. beide optischen Achsen gegenüber der Knickachse um denselben Winkel nach rechts verkippt waren, so dass sie in diesem Zustand zueinander kollimiert waren, so sind sie im zweiten Fall nicht mehr kollimiert, denn die Verkippung der optischen Achsen ist nun um +45° bzw. um -45° gegenüber der Horizontalen verdreht, sie zeigen also nicht mehr in dieselbe Richtung!

Eine derartige Verkippung der optischen Achsen gegenüber der Knickachse muss nicht immer fundamentale Probleme mit der Mechanik oder der optischen Montage signalisieren. Sie kann ebenfalls durch unsachgemäßes Justieren verursacht sein.

Ich hoffe das hilft jedenfalls zum besseren Verständnis des Effekts. Vielleicht melden sich noch ein paar alte Hasen, die wissen, wie man sowas "richtig" justiert ...

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Hallo Peter,
vielen Dank für die sehr anschauliche Erklärung.
Da die Justierung vor dem Zerlegen des Fernglases in Ordnung war, hätte man demzufolge das Problem möglicherweise umgehen können, in dem man erst die eine Seite des Fernglases gereinigt und anschließend an der noch unangetasteten anderen Hälfte des Fernglases wieder neu justiert hätte. Danach hätte man das selbe mit der anderen Seite getan. So wären die ursprüngliche Einstellungen der Justierung erhalten geblieben.

Vielen Dank,
Ringo
 
Hallo Ringo,

naja, hinterher ist man meistens schlauer ...

Mit der folgenden Prozedur kann man eine Verkippung der optischen Achsen gegenüber der Knickachse vermeiden:

Dazu spannt man eine Hälfte vom Glas vorsichtig mit einem geeigneten Schraubstock oder dgl. ein, so dass die Knickachse dadurch richtungsmäßig fixiert ist, während die andere Hälfte sich darum noch frei schwenken lässt.

Bei korrekter Justierung der optischen Achse sollte ein geeignetes Target (Kirchturmspitze) dann für alle Orientierungen der Knickbrücke in der Bildmitte der beweglichen Optik bleiben. Anschließend wiederholt man den Vorgang für die andere Hälfte.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter



 
Die Kombination Schraubstock und Kirchturmspitze grenzt schon fast an die Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns ...
 
Hallo Peter,
vielen Dank für den Ratschlag. Ich kam noch nicht dazu, die Methode zu testen. Die Vorgehensweise hört sich logisch an. Theoretisch scheint dies die korrekteste Art des Justierens zu sein, und beide optischen Achsen sollten dann sowohl zueinander als auch zur Knickachse parallel verlaufen.

Vielen Dank und viele Grüße,
Ringo
 
Hallo Ringo,

auf welcher justierbaren Basis sitzt dein Schraubstock? Wie soll der auf ein hunderte Meter entfentes Ziel genau ausgerichtet werden?
 
Hallo Thommy,
ich hab es noch nicht ausprobiert. Aber einen Schraubstock an der Fensterbank zu befestigen und in der Stadt ein einige hundert Meter entferntes Objekt zum anvisieren zu finden (Satelitenschüsseln, Schornsteine usw.), sollte kein Problem sein. Wie gesagt, ich hab es noch nicht probiert. Hast du eine andere Idee?

Viele Grüße
Ringo
 
Hallo Ringo,

genau das ist meine Frage! Ein Fernglas mit mindestens einem Kilogramm, ein stabiler Schraubstock mit mindestens 5 Kilogramm, wenn nicht mehr. Das alles sollte justierbar an einer Fensterbank angebracht werden. So das ein weit entferntes Ziel genau eingestellt werden kann.


Ironie an

ich traue dem ca 18 Kg schweren Schraubstock in meinem Keller nicht zu, so genau justiert zu werden.

Ironie aus
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo,
im weitesten Sinne habe ich das gleiche Problem mit einem Markenglas von DÖRR,habe es schon zweimal justieren lassen,aber nach einer gewissen Zeit kann ich es nur noch zur Naturbeobachtung verwenden. Deshalb kaufte ich mir ein Glas von BRESSER mit starker Vergrößerung,was ich wie meinen Augapfel hüte und mir bei der fexiblen Beobachtung des Himmels Freude bereitet.
 
Hallo,

Das klingt der Beschreibung nach für mich, als hättest du nach dem Bild im Fernglas justiert, also die Doppelbilder der Sterne übereinandergeschraubt ;-)
Wenn du jetzt leicht schielst, dann produzierst du nach der Methode ein schielendes Fernglas.
Abhilfe:

Entweder ein "Schielglas" nur für dich einjustieren, das mit dem für dich passenden Augenabstand für dich gute Bilder liefert, oder wenn das Fernglas danach nicht schielen soll, dann lass das Einstellen jemanden machen, der nicht schielt.

Thomas
 
Hallo,
es tut mir leid, erst jetzt zu antworten; ich war längere Zeit nicht mehr im Forum.

Ich denke, dass Peter das Problem und die Gründe dafür recht anschaulich beschrieben hat.
Die optischen Achsen und die Knick-Achse müssen parallel sein, damit sich ein Fernglas nach dem Knicken (Veränderung des Augenabstandes) nicht dejustiert. Selbstverständlich können die beiden optischen Achsen nach dem Knicken nicht mehr barallel bleiben, wenn sie nicht vorher auch parallel zur Knick-Achse waren.
Die beiden optischen Achsen so zu justieren, dass sie zueinander parallel sind, ist kein Problem, es gibt ja einen großen Bereich, in dem dies möglich ist, aber nur in einem bestimmten Punkt sind sie auch parallel zur Knickachse.

Ich habe das Problem so gelöst, indem ich die Justierringe vor dem Justieren in eine möglichst neutrale Stellung brachte, also dass sich die breiten Teile der Ringe gegenüber befanden. Von diesem möglichst neutralen Punkt aus habe ich die beiden nun seitlich versetzten Bilder durch beidseitiges Drehen der Justierringe übereinander geschoben.
An diesem Punkt möchte ich Anmerken, dass es natürlich auch möglich gewesen wäre, die Bilder beispielsweise durch enseitiges Justieren deckungsgleich zu machen. Dann würden sie auch parallel zueinander, aber dann in einem anderen Winkel zur Knickachse stehen. Dies meinte ich damit, dass es einen großen Bereich gibt, in dem es möglich ist, die optischen Achsen zu paralelisieren. Aber nur in einem Punkt ist es korrekt.

Viele Grüße,

Ringo
 
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