Bastelprojekt: Foto-APO mit 80er LOMO Linse

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Martin_Raabe

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Hallo zusammen,

meine Suche nach einer ansprechenden Foto-Optik hat mich (wie eigentlich zu erwarten war) zum LOMO 80/480 Triplett geführt. Auch bekannt als TMB 80/480.

Kurz vor Schluss kam ein Gebrauchtkauf dieser Optik in einem William-Tubus nicht zustande... zum Glück! Wäre ich doch fast meiner Selbstbau-Devise untreu geworden. Ich war aber in der starken Versuchung nicht immer alles selbst machen zu wollen, und kurzfristig an eine Foto-Optik zu kommen.

Also hat Plan B gezogen, der darin bestand besagte Lomo Optik einzeln zu kaufen, und den Rest selbst zu bauen. Am Anfang der Dinge stand somit dieses hier:


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_lomo80480.jpg


Laut Protokoll hat das Objektiv'chen 0,10 Lambda ptv und 0,021 lambda RMS @ 546nm. Müsste also durchaus brauchbar sein. Als ich beim Händler eintraf erwartete man mich bereits, mit dem Objektiv vor einem künstlichen Stern, und ich konnte mir gleich mal einen ersten Eindruck von der Qualität verschaffen.


Beim Design des Tubus habe ich wegen der Foto-Anwendung im Wesentlichen auf Stabilität geachtet, vor allem im Bereich des OAZ. Aber vielleicht erst mal ein paar Bilder.


So sieht das Gerät jetzt aus:


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_gesamt.jpg



Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_backend.jpg


Den Crayford-OAZ könnte ich in Anlehnung an ein bekanntes Produkt als Bronze-Track bewerben. Die 4 oberen Kugellager laufen auf 2 Streifen aus federharter Phosphorbronze, die in Nuten des Innenrohres eingearbeitet sind.

Beim Design des Tubus war mir als erstes aufgefallen, dass der Okularauszug ganz schön dick werden muss, um eine brauchbare außeraxiale Ausleuchtung hinzukriegen. 2 Zoll sind fast zu eng. Ich habe ein 70mm Innenrohr verwendet, dessen Innendurchmesser stufenweise von 60mm auf 50,8mm abfällt.

Hier ein Blick ins Innenrohr, wo man die Durchmessersprünge in 4 Stufen sieht. Diese Innenflächen haben natürlich Antireflexgewinde, und sind mit Tafelfarbe angemalt.


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_oaz-innen.jpg


Die Antriebswelle wird mittels einer Teflon-Lagerschale nach unten abgestützt (an der Stelle wo sie oben gegen die Rollfläche des Innenrohres drückt.


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_oaz-welle.jpg


Der rechte Fokussierknopf ist über ein zweistufiges Zahnradgetriebe als Untersetzung an die Welle angebunden. Die üblichen Mentor-Knopfautomaten sind mir irgendwie zu unsicher in ihrem Durchrutsch-Verhalten, so dass ich hier eine Zahnraduntersetzung gezimmert habe. Der Untersetzungsfaktor ist ca. 7,1.


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_oaz-getriebe.jpg


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_oaz-montiert.jpg


Die Rohrschellen sind in üblicher Weise zum aufklappen mit Spannschrauben. Die Gummiringe an den Knöpfen fehlen noch...


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_schellen.jpg


Der Tubus und die Taukappe sind innen mit Velours beklebt.

Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_velours.jpg


Der 8*50 Sucher hat sein Objektiv aus einem alten Fernglas. Da durch den Anschluss der Kamera ein Geradsichtsucher nicht praktikabel ist, kommt noch ein Amici-Prisma zum Einsatz. Das Okular ist ein 25mm Kellner, dessen Plastiktubus durch eine neue Ausführung aus Metall ersetzt wurde. In dem Zug ist dann gleich noch eine verstellbare Feldblende reingekommen, wo noch 2 Fäden zu spannen sind.


Im Tubus, vor dem OAZ, ist eine entfernbare 45mm lange Gewindehülse integriert, falls der Backfokus mal nicht reicht.

Die Taukappe reicht 125mm vor das Objektiv, somit ist hoffentlich genug Schutz gegen Taubefall gegeben. Die ist abschraubbar, wenn das Transportmaß mal kritisch wird.


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_taukappe.jpg


Der Haupteinsatz soll ja mit meiner Selbstbau-CCD Kamera erfolgen. Dieses Setup sieht dann so aus:


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_ccd285.jpg


Zwischengeschaltet ist hier der Reducer/Flattener von Televue, wodurch das System dann 384mm bei f4,8 hat.



Vielleicht hat sich der ein oder andere bereits gefragt, was das für eine weiße Farbe auf dem Tubus ist. Es ist eine hausgemachte Pulverbeschichtung.

Pulverbeschichtung ist der Industriestandard um Metallteilen einen "Anstrich" zu verpassen. Dabei wird kein nasser Lack aufgetragen, sondern trockenes Farbpulver wird in Richtung Werkstück gepustet, und durch ein elektrisches Feld vom Werkstück angezogen und festgehalten.

Das Farbpulver wird dann für ca. 15 Minuten bei ca. 180° eingeschmolzen. Resultat ist eine sehr robuste, sehr gleichmäßige Oberfläche, die auch auf Alu extrem gut hält (ganz im Gegensatz zu Nasslacken).


Seit wenigen Jahren gibt es Pulverbeschichtungs-Systeme für den Hausgebrauch. Neuerdings auch mit Fön-Gebläse statt Druckluft. Im ATM-Kontext hat meines Wissens als erster Robert Pudlo das Thema angestoßen, und zwar hier


Ich habe mir das gleiche System zugelegt, und erstmals für die Teile des Apos eingesetzt. Resultat: eine super Sache!!!

Man erhält Teile mit einer absolut professionellen Oberfläche! Sieht wirklich aus wie die Tuben von Vixen oder Astro Physics. Völlig gleichmäßig, sehr widerstandsfähig, ein schöner Glanz, kurzum wirklich perfekt. VIEL besser als alles was man mit der Dose o.ä. hinkriegt.

Das Pulver gibt es in so ziemlich jedem RAL Farbton. Ich habe RAL 9016 "verkehrsweiß" verwendet. Seidenmatt steht drauf, aber die Oberfläche entspricht vom Glanzgrad etwa "hochglanz" aus der Dose.

Zum Arbeitsablauf hat Robert in seinem Posting so ziemlich alles geschrieben. An dieser Stelle nochmal Danke an Robert für seinen damaligen Beitrag.



Los ging es natürlich mit den Rohteilen. Übrigens sind alle Teile wieder auf meiner kleinen China-Drehbank entstanden.


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/apo80_rohteile.jpg


Das Werkstück hängt man so auf, dass elektrischer Kontakt zur Erdungsklemme der Pulverpistole besteht, und kein Teil der Sichtfläche verdeckt wird. Nicht zu beschichtende Stellen deckt man ab (z.B. mit Alufolie, ich habe meist Backpapier verwendet). Für kleine Stellen ist hitzebeständiges Klebeband im Set enthalten.


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/pb_tauk1.jpg


Dann föhnt man das Pulver drüber. Hierbei empfiehlt sich eine peinlich genaue Kontrolle mit einer Handlampe auf Fussel o.ä., da diese nach dem Einbrennen unübersehbar in der Oberfläche stecken. Ich habe die Fussel oder auch übermäßige Pulveranlagerungen durch gezielte Puster beseitigt, und dann ggf. nochmal nachgepulvert.


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/pb_schiene.jpg


Wenn das Teil schön gleichmäßig eingepulvert ist, verfrachtet man es extrem vorsichtig in den Ofen. Dort schmilzt dann nach einigen Minuten das Pulver (die Oberfläche wechselt von matt nach glänzend). Nach weiteren 15 oder 20 Minuten ist die Beschichtung eingebrannt, und das Teil kühlt ab.


Link zur Grafik: http://maksunaut.bplaced.net/pb_suchertubus.jpg


Für alle Teile des Refraktors habe ich ca. 10 Teelöffel Farbpulver benötigt. Also auch sehr sparsam die Sache.


So, jetzt hoffe ich die Tage mal auf das First-Light! Auch wenn es schwerpunktmäßig ein Foto-Gerät sein soll, hoffe ich dass das kleine Teil auch bei visuellem Einsatz Spaß macht. Hier geht es mir vor allem um Bequemlichkeit und spontane Verfügbarkeit.

Ich werde berichten...

cs
Martin
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Martin,

meinen Glückwunsch!
Das ist allererste Sahne, was Du hier zeigst,
sowohl das durchdachte Konzept als auch auch die Ausführung ... .

Viel Erfolg und Freude mit dem Foto-APO wünsche ich.

CS
Bernd
 
Hallo Martin,

ein Glück, dass Du den Gebrauchttubus nicht bekommen hast, sonst hätten wir das alles hier nicht zu sehen bekommen :super:

Die Dinge, die Du angehst, werden einfach immer perfekt. Das ist das ATM Nirvana, da wird es absolut verzeihlich, dass Du Dir die Linsen nicht auch noch selbst geschliffen hast ;)

Viele Grüße
Reiner
 
Hallo Martin,

da hast Du eine Meisterleistung vollbracht.

Könntest Du mir bitte sagen, wie Du die 4 Kugellager befestigt hast?

Viele Grüße aus Graz,

Johann
 
Hallo Martin,

das ist ein echtes Vorzeige-Projekt geworden! Sowohl von der Konstruktion als auch von der handwerklichen Umsetzung klasse gamacht. :applaus:

Weißt Du genaueres wie sich die Robustheit der Pulverbeschichtung gegenüber einer 2-K Lackierung verhält?


Begeisterte Grüße Felix
 
Hallo Martin

auch einen Glückwunsch von meiner Seite . Mich freut es das diese Linse ein solch tolles Haus verpasst bekam :-)

 
Hallo Martin,

nachdem ich meine Kinnlade wieder hochgeklappt habe kann ich nur sagen: Respekt!!!!
Eigentlich ist man von Dir ja nichts anderes gewohnt, aber es beeindruckt mich immer wieder, was Du mit viel Können, Detailliebe und auch Gefühl fürs Design produzierst.
Ich stecke ja auch nicht wenig meiner Zeit in Astro-Selbstbauprojekte, aber was Du hier ablieferst ist einfach genial!
Freut mich, daß Du auch so gute Erfahrungen mit der Pulverbeschichtung gemacht hast, ich wende sie auch immer wieder an und bin jedes Mal vom Ergebnis angetan.

Bleibt nur die Frage, wo Du die ganze Freizeit hernimmst ;-)

Weiter so und Gruß aus Ulm,

Robert
 
Ja,

da kann man Robert wirklich nur zustimmen.

Einfach eine tolle Sache, die Du da wieder hingezimmert hast. Technik ist das eine, Optik das andere, hier stimmt beides.

Jörg
 
Hallo Martin,

alle Achtung, das ist vom Feinsten.
Ich habe mir mal Deine Homepage angeschaut. Das ist ja total abgefahren was Du da treibst. Ausgesprochen gut gefällt mir die verschiebbare Hauptspiegelzelle. Was mich besonders interessiert, ist das Filterrad Deiner Kamera. Hast Du dazu noch etwas mehr Informationen?

Gruß
Andreas
 
Hallo an alle,

Danke für euer Interesse und natürlich auch für die zahlreichen Belobigungen! :blush:


Könntest Du mir bitte sagen, wie Du die 4 Kugellager befestigt hast?

Hallo Johann, ich versuche es mal anhand eines Fotos vom montierten OAZ zu erklären. Wenn ich das Teil mal wieder zerlege, mache ich Fotos vom Inneren.

Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/apo80_oazlager.jpg

Hier sieht man eine Ausfräsung im Außenrohr, wo eine der Klemmschrauben bei ganz eingefahrenem Auszug eintaucht. Wenn du genau hinschaust, erkennst du den Schnitt durch eine umlaufende Nut, auf der Höhe der beiden hinteren Kugellager (oben im Bild ist eines der hinteren Lager zu erahnen). Die Lager (Breite 4mm) sind auf kleine Achsen der Länge 6mm aufgeklebt, d.h. beidseitig schaut ein 1mm langer Achsstummel aus dem Lager. Diese Laufrollen werden von der Innenseite her in die Nut des Außenrohres eingelegt, und zwar an den Stellen wo die innere Nut sich mit den von außen gefrästen Langlöchern schneidet. Ist schwer zu erklären, aber ganz einfach wenn man es sieht.

Das habe ich schon vor einigen Jahren bei meinem Newton-OAZ so gemacht, es hat sich bewährt. Ein Vorteil besteht darin, dass man keine Justagemöglichkeit vorsehen muss, da im wesentlichen nur die Gleichheit der Tiefe der beiden inneren Nuten für die Führungsgenauigkeit entscheidend ist. Auf der Drehmaschine kriegt man das gut hin.


Weißt Du genaueres wie sich die Robustheit der Pulverbeschichtung gegenüber einer 2-K Lackierung verhält?

Hallo Felix, mit 2K-Lack habe ich mangels Equipment und Räumlichkeiten nie gearbeitet. Ich denke schon dass 2K-Lack die besten Ergebnisse aller Lackvarianten zeigt, aber wie es mit der Haftung auf Alu und der Kratzbeständigkeit aussieht... keine Ahnung. Ich meine aber das die Pulverbeschichtung diesbezüglich das Beste ist was man machen (lassen) kann.

Google doch mal ein wenig rum, z.B. in der Mountainbike- oder Autofelgenszene. Beide Dinge werden standardmäßig lackiert und auch pulverbeschichtet.


cs
Martin
 
Hallo Markus,

Zitat von MLudes:
Hallo Martin
auch einen Glückwunsch von meiner Seite . Mich freut es das diese Linse ein solch tolles Haus verpasst bekam :-)


danke!! Wie ich lese scheinen die 80er ja bald nicht mehr erhältlich zu sein. Dann freut es mich um so mehr noch eines aus deinem Fundus erwischt zu haben.

Ich werde mal gespannt verfolgen was sich bei den Linsen im Bereich um 110-120mm tut. Dafür baue ich dann gerne nochmal einen Tubus... :biggrin:

cs
Martin
 
Hallo Martin,
Respekt, wenn ich nur auch so was könnte.
Eine Frage zu Deiner China-Drehbank : Welche ist das und
wo liegt der ca- Preis.

LG
Jochen
 
Hallo Martin,

die Idee mit der umlaufenden Nut ist super.

Vielen Dank, Du hast mir sehr geholfen.

Johann aus Graz
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi Martin!

Klasse Arbeit! Respekt von einem Urgestein des Refraktorbaus und sonstiger Projekte :)

Leider habe ich keine Selbstbauprojekte mehr im Kopf, denn die Sache mit der Pulverbeschichtung finde ich klasse und würde sie auf alle Fälle auch mal ausprobieren.

Viel Freude mit dem schönen Teil!
 
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