Ich möchte noch der Vollständigkeit halber die Kollodium-Reinung anmerken. Ist zwar nicht ganz ohne aber interessant.
Ich habe das schon mehrmals angewandt und bin begeistert.
Dazu baue ich die Spiegel aus und baue einen Pappring, den ich drum herumwickle und mit einer festen Schnur gut anpresse so daß quasi eine halbwegs dichte Schale entsteht mit dem Spiegel als Boden. Dann am besten raus damit oder in einem Raum bei dem mehrere Stunden die Fenster aufstehen können. Das Zeug stinkt abartig und ist leicht entflammbar bis explosiv.
Kollodium reinschütten, so daß es ein paar mm hoch steht.
Den Spiegel eben stehen lassen und das Kollodium trocknen lassen (ca Stunde).
Den Ring abnehmen und normalerweise steht die trockene Kollodiumhaut schon irgendwo ab, so daß mann diese vorsichtig nach oben (langsam!) abziehen kann. Wenn nicht, vorsichtig mit einem Tesafilmzipfel am Rand angreifen.
Klingt recht irre geht aber super meine Spiegel sind wie frisch aus dem Ei gepullt und sowas wie Kratzer kenne ich bei denen gar nicht, da es ja keine Bewegung gibt.
Vorteile:
- Bewegungs- und damit kratzfrei
Nachteile:
- Das eigene Riechorgan ist garantiert für ein paar Tage erledigt ;-)
- Nicht ganz billig, aber die Preisunterschiede sind enorm, manche wollen 50 EUR für 250ml, andere nur 5(!)
Kollodium darf aber nur auf hochwertige Optiken, Kunstofflinsen oder minderwertige Vergütungen sind ein klares NoGo. Ob schlechte Verspiegelungen kritisch sein können weis ich nicht, die von mir behandelten Spiegel sind von TS Newtons, das dürfte dann wohl GSO oder Orion sein.
Wer Kollodium nicht kennt, denke mal an die Kindheit zurück, früher hat man das Zeugs nämlich auf Hühneraugen geträufelt.
In Kollodium ist Äther, eine Reinigung im Gerät (Kunststoffteile) verbietet sich daher definitiv!
Beispiellink:
http://www.starkenburg-sternwarte.de/news/2000_06_03.htm (das dort anschließende Rumschrubben würde ich aber lassen)
Sonstige Reinungsmethoden von mir:
- Spiegel: Einweichen in ganz ordinärem Spülwasser (viel Spülmittel) Danach abwaschen mit destilliertem Wasser und hochkant trocknen lassen. Auch sehr gut und vielelicht die empfehlenswerteste Methode.
- Okulare: Putzmittel habe ich selten rangelassen, das erste seit Jahrem ist dieses Optical Wonder; Der Name klingt zwar bisserl nach Wundermitteln aus dem Shoppingkanal, aber das Zeug ist wirklich genial und auch wirklich rückstandsfrei. Verbrauch ist sehr gering so ein Fläschchen hält ewig, mittlerweile mein Standardmittel.
- Mittelchen aus der Apotheke werden oft empfohlen, hatte ich aber nicht nur einmal Ärger wegen Verunreinigungen, Zusätzen im Alkohol, etc. Definitiv vorher an irgendeinem unwichtigem Glasstück testen.
Und noch ein Nachtrag zur Reinigung allgemein. Wurde mir bewußt nachdem ich kürzlich meine Ausrüstung nach einer dreijährigen Pause vor kurzem wieder ausgepackt habe.
Spiegel reinigt mann eigentlich eh erst wenn mann sie unter dem Dreck schon nicht mehr sieht (Ausnahme: Pollen, wegen der Säure). Bei Okularen hingegen sollten Fingerabdrücke möglichst schnell verschwinden. Einige, zum Teil hochwertige Okulare hatte ich aus versehen ungereinigt eingelagert, nach dem Reinigen nun hat sich gezeigt, daß an diesen Stellen praktisch keine Vergütung mehr vorhanden ist.
Achja: Diese starren Einwegbrillenputztücher wurden vermutlich erfunden, damit Brillen nicht lange halten, ist etwa so als ob einem der Zahnarzt ein Kilo Süssigkeiten mitgibt, damit man ja bald wiederkommt ... grobkörniges Sandpapier ist billiger und hat den selben Effekt.
nv