Hallo,
um im Jahr 2011 erfolgreich in den Merkurorbit einschwenken zu können, muss die Raumsonde
Messenger am 29. September 2009 einen dritten und letzten FlyBy am innersten Planeten unseres Sonnensystems absolvieren. Dazu wurde jetzt planmäßig eine Veränderung der Fluggeschwindigkeit um 247 Meter pro Sekunde erforderlich. Dieses Deep-Space-Manöver wird in 2 Etappen durchgeführt. Als erster Schritt wurden am 4. Dezember um 9:30 MEZ die Haupttriebwerke für 4,5 Minuten gezündet und die Geschwindigkeit
Delta v relativ zur
Sonne um 219 Meter pro Sekunde auf jetzt 30,994 Kilometer pro Sekunde erhöht. Dies war ausreichend, um 90 Prozent der erforderlichen Geschwindigkeitserhöhung zu erreichen. Die jetzt noch ausstehenden 10 Prozent werden in einen 2. Manöver am Montag hinzukommen.
Hier der gesamte Ablauf der Fluges der Sonde zum
Merkur . Das momentan stattfindende Flugmanöver hat die Bezeichnung DSM-4.

Image Credit : NASA / JHUAPL / Carnegie Institute of Washington
Seht dazu auch
diese Mitteilung des JPL.
Was gibt es sonst so Neues von dieser Mission? Im Grunde läuft immer noch die Auswertung der Daten, welche im Zuge des 2. FlyBys am 6. Oktober gewonnen wurden. Bei der Auswertung der Bilder, bisher sind ca. 95 Prozent der Oberfläche fotografisch erfasst und die verbliebenen "weißen Flecken" konzentrieren sich um die Polarregionen sowie einem Streifen entlang dem 80. Grad östlicher Länge, sind die Geophysiker erfreut darüber, dass mittlerweile weite Gebiete unter unterschiedlichen Beleuchtungsverhältnissen aufgenommen werden konnten. Ein hoher Sonnenstand garantiert eine farbgetreuere Abbildung, niedriger Sonnenstand hingegen ermöglich eine bessere Analyse der topografischen Details der Kraterränder und Bergrücken. In den neu fotografierten Gegenden wurden einige überraschende Strukturen beobachtet, z.B. der hier bereits früher erwähnte Strahlenkrater in der Nähe des Nordpols, dessen Auswurfmaterial sich fast einmal ganz um den Planeten herum bis zum gegenüberliegenden Südpol erstreckt. Ansonsten ist festzustellen, dass
Merkur , im Gegensatz zu den 2 Gesichtern der erdnahen und erdabgewandten Seite des Mondes oder der Nord- und der Südhälfte des
Mars , über eine sehr gleichmäßig geformte Oberfläche verfügt. Trotzdem erscheint diese Oberfläche im regionalen Rahmen recht komplex. So konnten z.B. weitere eindeutige Anzeichen
vulkanischer Aktivitäten ausgemacht werden. Und auch das Material, welches bei verschiedenen Impaktereignissen ausgeworfen wurde, verfügt eindeutig über eine unterschiedliche chemische und mineralogische Zusammensetzung. Besonders gut ist dies auf diesem Foto vom 6.Oktober zu erkennen. Das Auswurfmaterial im Krater rechts oben ist hell, der Krater links dagegen wurde von dunklem Material überzogen.
Image Credit : NASA / JHUAPL / Carnegie Institute of Washington
Ein größeres Bild gibt es
hier und einen Kommentar dazu
hier. Dass 2 so eng beieinander liegende Krater ein so unterschiedliches Auswurfmaterial hinterlassen ist ein relativ eindeutiges Indiz dafür, dass die Zusammensetzung der Kruste des
Merkur keineswegs so homogen ist, wie seine auf den ersten Blick so gleichförmige Oberfläche es vermuten lässt. An manchen Kratern hat das dunklere Material übrigens sogar
Strahlen erzeugt. Die genauere Analyse der Zusammensetzung der verschiedenen Bestandteile des Oberflächenmaterials des
Merkur wird auf jeden Fall einen Schwerpunkt der Analysen der Raumsonde bilden, nachdem am 18. März 2011 das endgültige Orbiteinschwenkmanöver ausgeführt wurde und die 1-jährige Hauptphase der Mission beginnt.
Aber auch die anderen Wissenschaftsgebiete werden nicht zu kurz kommen. So wurden auch beim 2. FlyBy das Magnetfeld und die extrem dünne Atmosphäre des
Merkur und insbesondere ihre Interaktion mit dem Sonnenwind studiert. Aufgrund der Geometrie der Flugbahn der Sonde konnte erstmals die westliche Hemisphäre des
Merkur überflogen und so auch erstmals die bisher unbekannte Hälfte des Magnetfeldes vermessen werden. Dabei stellte man fest, dass das Magnetfeld des
Merkur fast genau auf seine Rotationsachse ausgerichtet ist - die Abweichung beträgt lediglich 2 Grad. Der magnetische Nordpol der
Erde hingegen weicht um immerhin rund 11 Grad vom geographischen Pol ab.
Durch Studien mit dem
MASCS-Spektrometer konnten in der Atmosphäre sowohl Natrium als auch Kalzium nachgewiesen werden, welche wie ein von der
Sonne wegweisender Schwanz hinter dem Planeten hergezogen werden. Diese beiden Elemente konnten zwar bereits früher nachgewiesen werden, jetzt jedoch ist es möglich, sie besser zuzuordnen. Das Natrium scheint sich so auf die Regionen der mittleren Breiten nördlich und südlich des Äquators zu konzentrieren, das Kalzium wiederum befindet sich direkt über diesem. Warum sich diese beiden Elemente auf so deutlich voneinander abgegrenzte Herkunftsgebieten verteilen ist vorläufig eines der vielen noch zu lösenden Rätsel. Auf jeden Fall steht die unterschiedliche Freigabe in direktem Zusammenhang mit Prozessen, die sich direkt auf bzw. unter der Planetenoberfläche abspielen müssen. Erstmals detektiert werden konnte auch Magnesium.
Die zukünftige Untersuchung der Merkuratmosphäre ist ein weiterer und sehr spannender Aspekt der Mission. Die Oberfläche des
Merkur ist alt, uralt sozusagen. Aber die Exosphäre des Planeten ist ständigen Veränderungen unterworfen. Eine regelmäßige Beobachtung, welche sich über Monate erstrecken wird und nicht nur über die wenigen Minuten und Stunden eines FlyBys, wird mit Gewissheit weitere interessante Erkenntnisse liefern.
Seht dazu auch
hier bei der Planetary Society.
Die IAU hat außerdem einige weitere
Merkur -Krater benannt. Näheres dazu
hier. Diesmal kamen dabei Maler, Schriftsteller und Künstler zu ihren Ehren.
Hier noch einmal der Link zur Missions-Seite :
http://messenger.jhuapl.edu/ Und zum Schluss noch etwas ganz besonders Nettes. Vom 15. - 19. Dezember findet in San Franzisko ein Treffen der American Geophysical Union statt. Dabei wird es die ganze Woche über Vorträge zu den verschiedensten geophysikalischen Themen geben, welche sowohl die
Erde selbst, aber auch die verschiedenen Planeten und Monde des Sonnensystems betreffen. Pro Tag wird einer dieser Vorträge per Webcast im Internet ausgestrahlt. Am 15. Dezember wird das betreffende Thema der 2. FlyBy von Messenger sein.
http://www.agu.org/meetings/fm08/Schöne Grüße aus Hamburg - Mirko