Ich nehme an, dass das, durch das Herschelprisma, polaristierte Licht durch die Prismen im Binoansatz wieder auf der linken Seite "entpolarisiert" wird.
Hallo Michael,
Man kann polarisiertes Licht nicht so einfach "entpolarisieren". Du kannst linear polarisiertes Licht zwar in zirkular polarisiertes umwandeln und umgekehrt, aber die Polarisation lässt sich, jedenfalls bei einer bildformenden nicht-chaotischen Strahlführung, nicht so einfach eliminieren. Es gibt zwar sog. Polarization-Scrambler für faseroptische Anwendungen, aber das hat mit der hier vorliegenden Situation nichts zu tun.
Und zwar ist mir bei der Sonnenbeobachtung folgendes aufgefallen: In beiden Okularen habe ich jeweils einen einfachen Polarisationsfilter eingeschraubt. Nur konnte die Helligkeit durch drehen nur beim rechten Okular eingestellt werden. Links tat sich überhaupt nix.
Als Erklärung für Deine Beobachtung kommt eigentlich nur in Betracht, dass Du einen
polarisierenden Strahlteiler in Deinem Binokular hast. Das würde jedenfalls das unsymmetrische Verhalten im Zusammenhang mit einem polarisierenden Herschelprisma erklären.
Eigentlich sollten Binokularansätze
nicht-polarisierende Strahlteiler verwenden. Bei meinem Großfeldbinokular habe ich das auch verifiziert. Wenn überhaupt hat es nur einen praktisch unmerklichen Polarisationseffekt.
Wenn Dein Binokular einen polarisierenden Strahlteiler hat, dann werden die beiden Okulare mit jeweils zueinander orthogonalen Polarisationskomponenten versorgt. Solange das Licht am Eingang vom Binokular unpolarisiert ist, macht das auch keinen Unterschied. Wenn es dort aber schon polarisiert ist, etwa weil es von einem Herschelprisma kommt, dann ergibt sich, je nach der relativen Orientierung von Herschelprisma und Binokular, eine Rechts/Links-Asymmetrie im Transmissionsverhalten.
Lass uns mal Dein Experiment für die Fälle mit nicht-polarisierendem und polarisierendem Strahlteiler getrennt betrachten. In beiden Fällen ist das vom Herschelprisma kommende Licht bereits linear polarisiert.
(1) Nicht-polarisierender Strahlteiler
Das vom Herschelprisma kommende polarisierte Licht wird symmetrisch auf den rechten und linken Okularkanal aufgeteilt. Die auf den Okularen montierten Polarisationsfilter dämpfen dann entsprechend ihrer Orientierung zum Herschelprisma. Das Transmissionsverhalten und insbesondere die maximale und die minimale Intensität sind symmetrische zwischen links und rechts.
(2) Polarisierender Strahlteiler
Das vom Herschelprisma kommende polarisierte Licht wird entsprechend der Orientierung des Strahlteilers zum Herschelprisma unsymmetrisch aufgeteilt, z.B. im L/R-Verhältnis von 1/10. Wenn ich jetzt an den okularseitigen Polarisationsfiltern drehe, um damit die Intensität zu regulieren, bekomme ich ein sehr unsymmetrisches Verhalten. Nehmen wir z.B. mal an, die Flter transmittieren je nach Orientierung zwischen 1% im Minimum und 50% im Maximum. Dann variiert die Intensität auf der linken Seite zwischen 0.01 und 0.5, und auf der rechten Seite zwischen 0.1 und 5. Das dürfte jedenfalls qualitativ das völlig unsymmetrische Verhalten erklären, das Du beobachtest: "Links tat sich überhaupt nix."
Was kann man da machen? Die Asymmetrie hängt direkt von der relativen Orientierung von Herschelprisma und dem polarisierenden Strahlteiler im Binokular ab. Vielleicht ist es möglich, diese um 45° in eine "neutrale" Orientierung zueinander zu verdrehen, so dass beide Polarisationskomponenten in gleichem Maße transmittiert werden.
Ansonsten hilft natürlich, wie Du schon sagtest, ein einseitiger Graufilter ...
Mit freundlichen Grüßen,
Peter