Reflexe / Geisterbilder am Maxbright Bino ?

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas waago
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> Von einer Barlow würde ich aber eher eine Verbesserung
> erwarten, denn damit reduziert sich ja der Öffnungswinkel
> und aus einer schnellen Optik wird eine langsame.
> Auch mit Barlow oder GWK konvergieren ja die Strahlen immer
> noch, halt nur etwas langsamer ...

Schon, aber eine Barlow vergrößert auch den Durchmesser der Sichtbarkeit der Eintrittspupille. Diese Eigenschaft einer Barlow ist m.E. der Grund dafür, dass die problematischen, Nebenpupillen erzeugenden Bauteile des Binos beleuchtet werden.

Jens
 
Hallo

Hat jetzt nicht umbedingt mit Reflexen zu tun, ist aber auch ein interessantes Phänomen. Und zwar ist mir bei der Sonnenbeobachtung folgendes aufgefallen: In beiden Okularen habe ich jeweils einen einfachen Polarisationsfilter eingeschraubt. Nur konnte die Helligkeit durch drehen nur beim rechten Okular eingestellt werden. Links tat sich überhaupt nix. Ich nehme an, dass das, durch das Herschelprisma, polaristierte Licht durch die Prismen im Binoansatz wieder auf der linken Seite "entpolarisiert" wird. Denkt ihr, dass das das Problem sein kann?
Weil ansonsten denke ich jetzt links einen leichten Graufilter einzubauen und rechts den Polarisationsfilter zu lassen.

LG Michael
 
Ich nehme an, dass das, durch das Herschelprisma, polaristierte Licht durch die Prismen im Binoansatz wieder auf der linken Seite "entpolarisiert" wird.

Hallo Michael,

Man kann polarisiertes Licht nicht so einfach "entpolarisieren". Du kannst linear polarisiertes Licht zwar in zirkular polarisiertes umwandeln und umgekehrt, aber die Polarisation lässt sich, jedenfalls bei einer bildformenden nicht-chaotischen Strahlführung, nicht so einfach eliminieren. Es gibt zwar sog. Polarization-Scrambler für faseroptische Anwendungen, aber das hat mit der hier vorliegenden Situation nichts zu tun.

Und zwar ist mir bei der Sonnenbeobachtung folgendes aufgefallen: In beiden Okularen habe ich jeweils einen einfachen Polarisationsfilter eingeschraubt. Nur konnte die Helligkeit durch drehen nur beim rechten Okular eingestellt werden. Links tat sich überhaupt nix.

Als Erklärung für Deine Beobachtung kommt eigentlich nur in Betracht, dass Du einen polarisierenden Strahlteiler in Deinem Binokular hast. Das würde jedenfalls das unsymmetrische Verhalten im Zusammenhang mit einem polarisierenden Herschelprisma erklären.

Eigentlich sollten Binokularansätze nicht-polarisierende Strahlteiler verwenden. Bei meinem Großfeldbinokular habe ich das auch verifiziert. Wenn überhaupt hat es nur einen praktisch unmerklichen Polarisationseffekt.

Wenn Dein Binokular einen polarisierenden Strahlteiler hat, dann werden die beiden Okulare mit jeweils zueinander orthogonalen Polarisationskomponenten versorgt. Solange das Licht am Eingang vom Binokular unpolarisiert ist, macht das auch keinen Unterschied. Wenn es dort aber schon polarisiert ist, etwa weil es von einem Herschelprisma kommt, dann ergibt sich, je nach der relativen Orientierung von Herschelprisma und Binokular, eine Rechts/Links-Asymmetrie im Transmissionsverhalten.

Lass uns mal Dein Experiment für die Fälle mit nicht-polarisierendem und polarisierendem Strahlteiler getrennt betrachten. In beiden Fällen ist das vom Herschelprisma kommende Licht bereits linear polarisiert.

(1) Nicht-polarisierender Strahlteiler
Das vom Herschelprisma kommende polarisierte Licht wird symmetrisch auf den rechten und linken Okularkanal aufgeteilt. Die auf den Okularen montierten Polarisationsfilter dämpfen dann entsprechend ihrer Orientierung zum Herschelprisma. Das Transmissionsverhalten und insbesondere die maximale und die minimale Intensität sind symmetrische zwischen links und rechts.

(2) Polarisierender Strahlteiler
Das vom Herschelprisma kommende polarisierte Licht wird entsprechend der Orientierung des Strahlteilers zum Herschelprisma unsymmetrisch aufgeteilt, z.B. im L/R-Verhältnis von 1/10. Wenn ich jetzt an den okularseitigen Polarisationsfiltern drehe, um damit die Intensität zu regulieren, bekomme ich ein sehr unsymmetrisches Verhalten. Nehmen wir z.B. mal an, die Flter transmittieren je nach Orientierung zwischen 1% im Minimum und 50% im Maximum. Dann variiert die Intensität auf der linken Seite zwischen 0.01 und 0.5, und auf der rechten Seite zwischen 0.1 und 5. Das dürfte jedenfalls qualitativ das völlig unsymmetrische Verhalten erklären, das Du beobachtest: "Links tat sich überhaupt nix."

Was kann man da machen? Die Asymmetrie hängt direkt von der relativen Orientierung von Herschelprisma und dem polarisierenden Strahlteiler im Binokular ab. Vielleicht ist es möglich, diese um 45° in eine "neutrale" Orientierung zueinander zu verdrehen, so dass beide Polarisationskomponenten in gleichem Maße transmittiert werden.

Ansonsten hilft natürlich, wie Du schon sagtest, ein einseitiger Graufilter ...

Mit freundlichen Grüßen,
Peter


 
Hallo Peter

Sehr interessant was du da schreibst. Danke für die ausführliche Erklärung.
Also kann ich mal davon ausgehen, dass der Strahlenteiler im Baader Binoansatz polarisierend ist. Deinen Lösungsvorschlag werde bei der nächsten Gelegenheit ausprobieren. Habe ich das schon richtig verstanden, dass ich den Binoansatz so verdrehen soll, dass er im 45° Winkel zum Teleskop steht? Ich habs mal "skizziert" *gg* - Sicht von oben auf OAZ und Binoansatz.

LG Michael

I___I
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Hallo Michael,

stell Dir mal vor, Du beobachtest die Sonne im Süden um die Mittagszeit.

Normalerweise steht das Binokular dann mit beiden Okularen auf gleicher Höhe zur Rechten und zur Linken der Knickebene, die durch die Teleskopachse und den nach oben zeigenden 90° Ausgang vom Herschelkeil gebildet wird.

Jetzt verdrehst Du das Binokular um seine Eingangsachse, so dass der rechte und der linke Okularkanal nicht mehr auf gleicher Höhe, sondern schief stehen. Bei einer Verdrehung um 45° sollte das unsymmetrische Transmissionsverhalten völlig verschwinden.

Leider erfordert das dann eine schiefe und unkomfortable Kopfhaltung. Du kannst aber zusätzlich auch die Knickebene vom Herschelkeil verdrehen, so dass der 90° Ausgang nicht nach oben, sondern zur Seite zeigt. Auf diese Weise kannst Du die Okulare wieder einigermaßen auf gleiche Höhe bringen. Allerdings müsstest Du das erhebliche seitliche Drehmoment vom Bino durch ein geeignetes Gegengewicht auf der gegenüberliegenden Seite kompensieren, sonst dreht Dir die Chose nach unten weg.

Soweit zur Theorie - ob das praktikabel ist, musst Du selbst herausfinden.

Vorher solltest Du aber erst mal mit einem Polarisationsfilter verifizieren, dass der Strahlteiler von Deinem Bino tatsächlich polarisierend ist. Montiere so ein Filter am Eingang vom Bino und dreh es. Wenn die Intensität in den beiden Okularausgängen sich dabei verändert, und zwar so, dass Maxima auf der linken Seite Minima auf der rechten Seite entsprechen (und umgekehrt), dann weißt Du was Sache ist. Bei einer bestimmten Orientierung vom Polarisationsfilter solltest Du in beiden Okularausgängen dieselbe Intensität bekommen. Das ist die 45° Stellung, von der oben die Rede war.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Hallo Peter, hallo Michael,

ich hab gerade aus Interesse den Polfilter vor meinen William Optics Binokularansatz geschraubt und eine weisse Wand betrachtet. Siehe da, die Helligkeit ändert sich wirklich mit der Drehung des Polfilters! Zwar nicht dramatisch, aber doch deutlich sichtbar, wenn man darauf achtet. Der Strahlenteiler polarisiert also zumindest teilweise. Wenn die rechte Seite die minimale Helligkeit zeigt, ist die linke hell und umgekehrt. Dabei tritt auch eine leichte Farbänderung ins bräunliche auf bei minimaler Helligkeit.

Ich kann mir schon vorstellen, daß dieser Umstand hinter einem Herschelkeil auffällt. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich es auf Anhieb gesehen hätte, ohne davon zu wissen. Wieder mal was dazugelernt: teilweise Reflexion ist oftmals mit Polarisation verbunden.

Herzliche Grüße
Arnold
 
Hallo

Heute hatte ich die Möglichkeit das mit dem 45° Verdrehen des Binoansatzes auszuprobieren. Ja, es hilft - die Polarisationsfilter zeigten links und rechts die gleiche Wirkung. Nur die Kopfhaltung ist dann echt gewöhnungsbedürftig und auch die Orientierung beim Bewegen des Teleskops ist sehr seltsam.
Also werde ich mir für die zusätzliche Lichtdämmung etwas ausdenken müssen. Entweder einen Polasrisationsfilter vor den Binoansatz (Problem: Wie soll man den später verstellen?) oder aber Graufilter in die Okulare (Problem: Wieviel % Transmission braucht man?).

LG Michael
 
Hallo Michael,

jetzt weißt Du immerhin die Ursache für das asymmetrische Verhalten von Deinem Binokularansatz, nämlich die polarisierende Eigenschaft des Strahlteilers darin.

Du hast Dich inzwischen auch überzeugen können, dass eine 45° Schrägstellung des Binokulars die L/R-Asymmetrie eliminieren kann. Wenn Du dabei den Herschelkeil in der gewohnten Orientierung mit dem 90° Ausgang nach oben betreibst, führt das leider zu einer sehr unbequemen Kopfhaltung.

Wenn Du den 90° Ausgang aber stattdessen in eine horizontale Stellung bringst, bekommst Du bei mittlerer Sonnenhöhe (ideal wäre 45° über dem Horizont) und seitlichem Einblick wieder eine komfortable Einblickposition mit symmetrischer Augenhöhe ohne schiefe Kopfhaltung.

Wenn Du Dich für diese Lösung entscheidest, solltest Du aber das seitliche Drehmoment vom Binokular durch ein Gegengewicht auf der gegenüberliegenden Seite ausgleichen, sonst dreht Dir das schwere Teil eines Tages nach unten weg!

Ein Polarisationsfilter vor dem Binokular (zusätzlich zum Herschel) würde nichts gegen die Asymmetrie bewirken.

Wenn die Verdrehung von Binokular und Herschelkeil nicht praktikabel ist, kannst Du ja Deine Idee mit der einseitigen Dämpfung weiterverfolgen. Ich fürchte nur, dass Du dann auf beiden Seiten ein sehr dunkles Bild bekommst. Vielleicht ist eine Hybridlösung am besten: Ein Polarisationsfilter wie Du schon hattest zur stufenlosen Dämpfung der hellen Seite, und eine ganz geringfügige Verkippung des Binokulars (ohne wesentliche Beeinträchtigung der Kopfhaltung) zur Aufhellung der dunklen Seite.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Hallo Peter

Ich schätze das mit dem Binoansatz in horizontaler Stellung lasse ich bleiben. Wie du selbst sagst - das geht nur mit einem Gegengewicht und den OAZ will ich ehrlich gesagt nicht mehr als nötig beanspruchen. Und ohne Gegengewicht geht es auf keinen Fall. Da ist es mir auch schon passiert, dass sich die Steckhülse selbständig aufgeschraubt hat.
Stimmt, ein Polarisationsfilter vor dem Binoansatz bringt auch gar nix. Gut, dass du hier besser mitgedacht hast als ich :biggrin: .
Deinen letzten Vorschlag werde ich aber auch ausprobieren - evtl. gibts ja echt eine Position mit der ich gut leben kann.

LG Michael
 
Also die Sonne konnte ich bisher noch nicht beobachten - sollte sich aber im Laufe der Woche ergeben.
Aber etwas anderes ist mir aufgefallen, als ich mit dem Binoansatz letztens über den Sternenhimmel "gesurft" bin. Und zwar laufen da immer die Reflexionen vereinzelter Sterne quer durchs Bild und das entgegen der Bewegungsrichtung (oder eigentlich IN Bewegungsrichtung, weil der Zenitspiegel spiegelt ja rechts und links).

Ist ein ganz interessanter Effekt, der aber bei der Planeten-, Mond- und Sonnenbeobachtung nicht auffällt. Und das wundert mich ehrlich gesagt, also dass bei diesen Objekten die Spiegelungen nicht auftreten bzw. nicht störend in Erscheinung treten.

LG Michael
 
Hallo Michael,

es könnte sein, daß durch die kleinere Augenpupille die Geisterbilder am Mond nicht auftreten.

Beim Jupiter sind sie mir beim Suchen schon mal aufgefallen, aber wenn man einen Planeten mal im Okular hat, ist normalerweise kein ähnlich helles Objekt in der Nähe.

Clear Skies
Arnold
 
Hallo

Ja, das wäre evtl. eine Möglichkeit. Und jetzt wo es du erwähnst fällt mir auch wieder ein, dass ich letztens bei Jupiter auch einen Reflex gesehen habe. Und zwar war da Jupiter bereits aus dem Gesichtsfeld und der Reflex wirkte wie ein "Geisterbild" Jupiters. Aber wenn Jupiter im Gesichtsfeld ist, sehe ich keinerlei Reflexe.

LG Michael
 
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