Hallo Guntram,
diese Amalthea Geschichte ist echt der Hammer!
Besten Dank für diese sehr interessanten Links und Deine Ausführungen dazu.
Wie gesagt, es liegt mir fern die Lick Qualität anzuzweifeln. Qualität hat mehr Facetten als es eine einzelne Zahl aussagen lönnte. Die Entdeckungen in Verbindung mit dem Lick sprechen für sich!
Ich denke aber, wir haben noch kleine Differenzen bezüglich der Qualitätsauffassung :erschreck: .
- Strehlangeben von 0,99 halte ich für unmöglich.
- Bei Strehl 0,97 werde ich hellhörig und schaue mir die Messprozedur gern genauer an. Meist ist dazu wenig zu finden, komisch.
- Strehl über 0,9 - Messverfahren? Abzüge? Ok! Ausgezeichnet!
- Strehl 0,8 sehr gut! Natürlich abhängig von der Öffnung. Eine 2" Optik sollte dennoch besser sein. Ein teuerer APO auch.
- Strehl 0,6 - kommt drauf an. Ab 12" durchaus sehr brauchbar.
- unter 0,6 würde ich auf Einzelfallprüfung plädieren :Trost:
Mein eigener kleiner Schiefspiegler war mir hier eine große Lehre.
Hat (interferometrisch gemessen, ohne Abzüge) gerade 87% Strehl und wurde darob schon von manchen belächelt.
Aber wenn man durchsieht, bleibt nicht allzu viel zu wünschen übrig.
Was war Dir eine Lehre? Hast Du es den Leuten vor dem Durchgucken gesagt, und sie haben plötzlich nichts mehr erkannt?
Strehl 0,87 über alle Spiegel (wieviele?) ist ausgezeichnet und bestätigt Deine eigene Meinung darüber. So ein klein wenig kann ich das einschätzen, nachdem ich bisher alle meine Spiegel per Interferometrie hergestellt habe. Mein letzter (28" f/3.1) hat circa Strehl 0,57. Ich habe dieses Ergebnis im Astrotreff veröffentlicht, ich hätte es fälschen können, niemand kann das nachmessen. Mich hat allein die Abschlussmessung ein Wochenende gekostet! Aber wenn es jemand sowas ähnliches versucht reibt er ich verwundert die Augen. Und ich will, dass klar ist auf was man sich einlässt.
Übrigens, ein Fundstück aus dem Zeiss Infoletter zum 3,5m Teleskop will ich Dir nicht vorenthalten:
"Zweitens soll die von einem Stern aufgesammelte Strahlung möglichst scharf auf einem Punkt in der Fokalebene des Fernrohrs konzentriert sein.
Das bedeutet, dass die Qulalität der optischen Abbildung möglichst gut sein muss. Diese Bedingung wird allerdings bei erdgebundenen Fernrohren durch den Einfluss der Atmosphäre gemildert. Die Turbulenz der Luft läßt selbst unter besten Beobachtungsbedingungen keinen Stern kleiner erscheinen als eine Fläche mit etwa 0,5 Bogensekunden Durchmesser.
Optische Systeme, die etwa 70% der Strahlungsenergie in einem Bilddurchmesser von 0,3 Bogensekunden abbilden, gelten daher als ausreichend perfekt. Höhere Fertigungsgenauigkeiten bringen keinen praktischen Mehrgewinn."
aus: Zeiss inform. Oberkochen 27, 4-13 (1982), Heft 94
Ich werde die Sache noch einmal überdenken, aber als Kompromissvorschlag schon mal folgendes:
Die 0,3 arcsec bedeuten, dass man an besten Standorten bei Öffnungen ab 1 Meter über lässige Toleranzen nachdenken kann. Darunter ist es eine Einzelfallentscheidung. Da das von den Amateuren kaum jemanden betrifft, und da die "Gefahr" besteht, dass jemand sein Teleskop auf den Gamsberg oder auf den Paranal schleppt, würd ich sagen, Ok, so gut wie möglich!
Schönen Sonntag wünscht
Kai