anddill
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Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich über Ebay einen Seben Navigator II (203/1000 Newton) erworben. Schon direkt nach dem Aufbau war klar, daß die mitgelieferte Montierung nur eine Minimallösung ist.
Eine komfortablere Lösung mußte her. Zum Glück konnte ich mit etwas Geduld eine Seben EQ EM10 für glatte 200€ direkt von Seben über Ebay erwerben. Zu dem Preis fand ich das Angebot akzeptabel. Den Test von Sven Wienstein hatte ich schon gelesen und wusste, was mich erwartet.
Ich will auch nicht alles, was da geschrieben wurde nochmal durchkauen. Ich möchte aber noch einiges ergänzen, da ich ja meine Montierung nun ein Jahr in Benutzung hatte, und nicht nur einige Tage zur Ansicht.
Erst mal gab es eine interessante Übereinstimung. Auch meine Montierung hatte ein erhebliches Spiel in der RA-Achse, während die Dec-Achse sehr satt lief. Dieses Problem ist aber recht einfach lösbar. Wie Sven schon richtig vermutet hat, kann man die Schneckenlager und den Abstand der Schnecke zur Hülse der Achse justieren. Ich bin darauf gestoßen, weil ich den Dec-Antrieb zerlegen musste. In den klaren Nächten Anfang Oktober versagte der Antrieb nämlich. Laut lief er schon von Anfang an, aber nun begann er auszusetzen.
Der Fehler scheint seine Ursache in der Montage des Getriebemotors zu haben. Der Motor selbst wird von drei Senkkopfschrauben zusammengehalten. Eine davon war lose, bei der anderen war der Kopf abgedreht. Ich vermute, dadurch laufen die Wellen im Getriebe nicht fluchtig und die Zahnräder verklemmen jetzt. Ohne Ersatzmotor ist das kaum zu reparieren. Ich habe Seben mal angeschrieben, auf Ebay werben sie ja mit Service und sicherer Ersatzteilversorgung.
Nun zur Justage:
Zunächst sollte man das Spiel der Schneckenwelle einstellen. Am besten geht das, wenn die Welle frei drehen kann. Löst man die vier schwarzen Schrauben, die den Antrieb am Gehäuse halten (vorher die Halterung der Buchsen lösen), kann man den Antrieb von der Achshülse abrücken. Die Schraube unter den Zahnrädern ist problemlos mit einem schlanken Schraubendreher zwischen den Zahnradachsen hindurch erreichbar. Löst man nun noch die Kupplung, kann die Schneckenwelle frei drehen.
Nun löst man die Sicherungsmutter gegenüber dem Antrieb um zwei Umdrehungen und kann jetzt mit einem oder besser zwei Schraubendrehern die Hülse (mit Gefühl!) so anziehen, daß die Schnecke fest sitzt, aber noch leicht dreht. Kontermutter wieder anziehen und fertig. Dann rückt man den Antrieb wieder fest an die Hülse (Ist im Bild zwischen Antriebsschlitten und Gehäuse erkennbar) und zieht die beiden vorderen Schrauben an. Jetzt sollte die Schnecke an der Hülse noch minimal Spiel haben, denn wenn man jetzt die hinteren Schrauben anzieht, wird die Schnecke fest an die Hülse gedrückt. Es kann sein, daß man das ein wenig üben muss, den je nach "Lockerheit" der hülsenseitigen Schrauben kann es dazu kommen, daß die Schnecke zu fest sitzt und dann klemmt.
Nach dieser Aktion war meine Montierung in sich absolut spielfrei. Nur die Plasteenden der Stativbeine geben noch nach, und so kann man das ganze Stativ incl. Teleskop in leichte Drehschwingungen versetzen. Leider habe ich keinen direkten Vergleich zu anderen Produkten, aber den Meinungen hier im Forum entnehme ich, daß leichte Schwingungen auch bei anderen nicht ganz so preiswerten Produkten nicht auszuschließen sind.
Die anderen Fehler im Schnelldurchlauf:
Der Dec-Motor war ab Werk funktionslos. Ursache war ein abgefallenes Kabel am Motor, das ich wieder angelötet habe.
Beide Zahnräder an den Motorwellen lösten sich nach einigen Betriebsstunden. Ra-Motor konnte ich problemlos nachziehen, am Dec-Antrieb waren die Madenschrauben an den Schlitzen halbiert. Ich hab sie rausgepolkt und einfach neue Schrauben eingesetzt.
Der Seitendeckel mit der Polhöhenscala fiel ab. Er war bloß leicht angeklebt. Hab ihn wegen Funktionslosigkeit gleich abgelassen. So konnte ich auch die Verschraubung darunter richtig anziehen.
Die Buchse am Dec-Motor kam beim Stecker Abziehen mit aus dem Gehäuse. Mit Heißkleber fixiert.
Die Schienenaufnahme am Kopf ist etwas zu schmal gefräst. So kann man zwar eine Prismenschiene längs einschieben, aber nicht schnell seitlich aushaken. Falls ich das ganze Ding nochmal zerlege (Um auch den Chinahonig zu entfernen), werde ich mal bei einer Fräse vorbeischauen und das korrigieren.
Wie Sven schon bemerkte, die Scalen sind komplett funktions. Sie drehen völlig willkürlich mal mit und mal nicht, je nachdem, wie der Honig gerade klebt.
Die Strichplatte im Polsucher ist nachts komplett unsichtbar. Da die Einstellung sowieso funktionslos ist (siehe Scalen) orientiert man sich besser am großen Wagen um zu wissen, wo man am Polarstern vorbeizielen muss. Visuell reicht es auch, einfach direkt draufzustellen. Und fotografieren geht mit dem Ding sowieso nicht. Dazu ist nämlich der Gleichlauffehler zu groß. Das Objekt wandert je nach Vergrößerung über mehrere Minuten im Blickfeld in Ra-Richtung hin- und her, oder halt übers Blickfeld hinaus. Ich muss hier allerdings sagen, daß ich nach der Spieleinstellung das noch nicht wieder gründlich getestet hab.
Wer sich fragt, wie Seben ohne Schrittmotoren oder Servo die Drehzahl regelt: In der Steuerung ist ein IC aus Kassetenrecordern verbaut, der aus den Stromschwankungen, die der Motor durch seinen Kommutator dem Betriebsstrom aufprägt die Drehzahl ableiten kann und sie so konstant regeln kann. Pfiffig gelöst.
Und noch etwas zur Steuerung. Die LEDs haben sicher in einer chinesischen Werkhalle die richtige Helligkeit, aber in einer Brandenburger Nacht sind sie extrem störend. Vor allem betrifft das die grüne LED, die im normalen Nachführbetrieb leuchtet. Ich habe das Problem gelöst, indem ich einfach einen anderen Vorwiederstand eingelötet habe.
Die Tragfähigkeit würde ich mal auf 7kG schätzen. Mein Newton wiegt aktuell 7,1kg ohne Schellen, und den bekomme ich nur noch austariert, indem ich die Sicherungsschraube unten an der Gegengewichtsstange etwa 5mm rausdrehe und die Gewichte bis an diesen Anschlag schiebe.
Das wars erst mal, wer noch Fragen hat, bitte, immer her damit. Aber ich muss darauf hinweisen, daß ich noch nie was besseres als die Seben besessen habe, habe also keinen Vergleich zu anderen Produkten.
Andreas
Eine komfortablere Lösung mußte her. Zum Glück konnte ich mit etwas Geduld eine Seben EQ EM10 für glatte 200€ direkt von Seben über Ebay erwerben. Zu dem Preis fand ich das Angebot akzeptabel. Den Test von Sven Wienstein hatte ich schon gelesen und wusste, was mich erwartet.
Ich will auch nicht alles, was da geschrieben wurde nochmal durchkauen. Ich möchte aber noch einiges ergänzen, da ich ja meine Montierung nun ein Jahr in Benutzung hatte, und nicht nur einige Tage zur Ansicht.
Erst mal gab es eine interessante Übereinstimung. Auch meine Montierung hatte ein erhebliches Spiel in der RA-Achse, während die Dec-Achse sehr satt lief. Dieses Problem ist aber recht einfach lösbar. Wie Sven schon richtig vermutet hat, kann man die Schneckenlager und den Abstand der Schnecke zur Hülse der Achse justieren. Ich bin darauf gestoßen, weil ich den Dec-Antrieb zerlegen musste. In den klaren Nächten Anfang Oktober versagte der Antrieb nämlich. Laut lief er schon von Anfang an, aber nun begann er auszusetzen.
Der Fehler scheint seine Ursache in der Montage des Getriebemotors zu haben. Der Motor selbst wird von drei Senkkopfschrauben zusammengehalten. Eine davon war lose, bei der anderen war der Kopf abgedreht. Ich vermute, dadurch laufen die Wellen im Getriebe nicht fluchtig und die Zahnräder verklemmen jetzt. Ohne Ersatzmotor ist das kaum zu reparieren. Ich habe Seben mal angeschrieben, auf Ebay werben sie ja mit Service und sicherer Ersatzteilversorgung.
Nun zur Justage:
Zunächst sollte man das Spiel der Schneckenwelle einstellen. Am besten geht das, wenn die Welle frei drehen kann. Löst man die vier schwarzen Schrauben, die den Antrieb am Gehäuse halten (vorher die Halterung der Buchsen lösen), kann man den Antrieb von der Achshülse abrücken. Die Schraube unter den Zahnrädern ist problemlos mit einem schlanken Schraubendreher zwischen den Zahnradachsen hindurch erreichbar. Löst man nun noch die Kupplung, kann die Schneckenwelle frei drehen.
Nun löst man die Sicherungsmutter gegenüber dem Antrieb um zwei Umdrehungen und kann jetzt mit einem oder besser zwei Schraubendrehern die Hülse (mit Gefühl!) so anziehen, daß die Schnecke fest sitzt, aber noch leicht dreht. Kontermutter wieder anziehen und fertig. Dann rückt man den Antrieb wieder fest an die Hülse (Ist im Bild zwischen Antriebsschlitten und Gehäuse erkennbar) und zieht die beiden vorderen Schrauben an. Jetzt sollte die Schnecke an der Hülse noch minimal Spiel haben, denn wenn man jetzt die hinteren Schrauben anzieht, wird die Schnecke fest an die Hülse gedrückt. Es kann sein, daß man das ein wenig üben muss, den je nach "Lockerheit" der hülsenseitigen Schrauben kann es dazu kommen, daß die Schnecke zu fest sitzt und dann klemmt.
Nach dieser Aktion war meine Montierung in sich absolut spielfrei. Nur die Plasteenden der Stativbeine geben noch nach, und so kann man das ganze Stativ incl. Teleskop in leichte Drehschwingungen versetzen. Leider habe ich keinen direkten Vergleich zu anderen Produkten, aber den Meinungen hier im Forum entnehme ich, daß leichte Schwingungen auch bei anderen nicht ganz so preiswerten Produkten nicht auszuschließen sind.
Die anderen Fehler im Schnelldurchlauf:
Der Dec-Motor war ab Werk funktionslos. Ursache war ein abgefallenes Kabel am Motor, das ich wieder angelötet habe.
Beide Zahnräder an den Motorwellen lösten sich nach einigen Betriebsstunden. Ra-Motor konnte ich problemlos nachziehen, am Dec-Antrieb waren die Madenschrauben an den Schlitzen halbiert. Ich hab sie rausgepolkt und einfach neue Schrauben eingesetzt.
Der Seitendeckel mit der Polhöhenscala fiel ab. Er war bloß leicht angeklebt. Hab ihn wegen Funktionslosigkeit gleich abgelassen. So konnte ich auch die Verschraubung darunter richtig anziehen.
Die Buchse am Dec-Motor kam beim Stecker Abziehen mit aus dem Gehäuse. Mit Heißkleber fixiert.
Die Schienenaufnahme am Kopf ist etwas zu schmal gefräst. So kann man zwar eine Prismenschiene längs einschieben, aber nicht schnell seitlich aushaken. Falls ich das ganze Ding nochmal zerlege (Um auch den Chinahonig zu entfernen), werde ich mal bei einer Fräse vorbeischauen und das korrigieren.
Wie Sven schon bemerkte, die Scalen sind komplett funktions. Sie drehen völlig willkürlich mal mit und mal nicht, je nachdem, wie der Honig gerade klebt.
Die Strichplatte im Polsucher ist nachts komplett unsichtbar. Da die Einstellung sowieso funktionslos ist (siehe Scalen) orientiert man sich besser am großen Wagen um zu wissen, wo man am Polarstern vorbeizielen muss. Visuell reicht es auch, einfach direkt draufzustellen. Und fotografieren geht mit dem Ding sowieso nicht. Dazu ist nämlich der Gleichlauffehler zu groß. Das Objekt wandert je nach Vergrößerung über mehrere Minuten im Blickfeld in Ra-Richtung hin- und her, oder halt übers Blickfeld hinaus. Ich muss hier allerdings sagen, daß ich nach der Spieleinstellung das noch nicht wieder gründlich getestet hab.
Wer sich fragt, wie Seben ohne Schrittmotoren oder Servo die Drehzahl regelt: In der Steuerung ist ein IC aus Kassetenrecordern verbaut, der aus den Stromschwankungen, die der Motor durch seinen Kommutator dem Betriebsstrom aufprägt die Drehzahl ableiten kann und sie so konstant regeln kann. Pfiffig gelöst.
Und noch etwas zur Steuerung. Die LEDs haben sicher in einer chinesischen Werkhalle die richtige Helligkeit, aber in einer Brandenburger Nacht sind sie extrem störend. Vor allem betrifft das die grüne LED, die im normalen Nachführbetrieb leuchtet. Ich habe das Problem gelöst, indem ich einfach einen anderen Vorwiederstand eingelötet habe.
Die Tragfähigkeit würde ich mal auf 7kG schätzen. Mein Newton wiegt aktuell 7,1kg ohne Schellen, und den bekomme ich nur noch austariert, indem ich die Sicherungsschraube unten an der Gegengewichtsstange etwa 5mm rausdrehe und die Gewichte bis an diesen Anschlag schiebe.
Das wars erst mal, wer noch Fragen hat, bitte, immer her damit. Aber ich muss darauf hinweisen, daß ich noch nie was besseres als die Seben besessen habe, habe also keinen Vergleich zu anderen Produkten.
Andreas
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