Baubericht zu meinem 8" Volltubus-Dobson

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wurzelwaerk

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Hallo zusammen,
ich lese selber gern Bauberichte von Teleskopen, also möchte ich mich heute mal revanchieren.
Alles begann mit der Idee, einen schnell einsetzbaren und einfach handhabbaren Volltubus-Dobson für den Garten daheim zu haben.
12" hatte ich schon, das war mir für diese Zwecke zu groß/schwer.
So fiel die Wahl auf 8" f/6 - ist es doch das klassische Schnellspechtel-Format für ein wenig von allem - Mond, Planeten, DeepSky.
Mein erster selbstgebauter Newton vor Jahren war mal ein Siberia 6" f/8. Der hat bei mir Maßstäbe gesetzt beim Thema nadelpunktförmige Sternabbildung.
Auf Grund von Öffnungsfieber hab ich ihn damals (leider) verkauft.
Ein 8" Dobs fertig kaufen kam nicht in Frage - zuviele Kompromisse oder Umbauten wären die Folge (hatte ich schon).
Also Selbstbau...

Die Rahmenbedingungen standen somit fest:
- tragbar in einem Stück --> leicht aber trotzdem stabil
- sehr gute Sternabbildung --> gute Spiegelqualität, kleine Obstruktion, thermisch isolierter Tubus
- schnelle Auskühlung/Einsetzbarkeit --> Pyrexspiegel, aktive Belüftung
- alle meine Okulare müssen in den Fokus kommen ohne Hülsen

Damit begann dann die Teilesuche und Planung.
Manches habe ich gezielt gesucht, manches war zufällig grad im Forum angeboten und manches war einfach so da...
Hier also die Liste der Zutaten:
- Carbon-Tubus aus der Reste-Ecke bei Klaus Helmerichs http://www.klaushelmi.de/
- ein Pyrex-Hauptspiegel mit sehr guten Daten (Forum)
- ein 41mm Fangspiegel aus Pyrex mit sehr guten Daten (Forum) - ergibt moderate 20% Obstruktion
- eine gebrauchte FS-Spinne (Forum)
- ein FeatherTouch 2015BCR OAZ mit 1,5" Hub (Forum)
- 6-Punkt Hauptspiegelzelle aus Aluminiumprofilen (Baumarkt / Eigenbau)
- leiser langsamlaufender 120mm Lüfter mit guter Luftförderleistung, zweistufig schaltbar (Computerhandel)
- Aluminiumprofile und eine alte Filz-Platzdecke für die Rohrschellen
- ein Rollenlager aus einer GSO-Rockerbox (Forum)
- Reste von Bangkirai-Holz aus einem diesjährigen Terassenprojekt
- Reste von Esche-Kanthölzern aus einem Astrostuhl-Projekt
- 2 Stück 50x50cm 21mm Multiplex für Bodenplatte/Drehteller der Rockerbox (Baumarkt)
- 30cm Höhenräder von DobsMount (Forum)
- Teflon, scharze DC-Fix Veloursfolie, Kleinteile, Edelstahl-Terassenschrauben, etwas schwarze Anti-Reflex-Farbe
- Osmo Hartwachs zur Oberflächenversiegelung der Holzteile
- Tauschutzkappe Orion FlexiShield (Forum)

Benötigte Werkzeuge:
- Software myNewton zur Berechnung des Designs/Fokuslage
- Zirkel, Bandmass, Winkel, Schiebelehre, Wasserwaage
- Stichsäge
- Raspel, Feile, Schleifleinen
- Bandschleifer
- Bohrmaschine, Akkuschrauber
- Gewindeschneider
- Schraubstock
- Pinsel/Rolle
- diverse Inbusschlüssel, Schraubendreher und Schraubenschlüssel

Durch den Tubus konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: ein Leichtgewicht durch CFK und sehr gute thermische Isolation dank Hartschaumkern.
Nach den Bohrungen für HS-Zelle, FS-Spinne und dem Ausschnitt für den OAZ wurde der Tubus mit Veloursfolie komplett ausgekleidet.
Die Schnittkanten an den Tubusenden habe ich per Edding geschwärzt und dann mit Lack versiegelt, damit man nicht ständig die CFK-Splitter in den Fingern hat.

Link zur Grafik: http://wurzelwaerk.net/foren-pics/8inch_cfk_front.jpg

Eine 6-Punkt-Zelle (nach Daten aus PLOP) enstand aus Aluminium Vierkant- und U-Profilen (für die Wippen), montiert auf einer Multiplexscheibe mit eingebautem Lüfter.
Die Auflagepunkte für den HS sind sehr harte Filzpads (die braunen, selbstklebend für Stuhlbeine aus dem Baumarkt).
Die Justage der Zelle erfolgt mit großen Handrädern feinfühlig gegen starke Federn.
Aus einem Stück 2mm starkem Aluminiumblech wurde der FS-Halter ausgeschnitten, auf 45° gebogen und der FS mit Silikon aufgeklebt.
Drei Inbusschrauben ziehen ihn gegen Federn und eine mittige Hutmutter an der zentralen Halteschraube.
So kann er sich bei der Justage nicht verdrehen, bleibt stabil und das justieren ging schnell.

Link zur Grafik: http://wurzelwaerk.net/foren-pics/8inch_cfk_cell.jpg
Link zur Grafik: http://wurzelwaerk.net/foren-pics/8inch_cfk_back.jpg

Die Rohrschellen wurden um den Tubus gebogen, mit Filz beklebt und aus 4 Stücken Hartholz, zwei Schrauben und zwei Sterngriffen enstanden die Verschlüsse.
Löst man die Sterngriffe leicht, so kann der Tubus darin einfach verschoben oder gedreht werden, ohne zu rutschen.
Die Kombination aus Filz und der lackierten CFK-Oberfläche erzeugt da einen schönen Slip-Stick-Effekt.
4 weitere Hartholzstücke, die natürlich vor dem Einkleben des Filz von innen angeschraubt wurden, bilden die Lagerblöcke für die Höhenräder.

Link zur Grafik: http://wurzelwaerk.net/foren-pics/8inch_cfk_tube.jpg

Die Breite des Tubus mit Höhenrädern legte jetzt den Durchmesser für die Drehteller der Rockerbox fest.
Was sonst als Seitenwände aus Multiplex ausgeführt wird, sind bei mir 4 Stück Unterkonstruktionsholz 40x70 aus Bangkirai.
Sie wurden von unten mit der Bodenplatte verschraubt und untereinander mit 20er Kanthölzern aus Esche verbunden.
Diese Kombination ist megastabil und man kann überall zum tragen reingreifen.
Die beiden 21er Multiplexplatten als Drehteller (mit 3 Holzfüssen) und Bodenplatte geben dem Ganzen einen schönen niedrigen Schwerpunkt - da kippt nix.
Am unteren vorderen Querholz brachte ich noch einen Puffer aus 20mm Moosgummi an, damit der Tubus dort nicht anschlagen kann.

Link zur Grafik: http://wurzelwaerk.net/foren-pics/8inch_cfk_clamps.jpg

Die oberen Enden der 4 "Eckpfeiler" wurden passend zu den Höhenrädern ausgeschnitten und nehmen über 4 Teflonpads dann die Höhenräder auf.
Die seitliche Führung passiert durch einen innen überstehenden Rand der Höhenräder.
Da ich die Rockerbox schön leichtgängig haben wollte, habe ich zu einem dieser umstrittenen Rollenlager gegriffen.
Ich finde es perfekt, wenn ich die Azimutalschraube gut anziehe und kontere. Diese steckt in einem Stück Rohr, dass Rocker mit Bodenplatte spielfrei verbindet.
Ev. rüste ich bei Gelegenheit mal noch ein Handrad im Rocker nach, welches dann ein Filzpad einstellbar gegen die Bodenplatte drückt zum Feintuning.

Da ich die Erfahrung gemacht habe, dass sich das Verhalten von Ebony/Teflon mit Temperatur und Feuchtigkeit während der Nacht ändert, bekam ein Höhenrad eine Fritionsbremse aus einem Stück Flach-Alu (um ein Höhenrad gebogen), 3 Teflonpads und zwei Einstellschrauben. Funktioniert perfekt und man kann auch ein schweres Okular wechseln, ohne dass der Tubus unfreiwillig seine Lage ändert.
Beobachtungen mit dem 31er oder 20er Nagler in Horizonthöhe im Schützen etc. sind ebenfalls kein Problem.

Link zur Grafik: http://wurzelwaerk.net/foren-pics/8inch_cfk_side.jpg

Ein Nachführgriff, eine Taukappe (auch gegen Streulicht - DANKE an die Nachbarn) und ein Telrad vervollständigen das Paket.

Link zur Grafik: http://wurzelwaerk.net/foren-pics/8inch_cfk_antidew.jpg

Aus einem Holzrest vom Aussägen der Bodenplatten, einem Stahlwinkel und zwei Rollen enstand noch eine einfache Transporthilfe, die ich einfach zwischen die beiden Teller stecken kann.

Link zur Grafik: http://wurzelwaerk.net/foren-pics/8inch_cfk_transport0.jpg
Link zur Grafik: http://wurzelwaerk.net/foren-pics/8inch_cfk_transport1.jpg

Nun könnte man sagen: was ein Aufwand für einen 8"-Dobson!
Mag sein, preislich definitiv, ABER:
a) habe ich jetzt genau das Teleskop, wie ich ich es mir vorgestellt habe
b) mit sehr guter Qualität (ich habe meine Nadelpunkt-Sterne wieder)
c) macht mir Basteln Spaß und es ist "mein" Teleskop - einmalig sozusagen.

Damit macht spontanes Beobachten wieder Freude und das ist, was ich wollte.
Wer's bis hierhin geschafft hat - Danke fürs Lesen und vielleicht konnte ich ja den ein oder anderen inspirieren, mal selber laut "Tooltime" zu rufen und in die Hände zu spucken - nur zu, es macht Spaß!
 
Hallo Ralf,


Nun könnte man sagen: was ein Aufwand für einen 8"-Dobson!

Ich würde sagen: vernünftig geplant und umgesetzt, so funktioniert ein Newton unkompliziert und macht Sinn. Besonders genial finde ich die Transporthilfe, gut daß ich nie Reststücke wegschmeiße.

Etwas wackelig sieht die Rockerbox auf den ersten Blick schon aus, gibt es keine Probleme mit dem Ausschwingen?


Viele Grüße Felix
 
Hallo Felix,
vielen Dank für die Blumen.

Ich hatte nun schon einige Dobsons von 8" bis 12" mit verschiedenen Rockerkonstruktionen und habe die immer auf Schwingungsarmut getrimmt.
Wenn mich etwas stört am Dobs ist es wackeln/schwingen beim Nachführen oder Fokussieren.

Die hier ist steif - beim Durchschauen an den Tubus tippen bewegt etweder den Tubus ein Stück oder es pasiert garnix, je nach Stärke des Stoßes.
Bangkirai und Esche sind von ihren Eigenschaften her hervorragende Hölzer für diesen Zweck (und Birke-Multiplex ja sowieso).
 
Hey, den Tubstyp kenne ich ;)

Super Dobson, den Du Dir da gebaut hast!
Vor allem weil es eben genau DEINEN Vorstellungen entspricht...

ich wünsche Dir immer das passende Wetter zu Deinen feinen Sternenpunkte,

Gruß
Ernie

PS: den unteren Abschluss Deines Dobsons finde ich besonders gut gelungen!
 
Man der sieht einfach nur super schön aus! Da bin ich echt neidisch, denn ich komme mom a) weder zu beobachten und b) noch nicht mal dazu meinen 8" GSO so zu dopen, wie ich ihn haben möchte.

Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Gerät!

cu und cs Marco
 
Hallo Ralf,
einen wunderschönen Dobson hast du dir da Gebaut :)
Ein Frage zur HS-Zelle:
ich habe meine Spiegelzelle damals genauso aufgebaut.Einige Optikfachleute meinten,daß ich mir einen Asti einfangen würde,enn die Justageschrauben gleichzeitig als Haltepunkte für den Spiegel fungieren...
Ich habe keine Möglichkeit der messtechnischen Überprüfung,visuell und auf Fotos ist mir kein Asti aufgefallen...
Hast du schon Erfahrungen diesbezüglich machen können?Sprich ist dir etwas aufgefallen?

Grüße Rainer

P.S.: sogar den Noctua Lüfter (80x80)hatte ich noch verbaut ;)

P.P.S:nach dem Durchlesen des Beitrages,stelle ich fest,ich sollte etwas praezisieren ;)
Bei deiner Spiegelzelle hast du Kontermuttern verwendet,um eine "Zugentlastung" der Spiegelklammern herzustellen.Ich hatte ein Gewinde direkt in den Traeger geschnitten und mit Schraubensicherungsmittel "verklebt"
Die Abstandshalter zu den eigentlichen Klammern sollten dann für eine völlige Entkopplung sorgen.So war mein Gedanke...
Bei meinem Spiegelhandelt es sich nur um einen 6" von Orion-UK
Daher auch nur eine einfache -Punktauflage (nach Plop)

und nochmal Grüße ;)
Rainer
 

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Hallo Rainer,
danke - Deine Frage will ich gern beantworten.

Man kann es auf meinem Foto schlecht sehen, aber die Halteschrauben für den Spiegel sind nicht die Justageschrauben.
Die Justageschrauben sind M8 und hängen mit ihrem Inbus-Kopf in dem Aluprofil - mit viel Fantasie kann man den Kopf im Vierkant erkennen.
So wirken die Kräfte nur auf den Zellrahmen.
Die Halteschrauben sind M4 und weiter außen am Zellrahmen angebracht, darauf je eine lose Kunststoffrolle und oben mit zwei Muttern die Unterlegscheibe als Spiegelsicherung.
Die Scheiben sind von unten mit Velours beklebt und haben normalerweise keinen Kontakt zum Spiegel.
Der HS ruht somit nur auf 2 Kunststoffrollen in 120° und den rückwärtigen Filzpads, ohne irgendwelche Krafteinleitung. Einen Asti habe ich nicht feststellen können bisher.
 
Hallo Ralf,
danke für deine Antwort :)
Dann scheine ich der einzige Dussel zu sein,der seine Spiegelzelle so aufgebaut hat :erschreck: ;)

Grüße Rainer
 
Hi Rainer,
nix Dussel - wenns bei Dir funktioniert, ist doch alles O.K..
Deine Abstandshalter entkoppeln die Sache doch wirklich, wenn die Scheiben nicht von oben auf den Spiegel drücken.
 
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