Re: Komakompensierendes Okular: Klee`s 28mm Pretoria
hallo,
jetzt mal eine Überlegung in Richtung Praxis. Es gibt ja leider nicht sehr viele Komakorrektoren, und noch weniger die gut mit f/4 klarkommen. Es stehen aber einige Vielversprechende ante portas, wir dürfen gespannt sein.
Gerd hat oben einen Wynnekorrektor für 400mm f/4 gezeigt, der am 200mm f/4 im Nennabstand die Bildfeldkrümmung nicht gut korrigieren kann. Der Spot hat einen wesentlich grösseren Radius als die Airy Disk von 5,37µm. Mit dem kleineren Korrektorabstand von 47mm wird der Spot dann wesentlich kleiner, aber durch Astigmatismus elongiert, ca. 15µm.
Das Seeing verschmiert bei einer Langzeitbelichtung ordentlich das Sternscheibchen, ein gutes 2" Seeing ist grösser als die Airy Disk von 1,38" (nun als Winkel), und das ist ja nur ein Mittelwert, da wird es innerhalb der Zeit wo ein Subframe aufgenommen wird sicher noch weiter gestreut. Ein heller Stern ist noch wesentlich grösser wegen der Überstrahlung. Auch eine nicht perfekte Optik wird den Sterndurchmesser erhöhen, und die Obstruktion spielt auch noch eine Rolle.
Also denke ich dass diese Abweichung von 15µm gut im realen Sternscheibchen verschwinden wird. Der Korrektor funktioniert am Papier gut auch am 200mm f/4, man bedenke Bildfeld 42mm.
Aber es gibt noch etwas zu sehen: In der Darstellung für den 200mm f/4 und dem kleineren Korrektorabstand sieht man dass der Astigmatismus knapp innerhalb des Fokus seine Richtung wechselt, also den besten Fokus ergibt. Man nimmt einen winzigen Defokus auf Achse in Kauf und hat im Feld gleichmässiger aussehende Spots, theoretisch. Bin nicht sicher dass man das in der Praxis sehen und wirklich bewusst am Himmel in Testreihen einstellen kann. Aber es wäre möglich.
Dem fotografierende Sternfreund wird vorerst weiterhin kaum was anderes übrigbleiben, als durch Tests den optimalen Korrektorabstand für ihr System und den besten Fokus auch für die Abbildung im Feld zu ermitteln.
Vielleicht kommen wir aber durch Zusammentragen von Daten über reale Systeme zu gewissen Erfahrungswerten. Das Spiel hatten wir auch bei Bildfeldebnern für Refraktoren. Da gibt es heute Wissen über Korrektorabstände, und auch bereits für bestimmte Systeme extra gerechnete Korrektoren. Diese Entwicklung erwarte ich auch bei den Newtons.
lg und cs beinand,
Tommy