Radfahrer
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Hallo,
aus den Fragen der Anfänger ersehe ich, dass es einige Dinge gibt, die absolut unklar sind. Mir ging es vor 3 Jahren ebenso.
Ich möchte das Pferd mal von hinten aufzäumen in der Hoffnung, dass Ihr eine Ahnung bekommt was Euch erwartet, wenn Ihr Teleskop X und Okular Y kauft.
Entscheidend für das, was Ihr sehen könnt, ist die Blende des Teleskops, also Brennweite geteilt durch Objektivdurchmesser. In Kurzform geschrieben z.B. f/6 oder f/10.
Objektivbrennweiten variieren von 400-2000mm, Okularbrennweiten von 3,5-50mm.
Selbstverständlich gibt es außerhalb dieser Grenzen auch noch einiges, das ist aber in der Regel dann mit einem Nachteil verbunden, z.B. Gewicht, Preis, Handlichkeit ect.
Die Okularbrennweite geteilt durch die Teleskopblende ergibt die Austrittspupille. Die sollte nicht kleiner sein als 0,7mm, andernfalls wird 1) das Bild zu dunkel und 2) das Bild unschärfer, weil eine sogenannte Leervergrößerung stattfindet. ( Wenn Ihr 40cm vor dem Fernseher steht, könnt Ihr auch nicht mehr Details erkennen als bei 1m Abstand ).
Bei einem f/10 Teleskop ist also ein 7mm Okular die sinnvolle untere Brennweite, bei einem f/6 4,2mm.
Daraus folgt dann die maximale Vergrößerung ( = Teleskopbrennweite/ Okularbrennweite ), z.B. bei einem Teleskop mit 100mm Öffnung und 1000mm Brennweite 143-fach. Hat das Teleskop 100/600 so ergibt das mit 4,2 mm Okularbrennweite ( AP = 0,7mm ! ) ebenfalls 143-fach. Die physikalisch sinnvolle Vergrößerung resultiert also allein aus der Öffnung und ist von der Teleskopbrennweite unabhängig.
Die obere sinnvolle Grenze der Okularbrennweite ist das 10-fache der unteren. Und hier fängt das Problem an. Es gibt kein 70mm Okular, aber sehr wohl ein 40er. Daraus resultiert aber das maximale Gesichtsfeld am Himmel.
Das scheinbare Gesichtsfeld des Okulars geteilt durch die Vergrößerung gibt das wahre Gesichtsfeld.
Bei unserem Beispiel also 1000/40 = 25-fache Vergrößerung.
Das scheinbare Gesichtsfeld (sGF) des Okulars geteilt durch die Vergrößerung = das wahre Gesichtsfeld (wGF) am Himmel.
Die sGFs reichen von 40° bis über 100°. 60° sollten es meiner Meinung nach schon sein (z.B. die Planetarys), 70° sind besser. Ergibt also z.B. 70:25= 2,8°. Zum Vergleich: der Daumen am ausgestreckten Arm deckt ca. 2° ab.
Nun kommen drei Wermutstropfen:
1) je größer das sGF desto teurer, größer und schwerer werden die Okulare. Das kann dann schon mal einige 100 Euro kosten und 1kg wiegen.
Schlimmer ist
2) das Brennweiten ab 35mm nur in 2“ Ausführung mit großem sGF möglich sind.
Bei 1,25“ Steckmaß ist das Rohr ( ein Okular ist sozusagen ein Rohr mit Linse ) einfach zu eng für ein großes Strahlenbündel. Bei 40mm ist das sGF bei 1,25“ nur max. 40°.
Rechnen wir: 40:25=1,6° , das sind recht wenig.
Teleskop 100/1000 mit 1,25“ Okular 1,6°
Teleskop 100/1000 mit 2“ Okular 2,8°
Teleskop 100/600 mit 1,25“ Okular 2,9°
Teleskop 100/600 mit 2“ Okular 4,7°
Fazit: ein f/10 Teleskop oder gar ein f/15 kann kein großes Feld zeigen, erst recht nicht mit 1,25“ Okularen, ein f/6 schon.
3)ein 2“ Okular allein reicht nicht. Wenn schon, dann muss der ganze Strahlengang mindestens 2“ haben, also Okularauszug, Blendrohr beim SC/Mak-Teleskop, Zenitspiegel ect.
Einen großen Ausschnitt am Himmel zu haben ist immer angenehm, für einige Objekte sogar nötig.
Am meisten braucht Ihr eine mittler Vergrößerung von 50 – 100 fach.
Die höchstmögliche Vergrößerung braucht Ihr für Planeten, enge Doppelsterne und mit Einschränkung am Mond.
Alle Teleskope durch die Ihr von hinten schaut – Refraktor, SC, Mac – brauchen einen Zenitspiegel oder ein Amici-Prisma. Letzteres zeigt ein seitenrichtiges Bild und ist doppelt so teuer wie ein Spiegel der bei hoher Vergrößerung ein Tick schärfer, aber seitenverkehrt abbildet. Insbesonders bei großen Himmelsfeldern und am Mond sind mir die seitenrichtigen Bilder lieber. Bei Sternhaufen und Planeten ist es mir egal.
Der einzige Filter den ich uneingeschränkt empfehle, ist der Sky-Glow /Mondfilter, auch Neodym-Filter genannt. Er schluckt wenig Licht ( ca. 1/3 ), dunkelt aber den Himmel nachts und in der Dämmerung spürbar ab, vergrößert den Kontrast am Mond deutlich ( Mare ), an den Planeten nur etwas.
Bleibt noch der Sucher. Die klassischen 6x30 und 8x50 Sucher sind wenig hilfreich und nicht sehr justierstabil. Ich empfehle ein kleines Fernglas, z.B. 8x30 mit 7° Gesichtsfeld, damit kann man den Himmel viel schneller abscannen. Wenn Ihr gefunden habt was Ihr sucht ist das Teleskop mit einem Leuchtpunktsucher schnell ausgerichtet.
Jetzt kommen die Dessous.
Als Anfänger erscheint einem eine alt-azimutale Montierung wenig komfortabel aber die Nachführung per Hand ist genauso intuitiv und einfach wie bei einem Fernglas. Außerdem ist sie bei gleicher Stabilität billiger als eine equatoriale Montierung.
Die equatoriale Montierung ( EQ3/EQ5/EQ6 ect. ), auch paralaktische oder Deutsche Montierung genannt hat den Vorteil, dass man nur eine Achse nachführen muss und selbst das von einem kleinen Motor übernommen werden kann. Dies erkauft man sich durch einige Nachteile. Die Montierung muss zumindest mit einem Kompass grob nach Norden ausgerichtet werden und man braucht Gegengewichte mit ca. dem gleichen Gewicht wie das Teleskop mit Zubehör, d.h. Ihr müsst doppelt soviel schleppen.
Bleibt noch das Stativ. Das kann nicht stabil und schwer genug sein, am besten aus Holz, das dämpft die Schwingungen am besten. Mit einem guten Holzstativ seid Ihr auf der sicheren Seite.
Noch ein Wort zu den Platten mit denen manche Stahlstative gespreizt und gleichzeitig die Montierung festgeschraubt wird. Die haben einige Löcher in denen man Okulare aufbewahren kann. Klingt gut, ist es aber nicht.
1)ist der Lochdurchmesser nur so groß, dass man die unteren Abdeckkappen abnehmen muss, so ist die Linse ungeschützt, kann beschlagen und die Kappe muss anderweitig aufbewahrt werden.
2)ist es fummelig in der Dunkelheit das Okular exakt senkrecht ins Loch zu stecken.
Besser sind Platten die weiter unten eingehängt werden, keine Löcher haben dafür aber einen Rand. Dort kann dann auch anderes Zubehör gelagert werden.
Diese kleine Abhandlung richtet sich wirklich nur an Anfänger und die bitte ich um Ihre Kritik. Hat Euch das geholfen, ist etwas unklar oder überflüssig?
Ein letzter Rat noch: öffentliche Sternwarten/Planetarien sind schön anzusehen, helfen Euch aber nicht bei der Entscheidungsfindung. Auf Astromessen wird man von der Anzahl der Instrumente erschlagen, ausführliche Beratung wird man dort nicht finden. Am besten finde ich den Besuch bei Astrofirmen am Tag der offenen Tür. Die Auswahl ist groß genug um sich von manchem Traum zu verabschieden wenn man die Dinge persönlich angefasst hat und Ansprechpartner findet man auch.
Mit einem Hobbyastronomen nachts auf Tour gehen hilft Euch, den Himmel kennenzulernen und zu sehen, was mit dessen Teleskop geht und was nicht.
Gruß Uwe
aus den Fragen der Anfänger ersehe ich, dass es einige Dinge gibt, die absolut unklar sind. Mir ging es vor 3 Jahren ebenso.
Ich möchte das Pferd mal von hinten aufzäumen in der Hoffnung, dass Ihr eine Ahnung bekommt was Euch erwartet, wenn Ihr Teleskop X und Okular Y kauft.
Entscheidend für das, was Ihr sehen könnt, ist die Blende des Teleskops, also Brennweite geteilt durch Objektivdurchmesser. In Kurzform geschrieben z.B. f/6 oder f/10.
Objektivbrennweiten variieren von 400-2000mm, Okularbrennweiten von 3,5-50mm.
Selbstverständlich gibt es außerhalb dieser Grenzen auch noch einiges, das ist aber in der Regel dann mit einem Nachteil verbunden, z.B. Gewicht, Preis, Handlichkeit ect.
Die Okularbrennweite geteilt durch die Teleskopblende ergibt die Austrittspupille. Die sollte nicht kleiner sein als 0,7mm, andernfalls wird 1) das Bild zu dunkel und 2) das Bild unschärfer, weil eine sogenannte Leervergrößerung stattfindet. ( Wenn Ihr 40cm vor dem Fernseher steht, könnt Ihr auch nicht mehr Details erkennen als bei 1m Abstand ).
Bei einem f/10 Teleskop ist also ein 7mm Okular die sinnvolle untere Brennweite, bei einem f/6 4,2mm.
Daraus folgt dann die maximale Vergrößerung ( = Teleskopbrennweite/ Okularbrennweite ), z.B. bei einem Teleskop mit 100mm Öffnung und 1000mm Brennweite 143-fach. Hat das Teleskop 100/600 so ergibt das mit 4,2 mm Okularbrennweite ( AP = 0,7mm ! ) ebenfalls 143-fach. Die physikalisch sinnvolle Vergrößerung resultiert also allein aus der Öffnung und ist von der Teleskopbrennweite unabhängig.
Die obere sinnvolle Grenze der Okularbrennweite ist das 10-fache der unteren. Und hier fängt das Problem an. Es gibt kein 70mm Okular, aber sehr wohl ein 40er. Daraus resultiert aber das maximale Gesichtsfeld am Himmel.
Das scheinbare Gesichtsfeld des Okulars geteilt durch die Vergrößerung gibt das wahre Gesichtsfeld.
Bei unserem Beispiel also 1000/40 = 25-fache Vergrößerung.
Das scheinbare Gesichtsfeld (sGF) des Okulars geteilt durch die Vergrößerung = das wahre Gesichtsfeld (wGF) am Himmel.
Die sGFs reichen von 40° bis über 100°. 60° sollten es meiner Meinung nach schon sein (z.B. die Planetarys), 70° sind besser. Ergibt also z.B. 70:25= 2,8°. Zum Vergleich: der Daumen am ausgestreckten Arm deckt ca. 2° ab.
Nun kommen drei Wermutstropfen:
1) je größer das sGF desto teurer, größer und schwerer werden die Okulare. Das kann dann schon mal einige 100 Euro kosten und 1kg wiegen.
Schlimmer ist
2) das Brennweiten ab 35mm nur in 2“ Ausführung mit großem sGF möglich sind.
Bei 1,25“ Steckmaß ist das Rohr ( ein Okular ist sozusagen ein Rohr mit Linse ) einfach zu eng für ein großes Strahlenbündel. Bei 40mm ist das sGF bei 1,25“ nur max. 40°.
Rechnen wir: 40:25=1,6° , das sind recht wenig.
Teleskop 100/1000 mit 1,25“ Okular 1,6°
Teleskop 100/1000 mit 2“ Okular 2,8°
Teleskop 100/600 mit 1,25“ Okular 2,9°
Teleskop 100/600 mit 2“ Okular 4,7°
Fazit: ein f/10 Teleskop oder gar ein f/15 kann kein großes Feld zeigen, erst recht nicht mit 1,25“ Okularen, ein f/6 schon.
3)ein 2“ Okular allein reicht nicht. Wenn schon, dann muss der ganze Strahlengang mindestens 2“ haben, also Okularauszug, Blendrohr beim SC/Mak-Teleskop, Zenitspiegel ect.
Einen großen Ausschnitt am Himmel zu haben ist immer angenehm, für einige Objekte sogar nötig.
Am meisten braucht Ihr eine mittler Vergrößerung von 50 – 100 fach.
Die höchstmögliche Vergrößerung braucht Ihr für Planeten, enge Doppelsterne und mit Einschränkung am Mond.
Alle Teleskope durch die Ihr von hinten schaut – Refraktor, SC, Mac – brauchen einen Zenitspiegel oder ein Amici-Prisma. Letzteres zeigt ein seitenrichtiges Bild und ist doppelt so teuer wie ein Spiegel der bei hoher Vergrößerung ein Tick schärfer, aber seitenverkehrt abbildet. Insbesonders bei großen Himmelsfeldern und am Mond sind mir die seitenrichtigen Bilder lieber. Bei Sternhaufen und Planeten ist es mir egal.
Der einzige Filter den ich uneingeschränkt empfehle, ist der Sky-Glow /Mondfilter, auch Neodym-Filter genannt. Er schluckt wenig Licht ( ca. 1/3 ), dunkelt aber den Himmel nachts und in der Dämmerung spürbar ab, vergrößert den Kontrast am Mond deutlich ( Mare ), an den Planeten nur etwas.
Bleibt noch der Sucher. Die klassischen 6x30 und 8x50 Sucher sind wenig hilfreich und nicht sehr justierstabil. Ich empfehle ein kleines Fernglas, z.B. 8x30 mit 7° Gesichtsfeld, damit kann man den Himmel viel schneller abscannen. Wenn Ihr gefunden habt was Ihr sucht ist das Teleskop mit einem Leuchtpunktsucher schnell ausgerichtet.
Jetzt kommen die Dessous.
Als Anfänger erscheint einem eine alt-azimutale Montierung wenig komfortabel aber die Nachführung per Hand ist genauso intuitiv und einfach wie bei einem Fernglas. Außerdem ist sie bei gleicher Stabilität billiger als eine equatoriale Montierung.
Die equatoriale Montierung ( EQ3/EQ5/EQ6 ect. ), auch paralaktische oder Deutsche Montierung genannt hat den Vorteil, dass man nur eine Achse nachführen muss und selbst das von einem kleinen Motor übernommen werden kann. Dies erkauft man sich durch einige Nachteile. Die Montierung muss zumindest mit einem Kompass grob nach Norden ausgerichtet werden und man braucht Gegengewichte mit ca. dem gleichen Gewicht wie das Teleskop mit Zubehör, d.h. Ihr müsst doppelt soviel schleppen.
Bleibt noch das Stativ. Das kann nicht stabil und schwer genug sein, am besten aus Holz, das dämpft die Schwingungen am besten. Mit einem guten Holzstativ seid Ihr auf der sicheren Seite.
Noch ein Wort zu den Platten mit denen manche Stahlstative gespreizt und gleichzeitig die Montierung festgeschraubt wird. Die haben einige Löcher in denen man Okulare aufbewahren kann. Klingt gut, ist es aber nicht.
1)ist der Lochdurchmesser nur so groß, dass man die unteren Abdeckkappen abnehmen muss, so ist die Linse ungeschützt, kann beschlagen und die Kappe muss anderweitig aufbewahrt werden.
2)ist es fummelig in der Dunkelheit das Okular exakt senkrecht ins Loch zu stecken.
Besser sind Platten die weiter unten eingehängt werden, keine Löcher haben dafür aber einen Rand. Dort kann dann auch anderes Zubehör gelagert werden.
Diese kleine Abhandlung richtet sich wirklich nur an Anfänger und die bitte ich um Ihre Kritik. Hat Euch das geholfen, ist etwas unklar oder überflüssig?
Ein letzter Rat noch: öffentliche Sternwarten/Planetarien sind schön anzusehen, helfen Euch aber nicht bei der Entscheidungsfindung. Auf Astromessen wird man von der Anzahl der Instrumente erschlagen, ausführliche Beratung wird man dort nicht finden. Am besten finde ich den Besuch bei Astrofirmen am Tag der offenen Tür. Die Auswahl ist groß genug um sich von manchem Traum zu verabschieden wenn man die Dinge persönlich angefasst hat und Ansprechpartner findet man auch.
Mit einem Hobbyastronomen nachts auf Tour gehen hilft Euch, den Himmel kennenzulernen und zu sehen, was mit dessen Teleskop geht und was nicht.
Gruß Uwe