Teleskop: Celestron Nexstar 127 SLT
Okulare: Scopos 18mm/65°SGF, TS HR Planetary 7mm, Skywatcher Planetary 5mm
Literatur: Rükl Mondatlas, Sky & Telescope's Mirror-Image Field Map of the Moon
Ort: heimische Terrasse, Region Düsseldorf
Zeit: 28.05.2012, 2115-2225 MESZ
Gestern Abend stand der Mond genau passend über unserer Terrasse, so dass ich mich entschloss, den MAK aufzubauen obwohl es noch nicht richtig dunkel war. Zuerst war es in der Tat noch sehr hell und der Kontrast am Mond war noch nicht wirklich dolle. Ich hab mal ein paar Farbfilter probiert (dunkelgelb, grün, rot) aber ausser das das Bild gefärbt war habe ich hier leider keine echte Kontraststeigerung feststellen können. Wäre ja auch zu einfach gewesen

Im 18mm Okular steht der Mond passend bildfüllend, um sich zu orientieren. Endlich hatte ich Gelegenheit, meine neue gespiegelte Mondkarte mit der Realität zu vergleichen

Zur Orientierung und Identifizierung der mittleren und größeren Krater ist die Karte wirklich praktisch. Für die kleineren Formationen braucht man aber schon den Rükl. So gesehen ergänzen sich die beiden gut. Da kann der Rükl - ich will nicht sagen "im Tresor" - aber doch zumindest im Trockenen bleiben. Wenn man die Fantasiepreise im Web so sieht, scheint der ja 'ne Geldanlage zu sein.

Bei der ersten Orientierung fiel mir ein hübsches Trio im Mare Imbrium auf: Archimedes, Autolycus und Aristillus.
Diese Gegend bot sich an, genauer beobachtet zu werden. Also auf das 7mm Okular gewechselt: Die östlichen Ränder der drei Krater zeichneten sich wunderschön als Schatten auf den Kraterböden ab. Nördlich von Archimedes leuchteten die Montes Spitzbergen grell in der aufgehenden
Sonne und westlich noch innerhalb des dunklen Teils des Mondes strahlte der Rand des Kraters Bancroft als weißer Ring.
Weil das Seeing brauchbar war, habe ich dann auf das 5mm Okular wechseln können. Bei 300-facher Vergrößerung konnte ich auf dem westlichen Rand von Archimedes den Krater Archimedes T (2km Durchmesser) erkennen und südöstlich von Archimedes zeichnete sich der Geisterkrater Spurr klar ab. Die Rimae Archimedes konnte ich allerdings nur schwach und daher unspektakulär sehen. Vielleicht der falsche Zeitpunkt...
Jetzt bemerkte ich, dass ich häufiger den Bildausschnitt anpassen musste. Vielleicht war ich beim Alignment etwas schlampig gewesen. Ein Umstellen der Nachführrate auf "Lunar" verbesserte die Nachführung spürbar. (Ich muss beim nächsten Spechteln prüfen, ob die
Montierung diese Einstellung behält und ggf. passend wieder auf "siderisch" umstellen, sonst könnte Frust aufkommen ...)
Die beiden Krater Archimedes C und D zwischen Archimedes und Aristillus hingegen konnte ich gut sehen.
Beim Blick auf Aristillus fiel mir der Zentralberg auf: Dieser besteht aus mehreren Kuppen und der Anblick erinnerte mich irgendwie an einen kleinen Zellhaufen.
Überhaupt bot die Gegend viel Abwechslung mit Rillen, Kratern, Einzelbergen und Gebirgen. Es machte Spass, "in der Gegend herumzuwandern" und z.B. nach Kratern innerhalb der Gebirgsstrukturen zu suchen (Galen, Aratus, Conon).
Fazit: Wie so oft ein gelungener Abend

Der Mond ist mehr als ein Deepsky-Störenfried oder Lückenfüller.
Grüße,
Achim