Da ich mir handwerklich einen Selbstbau nicht zutraue, schiele ich schon seit Längerem nach den EQ-Plattformen. In den letzten zwei Jahren hat sich da einiges entwickelt: Es gibt mehrere Anbieter. Ich bin bei Christin Busch gelandet. Seien Webseite:
http://www.spacewalk-telescopes.de/eq-plattform.php .
Herr Busch macht maßgeschneiderte Plattformen, d.h. auf die geographischen Gegebenheiten und auf das Instrument wird Rücksicht genommen. Damit ist es eine Einzelanfertigung, das Rückgaberecht nach Fernabsatzgesetz zieht hier nicht. Wer dieses Risiko vermeiden möchte, muss eine Plattform "von der Stange nehmen". Auch das gibt es mittlerweile, z.B. bei Wolfi (
http://www.teleskop-express.de/shop/prod...n-bis-60kg.html).
Die Lieferzeit betrug 4 Monate, das war aber von Anfang an klar.
Wie heutzutage allgemein üblich hat die Plattform senkrechte Segmente, die eine etwas kompliziertere Kurvenform benötigen. Herr Busch bietet eine beidseitige Motorisierung ("Allradantrieb") an, das habe ich bestellt. Die Plattform wird batteriebetrieben geliefert. Da ich sie nicht „im Feld“ benutzen möchte, habe ich das auf Netzteil umgestellt, dazu unten mehr.
Meine ersten Erfahrungen – dazu bitte auch die Bilder anschauen:
Die Plattform wird mit Bauteilen von Conrad motorisiert und gesteuert. Dieser Teil der Plattform entspricht der Lösung, die Reiner Vogel auf seinen Seiten publiziert hat (
http://www.reinervogel.net/index.html?/Plattform/Plattform.html). Die Beschaffung von Ersatzteilen – falls einmal nötig – ist also kein Problem.
Zur Umrüstung auf Netzteil: Der Motor ist ein Gleichspannungsmotor, der die Drehzahl in Abhängigkeit der Spannung recht konstant hält. Für meine Plattform sind dazu etwa 2 Volt nötig, der Strom je Motor beträgt bei meinem Instrument etwa 60 mA. Zum Gerät gehört eine kleine Fernbedienung, in der auch die Schaltung verbaut ist. Kernstück ist ein Längsspannungsregler, der in Abhängigkeit von angelegten Widerständen eine konstante Ausgangsspannung realisiert – unabhängig von der Eingangsspannung. Er benötigt etwa 1V „für sich selbst“, so dass die 4,5V aus den Batterien gut gewählt sind. Laut Datenblatt darf man bis zu 30V an den Eingang geben. Es ist aber folgendes zu beachten: Der Spannungsregler muss (Differenzspannung * Strom) an Leistung „verbraten“. Ich habe ein 6,5V-Netzteil gefunden, damit entsteht dort etwa ein halbes Watt. Der Regler wir lauwarm. Wenn man eine deutlich größere Eingangsspannung nimmt, muss das Tel auf einen Kühlkörper – großer Umbau also.
Meine Plattform ist so konzipiert, dass ich meinen Dob einfach draufstelle. Man kann sich das auch so bauen lassen, dass die Plattform den Unterteil der Rockerbox ersetzt. Das ist stabiler, erfordert aber jedes Mal einen Umbau. Die Wolfi-Plattform ist so – man erkennt es an den Rollen.
Die Nachführqualität ist sehr gut, ich hätte nicht gedacht, dass dies so perfekt funktioniert. Bevor ich mit dem Beobachten beginne, setze ich eine Nachführokular ein (ich habe eines von Baader) und justiere die Motorgeschwindigkeit. Die Fernbedienung hänge über den Okularauszug. Ohne allzugroße Mühen und N-S-Ausrichtung nur mit dem Kompass erreiche ich eine Drift von 15 Bogensekunden je Zeitminute. Es geht sicherlich noch etwas genauer, aber bei doppelt- bis vierfach so genau ist wahrscheinlich Schluss. Damit sind sicherlich Webcamaufnahmen von Planeten möglich.
Ein Durchrutschen habe ich nie gesehen. Es kann jedoch vorkommen, dass kurz nach dem „Nachrücken“ per Hand die Nachführung einmalig um ein paar Bogenminuten springt. Visuell überhaupt kein Problem, aber bei fotografischen Aufnahmen sollte man erst mal eine oder zwei Minuten Warten. Die Gesamte Nachführdauer ist mit 70 Minuten angegeben, das ist für das Visuelle mehr als ausreichend. Eine Taumelbewegung durch den Schneckenfehler ist mir nicht aufgefallen.