2012 DA14

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MiMeDo

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Hm, anscheinend bin ich der einzige hier im Forum,
der den Asteroiden mit eigenen Augen gesehen hat.

Um 21 Uhr bin ich am Beobachtungshaus der hiesigen
astronomischen Vereinigung angekommen, für diese
Zeit war auch der Aufgang des Asteroiden vorhergesehen.
In wenigen Minuten den Dobson aufgebaut, ein 10-Zöller
f/5 mit 2-Zoll 32mm Okular (39x, Gesichtsfeld 1,7°)
und einem 70mm f/5 Astigmat mit 32mm Plössl
(11x, Gesichtsfeld 4,5°) als Sucher.

Etwa um 21:10 angefangen zu suchen, aber ewig nix gefunden.
Der Grund war wohl zum einen der noch sehr tiefe Stand
des Asteroiden und ein Mangel an geeigneten Sternen
zur Orientierung, und zum andern auch dass ich schon
lange kein richtiges Deep-Sky mehr gemacht habe und einfach
ziemlich ausser Übung war.

Mir kam schon die Befürchtung, dass ich ihn gar
nicht finden würde (wurde ja ständig lichtschwächer),
doch dann, nach einer endlos langen halben Stunde,
hatte ich ihn dann doch endlich gefunden.
V.a. alpha, beta und 6 CVn waren dafür eine grosse Hilfe.

Ja, und da war er dann, ein Sternchen, das halt
einfach nicht still halten wollte. Wenn kein anderer
Stern in der Nähe war, fiel das kaum auf, ansonsten
schon. Einmal gefunden war er dann leicht zu halten.

Es waren auch Besucher da, und die habe ich natürlich auch
mal schauen lassen. Dummerweise hat einer davon den
Dob etwas verstellt, so dass ich den Asteroiden erst
mal verloren hatte. Nach einer relativ kurzen Suche
von wenigen Minuten (war ja jetzt wieder geübt!)
hatte ich ihn dann aber wieder. Für die Besucher
stellte es sich als nützlich heraus, dass ich sie
erst schauen ließ, wenn sich der Asteroid in der
Nähe einer auffälligen Sterngruppe aufhielt, so nach
dem Motto "da sind fünf Sterne, und der unterste
bewegt sich". So war er dann für jeden recht leicht
zu finden.

Mit der Zeit wurde er auffallend langsamer und auch
immer schwächer, und nachdem er um 22:30 dem
Grossen Bären den Schwanz abgeschnitten hatte,
habe ich's dann bleiben lassen.

Kurz noch Jupiter und Mond (aua, blendet) angeschaut,
alles wieder ins Auto verstaut und nach Hause.

War auf jeden Fall eine sehr lohnende Erfahrung,
zwar "nur" so ein kleiner Punkt der sich da zwischen
Millionen von anderen bewegt, aber eben die Vorstellung,
dass da ein grosses Haus in fast "greifbarer" Entfernung
vorbeikam, der Vergleich mit entsprechenden Aufnahmen
in Science Fiction Filmen (das echte Universum ist halt
doch verdammt leer!), sowie der räumliche Eindruck, der
durch das immer-langsamer- und immer-schwächer-werden
entstand, das war schon was aussergewöhnliches.
Und natürlich immer im Hinterkopf der Meteor von
heute Morgen in Russland.

Beim letzten Blick ins Okular habe ich ihm "tschüss" gesagt,
eine gute Reise gewünscht, und ihn wissen lassen,
dass er nochmal Glück gehabt hat.

Sonnige Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten
 
Danke für die Glückwünsche.
Irgendeinen Vorteil muss es ja haben,
nicht in Deutschland zu wohnen.
(Naja, es gibt da jede Menge, aber das
schöne Wetter ist sicherlich einer
der ganz wichtigen.)

Kamera + Stativ, ja, das hatte ich tatsächlich vor,
obwohl meine Ausrüstung dafür nicht optimal ist.
Aber nachdem das Finden des Asteroiden doch
erheblich schwieriger war als erwartet,
war ich so darauf konzentriert, ihn nicht
wieder zu verlieren, dass ich nicht mehr
an die Kamera gedacht habe. Und ich bezweifle auch,
dass da was brauchbares dabei herausgekommen wäre.

Sonnige Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten
 
Hallo Thorsten, sehr schön geschriebener Bericht. Hat Spaß gemacht zu lesen. Nach den Wolkenvorhersagen für NRW hatte ich schon Donnerstag alle Hoffnung aufgegeben. Ansonstan wären wir vom Verein schon ins "Dunkel" gefahren und hätten beobachtet. Bei diesem Wetter hier in letzter Zeit bleibt wirklich nur noch Computerastronomie (obwohl, eine Sonnenaufnahme ist mir zwischenzeitlich doch geglückt). Viele Grüße Olaf.
 
Hallo Torsten,

herzlichen Dank für den schönen und „emotionalen“ Bericht!

Ähnlich verabschiedet habe ich mich damals von Hale Bopp, als er langsam auf Nimmerwiedersehen tief im Westen verschwand.

Leider hatten wir gestern hier im Lippischen dicken Nebel, so dass überhaupt keine Chance bestand, den Asteroiden zu beobachten - sehr schade!

Ja, diese Vagabunden des Weltalls sind schon bemerkenswert und machen uns von aussen gesehen so klein und verletzlich - wie jetzt in Russland geschehen …

Liebe Grüße nach Spanien

Ilka
 
Hi Thorsten!

so hätte ich mir das auch gern vorgestellt...war schon neugierig auf den ersten Bericht darüber...ganz perfekt hast du das hinbekommen...super und Danke für diesen Bericht!

Gruss von Anette
 
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