#145702 - 09/06/2004 17:49 Venus am Tropf der Sonne in Gießen


Ausstattung: Anfangs zwei Sofibrillen, zum Schluss keine mehr, Lidlscope mit Projektionsmethode, 7*50 Feldstecher

Den Venustransit habe ich zusammen mit der Astro-AG Heuchelheim auf dem Kirchplatz (oder heißt er doch Kirchenplatz?) erlebt. Dem Ereignis ist ein Science-weekend im Mathematikum (klingt wohl nach nem' Mathemuseum) vorausgegangen, das die Venus in den Mittelpunkt stellte und am Sonntag den Besuchern schonmal vorab die Sonne gezigt haben, dabei war auch ein Hα -filter, wobei dieser Anblick aufgrund der -nicht vorhandenen- Sonnenaktivität dürftig war. So nun aber zu dem eigentlichen Ereignis:
nach dem qualvollen Aufstehen hat es nicht mehr lange gedauert bis ich am Kirchenplatz mein Teleskop neben den anderen Teleskopen aufgebaut hatte. Dabei bemerkte ich, dass mein geignetes (!) Okular ein relativ kleines Bild lieferte. Daher hat mir Peter ein anderes Okluar geliehen, dazu aber nachher mehr. Irgendwann kam dann auch endlich der erste Kontakt und das Publikum trödelte auch so langsam an (dazu kamen noch acht (?) Schulklassen). Die erste Delle in der Sonne erschien und war auch durch die Sofi-Brillen zu sehen, nun hieß es erstmal diesen Augenblick zu genießen bis das erste Highlight erreicht wurde. In dieser Zeit haben sich schon einige Leute versammelt. Dann war es soweit, die Venus lößte sich vom Sonnenrand. Obwohl ich es mit der Projektionsmethode nicht unbedingt erwartet habe, war das Tröpfchenphänomen absolut super zu erkennen; dieser Anblick war unglaublich, auch wenn die 10-15 sekunden schnell vorüber waren (ohne Gewähr, ich weiß nicht ob ich zu diesem Zeitpunkt ein Zeitgefühl hatte). Es erschien so, als hätte sich zwischen dem Sonnenrand und der Venus eine Brücke gebildet. Auch die Besucher um mein Teleskop konnten dieses Ereignis gut erkennen, da dank der Projektion mehrere Leute den Anblick genießen konnten. Ich lasse es aber nun dieses Phänomen weiter zu erläutern, da es unbeschreiblich und zeichnen lasse ich lieber (war nie wirklich gut in Kunst:-) Jedenfalls war dieser Anblick eine frühe Krönung des Tages und ich würde mich danach fast schon als emotionales Wrack vor Glück bezeichnen:-) Aber das Programm ging ja weiter, der Platz füllte sich immer weiter, ich musste gleichzeitig auf das Teleskop, auf meinen Feldstecher, den ich immer wieder herumgereicht hatte, und v.a. Auf meine Sofi-brillen aufpassen, da hatte aber schon jemand vor Begeisterung vergessen die Brille von der Nase abzunehmen und ist mit dieser davongegangen. Immer wieder habe ich den Anblick durch die verbliebene Brille genossen, aber auch der Feldstecher lieferte ein schönes Bild. Während die Venus immer weiter über die Sonne wanderte, waren wir alle von der Astro-ag damit beschäftigt Schulklassen und Laufkundschaft den Transit zu zeigen und zu erklären, warum dieser winzige Punkt ein solch großes Ereignis hervorruft. Dann wurde mir irgendwann auch meine zweite Sofibrille geklaut. Jetzt hieß es mit den Besuchern den Anblick durch das Teleskop gegen Anblick durch eine Brille zu tauschen. Aber wenigstens meinen Feldstecher konnte ich über den Tag retten. Obwohl ich viele Besucher ihren Finger in den Brennpunkt des Teleskops halten ließ (damit sie wissen, warum ein Filter notwendig ist), war eine Frau etwas mutiger: sie hatte vor ihren Feldstecher eine Sofibrille gehalten und dabei auch noch stark gezittert; jedenfalls war ihr Objektiv zeitweise nicht vollständig abgedeckt. Ihr Glück war nur, dass sie die Sonne noch gar nicht in das Sichtfeld bekommen hat, bevor ich sie von dem Vorhaben abhalten konnte.
Der dritte Kontakt war nicht so spektakulär wie der zweite Kontakt, da das Tröpfchenphänomen nur relativ schwer erkennbar war. Wenig später war alles vorbei und Peter bekam sein Okular zurück, das offensichtlich wohl doch ein Kunststoffelement enthielt...