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#274241 - 18/11/2005 19:12
Mond mit freiem Auge: der "Goldene Henkel"
Am Abend des 11.November betrachtete ich von 22h45 bis 23h00 MEZ den Mond mit freiem Auge. Ich benützte wieder meine zusätzlich um 0,75 Dioptrien korrigierende "Nacht-Kurzsichtigkeitsbrille" und sah den Mond damit besonders scharf (zu dieser Brille siehe Sky and Telescope Sept.2005). Auffallend war mit freiem Auge neben der dunklen Fläche des Regenmeers (Mare Imbrium) vor allem die südwestliche Begrenzung des Regenmeers, der als heller Bogen sichtbare Bergrücken der Apenninen (Montes Apennines). Auch der Krater Kopernikus war mit freiem Auge gut sichtbar: ein kleiner heller Fleck nicht weit von der Lichtgrenze in der Verlängerung des Bergbogens der Apenninen. Die Regenbogenbucht (Sinus Iridum) ist ein etwa 300 Kilometer durchmessender Einschlagkrater am Nordrand des Mare Imbrium. Sie entstand nach heutigem Verständnis nach dem Aushub des Einschlagbeckens des Mare Imbrium aber bevor die Marelava alles vollständig bedeckte. Ich suchte die Bucht mit freiem Auge, konnte sie aber nicht erkennen. Im Fernglas 8x30 bot sich ein besonderer, wunderschöner Anblick: das nördliche Randgebirge des Sinus Iridum, die Juraberge (Montes Jura) waren bereits vom Sonnenlicht bestrahlt. Grosse Teile des Marebodens der Regenbogenbucht waren noch im Schatten. Der Halbbogen des Jura bildete also eine leuchtende Brücke aus Licht, die einen deutlichen Bogen in den noch dunklen Teil des Mondes bildete: der sogenannte "Goldene Henkel"! Ich weiss nicht woher die Bezeichnung stammt und freue mich über entsprechende Hinweise! Danach versuchte ich mit freiem Auge etwas von der Auswölbung der Juraberge zu erkennen: bei genauem Hinsehen war die Lichtgrenze (der Terminator) dort eindeutig mit einer kleinen Auswölbung oder Buckel versehen. Sie erscheint sonst glatt und gleichmässig: das Randgebirge des Sinus Iridum ist also unter diesen Beleuchtungsverhältnissen mit freiem Auge sichtbar! Ich habe noch nirgends ein gutes Foto des ganzen Mondes in dieser Beleuchtungssituation mit dem hellen Bogen der Juraberge gesehen. Die Lage der Lichtgrenze auf dem Mond wird durch die sogenannte Colongitude der Sonne angegeben. Zur Zeit meiner Beobachtung betrug die Colongitude 34,7 Grad. Dieselbe Lage der Lichtgrenze tritt in den nächsten Monaten zu folgenden Terminen ein; um diese Zeiten (wenige Stunden Unterschied sollten nichts ausmachen) könnte sich meine Beobachtung mit freiem Auge und Fernglas wiederholen lassen bzw. kann ein Foto versucht werden: 2005 Dez.11, 13 Uhr MEZ / 2006 Jan.10, 4 Uhr / Feb.8, 18 Uhr / März 10, 8 Uhr / Apr.8, 21 Uhr / Mai 8, 9 Uhr / Jun.6, 21 Uhr / Jul.6, 7 Uhr / Aug.4, 18 Uhr / Sep.3, 6 Uhr / Okt.2, 18 Uhr / Nov.1, 7 Uhr. Wahrscheinlich kommen nur die alle zwei Monate nutzbaren Abendtermine in Betracht: schliesslich ist der 9 Tage alte zunehmende Mond dann am besten zu sehen. Viele Grüsse Wolfgang
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Hallo Wolfgang,
Berichte zu Mondbeobachtungen (egal mit welcher Öffnung oder mit bloßem Auge) finde ich auch immer sehr interessant. So wie in der "Mond-Serie" in der Interstellarum. Warum in die Ferne schweifen, wenn der uns nächste Himmelskörper doch der Mond ist? Geologisch ist er tot, aber das Spiel von Licht und Schatten ist wirklich reizvoll. Taucht der "Goldene Henkel" auch in der Literatur auf oder woher hast du die Bezeichnung?
CS Gruß - Nico
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#274243 - 18/11/2005 19:54
Re: Mond mit freiem Auge: der "Goldene Henkel"
[Re: blue_scape]
Hallo Nico, ein recht gutes Detail-Bild von Horst Koch ist hier zu sehen: http://www.aag-heuchelheim.de/hifae4_03.pdf(allerdings ist die Beschriftung mit "Mondkrater Plato" rätselhaft... das ist eindeutig Sinus Iridum und Montes Jura). Mehrere Fotos davon sind auch hier zu sehen: http://www.backyard-astro.com/solar/moon/2004_01_02/moon02012004.htmlDer Name "Goldener Henkel" wird auch in der interstellarum Okt./Nov.2005 erwähnt. Auch mir "spukt" der Begriff im Hinterkopf herum aber ich weiss nicht mehr woher ich ihn habe... in irgendeinem älteren Mondbuch taucht er wohl auf. Wer weiss mehr? Viele Grüsse Wolfgang
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Hi,
ja, der Goldene Henkel wird in älterer Literatur erwähnt, es ist das bereits beleuchtete Sinus Iridum, wenn es noch auf dem unbeleuchteten Teil des Mondes steht. Ich kann aber nichts zur Herkunft des Namens beisteuern.
Frage: Was hat es mit dieser Nachtsicht-Korrekturbrille auf sich? Da ich SaT nicht mehr beziehe kenne ich die noch nicht. Ich bin auch etwas kurzsichtig und sehe Nachts immer Strahlen um helle Sterne.
Gruß Coyote
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#274245 - 19/11/2005 09:34
Re: Mond mit freiem Auge: der "Goldene Henkel"
[Re: Reverend_Coyote]
Hallo Ich habe jetzt auch einmal den "goldenen Henkel" fotografiert. Wenn ich ihn zeigen darf, hier ist er: Goldener Henkel CS Markus
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#274246 - 19/11/2005 10:04
Re: Mond mit freiem Auge: der "Goldene Henkel"
[Re: sagittarius1]
Hallo Markus,
tolles Foto, danke für den Hinweis! So hats bei höherer Vergrösserung ausgesehen! Um welche Uhrzeit hast Du das Foto gemacht?
Viele Grüsse Wolfgang
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#274247 - 19/11/2005 10:12
Re: Mond mit freiem Auge: der "Goldene Henkel"
[Re: Reverend_Coyote]
Hallo, kurz gesagt beschreibt der Artikel das Phänomen dass viele Leute in der Nacht bei Dunkelheit kurzsichtiger sind als bei Tageslicht. Sie brauchen also mehr Korrektur ihrer Fehlsichtigkeit, je nachdem um 1/2 Dioptrien oder sogar mehr. Ich selbst bin kurzsichtig und hab einfach ausprobiert wenn ich die Brille meiner Frau _zusätzlich_ zu meiner normalen Brille aufsetze: Ergebnis waren deutlich schärfere Bilder und engere Doppelsterne die ich trennen konnte (z.B. Epsilon Lyrae). Für unsere Vereinswebseite habe ich dazu was geschrieben: http://www.waa.at/bericht/2005/09/20050904wvo22.html und http://www.waa.at/bericht/2005/09/20050925wvo21.htmlEin Vereinskollege, Thomas Schröfl, hats ebenfalls ausprobiert und darüber berichtet: http://www.waa.at/bericht/2005/10/20051030sfl20.htmlBist Du auch kurzsichtig? Probiers einfach aus! Viele Grüsse Wolfgang
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Hallo
Das Bild entstand am 11.11.2005 um ca. 21:00
CS
Markus
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Hallo Wolfgang,
danke für die Information, ist ja hochinteressant. Da muß ich mal ein Experimnt machen, denn ich bin, wie gesagt, auch kurzsichtig.
Gruß Coyote
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#274251 - 24/11/2005 10:17
Re: Mond mit freiem Auge: der "Goldene Henkel"
[Re: MiMeDo]
Hallo Thorsten, also ich finde Deine Fotos sehr gut! Sie entsprechen ziemlich dem was im Okular so sichtbar war/ist. Hast Du noch das genaue Datum und Uhrzeit wann Du die Bilder gemacht hast? Dann könnte ich die Colongitude der Sonne die die Lage der Lichtgrenze angibt dazu ausrechnen. Viele Grüsse aus dem winterlich verschneiten Wien, Wolfgang
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Hallo Wolfgang! Hier die Daten: Beide Bilder wurden am Samstag, den 23. Oktober 2004 aufgenommen. Das erste (Gesamtansicht) um 19:23 UT, das zweite (Detail) um 19:28 UT. Das sind die Zeiten, zu denen die Kamera die Dateien erzeugt hat, aber die stimmen in der Regel recht gut. Sonnige  Grüsse ins winterliche  Wien Thorsten
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#274253 - 12/12/2005 00:09
Re: Mond mit freiem Auge: der "Goldene Henkel"
[Re: MiMeDo]
Hallo Thorsten und alle "Mondsüchtigen", heute am 11.Dez.2005 probierte ich es natürlich wieder! Ich beobachtete um 17h00 MEZ in der Dämmerung. Die Colongitude betrug 36,7 Grad, also zwei Grad mehr als am 11.Nov. Im Fernglas 8x30 war nicht nur der helle Bogen der Juraberge sondern auch schon der Mareboden von Sinus Iridum zum Teil beleuchtet: der "Goldene Henkel" hatte sich schon gebildet! Natürlich probierte ich auch ein Foto mit der Digitalkamera Minolta Z-2. Es ist nicht perfekt aber zeigt vieles das im 8x30 Fernglas sichtbar war: die Regenbogenbucht ist links oben an der Lichtgrenze zu sehen und die Juraberge bilden eine kleine "Beule" in den unbeleuchteten Mondteil. Auch die Libration ist recht deutlich erkennbar: das Mare Crisium rechts ist ziemlich randfern und einige Randmeere sind zu erkennen (z.B. Mare Australe).  Mond 2005 Dez.11, 17h01 MEZ. f=380mm (maximale Brennweite des Kamerazoom), Blende 6,3, ISO 100, 1/200 Sekunde belichtet auf Stativ. Thorsten Deine Fotos sind wirklich schön! Viele Grüsse, Wolfgang
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Hallo Wolfgang, schöne Beobachtung der lunaren Juraberge. Hätte mich gerne auch mit freiem Auge daran versucht, aber das Wetter ließ ab Mittag wieder spürbar nach und es zog sich komplett zu. Bis in einen Monat ...  Gruß - Nico
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Danke für das Lob, Wolfgang.  Hatte allerdings auch etwas mehr als einen Feldstecher benutzt, nämlich einen 10-Zoll-Dobson bei 40x bzw. 240x.  Gestern habe ich auch nach dem Mond geschaut, allerdings etwas später (so 19:30 MEZ??). Da war der Boden des Sinus Iridum schon vollständig beleuchtet. @Nico: Zitat:
Bis in einen Monat ...
So viel ich weiss, kann man den Henkel nicht jeden Monat sehen, bei Sonnenaufgang über dem Sinus Iridum ist der Mond nicht jedesmal bei uns über dem Horizont. Ganz genau weiss ich das aber auch nicht. Kann das mal jemand nachchecken? Die Frage wäre: Wieviele Stunden lang kann man den Goldenen Henkel sehen?
Und noch was: Gibts dazu auch das Gegenstück bei abnehmendem Mond, die "Goldenen Hörner" oder so was?... 
Sonnige Grüsse vom MittelMeerDobservatorio Thorsten
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#274256 - 12/12/2005 20:42
Re: Mond mit freiem Auge: der "Goldene Henkel"
[Re: MiMeDo]
Hallo Thorsten und Nico,
ja das stimmt dass die Beobachtung nicht jedes Monat möglich ist.
Nach den Ergebnissen von Markus, Dir und mir sieht es jetzt so aus als ob diese Beleuchtungssituation etwa zwischen einer Colongitude von ca. 30 bis 37 Grad den "Goldenen Henkel" sichtbar werden lässt.
Falls das so ist kommen die nächsten beiden Gelegenheiten schon bald: diese Lage der Lichtgrenze wird erreicht vom: 2006 Jan.9/10 von 18h20 bis 8h00 MEZ (ganze Nacht bis Monduntergang) 2006 Feb.8 von 8h50 bis 22h40 MEZ (da sind Abendbeobachtungen sinnvoll).
Es ist interessant nachzusehen ob und wann der "Goldene Henkel" wirklich sichtbar ist. Wenn das Wetter mitspielt genügt ein Fernglas oder kleines Fernrohr dazu. Über Beobachtungsberichte würde ich mich freuen!
Und die Idee der "Goldenen Hörner" hat auch was -- da müssten wir nachsehen. Vielleicht so um die Colongitude 34 + 180 = 214° herum. Das wäre also so etwa am Morgen des 26.Dez.2005 der Fall.
Clear skies, Wolfgang
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