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Diskussionsforen Jupiter – etwas grenzwertig | Mond und Planeten
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Jan_Fremerey Offline
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#533486 - 10/09/2008 12:45 Jupiter – etwas grenzwertig


Vorgestern, am 8. September, zeigte der Wetter-Satellitenfilm einen klaren Himmelssektor von Südwesten in Richtung Eifel heranziehen. Obwohl noch einige Wolkenstreifen am Himmel standen, packte ich die Sachen ins Auto und fuhr zu meinem 40 Fahrminuten entfernten Beobachtungsplatz auf 600 m über NN in der Hocheifel.

Jupiter stand zwar deutlich höher als der zunehmende Viertelmond, aber immerhin doch an die acht Grad tiefer als bei meiner letzten Jupiteraufnahme im Juni 2006. Deswegen waren meine Ewartungen nicht allzu hoch. Aber ich wollte nach jahrelanger Benutzung meiner Micropix M640 von ccddirect.com erstmals auch die neue DMK am Jupiter ausprobieren.

Aufgrund der hier des öfteren diskutierten Frage der Aufnahmezeitdauer von Jupiter -Videos unter Verwendung eines RGB-Filterrads hatte ich zunächst gehofft, mit 60 fps (Bilder pro Sekunde) aufnehmen zu können. Dazu war aber Jupiter bei seinem niedrigen Stand am 6“-Refraktor doch nicht hell genug, und so blieb es bei 30 fps und jeweils etwa 30 s Aufnahmedauer pro Farbe.

Obgleich das Ergebnis nicht gerade spektakulär ist – etwa im Vergleich mit aktuellen Bildern anderer Autoren – zeige ich es trotzdem hier auch wegen der reizvollen Konstellation mit Io, nur wenige Minuten vor dessen Bedeckung. Auf der Ostseite naht in größerem Abstand Europa.





Um wenigstens einige charakteristische Oberflächenmerkmale herauszuarbeiten, musste ich bei der Datenauswertung schon recht dicht an die Rauschgrenze herangehen.

Hinsichtlich der Farbabstimmung ist mir aufgefallen, dass das Auge bei längerer Betrachtung, und wenn sich keine Vergleichsgegenstände im Blickfeld befinden, offenbar eine Art Weißabgleich vornimmt. So etwas kennt man ja auch sonst aus der täglichen Erfahrung. Jedenfalls erscheint mir das Bild auf Anhieb ein wenig „braunstichig“. Bei konzentrierter Betrachtung der Jupiterscheibe verschiebt sich jedoch der Farbeindruck innerhalb relativ kurzer Zeit und erscheint dann recht ausgewogen – so sehe ich es zumindest.

Gewiss sollte es möglich sein, den anfänglichen Braunstich der Abbildung durch entsprechende Farbmanipulationen auszugleichen. Das habe ich nun einerseits noch nicht zufriedenstellend hinbekommen. Andererseits frage ich mich aber auch, ob der Farbstich nicht den wirklichen Gegebenheiten entspricht. Schließlich zeigte der benachbarte Mond an dem Abend auch einen unverkennbaren Farbstich in derselben Richtung ...

Gruß, Jan


Bearbeitet von Jan_Fremerey (10/09/2008 13:11)

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copernicus Offline
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Beiträge: 1635
Ort: Berlin
#533539 - 10/09/2008 16:10 Re: Jupiter – etwas grenzwertig [Re: Jan_Fremerey]


Hallo Jan,

also ich finde, das Foto ist ganz hervorragend geworden. Was waren das für Aufnahmedaten (Öffnung, Brennweite etc.)?

Der Farbstich dürfte durch die horizontnahen Dunstschichten hervorgerufen worden sein und ist folglich nicht störend, sondern natürlich.

CS und VG Christian
_________________________
Christian Leu
www.hobby-astronomie.com
Liebhaber schwacher bis mittlerer Vergrößerungen und großer Gesichtsfelder.

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Jan_Fremerey Offline
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#533549 - 10/09/2008 16:55 Re: Jupiter – etwas grenzwertig [Re: copernicus]


Hallo Christian,

vielen Dank für Deinen Kommentar. Der verwendete 6"-Refraktor ist ein Eigenbau-Prototyp mit langbrennweitigem (f/20) FH-Achromaten und gefaltetem Strahlengang in offener Bauweise. Näheres hierzu findest Du auf meiner Website.

Die Videos wurden mit Monochromkamera und vorgeschalteten RGB-Filtern (Astronomik Typ II) im Primärfokus aufgenommen. Zur Bildbearbeitung dienten Registax 4, Fitswork und Picture Publisher. Bei Bedarf kann ich auch Einzelheiten nennen.

Habe eben mit Interesse erstmals Deine gelungene Website gesehen und wünsche Dir viel Erfolg damit.

Gruß, Jan


Bearbeitet von Jan_Fremerey (10/09/2008 17:01)

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Jan_Fremerey Offline
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Registriert: 06/09/2003
Beiträge: 3563
Ort: Bonn
#533852 - 11/09/2008 19:25 Re: Jupiter – etwas grenzwertig [Re: Jan_Fremerey]


Nachlese:

Als ich gestern vor der Auslagerung ins Archiv mal aus Neugier noch einen Blick in den zweiten und dritten Videosatz vom gleichen Abend (Aufnahmezeit ca. 8 bzw. 13 Minuten nach dem ersten) geworfen habe – Io war zu der Zeit schon hinter Jupiter verschwunden – staunte ich nicht schlecht. Denn die Auswertung des zweiten Videosatzes führte nach praktisch denselben Bearbeitungsschritten, die auch bei der Auswertung des ersten Satzes ausgeführt wurden, zu dem folgenden, deutlich feiner durchgezeichneten Jupiterbild.





Diesmal habe ich auch versucht, dem bräunlichen Farbstich des ersten Bildes ein wenig entgegenzuwirken.

Das Ergebnis des dritten und letzten aufgenommenen Videosatzes ist wieder schlechter ausgefallen. Nun frage ich mich natürlich: Was ist der Grund für die unterschiedlichen Bildqualitäten?

Die nächstliegende Erklärung ist wohl: Mangelhafte Fokussierung! In der Tat fällt mir die Fokussierung bei der luftbedingten Bildunruhe auch bei vergrößerter Betrachtung (150%) und Anwendung eines Motor-Fokussierers doch recht schwer und ich will mir nun eine Prozedur erarbeiten, die eine genaue, gut reproduzierbare und auch schnelle (im Hinblick auf die Jupiterbewegung) Nachfokussierung beim Filterwechsel erlaubt.

Noch eine Bemerkung zu den Sichtbedingungen: An meinem „externen“ Beobachtungsstandort in 600 m über NN habe ich den Eindruck, dass die Planetenscheibe von einem kräftigen Westwind (Jetstream?) gleichsam „gespült“ wird. Es fehlt jedoch das von tiefergelegenen Standorten - insbesondere aus der Stadt - gewohnte, zusätzliche „Wabern“ des Bildes. Offenbar liegt da einer der mitentscheidenden Vorteile des Beobachtens bzw. Videografierens von einem Standort aus, der - vermutlich - deutlich oberhalb der Bodeninversion liegt.

Auf meiner Website installiere ich seit einiger Zeit zunehmend auch kurze Ausschnitte aus den Originalvideos zu den geposteten Bildern. Im aktuellen Fall werde ich in den nächsten Tagen sämtliche Farbauszüge (RGB) zu den beiden hier geposteten Bildern in Videoform zugänglich machen. Vielleicht sieht man darin dann auch - beim Vergleich mit Aufnahmen aus der Stadt - meine oben geschilderten Beobachtungen zum „Spülen und Wabern“ bestätigt.

Gruß, Jan

P.S. - Die Farbsäume am Jupitermond Europa sind wieder mit dem Zeitversatz der drei Farbaufnahmen in der Reihenfolge R-G-B zu erklären: Europa bewegte sich demnach zur Aufnahmezeit westwärts.


Bearbeitet von Jan_Fremerey (11/09/2008 20:02)

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Jan_Fremerey Offline
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Beiträge: 3563
Ort: Bonn
#535622 - 18/09/2008 19:32 Re: Jupiter – etwas grenzwertig [Re: Jan_Fremerey]


... hier noch eine farbneutralere Version mit etwas mehr Kontrast.





Gruß, Jan

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