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#57729 - 13/07/2003 13:17
Deutsche Erfindung - APO-Immersions-Dreilinser
Deutsche Erfindung - in USA vermarktet
Auch Refraktor-Optiken haben manchmal eine spannende Entwicklung genommen, wenn man sie im Rückblick über ca. 30 Jahren verfolgt. Ein solches Beispiel stellt das HAB-Objektiv von Wolfgang Busch dar, einer der versiertesten AstroOptikern, den ich je getroffen habe, aus einer Zeit, als man Optiken noch "seidelte", also über die Seidel-Werte berechnete und die Ray Trace Berechnung noch über einen programmierten Taschenrechner von Texas Instrument lösen mußte ohne Plot-Ergebnisse. Trotz dieser Einschränkung entwickelte Wolfgang Busch einen hochwertigen APO-Immersions-Dreilinser, der später von Roland Christen aufgegriffen und mit moderneren Gläsern anfänglich ebenfalls als Bausatz weitervertrieben wurde und noch später als fertiges Objektiv vertrieben worden ist. Damit diese Leistung nicht in Ver- gessenheit gerät - auch hatte ich viele Jahre lang mit Wolfgang Busch engen Kontakt wegen dieses Objektivs, das ich mehrere Male selbst hergestellt habe - soll dieser erste Thread zu diesem Objektiv eine Art Dank an Wolfgang Busch darstellen.
Dank möchte ich auch an den AstroTreff-Betreiber aussprechen, der mir für meine bisherigen Beiträge Speicherplatz für Bildmaterial zu Verfügung stellte. Dies hat aber in der Folge aus den bekannten technischen Gründen dazu geführt, daß man auf diese Bilder nur innerhalb von AstroTreff aus zugreifen konnte, und ich meine gleichlautenden Beiträge auf astronomie.de immer mit Beginn der Bild-Serie abbrechen mußte mit einem Link-Verweis hin zu AstroTreff, ein Umstand, der nicht von allen richtig verstanden worden ist, und in manchen Fällen für die Diskussion hinderlich war. Um diese polarisierende Wirkung zu beenden, habe ich mir für alle weiteren Berichte einen eigenen Server für meine Bilder gesucht und kann bei neuen Beiträgen auf beiden Foren synchron beginnen, ohne den auch für mich störenden Abbruch und den Verweis auf die Bilder. Das hat sich bereits beim ersten Thread zum Sterntest als sehr interessant herausgestellt, wenn man die Entwicklung der Diskussion auf beiden Foren getrennt verfolgt - worüber ich mich gefreut habe. Nachdem ich über reichliches Bildmaterial zu vielen Fragen von opt. Tests verfüge, kann diese Unabhängigkeit nur von Vorteil sein. Da die Foren von der Dialogform leben (solange die Beiträge sachlich bleiben) wird eine Art Fort- Setzungs-Bericht draus, wie mir das bereits andere Forenbenutzer auf AstroTreff vorgemacht haben. Ob in diesem Zusammenhang von dem jetzigen Hersteller Roland Christen ein Echo zu erwarten ist, kann ich augenblicklich noch nicht sagen, vielleicht lassen einige ihre Kontakte spielen.
Mein erster Kontakt zu Wolfgang Busch entstand im Rahmen der Astronomischen Frühjahrs- Tagung 1976 in Würzburg, als Wolfgang Busch in einem Kurzvortrag seine Neuentwicklung sehr eindrucksvoll demonstrierte und mich zur Herstellung eines dieser Optiken animierte. (Das Wohnzimmer war in der Folge für mehrere Monate ausgebucht.) Auch begann ich in einer akribischen Aufzeichnung seit dieser Zeit ein ganzes Buch mit meinen Erfahrungen vollzu- schreiben und weitere dieser Optiken herzustellen, jedoch nie kommerziell, einfach aus purer Lust an der Sache. Ohne Meßtechnik konnte man schon damals keine vernünftigen Optiken herstellen und bald hatte ich auch eine Schleifmaschine, die bis zu 500 mm Durchmesser Spiegel schleifen konnte, gewissermaßen als Einstand in den Kreis der Optik-Rechner, Designer und Hersteller.
Damit man überhaupt einen Eindruck davon bekommt, wie die Objektive aussehen, zunächst ein paar Bilder und die optischen Daten, für alle, die selbst ein wenig rechnen möchten:
Der Bausatz, mit drei Linsen B270 / KzFN2 / B270, die nur auf Kontakt bis zu 800 Carbo ausgeschliffen werden müssen, 7-9 Tropfen Immersions-Öl genügen später für eine glasklare Durchsicht. Für die erste Konve-Fläche und die letzte Planfläche ist noch eine gleichgroße
Gegenschale dabei. Bei diesen Aktivitäten lernt man, wie sensibel Glas auf Druck und Wärme reagiert und wieviel Fingespitzen-Gefühl man für die Glasbearbeitung braucht.
Foto/Grafik gelöscht, da an anderer Stelle nachträglich themenfremde Änderungen stattfanden, und es hier auch nicht auszuschließen ist.
Das fertige Objektiv 130/1950, mit dem ich zuerst begann 1977
Foto/Grafik gelöscht, da an anderer Stelle nachträglich themenfremde Änderungen stattfanden, und es hier auch nicht auszuschließen ist.
Die optischen Daten, incl. der Glas-Sorten und Brechungs-Indizes, die man für die Rechnung und für die Anpassung dieser Optiken an bestimmte Wünsche braucht
Foto/Grafik gelöscht, da an anderer Stelle nachträglich themenfremde Änderungen stattfanden, und es hier auch nicht auszuschließen ist.
Soviel zum Introitus,
Wolfgang Rohr
Betreff geändert vom Boardmaster. Der Betreff soll schon zeigen, worum es geht!
Bearbeitet von Alexander_Cremer (29/05/2006 14:50)
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#57730 - 13/07/2003 17:18
Re: Deutsche Erfindung - in USA vermarktet
[Re: Rohr]
Hallo Wolfgang, kannst Du kurz beschreiben wie die hyperboloide Fläche (conic 0.345) hinzubekommen und messtechnisch nachprüfbar ist? Gibt´s den Bausatz noch? Freundliche Grüße: Uwe
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#57731 - 13/07/2003 18:19
Re: Deutsche Erfindung - in USA vermarktet
[Re: suessenberger]
Hallo Uwe,
das ist keine Hyperbel, sondern ein Sphäroid bzw. Ellypsoid. Augenblicklich weiß ich nicht, ob es die Seite mit der starken oder schwachen Krümmung ist, die rotiert. Nach Wolfgang Busch's Darstellung müßte es die Seite mit der starken Krümmung sein.
Bei den Optical Design Programmen werden die konischen Konstanten mit dem Minus-Vorzeichen eingegeben, also -1 für die Parabel, -2 und weitere für die Hyperbel, nachdem die Ellypse auch eine konische Konstante hat, geht es nur noch darum, welche Seite der Ellypse gemeint ist.
Gegen einen Planspiegel ein derartiges Objektiv zuu fertigen ist überhaupt kein Problem, ich hätte hier leihweise einen Planspiegel, mit dem das gehen könnte.
Außerdem habe ich gerade meine vor 25 Jahren hergestellten zwei HAB's 135/1950 einmal angesehen. Sie sind beider unter- korrigiert. Es müßte also nur die Unterkorrektur behoben werden. Ansonsten müßtes Du beim Wolfgang Busch nochmals nachfragen, bin mir aber nicht mehr sicher, ob noch Bausätze da sind. Wenn ich Deine private Tel. Nummer hätte, könnte ich noch mehr dazu sagen.
Herzliche Grüße,
Wolfgang Rohr
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1. Kapitel die optischen Daten über ZEMAX gerechnet:
Weil ich aus Unterlagen eines anderen Optical Design Programms aus urheberrechtlichen Gründen nichts veröffentlichen kann, habe ich die mir bekannten Daten in ZEMAX gesteckt, vor ziemlich langer Zeit übrigens, und rufe deshalb die wichtigsten Daten/Parameter ab:
Die von mir variierten Daten, wobei eine Unbekannte immer die Brechungs-Indizes der jeweiligen Schmelze sind, die ein gerechnetes System ganz schön verändern können, weshalb im Grunde genommen, nach jeder Charge ein System neu berechnet bzw. optimiert werden müßte.
Foto/Grafik gelöscht, da an anderer Stelle nachträglich themenfremde Änderungen stattfanden, und es hier auch nicht auszuschließen ist.
Die für diese opt. Daten gerechneten Werte für PV wave, RMS wave und Strehl
Foto/Grafik gelöscht, da an anderer Stelle nachträglich themenfremde Änderungen stattfanden, und es hier auch nicht auszuschließen ist.
Das Spotdiagramm für die Bildhöhe von 0, 5, 10 mm oder dem Durchmesser von 0, 10, 20 mm. Man sieht, daß die e-Linie und C-Linie im Airy-Scheibchen verschwindet, also für diese Farben ein beugungs-begrenztes System heraus-kommt. Lediglich die Farbe blau, bzw. die F-Linie hat eine etwas längere Schnittweite.
Foto/Grafik gelöscht, da an anderer Stelle nachträglich themenfremde Änderungen stattfanden, und es hier auch nicht auszuschließen ist.
Dieses HAB-Objektiv (als Halb-Apochromat deklariert von Wolfgang Busch) wird also nur an der Auflösungsgrenze einen leichten Blau-Saum zeigen. Mit einem leichten Gelbfilter wäre das bereits zu beheben. Eine differenzierte Beurteilung will ich später noch folgen lassen.
Wolfgang Rohr
Bearbeitet von Alexander_Cremer (29/05/2006 14:50)
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