Gänse im Mond

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Anette_Aslan

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Liebe Himmelsgemeinde,

mit dem Kälteeinbruch kam wieder einmal wie so selten eine unglaublich klare Luft ins Land, doch ausgerechnet dann ist der Mond noch so störend, dass einem nichts anderes übrig bleibt, als sich mit dem alten Freund zu begnügen, was ja auch immer wieder sehr erbaulich ist.

So habe ich die gesamte Oku-Kiste an ihm ausprobiert und im Baader Hyp 13 verweile ich am 10ner Dob ganz verträumt als in Bruchteilen von Sekunden eine gut formierte Gänseschaar mitternachts von Nord nach Süd vor dem Mond vorbeifliegt.

Welch ein erhebender Augenblick! Ich war total ergriffen und brauchte eine Weile, die Nachwirkungen dieses wundervollen Erlebnisses noch zu verinnerlichen.

So manchesmal flog eine Fledermaus vorm Mond herum, Mücken oder Flugzeuge, die Katze wollte schon in die Röhre bei der schrägen Betrachtung des Mondes.....das sorgt für Spannung, doch eine Pfeilformation von Zuggänsen......

Ich hab dann nochmals Holmes ins Visier genommen und frage mich immer mehr, wie sich sowas Komet nennen kann, dess Nucleus sogar transparent zu sein scheint....da fliegt ein aufgeblähter Hauch, eine leere Hülle von einem Kometen dahin, in einer Phase, die man einem ahnungslosen Mitgucker nicht mehr definieren kann.....Grüssle von Anette
 
Hallo Anette,

mal wieder sehr schön und einfühlsam geschrieben, danke. Deine Ausführungen sind immer ganz besonders schön und eindringend ins Hirn lesbar!

Man muß sich halt einfach durchringen, auch mal rauszugehen, wenn nur der Mond sichtbar ist. Er ist immer ein absolut lohnendes Objekt, gerade auch bei unseren Besuchern.

CS und liebe Grüße
Winfried

p.s.: der Wolkenatlas ist fast fertig und wird Ende Januar erscheinen, erweitert auf 320 Seiten
 
hallo Anette

Ja, das ist immer eine schöne Überraschung! Und ganz schnell ist die Aufmerksamkeit von den Kraterlandschaften abgezogen und ich warte ungeduldig auf den nächsten "Auftritt".

Aber auch wenn ich wieder mal in den Tropen bin und das rötlich gedämpfte Sonnenei sich langsam ins Meer hinuntersenkt, ein passend vorbeifahrender Fischerkahn dazu führt dass jetzt aber wirklich hektisch die Kamera gezückt wird, ja wenn dann noch so ein Pelikan dem ästethischen Reiz nicht widerstehen kann und zeitgerecht sich anschickt in einiger Entfernung als Silhouette vor besagtem Ei sich verewigen zu lassen, dann...

Das Bild hab ich natürlich, aber es ist doch fast schöner es sich vorzustellen, oder?

lg Tommy
 
Hallo Tommy,
da ich nie im Leben eine Kamera besessen habe, weis ich was Du meinst.....ich stand mal im Kamerahagel von lauter Touristen vorm Bergmassiv des Anapurna, als die aufgehende Sonne diesen in Gold verwandelte....dieser Eindruck hat sich in meine Seele gebrannt und dafür liebe ich die Erde jeden Tag ein Stückchen mehr! Doch schöne Bilder genieße ich trotzdem....nur machen kann ich sie nicht...deshalb überlasse ich das anderen, bevor ich da was vergewaltige....Grüssle von Anette
 
hallo Anette,

da warst du bestimmt in Pokhara. Das ist berüchtigt für Kamerahagel. Als ich den Round-Annapurna Trek gemacht habe, hatte ich auch nur eine ganz kleine alte fast unbrauchbare Kamera. Die habe ich an das Fernglas gehalten und die Eisformationen geknipst. Als ich dann vom Thorung La runterkam und nach 3 unrasierten und ungewaschenen Wochen (brr, kalt!)in eine japanische Reisegruppe mit Fähnchen und Sonnenschirmchen geriet kannst du dir sicher ausmalen, wie absurd die Situation war...

Beim Bilderknipsen muss man höllisch aufpassen, dass man sich nicht der lebendigen Wirklichkeit durch den Druck auf den Auslöser entledigt. Das Hantieren mit der Kamera kann leicht den Genuss der Situation ruinieren. So bleiben die schönsten Bilder ungeknipst (zb als der Leopard kam). Bilder machen kann man ja, aber Augenblicke einfangen, das geht natürlich nicht.

genug geschwatzt, schöne Grüss, Tommy
 
Hallo Tommy,
richtig, ich kam nachts mit einem Klapperbus übern Himalaya in Pokhara angegurkt, torkelte in ein Taxi, landete fast bewußtlos vor Müdigkeit in irgendeinem Hotel und als es morgens um mich surrte und zurrte und knipste und schnurrte wachte ich auf, machte die Türe auf und stand auf einer Terasse, die voll war wie Mekka während der Pilgerzeit.....ich sah erst die Leute und verstand nicht was los war...dann drehte ich mich um.....ich glaube ich wurde da zum erstenmal so richtig geboren in diese Welt hinein....unvergesslich....das hätte ich niemals mit einer Kamera festhalten können.....und dort habe ich Nachts den Himmel meines Lebens erlebt....die Sterne waren so hell, dass Gegenstände Schatten warfen....ich erkannte kein Sternbild mehr wieder....keines...Grüssle von Anette
 
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