IC 1318a im Schwan als HaGB
joetaiga

IC 1318a im Schwan als HaGB

Die Ecke nordwestlich von Sadr wird eher selten fotografiert. Eigentlich sollte es ein Bicolor sein, ich hatte aber während der Aufnahme den richtigen Verdacht, dass da statt OIII hauptsächlich Reflexionsanteile zu finden sind. Daher habe ich mich entschieden auf ein HaGB umzuschwenken.
Aufnahmedatum
8. Juli 2024
Belichtungszeit
Ha ca. 3h, Grün und Blau je ca. 1h = ca. 5h
Aufnahme Details
TS 125mm SD @ f/6.24, EQ6-R, Touptek 26000KMA, Astronomik 12nm Ha, Deepsky G und B.
Weitere technische Details
Bearbeitet mit Siril, Graxpert und Gimp. Zusammengefügt habe ich das Bild mit Pixelmath in Siril. H alpha habe ich mit Faktor 1,5 für den Nebel und Faktor 6 für die Sterne gewichtet. Die Farben sollten so einigermaßen natürlich sein. HaGB ist eine Alternative zu Bicolor oder LRGB, wenn wenig OIII, aber viel H alpha und Reflexionsanteile vorhanden sind. Man spart sich so einiges an Belichtungszeit und bekommt sowohl die Reflexionsnebel als auch den Wasserstoff eingefangen.

Da Blau auch H beta enthält bekommt man auch das leichte Violett der natürlichen RGB Farbe des Wasserstoffnebels ins Bild. Sogar die braune Farbe der Dunkelwolken ist je nach Gewichtung angedeutet.
Hallo Joe,

Danke für das schöne Foto und die sorgfältige Diskussion der interessanten Filterwahl. Man sieht an Deinem Foto gut, warum dieser Nebel auch Dolphin Nebula genannt wird. Da er auf manchen Karten IC 1318a und auf anderen 1318b genannt wird, gebe ich ihm gerne den eindeutigen Namen LBN 251.

Ich finde Deine Filterdiskussion deshalb besonders interessant weil ich dieses Objekt immer wieder visuell - Nachtsichtgerät eingeschlossen, wenn das als visuell gelten darf - mit allen möglichen Filtern besuche.

Der Bauch des Delfins hat einen recht starken SII-Signal (im Nachtsichtgerät mit entsprechender Filterung deutlich erkennbar). Dieser ist natürlich nicht auf Deinem Bild. Das Bild ist dadurch allerdings dem rein visuellen Eindruck mit UHC näher als Fotos die SII mitnehmen.

Erlaube bitte, Deine Annahme, dass hier viel Reflexion im Spiel sei, zu hinterfragen. Ich suche vergebens den leuchtkräftigen Stern, dessen Licht reflektiert würde.

Rückenflosse und Unterleib des Delfins haben jedoch einen recht starken OIII-Signal. User pmneo85 hat dies hier schön dargelegt. Er schreibt u.a.: "The S-II channel is very strong compared to the Ha. There is also a very strong O-III signal in the background of Ha and S-II".

Beide OIII-Linien werden vom Astronomik Deepsky B durchgelassen, die 501nm-Linie vom Deepsky G. Könnte das die Erklärung dafür sein, dass jene Bereiche auf Deinem Bild aufleuchten?

Am südöstlichen Rand des OIII-aufgehellten Bereichs - sozusagen kurz vor'm Übergang vom Rumpf zum Schwanz des Delfins - ist ein helles, kleines, rechteckig gezogenes Objekt. Was mag das sein?

Beste Grüße, Christopher
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Christoph,

generell dominiert in dem ganzen Gebiet Wasserstoff. SII ist zwar auch überraschend gut, das habe ich aber nicht aufgenommen. Was das Signal angeht besteht das ganze Bild im Hintergrund fast ausschließlich aus H alpha. Der Rest ist meiner Meinung zum Großteil H beta. Was ich im Blauen im Bild habe, sollte fast nur H beta sein. Das H beta Signal ist etwas diffuser als H alpha. Aber selbst im Blauen ist das SNR deutlich besser als mit OIII Filter. Von daher gehe ich davon aus, dass da kaum OIII und hauptsächlich H beta im Hintergrund ist. OIII sollte noch etwas im Grünen durch kommen. Da ist aber sehr wenig. Der OIII Layer an sich ist auch relativ schwach auf der Brust.

IC1318a wird nicht so oft aufgenommen. Und wenn gibt es eigentlich nur Schmalbandaufnahmen. Wenn man sich die vorhandenen Bilder anschaut, ist der OIII Anteil mal mehr oder weniger betont und mal mehr an der und dann wieder an jener Stelle.

Ich will da niemand zu nahe treten, aber in der Gegend um das Wasserstoffmeer im Schwan gibt es kaum Bereiche mit gutem OIII Signal, starkes Signal schon gar nicht. Unter stark verstehe ich sowas wie bei NGC 7000. Da kann man mit dem OIII Layer wirklich was anfangen. Ansonsten wird das einfach brutal hochgezogen und solange weichgezeichnet, bis man es wieder ansehen kann. Darüber dann eine Luminanz aus H alpha gelegt und der schwammige Flecken sieht wieder schön konturiert aus. Dass das dann überall anders aussieht liegt daran, dass das starke OIII tatsächlich so schwach ist, das die Hintergrundextraktion das jedes mal anders ebnet. Hauptsache man hat die schöne hubbleartige, blau-rote Palette.

Das OIII in IC1318a ein diffuses Glimmen im Bereich der Rückenflosse und dem oberen Rumpf, wenn ich den Delphin im Bild richtig assoziiere.

Die Reflexionsnebel im Bild sind nicht so extrem groß, waren im OIII aber schon stärker als das eigentliche OIII. Das sind halt nette Akzente, wenn man die im Grünen und Blauen aufnimmt. Im OIII kommen die nicht so gut raus. Da ich die Mischung OIII/Halpha am liebsten natürlich lasse und OIII nicht überhöhe, lohnt es sich meiner Erfahrung in so einem Fall eher Grün und Blau weiter zu machen als mit OIII. Das kleine rechteckige Objekt im Südosten ist der auffälligste. Im Süden etwas links der Mitte ist noch eins und dann noch ein etwas größerer, dafür schwächerer Bereich im unteren, rechten Bildteil. Dort sind auch einige hellere Sterne.

Ich kann aber auch mal eine Bicolor Variante des Bildes machen, wo OIII stark hochgezogen ist. OIII habe ich zwar nur die erste Hälfte der Zeit gemacht. Sollte dafür aber reichen.

Ich habe letztes Jahr ein kleines SHO Mosaik vom Schmetterlingsnebel gemacht. Da sieht man die Verteilung ganz gut.

Hier mit Hubblepalette. OIII musste ich da schon ordentlich anheben. Da sieht man schon, dass da fast nur SII und H alpha ist.

Und dann in der natürlichen Verteilung. In dem Fall ist Rot SII+Ha und Grün/Blau OIII.

Grüße,
Joachim
 

Medieninformationen

Kategorie
Gas- und Reflexionsnebel
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joetaiga
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Bild-Metadaten

Dateiname
IC1318a_HaGB.jpg
Dateigröße
1,7 MB
Abmessungen
4327px x 2890px

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