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Mars IRGB_Animation
Hallo Marsfreunde,
hab noch jede Menge Datenvideos von der Marsoppo. Hier eine Animation mit ausgeprägten Albedostrukturen.
Beobachtungsort
Berlin
Aufnahmedatum
24. Oktober 2020
Belichtungszeit
3x120sek, IRGB, 44% von 7120 Frames pro Kanal
Aufnahme Details
Exposure = 17ms, Gain = 37,
Mak 6" f/12 Bosma mit Ortho 18mm, ZWO ASI 120mm-s+EFW, 5250mm Brennweite ,
Seeing 5/10, wolkig, heller Großstadthimmel, einsetzende Taubildung
Temp:+6°C
ZM 30°
Time: 22:46 MESZ
Scheinbarer Durchmesser: 21,2", Entfern.: 66,2 Mio km
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Reaktion: Specht and spica
Hi, von der Detailauflösung gut geworden :y:
Wirkt farblich etwas blass, aber das ist natürlich Geschmackssache, sieht sicher jeder anders.
Aber eine Frage habe ich: warum pumpt der Mars ?
 
Nun, eine der beiden Fotos dieser Animation habe ich oben verlinkt. Meine verwendeten Farbfilter sind einfache Planetenfilter, für visuelle Beobachtung gemacht und haben sicher ein nicht schießendes Infrarotleck. Das führt immer zu leichenblassen RGBs?! Mich würde da interessieren, ob RGB ASI/Baader Filter im infrarotem Bereich dicht machen und somit ein besseres Farbverhalten beim vereinen der RGB Kanäle zeigen? Oder nutzt du eine MC Kamera?

Die Animation wurde mit zwei zeitversetzten IR AVIs simuliert, nur 15min versetzt. Das erste Bild wurde in WiJu skaliert auf 250 Px während das zweite Bild in Orginalgröße (588Px) ist. Das führt zum hineinzoomen der Ansicht, denke ich mal.

CS Frank
 
OK, jetzt habe ich's verstanden (sorry, hat etwas länger gedauert bei mir...). Das ist quasi wie mit der Enterprise auf den Mars zufliegen, der immer Näher kommt und sich dabei natürlich dreht. Eine 15 min (Realtime) Spanne bringt halt leider noch nicht viel Rotationseffekt, aber man muss ja auch immer erst genug Bilder zusammenbekommen.
Und bgzl. Farben und Filtern: Ein RGB Filter Set hat ziemlich scharf abgegrenzte Transmissionskurven für R, G und B, und somit geringe Bandbreite (jede halt 1/3 des visuellen Bereichs, d.h. UV und IR Cut wird gleich mit erledigt). Das bringt vor allem bei Refraktoren viel an Bildschärfe, (Farbfehler werden weitgehend unterdrückt). Spiegel sind da aber ohnehin weniger anfällig. D.h. hier sollte es auch mit einfacheren Farbfiltern ebenso gehen. IR-Lecks kann man mit zusätzlichem IR-Cut schliessen. Und die Farbmischung bei der RGB Komposition drehe ich am Ende in Gimp immer noch lange hin u. her, um z.B. Wolken, od. die Nordpol-Dunstschicht etwas hervorzuheben, sofern der B-Kanal entsprechendes hergibt. Ausserdem gefällt es mir, wenn ein rötlich-oranger Grundton vorhanden ist, sonst ist's kein Mars :) . Aber das ist persönliche Geschmackssache.
 
Okay, du verwendest also RGB Filter die nur im visuellen Bereich aufmachen. Wie sieht dein RGB Bild nach dem Erstellen ohne Bearbeitung aus? Schon gut?
Ich werde mein Setup mal bei Tageslicht an einer Farbtafel und einem kurzbrennweitigem Refraktor ohne Okularprojektion testen. Wenn dann wieder Leichenblässe rauskommt muß ich den IR Durchlass stopfen! IR Cut wäre eine gute Idee!
Visuell sind die Details auf Mars eher zart rauchig, ohne hohe Kontraste, digital kann man da schon nachhelfen. Die Geschmäcker sind eben verschieden.
 
Ich bearbeite die einzelnen Kanäle separat, und erstelle das RGB Komposit dann mit den geschärften Versionen. Durch i.d.R. leicht unterschiedliche Schärfungsgrade bei R,G und B wäre jegliche initiale Farbkalibration ohnehin korrumpiert. Daher regle ich die Kanalhelligkeiten beim bzw vor dem Komposit einfach nach Gefühl. Die Blässe hängt m.E. nicht am IR Anteil, sondern daran, mit welchen Gewichtungen du R, G und B am Ende zusammenstellst. Aus dem selben Ausgangsmaterial könnte ich z.B. auch einen grünen Mars erzeugen. (Dann wären die Marsmännchen allerdings rot.)
Um Details herauszuholen, ist der Kontrast in Aufnahmen natürlich höher als er visuell scheint, aber das trügt auch ein wenig. Und ich sehe schon zu, dass zumindest der grundsätzliche Farbeindruck im Bild nicht zu weit vom visuellen Eindruck abweicht. In den Nächten mit gutem Seeing Ende Sept. letzten Jahres bekam man auch visuell einen richtig kontrastreichen Mars zu sehen, und konnte Farbdifferenzen visuell ausmachen, z.B. dass die dunklen Bereiche nicht nur dunkler, sondern von Farbton auch kühler, in einen etwas gräulichen Braunton schienen, die hellen Bereiche dagegen wärmer, eine Art helles blassorange-rot.
Übrigens, wenn ich Bilder hier einstelle, dann oft als RGB mit zusätzlichen R,G,B Kanälen als S/W daneben, viell. hilft dir das ja als Vergleich.
 
Mit welchem Programm vereinigst du die RGB Kanäle und wie reguliertst du dann die unterschiedlichen Kanal Helligkeiten. Ich versuche den blauen und grünen eher dunkler zu halten und rot mit allen Helligkeitswerten zu belassen. Rosa kommt dabei in Fitswork heraus:)
Die Albedo Flecken sehen bei mir grau- blau schimmernd aus. Polkappe ist eher hellrosa gräulich zu erkennen. In Weiß habe ich sie nicht gesehen. Sind halt 6 Zoll Öffnung.
Deine RGB S/W sehe ich mir gleich noch an. Vielleicht erkenne ich dabei deine Vorgehensweise! Danke für die ausführlichen Infos. Hab noch so viel Videomaterial vom August bis November...da kann ich üben:jungehier::coffee:
 
Ich habe mal grob das Verhältnis der Intensitäten ausgemessen, mit R auf 1 normiert, verhalten sich die hellen Bereiche auf Mars im Stream etwa wie R: 1, G: 0.6-0.7 und B: 0.2. So exakt führe ich das aber nicht weiter, d.h. am Ende gehts nach Gefühl genau so, wie du schreibst. Rot hell, Grün etwas dunkler, und Blau nochmal dunkler. Da ich mit 6" nicht so viel Licht zur Verfügung habe wie die Leute mit grossen Eimern, braucht eine RGB Aufnahme gerne mal bis zu 30 min, d.h. ich verwende WinJupos zur Derotation der geschärften R,G und B Kanalbilder. Da kommt meistens noch etwas ziemlich farbstichiges als RGB Komposit heraus. Als Fits abgespeichert öffnet mir Gimp daraus dann 3 Einzelbilder, die ich nochmals anpasse in Sachen Helligkeit und Kontrast (meistens arbeite ich dabei mit dem Kurven-Tool).
Um den Randartefakt zu retuschieren mache ich das ganze auch mit einer stark, und einer schwächer geschärften Variante, die ich hier Kanalweise zusammenfüge (schwächer geschärften Rand vorsichtig Einarbeiten mit dem Eraser-Tool, wie von @komposer auch beschrieben). Die 3 S/W Kanäle füge ich dann als 3 Ebenen zu einem neuen Multilayer-Bild zusammen. Wenn ich vorher die Helligkeiten gut getroffen habe, produziert die "Farbe->RGB Zusammenfügen" Option daraus dann schon ein farblich recht passendes RGB. Danach kann man immer noch a bisser'l an den Kurven schieben. Blau versuche ich immer etwas zu pimpen, wenn im S/W Blaukanal-Bild Wolken/Dunst sich abzeichnen, damit die auch im RGB nicht ganz absaufen. Ein Blaustich bei der Südpolkappe z.B. ist dann quasi kaum zu vermeiden, das stört mich aber weniger.
Das ganze ist nur eine Heidenarbeit pro Bild, bis zur nächsten Mars-Opposition habe ich da hoffentlich ein paar Optimierungen gefunden...
 
Ah, verstehe. Du verwendest Gimp zum RGB vereinen. Die Randartefakte kannst du sehr gut mit Registax eleminieren. Da gibt es links einen Schalter.
Winjupos liefert bei mir nur marginal bessere Ergebnisse als Fitswork. Ist ja auch nur ein kleines Bildchen.

Ich nehme 2-3min pro farbkanal auf. Nur bei IR nehme ich 4min auf.
In winjupos ist es schwierig das Bild exakt einzumessen. Nutzt du die Video derotations Methode? Video derotation muss ich mal ausprobieren, soll noch bessere Ergebnisse liefern.
Mars war dieses Jahr ziemlich unspektakulär was Wolken/ Staubstürme betraf. Da habe ich mehr erwartet. Vll findet dort die Klimaerwärmung ebenfalls statt?
Alles Gute
Frank
 
Zuletzt bearbeitet:
Welchen Schalter meinst du bei Registax ? Und ja, bzw. nein, Video Derotation habe ich noch nicht probiert. Das Einmessen ist i.d.T. schwierig, aber ich finde es faszinierend, was WinJupos alles ermöglicht. Gibt noch einiges zu entdecken/ausprobieren.
-cb
 
Sorry, das andere Links! Denoise/ Deringing ist der Schalter. Damit kann man am hellen oder dunklem Rand Artefakte entfernen. Ebenso ist das entrauschen gut einstellbar.
Die Schwierigkeit beim Video derotieren ist die Anfertigung eines ref Bildes exakt in der Mitte des Videos. Sollte aber machbar sein! Damit kann man Jupiter zb 15min am Stück aufnehmen. Unvorstellbar!
 
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Planet
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Sternbrot
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