24. Woche - Die Spiralgalaxie M 106

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Bildautor Kevin Krüger

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Die Spiralgalaxie Messier 106 (= NGC 4258) im Sternbild Jagdhunde wird morphologisch gesehen als Typ SAB(s)bc typisiert. Das AdW zeigt sie mit einem Bildfeld von 69,4' x 51,5' mit der Nordrichtung auf 1 Uhr. Bildautor ist Kevin Krüger, den wir als Neuling in der AdW-Astrofotografenrunde ganz herzlich begrüßen. Seine Aufnahme entstand am 07.04. - 09.04.2019 in Gransee, ca. 60 km nordnordwestlich von Berlin gelegen. Aufnahmeteleskop war ein Lacerta-Newton 200 mm/800 mm, der uns beim AdW schon des öfteren begegnete. Kamera war eine ASI1600 Cool Mono. Belichtet wurde L: 61 x 300 s, R: 30 x 300 s, G: 29 x 300 s, B: 30 x 300 s, Ha: 20 x 600 s. Dabei kamen LRGB-Filter und ein Hα-Filter von Astrodon zum Einsatz. Die Montierung – eine 10micron 1000HPS – wurde ohne Nachführkorrektur benutzt.

Kurz zum Bildautor: Er betreibt seit weniger als 2 Jahren Astrofotografie. All seine Aufnahmen macht er vom Balkon aus, direkt neben einem hell beleuchteten Kirchplatz. Das SQM zeigt dennoch bis zu 20,5 mag/Quadratbogensekunde, wobei im Umkreis auf dem Feld schon Werte bis 21,4 gemessen wurden. Nebenbei unterstützt Kevin Krüger den Betreiber und Initiator der Schulsternwarte am Einstein-Gymnasium Neuenhagen.

Zum Bild. Die Bildergebnisse einer ersten Aufnahmeserie enthielten einige deutlich sichtbare Aufhellungen. Die hätten nicht ohne Datenverlust entfernt werden können, deshalb hat der Autor sich dazu entschlossen, den Hintergrund nicht weiter herunterzuziehen und nicht weitere lange Zeit damit zu verbringen, die schlechteren Bilder weiter zu bearbeiten. Stattdessen hielt er erneut auf M 106 und belichtete insgesamt 15,8 h.

M 106 ist eine Spiralgalaxie vom Typ Sbc. Sie ist etwa 7,66 Mpc entfernt (25 Mio. Lj). Ihr Längsdurchmesser auf dem AdW beträgt ca. 21,7' (Wikipedia übernimmt – wie viele – Werte von 18,6' x 7,2'). Leute, lieber selbst ausmessen! Damit kommt das Sternensystem auf einen wahren Durchmesser von 158.000 Lj – eine sehr große Spiralgalaxie, größer als M 31.

Im Bild erkennt man zahlreiche Hintergrundgalaxien. Gehen wir einige davon einmal durch. Zunächst ist bei den Pixelkoordinaten (2879/1499) die Galaxie NGC 4248 zu sehen. Mit einer Radialgeschwindigkeit von 527 km/s ist sie ein echter Begleiter von M 106. In der rechten unteren Bildecke steht die egde-on-Galaxie NGC 4217 mit einem markanten Staubstreifen in der Äquatorebene. Mit 1027 km/s ist sie schon doppelt so weit weg wie M 106. Bei (3533/1485) ist ein Galaxienpaar zu sehen: NGC 4231/32 ist etwa 320 Mio. Lichtjahre entfernt, also weit im Hintergrunnd. Bei den Pixelkoordinaten (1827/2466) ist ein diffuser Halo sichtbar, im Zentrum ein sternförmiger Kern. Das ist die sphäroide Zwerggalaxie UGC 7356, ebenfalls ein Begleiter von M 106. Ein ebenfalls recht lichtschwacher shäroider Begleiter ist bei (827/2572) zu sehen. Und dann noch LEDA 166129 bei (1870/1112) und BTS 109 bei (3024/2825), beide ebenfalls Begleiter von M 106.

Anmerkung: Kevin Krüger schreibt, dass Hα nur schwach durchkommt, da er für das Filterrad nur einen 3-nm-Filter besitzt. Deshalb noch einmal speziell für die Leser: Entfernt sich eine Galaxie von uns, dann unterliegt jeder Bereich ihres Spektrums einer Rotverschiebung nach längeren Wellenlängen hin. Je größer die Flucht- oder Radialgeschwindigkeit, desto mehr verschieben sich alle Spektrallinien nach Rot. M 106 hat eine Fluchtgeschwindigkeit v = 462 km/s (Datenbank Simbad). Für die Hα-Linie (656,3 nm) lässt sich aus der Radialgeschwindigkeit leicht die Rotverschiebung berechnen: Rotverschiebung = 656,3 nm x 462 km/s : 300.000 km/s = 1 nm. Verwendet man einen Hα-Filter von nur 3 nm HWB, dann versetzt eine Rotverschiebung von 1 nm die Hα-Linie von 656,3 nm auf 657,3 nm, also auf die Flanke der Transmissionskurve des Filters. Bei M 106 gibt es dadurch ca. 20% Lichtverlust in Hα, das ist nicht allzuviel Einbuße. Aber liebe Astrofotografen, Ihr seht: Dieser physikalische Hinweis ist für die Astropraxis nicht unwichtig. Schneller wegfliegende Galaxien können problematisch werden!

Das AdW ist recht gut gelungen, wenn man die relative Nähe der aufhellenden Millionenstadt Berlin berücksichtigt. Vielleicht eine Kleinigkeit: Der langwellige Spektralbereich hätte noch ein wenig farbkräftiger sein können, sprich etwas mehr Warmtöne bei den kühlen Sternen. So ist HD 106556 mit B = 8,3 mag und V = 7,3 mag eindeutig gelb (der hellste Stern in der rechten unteren Ecke). Aber das ist minimal. Dank an den Bildautor für das prächtige Bild und unsere Gratulation.

Peter Riepe

Koordinaten J2000.0:
RA = 12 h 18 min 58 s, DE = +47° 18' 13''

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