Amateur-Radioastronomie: Der Einstieg und Do's und Dont's | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Amateur-Radioastronomie: Der Einstieg und Do's und Dont's

astropeiler

Mitglied
Hallo,
ich will mal versuchen, ein paar Dinge zum Thema "Wie steige ich in die Radioastronomie ein" zu sagen. Das ist natürlich eine persönliche Sicht manche mögen einen anderen Weg finden. Ich versuche das in einer Reihe von "Thesen" zu formulieren:

1. Es gibt nicht "die" Radioastronomie. Es gibt sehr unterschieliche Phänonmene die jeweils eigene Vorgehensweise, Equipment und Aufwand erfordern. Um zu vermeiden, alles noch mal zu formulieren, verweise ich auf auf astroseite [Radioastronomie], wo ich das schon mal versucht habe zusammen zu tragen.

2. Man sollte sich für eine der Optionen (Meteore, 21cm Line, Jupiter ......) entscheiden und sich zuächst auf das ausgewählte Thema konzentrieren. Meine ganz persönliche Meinung: Wenn man langfristig an dem Thema arbeiten will und sich Stück für Stück vorarbeiten will, dann ist die 21-cm Linie DIE Einstiegsdroge.

3. Radioastronomie ist PHYSIK. Man muss bereit sein, sich mal mit den unterschiedlichen Phänomenen auseinander zu setzen. Viel LESEN und LERNEN sollte eigentlich immer am Anfang stehen. Zugegebenermaßen ist das nicht so einfach, weil die Information im Intenet arg zersplittert ist. Wer es richtig wissen will, kann ein inzwischen nur noch antiquarisch erhältiches Buch versuchen zu bekommen: John Kraus, Radio Astronomy. Obwohl in die Jahre gekommen und teuer! meine Nummer 1. Für jemanden, der neu in der Materie ist, sicher nicht einfache Kost.
Ansosten: links [Radioastronomie]

4. Übliche Gewohnheiten/Vorgehensweisen aus dem Amateurfunk sind häufig, aber nicht immer hilfreich. Sicher ist eine ordentliche Portion Wissen und Erfahrung vorhanden. Aber nicht alles lässt sich 1:1 übertragen. Eine radioastronomische Quelle hat andere Eigenschaften als der OM von nebenan. Also ist das Verständnis, wie die Eigenschaften der Quelle sind, wichtig (siehe 3.)

5. Vielfach wird empfohlen, diese oder jede Komponente unbedingt zu optimiern. Das ist nicht unbedingt zielführend. Das Gesamtsystem ist das, was zählt. Der beste Vorverstärker, das beste Filter nutzt nichts wenn der Rest nicht stimmt. Wie immer im Leben zählt Ausgewogenheit und Ideologie führt nicht zum Ziel.

6. Am Anfang ist jeder "Beobachtungserfolg" mehrfach zu hinterfragen. Nur wenn das Ergebnis 100% mit dem, was man erwarten kann übereinstimmt, dann ist es eine wirkliche Beobachtung. Eine Beobachtung muss auch immer reproduzierbar sein.

7. Radioastronomie erfordert einen langen Atem. Die Lernkurve ist erheblich, und viele brechen auf halbem Weg ab. Man sollte aber nicht versuchen, erst das "ultimative Radioteleskop" zu bauen bevor man die ersten Beobachtungsversuche macht. Eine erste erfolgreiche Beobachtung ist ein wichtiger Motivationsschub. Ein erstes (echtes) Signal ist der Schlüssel zur weiteren Optimierung.

8. Software ist ein nicht unerheblicher Bestandteil der Radioastronomie. Irgendwie müssen die Signale ja ausgewertet und dargestellt werden. Man sollte vermeiden, das Rad neu zu erfinden. Vielmehr sollte man soweit wie irgend möglich auf bestehende Software zurückgreifen.

9. Fragen stellen ist immer gut. Aber einfache Dinge, die man durch einfaches "googlen" selbst herausfinden kann sollte man lieber nicht fragen. Dann wird man sonst irgendwann keine Antwort mehr bekommen.

10. Noch mal 3. beherzigen :)

Gruß
Wolfgang
 
Oben