Amateur-Radioastronomie: Die Krux der Kommunikation

astropeiler

Mitglied
Hallo in die Runde,
Ich möchte mal ein Thema loswerden, das mich schon lange beschäftigt:
Es gbit eine doch recht überschaubare Anzahl von Leuten, die sich im deutschsprachigen Raum als Amateure mit Radioastronomie beschäftigen oder beschäftigen wollen. Dennoch gelingt es nicht, dass diese Leute sich auf einem gemeinsamen Kommunikationskanal zusammenfinden. Das führt dann dazu, dass die Kommunikation recht zersplittert stattfindet und das Themen mal hier, mal da behandelt werden. Ich will mal versuchen, zusammensttellen, was ich an Kommunikationskanälen kenne:
Dann gibt es weitere Foren, auf denen das Thema gelegentlich mal "hochpoppt" und dann nach ein paar Beiträgen wieder versandet.
Wenn man über den deutschsprachigen Raum hinausschaut, dann gibt es
Der Nachteil der Zersplitterung ist aus meiner Sicht dreierlei:
  • Die Qualität leidet, weil eben auf dem einen Forum zwei Halbwissende miteinander reden während auf einem anderen Forum jemand sitzt, der weiterhelfen könnte
  • Neueinsteiger wissen nicht, wo sie am Besten aufgehoben sind
  • Es entsteht auf keinem der Foren/Listen eine wirklich kritische Masse für einen kontinuierlichen Informationsfluss
Ich habe nun keine Idee, wie man das zusammenführen könnte. Jedes Forum ist natürlich frei eine Rubrik für Radioastronomie einzurichte, so wie es auch hier geschehen ist. Ich kann nur dafür plädieren, dass Geschehen auf auf den anderen Kommunikationskanälen auch zu verfolgen, um entweder weiterzuhelfen oder auch weitergeholfen zu bekommen.
 

Setebos

Mitglied
Hallo Wolfgang,

im Falle der VDS Fachgruppe Radioastronomie finde ich es sehr schade, dass man sich quasi hinter der Mailingliste versteckt, anstatt dieses sehr interessante Thema im VDS Forum öffentlicher darzustellen. Mailinglisten halte ich für äußerst unpraktisch, unzeitgemäß und wesentlich ineffizienter als ein Forum.

Hier auf A.de tummeln sich einige Funker und auch komplette Neueinsteiger (wie ich), aber auch mit Dir ein erfahrener Radioastronom. Es besteht noch großes Weiterbildungspotential und, wie ich hier zu spüren glaube, viel Motivation. Ich halte es daher für sinnvoll, neben der schriftlichen Kommunikation irgendwann mal eine Möglichkeit zum persönlichen Austausch in Form eines Workshops oder einer Tagung durchzuführen, wie es ja auch z.B. die Planetenfilmer oder Astrofotografen machen. Dies könnte auch mit Unterstützung der zu anfangs genannten VDS Fachgruppe erfolgen.

Gruß
Christian
 

astropeiler

Mitglied
Hallo Christian,
das Thema Mailingliste vs. Forum wir immer wieder im Kreise der Beteiligten diskutiert mit, wie man sich denken kann, unterschiedlichen Meinungen. Ich glaube nicht, dass man sich "versteckt", sondern dass es einfach eine Präferenz ist. Im Übrigen kann sich jeder für die Mailingliste anmelden, so wie in den Foren auch.
Was den persönlichen Austausch angeht: Es gibt ein Treffen der Fachgruppe Ende März in Kiel. Vielleicht will der Eine oder Andere die Gelegenheit nutzen? Das ist übrigens vollkommen unabhängig von einer VdS Mitglieschaft. Ich bin selber auch kein VdS Mitglied.
Dann gibt es di e"EURCARA". Das ist eine Konferenz, die wir 2014 ins Leben gerufen haben. Sie findet alle zwei Jahre statt und ist in diesem Jahr im September in Dwingeloo, Holland. EUCARA steht für European Conference on Amateur Radio Astronomy. Bei der letzten Konferenz 2018 bei uns am Astropeiler hatten wir rund 60 Teilnehmer. Das ist sicher eine gute Gelegenheit für einen Austausch.
Ansonsten: Unsere Tür steht offen für Leute, die sich informieren und austauschen wollen. Eine Mail zur Terminabstimmung reicht. Ich wundere mich sowieso dass nicht viel mehr Leute an unsere Tür klopfen. Natürlich ist es nicht für jeden so gerade um die Ecke.
Gruß
Wolfgang
 

eberhard_ehret

Mitglied
Moin,
...bitte nicht hauen....aber:
Im blauen Forum ist es recht ruhig geworden, VDS hat ein etwas holpriges System.
Wäre ein Vorschlag: Die Aktiven sammeln sich hier in diesem Forum und bauen es zur zentralen Info-Stelle im
deutschsprachigen Raum aus ? Man muss ein Ziel vor Augen haben...durch den Nebel sieht man nicht weit ! :)
LG Eberhard
 

Admin Astronomie.de

Mitarbeiter
Admin
Hallo Eberhard,

Moin,
...bitte nicht hauen....aber:
Im blauen Forum ist es recht ruhig geworden, VDS hat ein etwas holpriges System.
Wäre ein Vorschlag: Die Aktiven sammeln sich hier in diesem Forum und bauen es zur zentralen Info-Stelle im
deutschsprachigen Raum aus ? Man muss ein Ziel vor Augen haben...durch den Nebel sieht man nicht weit ! :)
LG Eberhard
das finde ich eine gute Idee! Hast Du Interesse, daran mit zu wirken?

Dann melde Dich mal bei mir unter admin@astronomie.de

Viele Grüße

Stefan
 

Michael_Haardt

Mitglied
Hallo,

es gibt verschiedene Geschmäcker, darum werden von verschiedenen Leuten sowohl Mailinglisten als auch Webboards bevorzugt. Das ist aber nicht der entscheidende Punkt.

Wenn der Inhalt interessant genug ist, wird das Medium hingenommen, egal welches. Board, mit oder ohne Rubriken, freie oder restriktive Admins, Mailingliste, das spielt alles keine Rolle mehr, wenn interessanter Inhalt da ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass bei einer Fortsetzung in diesem Tempo die Anzahl der Jahrespostings vieler anderer Kommunikationsmedien zum Thema Amateurradioastronomie schnell erreicht ist und das wird sich herumsprechen. So einfach ist das. :)

Vielleicht ist die Zeit auch einfach nur reif: Früher war der Bau rauscharmer Verstärker und Empfänger nur etwas für absolute Spezialisten und die nötige Rechnerleistung für die digitale Verarbeitung war ziemlich teuer. Heute kann man vieles günstig in China kaufen oder sich gute Platinen machen lassen. Es gibt freie Software für Platinendesign und Radioastronomie und die Leistung dafür ist kein Thema. Es gibt viel im Web zu lesen, besonders zur Praxis, die an den Unis gerne zu kurz kommt, weil man dafür Betriebspersonal hat und die Praxis oft wenig Chance für Publikationen liefert.

Und das Wetter ist so langsam nicht mehr zu glauben.

Michael
 

sdr_herrmanns

Mitglied
Das ist alles richtig was du sagst, es gibt aber auch Schwierigkeiten, die nicht bei der Technik zu suchen sind sondern im "Umfeld."
Seit ich von zu Hause ausgezogen bin (das sind immerhin schon ein paar Jahre ;) ) habe ich Probleme mit der Aufstellung von Antennen. Die Antennenform wird mehr oder weniger vom Einsatzzweck vorgegeben und das können schon ganz schöne Monster sein.
Weiterhin leben wir mittlerweile in einem Störnebel, was diese Arbeit doch auch etwas erschwert.
Dh das Ganze steht und fällt auch mit dem Einsatzort der Anlage.
Man kann sich natürlich auch eine mobile Anlage vorstellen, aber man will nicht unbedingt mit einer 2m Schüssel auf den Berg fahren. Die Notebooks stellen teilweise auch eine ganz gewaltige Herausforderung dar, was Störungen angeht.
Es kann sogar sein, dass ein Rauschteppich entsteht, den man als solchen gar nicht erkennt :D.
Jetzt komm ich aber zum eigentlichen Punkt. Man sollte bei der weiteren Diskussion eine Remotestation in Betracht ziehen, wenn die Möglichkeit besteht - und da schlage ich jetzt den Bogen zu deinem Post Michael. Man kann mit recht billigen Mitteln in der heutigen Zeit, eine fernbedienbare Station aufbauen. Da entkommt man dem Störnebel und der Hausverwaltung die gegen Antennen klagt.
 
Zuletzt bearbeitet:

Michael_Haardt

Mitglied
Auch da entsteht inzwischen einiges. INDI ist bei Amateurteleskopen beliebt, während die Profis EPICS benutzen, um mehr Zugriff auf die Kommunikation zwischen Modulen zu haben. INDI bzw. das GUI auf Basis von EPICS wäre herrlich. Man könnte dann aber z.B. eine Seeingmessung direkt über EPICS portabel mit irgendeiner Kamera machen. Es gibt Applikationen neben der normalen Astrofotografie! Und für Radioastronomie ist so ein Framework sowieso sinnvoll, damit da nicht jeder was Eigenes machen muss. Auch hier ist die Zeit reif: Lief EPICS früher auf teuren VME-Industrierechnern, kann man es heute als Amateur auch auf einem Raspberry Pi laufen lassen. Im Vergleich dazu sehen herstellerspezifische SDKs wie von ZWO ziemlich altbacken aus.

Was den Störnebel angeht: Hier wären praktikable Anleitungen der in dem Bereich kundigen Funkamateure gefragt, wie man z.B. ganz konkret mit einem SDR ein Störspektrum aufnimmt und Störungen beseitigt. Es gibt schon sehr gute Anleitungen für Schaltnetzteile, die aber teure Empfänger vorraussetzen. Seit SDR ist da eine Schwelle drei- bis vierstelliger Beträge für Geräte entfallen, die man als Nicht-Funkamateur nur selten brauchen könnte und deren Beherrschung auch gelernt werden will. So ein Spectrumanalyzer mit 40 Tasten schaut einen frech an und weiss genau: Der Typ da hat keine Ahnung. :)

Leider ist das alles sehr viel Arbeit. Realistisch ist das als Hobby nur im Team zu machen. So, ich bin dann mal Richtung ATH unterwegs.

Michael
 

sdr_herrmanns

Mitglied
Man kann das mit den HF-Störungen analog zu den "Störungen" der optischen Astronomie betrachten.
Wenn dein Nachbar Taschenlampen, Bewegungsmelder, sein üppiges Haus von unten anstrahlen muss und einen beleuchteten Swimmingpool im Garten aufstellt, dann wird dem Astronom die Sicht vernebelt.
Es ist halt mittlerweile so, dass jedes elektrische Gerät mehr oder weniger strahlt und das Übelste, was es da zu nennen gibt ist PLC bzw DLAN. Dagegen hast du überhaupt keine Chance, ausser mit dem Nachbarn reden, dass er es abstellt.
Wie so eine Sauerei hat jemals zugelassen werden dürfen ist mir bis Heute ein Rätsel und wird es immer bleiben.
Das spielt sich zwar auf der Kurzwelle ab (der gesamte Bereich ist betroffen von 3 - 30Mhz +-) aber es gibt doch schon auch interessante radioastronomische Sachen in dem Bereich.
Mehr oder weniger triff das auch mittlerweile auf die "oberen" Frequenzbereiche zu.
Engmaschige GSM etc Netze, die können auch ganz schön nerven.
 

Michael_Haardt

Mitglied
Es ist schon klar, dass man das Problem global nicht mal eben selbst lösen kann, weder im optischen Bereich noch im Radiobereich. Die Zulassung ist kein Rätsel, denn wo es um viel Geld geht, macht das Gesetz Platz. Es werden ja auch Autos zugelassen, die die Bestimmungen nicht erfüllen, aber nur, wenn ein Hersteller dahinter steht. Wenn Du privat was am Auto schraubst, ist der TÜV unbarmherzig: Andere Reifendimension (10 mm schmaler), Abrollumfang stimmt, Herstellerfreigabe für die Felge und Last liegt vor: Nö, nehme ich nicht ab, ohne Grund und aus Prinzip nicht.

Aber so, wie man als Amateurastronom das Thema Lichtverschmutzung erkennt, selbst möglichst wenig dazu beiträgt und gelegentlich entschärfend helfen kann, kann man als Amateurradioastronom ebenfalls dazu beitragen, selbst wenig Störungen abzustrahlen, schon um sich nicht selbst den Empfang noch mehr zu stören. Darum sage ich: Hier sind praktikable Vorgehen zur Erkennung und Entschärfung gefragt, die Amateure ohne Ausbildung verstehen und nachvollziehen können. Das ist bei Licht (mit Einschränkungen wegen Polarisation) einfacher, weil man es direkt sieht.

Hier mal ein Beispiel:


Wie kann ich das mit einem SDR aufbauen? Was genau messe ich da? Ist das alles oder muss ich noch mehr messen?

Optische Astronomie ist Technik und Physik, Radioastronomie noch viel mehr. Man kann als Amateur durch's Leben kommen, ohne seine Kamera zu kalibrieren, sofern man keinen Anspruch Richtung Wissenschaft hat. In der Radioastronomie muss man verstehen, was Signal und was Störung ist, und Kommunikationsmedien können sehr helfen, hier als Amateur erste Schritte zu machen. Wenn als Seiteneffekt mehr Wissen über Radiostörungen und deren Vermeidung entsteht, ist das doch wunderbar. Hier sieht man auch einen Grund für verschiedene Foren: Bei der BAA-RAG liegt der Schwerpunkt auf VLF. Das Gebiet ist einfach extrem vielfältig.

Michael
 

astropeiler

Mitglied
Hallo,
wie wäre es, wenn wir den Austausch über "Störungen (=RFI)" in einem anderen Thread fortführen würden? Eigentlich war hier das Thema die Frage der Kommuniationwege der Amateur-Radioastronomen. Es wird sonst recht unübersichtlich, wo welche Thematik behandelt wird.
Zu einem anderen hier angesprochenen Thema (Teleskope/Remotestation) mache ich gleich selber mal was auf.
Gruß
Wolfgang
 

Setebos

Mitglied
Hallo Wolfgang,

unsere "lokale Gruppe" hier aus der Region Heinsberg und Umgebung plant für das Frühjahr eine Exkursion zum Astropeiler. Bestimmt könnten sich uns dann andere Interessierte hier aus dem Forum anschließen. Das wäre eine gute Gelegenheit, sich persönlich kennenzulernen und auch das Thema Kommunikationswege für uns (erfahrene und zukünftige) Hobby-Radioastronomen zu besprechen.

Schöne Grüße
Christian
 

astropeiler

Mitglied
@sdr_herrmanns
Empfänger am 25-m Spiegel: https://astropeiler.de/sites/default/files/Astropeiler_Story_1.pdf
Empfänger am 10-m Spiegel: Schwer modifizierter Ka/Ku Band LNB für die Gegend von 12 und 23 GHz, ADALM-Pluto SDR als Spektrometer
Empfänger am 3-m Spiegel: https://astropeiler.de/sites/default/files/Teil1_3-m_Radioteleskop_Astropeiler_Stockert_Aufbau_und_Technik.pdf
Empfänger aum 1,2-m Spiegel: Im wesentlichen wie am 3-m Spiegel, ADALM-Pluto SDR als Backend für spektrale und Kontinuumsmessungen
Empfänger am Ku-Band Intererometer: Interferometer-Komponenten | Astropeiler Stockert e.V.

Gruß
Wolfgang
 

astropeiler

Mitglied
@Christian: Schön dass ihr kommen wollt. Ein kleiner Hinweis: Wir planen im April den Empfänger vom 25-m Spiegel auszubauen und ggf. noch weitere Wartungsarbeiten an der Antriebsanlage vorzunehmen. Dann wäre die Anlage nicht in Betrieb.
Gruß
Wolfgang
 
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