Anfänger Erfahrungen (wenn eine PSS-Installation unter Windows nicht so läuft wie gedacht...) | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Anfänger Erfahrungen (wenn eine PSS-Installation unter Windows nicht so läuft wie gedacht...)

Ich möchte kurz meine Erfahrungen als Anfänger mit dem PSS schildern. Vielleicht helfen meine Schilderungen ja dem einen oder der anderen, die zunächst ähnlich verzweifelt sind wie ich, wenn es nicht so läuft wie Mensch es sich erhofft hat.

Ich besitze ein C8 Teleskop und habe am 20. Februar an dem schönen Wochenende viele Videoaufnahmen vom Mond gemacht. Als Kamera kam eine ZWO ASI 178 MC zum Einsatz. Ich habe immer Videos von 2 Minuten Länge gemacht, da kommen dann so ca. 1400 Einzelbilder pro Sequenz zusammen. Als Software für die Aufnahme habe ich Firecapture genutzt.

Ja, und als ich nun etliche Videos gedreht hatte und auf meiner Festplatte mehrere hundert Gigabyte zusammen hatte, sollten die verarbeitet werden.

Vom PSS hatte ich schon über den YouTube-Vortrag der Sternwarte Hof (https://www.youtube.com/watch?v=30JOUZeyVLs) gehört, war davon recht angetan. Das entsprechende Download-Verzeichnis für das neueste Release wurde auch schnell gefunden. Da ich einen Windows 10 Rechner für die Bearbeitung nutzen wollte, habe ich dann auch gleich die deutschsprachige Dokumentation und das Windowsinstallationsprogramm heruntergeladen. (https://github.com/Rolf-Hempel/PlanetarySystemStacker/releases/tag/V0.8.31).

Doch dann war zunächst keine Installation möglich. Windows meldet sich: „Computer wurde durch Windows geschützt - Von Microsoft Defender SmartScreen wurde der Start einer unbekannten App verhindert. Die Ausführung dieser App stellt u. U. ein Risiko für den PC dar. Nicht ausführen“

Ich entdeckte auf der Meldung auch den kleinen Link “Weitere Informationen“. Und wenn man den anklickt erscheint noch einmal der Dateiname und der Hinweis, dass dieser download einen „unbekannten Herausgeber“ hat. Also lieber doch nicht weiter machen? Nein, das kann natürlich keine Option sein, zum Glück erschien dann auch die Auswahlmöglichkeit „Trotzdem ausführen“.

Dann wurde das Programm glücklicherweise auch installiert. Am Ende erscheint auf dem Desktop ein PSS-Icon, den schnell anklicken und – es öffnet sich ein typisches „Eingabefenster“ au alten MS-DOS-Tagen, ein kleiner weißer Cursor flackert kurz auf – und schon schließt sich das Fenster wieder. Wie?? Das solls gewesen sein? Kann doch nicht sein! Was ist da schiefgelaufen?

Ich habe zunächst einmal alles wieder gelöscht, neu heruntergeladen, wieder die Windows Defender Meldung ignoriert, wieder installiert …. Und das gleiche Ergebnis. Dann die Dokumentation studiert, leider aber keine Antwort auf dieses Problem gefunden. Nochmal alles gelöscht, neu installiert…. Immer noch das gleiche Bild. Hm. Danach noch einmal länger in der Dokumentation geblättert. Festgestellt, dass für die eigentliche Anwendung zuerst eine Python-Umgebung installiert werden soll. Die soll im Installer-Programm enthalten sein (Dokumentation Seite 6)!?

Ich entdeckte in der Dokumentation (Kapitel 3.1) eine Stelle, die beschreibt, wie man testen kann, welche Version von Python man hat. Zum Glück kapierte ich schnell, dass – wenn in der Dokumentation geschrieben steht „Öffnen Sie ein Terminal“ die „Eingabeaufforderung“ gemeint ist. Als erstes dann dort, wie in der Dokumentation beschrieben „python3“ eingegeben. Daraufhin wird sofort ein Browserfenster des „Microsoft Store“ geöffnet, der einem das Herunterladen von Python 3.9 anbietet.

Wieder war ich etwas überrascht. Denn ein paar Zeilen weiter in der Dokumentation stand, ich sollte die Version 3.6.8. nutzen. Nochmal wieder in diesem Forum und an anderen Stellen recherchiert und eher noch mehr verwirrt. Zum Glück gibt es in der Dokumentation einen Link, wo man sich die notwendige Python-Version 3.6.8. herunterladen kann. (https://www.python.org/downloads/release/python-368/).

Das also einfach mal gemacht und installiert. Und irgendwie habe ich dann plötzlich entdeckt, in der Eingabeaufforderung wird die installierte Python-Version angezeigt, wenn man einfach nur „python“ eingibt und nicht wie in der Doku gezeigt „python3“.

Natürlich hatte ich alles von PSS in der Zwischenzeit wieder gelöscht und dann noch einmal heruntergeladen und nach der Installation wieder auf das PSS-Icon geklickt und … es wurde tatsächlich gestartet. Hurra!

Es hat ein paar Stunden gedauert, aber zum Glück hat sich das Problem gelöst. Und vielleicht lässt sich ja zukünftig die Dokumentation mit Hinweisen ergänzen, wie man die bei mir aufgetretenen Klippen umschiffen kann.

Dann wieder in der Dokumentation geblättert und insbesondere auch noch einmal im Video aus Hof nachgeschaut, wie PSS tatsächlich funktioniert.

Die ersten Videos habe ich nun auch schon gestackt. Mein erster Eindruck hier ist sehr positiv, das ganze läuft recht schnell und zuverlässig. Jetzt muss ich mich an das Bearbeiten der erzeugten Bilddateien machen, das wird dann aber vielleicht ein anderes Posting.
 

hj_net

Mitglied
Hallo (dein Name),
ja am Anfang ist das alles verwirrend. Es gibt viel Software, in der Regel von Hobbyentwiklern, daher auch kostenlos. Man muss eine weile suchen um für sich das richtige zu finden.
Für meine ASI Videos nehme ich allerdings Autostakkert 3.xx. Diese erstellen zügig die gesteckten TIF-Bilder. Diese bearbeite ich anschließend mit Affinity.
 

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo LiboriusWichar,

da bin ich aber froh, dass Du es am Ende doch geschafft hast.

Mit der Installationsprozedur bin ich auch noch nicht so richtig zufrieden. Das Problem ist, dass es unendlich viele Plattformen und Softwarestände darauf gibt, und überall lauern andere Installationsprobleme. Ich selbst probiere den Windows-Installer regelmäßig auf drei Windows 10-Systemen, und es gibt keinerlei Probleme. Sonst würde ich ihn gar nicht erst hochladen. Die Installation über Python ist eine Alternative zum klassischen Windows-Installer. Die sollte eigentlich auf den meisten Plattformen funktionieren. Ich selbst teste immer auf Windows 10 und Ubuntu 20.04LTS. Trotzdem kommt es auch dabei immer wieder zu Problemen, je nach OS-Version.

All diese Probleme kommen nicht von meinem Python-Code her und sind daher für mich sehr schwer vorherzusagen. Es sind immer Inkompatibilitäten von Bibliotheken, Python- und OS-Versionen. Irgendwie ist das der Preis, den man für "Plattformunabhängigkeit" bezahlt. Aber es ist mir auch klar, dass diese Feinheiten für Benutzer sehr lästig sein können.

Schöne Grüße
Rolf
 
Hallo Rolf,
mein Posting soll auch gar nicht als Kritik an Deiner Softwareentwicklung zu verstehen sein. Ich finde die sehr gut und vor allem auch sehr umfangreich dokumentiert. Kaum eine Dokumentation kann alle möglichen Fehlerquellen abdecken. Ich finde es auch sehr merkwürdig, dass Microsoft (Windows Defender) vor Software von "Github" warnt, gehört das doch meinem Wissen nach inzwischen selbst zum Microsoft-Konzern. Ich denke auch, als einzelner Entwickler kann man gar nicht alle möglichen Varianten von unterschiedlichen Betriebssystemreleases, Bibliotheken, Plattformen etc. unterhalb der eigenen Anwendung testen. Das geht nur in größeren Gemeinschaften. Deshalb habe ich mein Posting geschrieben. Wenn man weiß, das man (bitte nur in diesem Fall) eine anfängliche Windows-Defender-Warnung ignorieren und umgehen kann, und man das merkwürdige Verhalten nach der Windows-Installation durch zusätzliche (oder nochmalige) Installation der Pythonumgebung im richtigen Release umgehen kann, ist hoffentlich anderen wenigstens etwas geholfen und sie kommen dann schneller an ihr Ziel. Es wäre doch zu schade, wenn alle potentiellen Nutzer schon gleich nach dem Download von der Nutzung der Software abgehalten werden.

Herzliche Grüße und clear skies!
 
@hj_net : Autostakkert habe ich früher auch öfters verwendet. Bei PSS hat mir jetzt die Möglichkeit des Batchbetriebs sehr gut gefallen. Und schnell ist PSS auch, meine über 30 Videos wurden im Hintergrund alle sehr gut gestackt und sehr zügig zu guten Bildern verarbeitet. Man müsste mal eine Vergleichsmessreihe starten, welches Programm wirklich am schnellsten ist. Wobei es am Ende natürlich nur um Geschwindigkeit, sondern auch um die Qualität gehen sollte. Bei der Weiterverarbeitung bin ich noch am üben, da gibt es einfach noch zu viele mögliche Wege ...
 

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo LiboriusWichar,

vielen Dank für Deine verständnisvollen Worte! Ich bin immer noch auf der Suche nach Möglichkeiten, die Installation weniger fehleranfällig zu machen. Leider war das bisher nicht sehr erfolgreich.

Die Geschwindigkeit ist sicher nicht der Grund, zu PSS zu wechseln. In meinen Tests war AutoStakkert!3 immer eher etwas schneller, bei manchen Parameterkonstellationen (Drizzle) sogar merklich. PSS kann man sicher noch etwas verbessern, aber tatsächlich stand für mich von Anfang an die Bildqualität an höchster Stelle. Ich glaube, dass man bei AS!3 die hohe Optimierung manchmal mit auffälligen geometrischen Mustern in glatten (Mare-)Flächen bezahlt. Das hatte mich früher oft gestört. Da lasse ich den Computer lieber ein paar Sekunden länger laufen, zumal ich meine Mondvideos sowieso immer im Batch-Betrieb über Nacht stacke.

Schöne Grüße, und viel Erfolg bei der weiteren Erkundung der Programmfeatures (z.B. Postprocessing?),
Rolf
 
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