Ariane-6

Hallo Peter,
wie Du sagst, nach langen Verzögerungen. Als Raumfahrtfan drücke ich alle Daumen, Erstflug ist immer riskant.
Leider hat sich Europa in der Raumfahrt zuletzt immer weiter abhängen lassen, de facto haben wir nach der Außerdienststellung der Ariane 5 und den Problemen mit der Vega-C aktuell kein einsatzbereites System für den Transport größerer und mittlerer Lasten in den Orbit, und die Mikrolauncherszene stimmt auch nicht hoffnungsfroh. Da hat man den Eindruck, dass Konkurrenz das Geschäft (und die Subventionen) belebt, aber nicht die Geschäfte. Wirtschaftlich fliegen wird die Ariane 6 wohl auch nicht.
Gerade die vergangenen Tage mit den Testflügen von Starliner und Starship zeigen,
-es gibt jetzt weltweit 4 verschiedene bemannte Zubringersysteme ins All
-SpaceX macht mit seinem "Fly and error" weiter einen entscheidenden Schritt
Europa aber stagniert in der Raumfahrt weiter. Hoffen wir auf Besserung:)
Gruß
Christoph
 
Nach langen Verzögerungen soll der Erstflug der Ariane-6 vom Kourou Spacecenter in Französisch-Guayana (vorsichtshalber noch mit einer Dummy Nutzlast) nun am 9. Juli erfolgen
Der Termin, man lese und staune, steht immer noch!
Kommenden Dienstag 09. Juli um 20h MESZ Erstflug der Ariane-6 von Kourou aus!
Hoffentlich pünktlich, denn um 21h ist das EM-Halbfinale Spanien gegen Frankreich.
Da werden die Flight Controller dann ganz schön abgelenkt sein. :p

Gruss
Thorsten
 
Hallo!

Der Autor Eric Berger hat so ähnlich auch schon mit Boeings Starliner abgerechnet: The surprise is not that Boeing lost commercial crew but that it finished at all
Raumfahrt ist seit Beginn an ein Politikum; das scheint vorerst so zu bleiben. Und die alterprobten Player wie Boeing oder Ariane haben strukturell größte Probleme, im Zeit- und Kostenplan etwas zu bauen, das dann tatsächlich auch fliegt.

Ist das neu? Natürlich nicht.
Beispiel Apollo-Programm: Es war zu 100% Politikum: Man wollte die Sowjetunion schlagen. Kosten? Egal. Man lese mal den Untersuchungsbericht über den Brand von Apollo 1: Liest man den Bericht von 1967 und Bergers Artikel aus 2024, dann sind die strukturellen Probleme in der Zusammenarbeit der Akteure, die 1967 aufgedeckt wurden, grundsätzlich anscheinend noch heute vorhanden.
Oder das Space Shuttle: Es ist sehr spannend, sich mit der Geschichte des Space Shuttles zu beschäftigen. Auch das Space Shuttle hat nie den Anspruch erfüllt, preiswert und mit schneller Rotationszeit immer und immer wieder in den Orbit zu fliegen. Warum wurde es überhaupt zu Ende entwickelt und warum flog es - trotz der schweren Mängel, die das System nie los wurde und trotz der irrwitzigen Kosten - erstaunlich lange? Nein, nicht in erster Linie aus Prestigegründen, sondern weil das Militär darauf gesetzt hatte (die Spionagesatelliten waren fertig und passten nur in die Shuttle-Ladebucht) und weil man keine Alternative hatte, ohne von anderen Nationen abhängig zu sein. Auch hier ist die Lektüre z. B. des "CAIB", des Challenger Accident investigation board sehr erhellend, weil sie die Arbeitsweise von NASA und Herstellern und das Nichtineinandergreifen der notwendigen Verzahnung aufdecken.
Ich wette, das es im Prinzip heute nicht anders und nicht besser ist, egal ob bei NASA oder ESA. Und so wird nichts in-time und in-budget fertig. Space-X arbeitet grundsätzlich anders und offenbar besser.

Wenn man heute in Europa lieber nicht von einen USA unter einem Präsidenten Trump abhängig sein möchte, kann ich das nachvollziehen. Und von einem Herrn Musk abhängig zu sein, scheint mich auch nicht sehr verlockend zu sein.
Fazit: Man hat in Eurpoa keine Wahl: Die Ariane 6 wird fliegen. Wenn nicht heute, dann eben (noch) später. Ich drücke die Daumen.

Gruß,
Niko
 
Wie auch immer, im Moment ist es alles was Europa hat.
Auf YouTube gibt es einen Live-Stream vom Start:

Und in diesem Twix ist eine Info-Grafik mit Timeline.
Demnach ist ausser in der ersten Viertelstunde, wo die Nutzlasten abgesetzt werden, während dem Fußballspiel von Frankreich nur sehr wenig los. Ok, ganz am Ende ist dann wieder Aktivität, inklusive "Ende der Mission", praktisch gleichzeitig mit dem Ende vom Spiel. Hoffen wir mal, dass die Franzosen im All erfolgreicher sein werden als auf dem Fußballplatz. :p

Gruss
Thorsten
 
Und die alterprobten Player wie Boeing oder Ariane haben strukturell größte Probleme, im Zeit- und Kostenplan etwas zu bauen, das dann tatsächlich auch fliegt.
Soviel dazu wie ich es wahrnehme. Der europäisch Ansatz, wie auch lange jener der NASA war ja einfach Planwirtschaft. Darum wurden auch regelmässig alle Budgets gesprengt. In den Anfangszeiten -verständlicherweise- wohl geradezu Pflicht, um all die Entwicklungen "sicher" anzuschieben. Ich bezweifle, dass es in China diesbezüglich besonders "ökonomisch" zuginge.

Der Switch hat bisher alleine die NASA gemacht in der Forderung nach "Privatisierung" wo sie selbst eher nur noch Zaungast ist und kaum mehr Vorgaben machen kann, und SpaceX zeigt eindrücklich, dass der Erfolg mit "try&error" fast durchschlagend ist. Bei der ESA gibt es diesbezüglich noch käumlich Ansätze bzw. alternative, verfolgte Szenarien aufm Weg der "strategischen Unabhängigkeit".

Das aktuelle SLS Programm der Mondlandung ist noch immer typische NASA Planwirtschaft, und sprengt zuverlässig auch dort jedes Budget sowie Zeitplan, steht ja auch deswegen unter Kritik. Klar, mit Staatsgarantie für die privaten Hersteller sozusagen würde ich auch versuchen, soviel Geld wie möglich herauszupressen. Der angestrebte "100% Erfolg" hat eben sein Preis.

Gruss
 
Zwar hat's im Fußball heute nicht geklappt für Frankreich(*), aber dafür in der Raketentechnik (viel wichtiger! ;))
Die Cubesats sind ausgesetzt, es fehlt noch eine zwei "Kapseln". In etwa 20 Minuten, um 20 vor Mitternacht.

Gruss
Thorsten

PS: TwiX des Tages :ROFLMAO:

(*) Mein "Kleiner" wird 18 morgen, 2:1 für España, ein schönes Geburtstagsgeschenk für ihn. :)
 
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Hm, so ganz 100% scheint doch nicht alles geklappt zu haben.
Die Rakete hat ein Feature namens "APU", "Auxiliar Propulsion (nicht: Power!) Unit", das (wenn ich das richtig verstanden habe) permanent einen leichten Schub erzeugt. Und dieses APU hat irgendwann zu früh abgeschaltet. Deshalb ist im Live Stream die gelbe Kurve niedriger als die grüne Kurve. Ob sie die Kapseln abgesetzt haben kann ich nicht sagen, und auch nicht ob die Deorbit-Zündung der Oberstufe ohne die APU möglich ist. EDIT: Scheint nicht. Im Moment steht da "An anomaly has occured. Please stay tuned...".

Gruss
Thorsten

PS: Live-Stream beendet.
Ich würde sagen, trotz der Anomalie am Ende ein schöner Erfolg! :y:
 
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Die Rakete hat ein Feature namens "APU", "Auxiliar Propulsion (nicht: Power!) Unit", das (wenn ich das richtig verstanden habe) permanent einen leichten Schub erzeugt. Und dieses APU hat irgendwann zu früh abgeschaltet.
Die APU bei der Ariane 6 ist wohl sowas wie das APS bei der Saturn V.

Ähnlich wie sog. Ullage Engines/Motors sollen sie für kurze Zeit genügend Schub erzeugen, um den flüssigen Treibstoff bei zero-g vor dem Start der Oberstufe zum Boden der Tanks zu drücken, so dass die Treibstoffpumpen dort vernünftig funktionieren.

Gruß, Peter
 
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Die APU bei der Ariane 6 [...] sollen sie für kurze Zeit genügend Schub erzeugen...
Wobei die APU der Ariane offenbar für längere Zeit laufen soll. Warum auch immer.

Ein Artikel von SpaceflightNow mit nicht allzuvielen Neuigkeiten:

Die "Kapseln" waren wohl Wiedereintrittskörper, d.h. sie konnten ihre Funktion nicht erfüllen.
Bisher ist noch nicht verstanden, warum sich die APU nach wenigen Sekunden wieder abgeschaltet hat.
Und es ist wohl nicht mehr möglich, den De-Orbit Burn durchzuführen.

Gruss
Thorsten
 
Die anschliessende Pressekonferenz dazu:

War etwas eigenartig fand ich. Erste Hälfte ein einziges Jubilieren und Selbstlob. Teil 2 mit den Journalistenfragen dann mit deutlichem Ambiente-Wechsel, war m.E. förmlich spürbar, wie man in die Defensive geriet.
Französisch dominiert, so ein anderer Eindruck anhand der anwesenden Personen. Die Betonung, dass man 6! Starts pro Jahr geplant hätte, lässt im übrigen m.E. auch auf die (kleinere) Dimension der Angelegenheit erkennen. Eine überzeugende Vermittlung von Zuversicht hat die Pressekonferenz m.E. wohl eher nicht dargestellt.

Gruss
 
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Immerhin, das Ding ist nicht beim Start gleich explodiert, das ist für heutige Verhältnisse doch schon viel Wert :LOL:
VG CptB
 
Meiner Meinung nach ein gelungener Erststart der Ariane 6. Die Rakete ist pünktlich ohne Verzögerungen abgehoben, Haupttriebwerk und Booster haben tadellos funktioniert. Abtrennung der Booster und Haupstufe hat geklappt. Oberstufe funktionierte und Satelliten wurden abgesetzt. Das zum Schluß die Oberstufe nicht erneut gezündet hat ist ärgerlich aber auch kein Drama. Ich finde man kann sehr zufrieden sein mit diesem ersten Start. Wir müssen mal aufhören immer nur das schlechte zu sehen und nur rumzunörgeln. Bei SpaceX hätten sie tagelang gejubelt und auf den Tischen getanzt bei diesem Ergebnis.
 
Immerhin, das Ding ist nicht beim Start gleich explodiert, das ist für heutige Verhältnisse doch schon viel Wert :LOL:
VG CptB
Naja - die entwickeln halt völlig anders als SpaceX. Wenn das Ding wirklich explodiert wäre, wäre es ein massiver Fehlschlag gewesen. Bei SpaceX werden Explosionen als Teil der Lernphase gesehen.
Auch wenn der Start wohl als Erfolg gewertet werden kann: Es bleiben die viel zu hohen Kosten des europäischen Systems. Einziger Vorteil der Ariane ist halt die Unabhängigkeit von anderen Trägersystemen. Aber der Preis dafür ist einfach zu hoch. Kommerziell wird das Ding sicherlich ein Reinfall. Oder es wird nur mit massiven Subventionen konkurrenzfähig sein.

Aber die Arbeiten an der Ariane 7 (APFEL) haben ja schon begonnen. Bei gewohnten Entwicklungstempo können wir und sicherlich auf entsprechende Testflüge irgendwann zwischen 2030 und 2040 freuen.

Ciao, Udo
 
Ich vermute, man muss schon ein wenig abgedreht sein, um in einem solchen Unternehmen zu arbeiten
Also ich kann mir da durchaus noch mehr Gründe vorstellen.

Z.B. (wenn man jung ist), dass man was machen will wo ein cooles Produkt dabei rauskommt hinter dem man auch steht,
oder (wenn man etwas älter ist) , dass man nicht von einer überbordenden Bürokratie ausgebremst werden will, deren Zweck zu 90% nur darin besteht, sich selbst zu erhalten.

Thomas Zurbuchen (früher ein hohes NASA Tier und auch Uni-Prof) sagte mal, dass 5 seiner 10 besten Studenten zu SpaceX gegangen sind. (Er inzwischen auch.)

Ich vermute mal ganz vorsichtig, dass die nicht alle "ein wenig abgedreht" sind.

Grüssle
Thorsten
 
Hallo!
Thomas Zurbuchen (früher ein hohes NASA Tier und auch Uni-Prof) sagte mal, dass 5 seiner 10 besten Studenten zu SpaceX gegangen sind. (Er inzwischen auch.)
Das liegt meines Erachtens aber nicht daran, dass SpaceX der große Traumarbeitgeber in der Raumfahrtbranche ist, sondern dass dort durch das noch anhaltende Wachstum Arbeitsplätze geschaffen werden. In der „etablierten“ Raumfahrtindustrie, die inzwischen in den USA größtenteils unter dem Dach von Boeing vereint ist, muss erst jemand ausscheiden damit ein anderer nachrücken kann. Gleiches gilt für die staatlichen Institutionen wie NASA, JPL und die die Universitäten.

Und Thomas Zurbuchen bei SpaceX? Der ist doch gerade erst Leiter der Weltraumfakultät der ETH Zürich geworden. Ich habe vor ein paar Tagen noch ein Interview mit ihm gelesen in dem von SpaceX keine Rede war.

Grüße
Maximilian
 
Hi,
während mn. Studentenzeit habe ich u.a. auch mal als Revierfahrer im Wachdienst gearbeitet, zu einem der Objekte gehörten auch Büros von IBM. Während ich da nachts um 3 durchgelaufen bin, habe ich mir alles so angeschaut, überall hingen "Pamphlete" aller Art, grafisch sogar gut gemacht war ein professionell hergestellter Sticker mit einem Auge, einer Biene und einem M, etwas schräger die wohl selbst (noch mit den damaligen Nadeldruckern:ROFLMAO:) auf mehrere DIN A 4 Seiten gedruckten Sprüche. Was da genau draufstand, weiss ich wörtlich nicht mehr, es ging aber immer darum, wie toll wir sind, wie super es ist, hier zu arbeiten, wie begeistert wir alle zum Erfolg beitragen, etc. etc. Es war rückblickend betrachtet für mich ein kleiner Baustein unter vielen zur Selbstfindung, dass ich damals spürte, OK, ich pass da nicht rein, für mich wäre das nix. Und so ist es dann auch gekommen im Leben:LOL:. Ich gehörte eh nicht zu den 5 von 10 Besten, also wär's so oder so mit einer Karriere bei SpaceX nix geworden, selbst wenn es die damals schon gegeben hätte.
Wiegesagt, ist eben meine persönliche Sicht. Mir ist schon bewusst, dass es einen gewissen Spirit, Enthusiasmus etc., wie man's auch nennen mag, braucht, aber das können andere besser, ich finde solche pseudo-religiösen Corporate Identity Kulte einfach, ja eben, abgedreht.
Hinzu kommt, vor ein paar Jahren habe ich zufällig mal eine Stellanzeige gelesen , in der Tesla Leute für das neue Werk in Brandenburg gesucht hat. Da war etwas schön verpackt aber doch ziemlich unverblümt auch die Rede von erwünschter Einsazbereitschaft und Leistungswille auch wenn nicht alles davon dann bezahlt wird.
Den Reibach macht dann der grosse Big Babo alleine. Na, toll..
Aber so ist das Leben, ich bin alt genug um gelernt zu haben, dass es eben irgendwie wohl oder übel so läuft im Big Business, ich bin allerdings nicht traurig darüber, wenn ich da nicht mitmachen muss :cool:.
VG CptB

PS sorry für's Abschweifen, eigentlich gehts hier ja um Madame Ariane, und nicht um Mr. Egon, oder Elon, ...
 
Und Thomas Zurbuchen bei SpaceX? Der ist doch gerade erst Leiter der Weltraumfakultät der ETH Zürich geworden. Ich habe vor ein paar Tagen noch ein Interview mit ihm gelesen in dem von SpaceX keine Rede war.
Ups, stimmt, da habe ich ihn verwechselt.
Mit jemand anderem, mir fällt partout der Name nicht mehr ein. Nein, nicht Kathy Lueders, da war wenn ich mich nicht total täusche noch jemand. Aber egal.

Gruss
Thorsten
 
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