Canon EOS R6 Kurzeindruck

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Stefan_Lilge

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Hallo,

ich habe mir kürzlich die neue Canon EOS R6 gekauft, wobei Kaufgrund der neue Tier-Autofokus war und nicht Astro. Der Tierfokus funktioniert sehr gut, die Trefferrate gegenüber der EOS RP ist deutlich gestiegen. Auch das Rauschverhalten bei hohen ISO ist bei der R6 deutlich besser als bei der RP. Wenn ich mit meinem Bruder zur Tierfotografie unterwegs bin, sind wir bei fliegenden Vögeln (1/2000stel Sekunde Belichtung) und und einem 600m/f6.3 Objektiv bei schlechterem Licht (Abenddämmerung oder dichte Wolken) oft bei ca. 8000-12000 ISO unterwegs. Bisher hat die Sony Alpha 9 meines Bruders da immer wesentlich bessere (rauschärmere und detailliertere) Bilder produziert als meine EOS RP. Mit der R6 habe ich vom Autofokus her gleichgezogen und bei den genannten ISO-Zahlen ist die R6 sogar noch rauschärmer als die Alpha 9. Und das liegt nicht daran, dass sie stärker rauschfiltert, auch die erhaltenen Details z.B. im Gefieder sind besser.

Nett ist es auch, die EOS R6 mit lichtstarkem Objektiv (z.B. dem 35mm f/1.8) als Restlichtverstärker zu nehmen. Wenn ich diese Kombi an den Berliner Nachthimmel richte, an dem mit bloßem Auge nur wenige helle Sterne zu sehen sind, sehe ich durch den elektronischen Sucher auf einmal so viele Sterne wie sonst mit bloßem Auge nur unter dunklem Landhimmel. Die Andromedagalaxie ist damit ein offensichtliches und leichtes Ziel. Ähnliches geht zwar auch mit anderen spiegellosen Kameras, bei der R6 ist der Live View im EVF aber wesentlich rauschfreier als bei meiner EOS RP und wesentlich heller als bei meiner Fuji X-T30.

Ich habe die Kamera nicht für Astro gekauft und werde sie nicht modifizieren lassen, aber kurz am Himmel ausprobiert habe ich sie trotzdem.

Bei meinem kürzlichen Urlaub im Oderbruch habe ich sie bei Dorfhimmel (zwei Laternen plus Leuchtreklame einer Kneipe schienen auf das Grundstück) mit SQM-L 21,4 nur für handgehaltene Sternenfotos benutzt und mangels Stativ mal auf einen Stuhl gelegt und dann 20 Sekunden-Aufnahmen mit einem 35mm-Objektiv bei f/2 und ISO 2000 gemacht. Zwei JPG „straight out of camera“ verlinke ich hier, einmal ein Feld mit Andromeda und einmal die Sommermilchstraße mit dem Sternbild Adler.

http://ccd-astronomy.de/temp17/559A9404.JPG

http://ccd-astronomy.de/temp17/559A9402.JPG

Nicht sehr aussagekräftig, aber zumindest sind verwackelte Sterne im Bild :)


Ich habe auch mal Darks gemacht, der Vergleich dürfte auch für die EOS R zählen, da deren Dunkelstromrauschen ausweislich dieser Webseite https://www.brendandaveyphotography.com/more/long-exposure-sensor-testing/
nahezu identisch mit dem Dunkelstromrauschen der EOS RP ist.

Ich habe mit beiden Kameras (RP und R6) parallel Darks bei ca. 12-14 Grad (genau weiß ich das nicht mehr) gemacht, jeweils bei ISO100 (weil das bei Berliner Großstadthimmel die passende ISO-Einstellung ist), einmal 648 Sekunden und einmal 128 Sekunden. In der linken Spalte ist jeweils die R6, rechts die RP. Bei beiden Kameras ist oben das Dark nach Debayern und unten das nicht debayerte RAW zu sehen. Eingeblendet ist auch jeweils die Statistik aus AstroArt, interessant ist dabei der unterste Wert (Standardabweichung), der das Rauschen angibt.
http://ccd-astronomy.de/temp17/CompDarks648sISO100.jpg
http://ccd-astronomy.de/temp17/CompDarks128sISO100.jpg

Man sieht, dass die R6 wesentlich weniger rauscht. Allerdings befürchte ich, dass dieser Unterschied vor allem durch das bei ISO100 relativ hohe Ausleserauschen der RP verursacht wird. Jedenfalls besteht zwischen 2 Minuten und 10 Minuten bei beiden Kameras kein großer Unterschied, was nahelegt, dass hier nicht der Dunkelstrom dominiert, sondern etwas anderes (also im Zweifel Ausleserauschen). Laut dpreview.com sind die RAWs der R5 und R6 auch rauschgefiltert, der tatsächliche Unterschied zwischen R6 und RP dürfte also kleiner sein, weil die RP keinen Rauschfilter in RAWs hat.

Schließlich habe ich noch auf meiner Berliner Dachterrasse mit beiden Kameras M45 fotografiert. Da die R6 im Gegensatz zur RP unmodifiziert ist, kam kein Emissionsnebel für diesen Vergleich in Betracht. Aus mir unerfindlichen Gründen haben bei beiden Kameras die Flats nicht gepasst. Ich habe daher zwei Tage später noch mal neue Flats gemacht, die auch wieder bei beiden Kameras nicht richtig passten, aber immerhin besser waren als die ersten. Bei den Testbildern scheint irgendeine rote Lichtquelle ins Teleskop geschienen zu haben, die in den Flats nicht vorhanden war. Um die Bilder verwerten zu können, habe ich sie daher stark gecroppt und den Filter „Remove Gradient/adaptive“ aus AstroArt zur Bildebnung verwendet. Nun habe ich halbwegs gradientenfreie Vergleichsbilder, allerdings dafür mit hellen Flecken durch „gewanderte“ bzw. neu dazugekommene Staubkörner.

Die Bilder sind jeweils mit einem Explore Scientific 127/952 FCD100 APO mit TS 0,75er Reducer aufgenommen, Belichtungszeit jeweils 7x5 Minuten bei ISO 100. Die Bilder der R6 sind teilweise vor und teilweise nach denen der RP entstanden (in direkter Folge), die Bedingungen waren also die gleichen. Das Bild mit der RP ist auf den Abbildungsmaßstab der R6 herunterskaliert, damit die RP keinen Nachteil durch ihre kleineren Pixel hat. Beide Kameras haben keine Darks, sondern nur Bias abgezogen bekommen.

Zuerst die RP(a):
http://ccd-astronomy.de/temp17/M45RP-7x5mitneuenFlatsCorega.jpg
Und die R6:
http://ccd-astronomy.de/temp17/M45R6-7x5mitneuenFlatsCorega.jpg

Wie man sieht gibt es keinen großen Unterschied, allerdings ist der Hintergrund bei der R6 weniger „fleckig“ als bei der RP. Der Unterschied könnte aber bei dunklerem Himmel größer werden, dann dürfte sich das bessere Rauschverhalten der R6 (siehe Dark-Vergleich) stärker auswirken.

Positiv ist immerhin, dass die R6 trotz des „eingebauten“ Rauschfilters bei RAWs keine Anzeichen für einen „Star eater“ Effekt zeigt.

Und zum „krönenden“ Abschluss noch 31x5 Minuten mit der R6. Das Bild hat auch wieder helle Flecken durch die Flats von einem anderen Tag und ist wieder nur mit Bias, ohne Darks (aber gedithert). Außer einer logarithmischen Streckung und künstlichem Flat ist das Bild unbearbeitet, es soll ja nicht hübsch sein, sondern das Rauschverhalten zeigen.
M45-31x5cropb.jpg

http://ccd-astronomy.de/temp17/M45-31x5cropb.jpg

Ich finde, dass das für Großstadthimmel ziemlich manierlich aussieht.

Das Fazit (wenn auch auf schlechter Datengrundlage) für mich ist erstmal, dass ich nicht viel verpasse, wenn ich die R6 nicht astromodifizieren lasse, die R6 scheint gegenüber meiner modifizierten RP nur einen etwas ruhigeren (weniger fleckigen) Hintergrund als Vorteil zu haben.
 
HI,

der Thread ging ja komplett an mir vorbei. Wir konnte ich den nur übersehen...

Es gibt ja noch nicht viele Berichte zur R6, für mich sieht sie schon etwas besser aus. Aber nicht so viel wie ich für eine aktuelle 20Mpixel Kamera erwartet hätte.

Hast Du inzwischen noch mal testen und vergleichen können?

Gruß Markus
 
Hallo Markus,

zu weiteren Tests bin ich leider nicht gekommen, irgendwie widerstrebt es mir auch, eine unmodifizierte Kamera ans Teleskop zu hängen :)
Bei hohen ISO (z.B. 12800) ist die R6 schon deutlich besser als die RP, aber Astro ist ja keine High-ISO-Disziplin. Vermutlich könnte die R6 sich bei dunklem Himmel besser von der RP absetzen, bei fünf Minuten unter Großstadthimmel ist das Kamerarauschen unbedeutend, dann kommt es nur noch auf die Quanteneffizienz an. Und in der Hinsicht war die RP laut https://www.photonstophotos.net/Charts/Sensor_Characteristics.htm auch schon ziemlich gut.
 
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