Coronado PST ... und meine erste Versuche es zu bändigen. | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Coronado PST ... und meine erste Versuche es zu bändigen.

Mr. Spock

Mitglied
Hallo liebe Sonnen-Beobachter,

nachdem ich monatelang über die Beobachtung der Sonne gelesen und im Web gestöbert habe, brachte der Postbote nun Anfang der Woche das allseits bekannte Coronado PST vorbei und ich bin mir noch etwas unschlüssig, ob ich es lieben soll … oder eher doch nicht. Ich werde mich in den nächsten Tagen viel damit beschäftigen, aber vielleicht mag ja von Euch jemand etwas zu meinen Fragen jetzt schon sagen. Ich würde mich sehr freuen.

Zunächst das sonstige Equipment:
  • Den Coronado Koffer für das PST … braucht eigentlich niemand. Das PST ist in jedem Alukoffer aus dem Baumarkt besser aufgehoben als in diesem Karnickelsarg. Und das zu einem Bruchteil des Preises.
  • Die originale Coronado Vixen-Style Schiene musste separat dazu bestellt werden, obwohl sie eigentlich notwendig ist. Jede andere Schiene hätte es aber auch getan. Die beigelegten Schrauben waren bei mir beide zu kurz. Aber ich hatte passende zuhause.
  • Das Coronado EQS-Stativ incl. Montierung … ist wirklich ein kleines Schmuckstück. Ich mag es sehr. Mal was anderes und es ist schwerer als es aussieht. Ein sehr einfacher Antriebsmotor für die RA-Achse macht eine ausgezeichnete Arbeit … nachdem ich endlich alle Schrauben angezogen hatte.
  • Das beigelegte 4 kg Gegengewicht ist für das PST-Leichtgewicht vollkommen überdimensioniert. Selbst mit dem angeschraubten zweiten Etalon-Filter und einem gewichtigen Hyperion-Zoomokular ist es noch in der obersten Stellung zu schwer. Ein 1 kg Gegengewicht (das ich noch herum liegen hatte) ist einen Tick zu leicht, so musste ein 2 kg Gewicht bestellt werden. Gar nicht so einfach bei diesem unüblichen Bohrungsdurchmesser.
Jetzt aber zur Beobachtung:
  • Die Abbildung der Sonne ist mit dem beigefügten 20 mm Okular viel zu klein. Zusammen mit einer 2,25x Barlowlinse von Baader passt es dann aber sehr gut. Auch bzgl. Helligkeit gibt es nichts zu meckern.
  • Aber der Wow-Effekt stellte sich erstmal nur sehr gedämpft ein. Visuell bekomme ich die Sonne ausreichend scharf dargestellt, aber ich finde ums Ver***en einfach keine Details am Rand oder der Fläche. Einmal tauchte eine haarfeine Nadel am Rand auf, die man vielleicht als Protuberanz hätte deuten können, aber das war es dann auch. Bewegungen am „RichView tuning ring“ macht das Bild mehr oder weniger schlecht bzw. inhomogen, den Hauch einer Granulation kann man aber nur mit sehr viel Selbstsuggestion entdecken.
  • In der Doppel-Stack-Variante mit dem zweiten Etalon-Filter aufgeschraubt wird die Helligkeit geringer und die Details … eher noch weniger. Mit dem „Tmax Tilt wheel“ stellt sich an einer bestimmten Stelle eine sehr unangenehme Reflexion ein, ansonsten sehe ich keine echte Wirkung. Gleiches gilt für den zweiten „RichView tuning ring“
Was mache ich nur falsch? Irgendwo habe ich gelesen, dass es ein Vierteljahr dauert, bis man sich in das PST richtig „eingesehen“ hat. Das kann ja noch lustig werden.

Nächster Versuch am nächsten Tag: Statt dem Okular kam eine ASI 174MM Mini SW-Kamera in den Okularauszug, die sonst in meinem Guidescope steckt. Angesteuert über eine ASIAIR für die ich gerade keine andere Verwendung habe (alte Version … ohne „Pro“) und bedient über ein iPad
  • Nachdem diese kleine Kamera komplett in den Auszug passt, gibt es bzgl. Backfokus erstmal gar keine Probleme. Aber ein Schärfepunkt ist nicht wirklich zu finden. So beließ ich es dann bei dem Punkt mit der geringsten Unschärfe, den mit „scharf“ hat das, was ich da beobachten kann nicht wirklich zu tun. Der Einsatz der Barkowlinse hat diesen Effekt naturgemäß nicht gerade verbessert.
  • Protuberanzen am Rand konnte ich an diesem Tag überhaupt nicht sehen und ebenfalls keine Granulation (weder visuell noch mit der Kamera, weder mit noch ohne Doppelstack, weder mit noch ohne Barlowlinse).
Ungeklärte Fragen:
  • Was genau kommt aus so einem PST eigentlich normalerweise als „scharfes“ Bild heraus? Es gibt tolle Aufnahmen (gestackt und ge-photoshop-t … okay, aber die Endergebnisse sind wirklich sehr gute, für das kleine Ding). Gibt es da irgendwo Beispielbilder ohne Nachverarbeitung?
  • Wie genau geht man mit den beiden „RichView tuning rings“ und dem „Tmax tilt wheel“ um? Ich kann nicht erkennen, dass sich irgendeine Eigenschaft im Bild bei kontinuierlicher Betätigung kontinuierlich verändern würde. Das Bild ist einfach immer irgendwie überraschend schlecht. Wie feinfühlig muss man die Räder bedienen?
  • Sehe ich das richtig, dass man hier – ähnlich wie bei Planetenaufnahmen – am besten mit einer Videosequenz arbeiten, die im Nachgang gestackt wird? In diesem Fall nützt das ASIAIR wenig, da hier keine Videos aufgezeichnet werden können. Da müsste dann ein Notebook ran.
  • Wie sieht es eigentlich mit der Okularprojektion aus? Würde diese Methode an einem PST sinnvoll sein? Gibt es Erfahrungswerte?
  • Ich habe (berufsbedingt) bis jetzt immer nach 18:00 Uhr beobachtet. Ist es sinnvoller die Mittagszeit zu nutzen?
  • Nach meinen Beobachtungen bewirkt selbst die hauchdünnste Schleierwolke, dass die Beobachtung eingestellt werden muss. Ist das auch Eure Erfahrung?
  • Auch etwas beunruhigend: Die Fotos mit der ASI 174MM Mini waren nur dann nicht überlichtet, wenn ich 1/1000 Sekunde Belichtungszeit eingestellt habe (noch kürzer geht nicht mehr) und den Gain in den unteren 10% belassen habe. Gain 0 wäre auch okay. Kurze Belichtungszeiten sind ja im Prinzip nicht schlecht ... aber SO kurz? Gibt es jemanden, der schon mal einen ND-Filter vor die Kamera schrauben musste?
Ansonsten könnte die Sonnen-Beobachtung richtig viel Freude machen … wenn sie denn funktionieren würde.

Viele Grüße
 

Ronald_Stenzel

Mitglied
Heute war lt. dem Gong-Netzwerk, bis auf kleine Protuben AUF der Sonnenoberfläche, rein gar nix zu sehen.
Meiner Erfahrung nach ist die Beobachtung am Vormittag die gewinnbringenste - Nachmittags/Abends macht bei mir das schlechte Seeing Beobachtungen sinnfrei.
Wenn du Gain < 10 nutzen kannst, sei doch froh. Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz einer Barlow - wenn möglich im Bereich 1,5x.
Also, ich würde zur endgültigen Bewertung des PST einerseits die Vormittagszeit nutzen und vorher im Netz checken, ob Strukturen/Protuben vorhanden sind.
Hilfreich ist bei visueller Beobachtung auch die Nutzung eines Beobachtungstuches.
Achso, Granulation gibt's nicht im HAlpha... ;)

Viel Erfolg - Ronald
 

Radfahrer

Mitglied
Hallo,

ich habe auf Astromessen durch verschiedene H alpha Teleskope geschaut und alles unter 90mm Öffnung hat mich nicht begeistert. Weil das für mich nicht bezahlbar ist, habe ich mir ein Daystar Quark gekauft.
Die Abbildung der Sonne ist mit dem beigefügten 20 mm Okular viel zu klein. Zusammen mit einer 2,25x Barlowlinse von Baader passt es dann aber sehr gut
Das ergibt 45-fache Vergrößerung. Ich beobachte mit 65 bis 100-facher Vergrößerung. Anfangs dachte ich, es wäre schön, die ganze Sonne im Bild zu haben, was bei mir nicht geht. Da selbst bei 65x die Protuberanzen ziemlich klein sind vermisse ich das nicht mehr. Einmal das Teleskop im Kreis geschwenkt und ich weiß, wo was los ist.
  • ch habe (berufsbedingt) bis jetzt immer nach 18:00 Uhr beobachtet. Ist es sinnvoller die Mittagszeit zu nutzen?
  • Nach meinen Beobachtungen bewirkt selbst die hauchdünnste Schleierwolke, dass die Beobachtung eingestellt werden muss. Ist das auch Eure Erfahrung?
Ich beobachte immer zwischen 14 und 17 Uhr, vorher ist die Sonne nicht auf meiner Terrasse. Ich habe das Gefühl, H alpha ist noch empfindlicher auf die Bedingungen als die Weislichtbeobachtung. Ja, Schleierwolke ist schlecht, das Bild wird matschig. Einfach dran bleiben, zwischen durch gibt es Sekunden, da springt einem die Protuberanz förmlich an.

Und unbedingt ein weißes Beobachtungstuch verwenden.

Gruß Uwe
 

Mr. Spock

Mitglied
Hallo,

erstmal: "Entschuldigung" für den Langen Beitrag am Anfang. Ich habe einfach mal zusammen gefasst, was in den ersten beiden Tagen bemerkt habe.

Zweitens: Vielen Dank für die bisherigen Kommentare. Das hat schon mal sehr geholfen. Ein Beobachtungstuch steht auf der Einkaufsliste. Von Daystar Quark hatte ich bisher noch nichts gehört. Klingt sehr interessant. Ich weiß zwar noch nicht, wie man die Energie am Eingang des Refraktors abblocken kann ... gleichzeitig die H-Alpha Frequenz aber nicht, aber das werde ich ich noch heraus bekommen.

Das ist ein wirklich interessantes Thema. Ich bleibe auf jeden Fall dran.

Gruß
Peter
 

Optikus

Mitglied
Hallo,

die "Energiesperre" ist ein ERF-Filter, wie er z.B. von Baader angeboten wird und der die IR-Anteile reflektiert. Damit bleibt der Refraktor "kalt". Das hat mit Halpha nix zu tun, das liegt ja im sichtbaren Bereich. Ein ERF ist aber dringend nötig, da Du sonst den Halpha, Filter, das Etalon und ggf. weitere Dämpfungsfilter grillst.

CS
Jörg
 

Canonist

Mitglied
Hi Peter Spock ;)
Also vorab: Nicht verzweifeln. Ich geh mal davon aus, dass Dein PST funktioniert wie meines auch.
Der erste Blick dadurch war auch alles andere als erheben, zumal, wenn auf der Sonne wie im Moment wenig bis nix los ist.
Da fragt man sich dann angesichts der vielen tollen Bildchen (die zum Teil auch mit PSTs gemacht wurden) schnell mal, ob alles in Ordnung ist.
Mein PST war/ist in Ordnung. Das Bild aber war im Okular (ein Zooom zudem war dabei, nicht von bester Qualität, aber sehr praktisch) eher kontrastarm, immerhin sprang mir aber sofort eine kleine Protuberanz ins Auge, so dass h-alpha wirksam sein musste. Beste Okularbrennweite ist so um die 26mm, da ist genug Feld zu sehen und es wird nicht schon recht dunkel.
Die ungestörte Chromosphäre sieht im PST aber eben leider unspektakulär aus. Wie etwas gröbere Granulation.
Drehen am Etalon bringt durchaus was, macht aber schnell auch die Problematik eines ungleichmäßigen Gesichtsfeldes deutlich. Wenn Du einen hellen "Hot-Spot" hast, bist Du ganz aus dem besten Bereich raus. Da, wo die Ausleuchtung des Feldes am gleichmäßigsten erscheint, ist die beste h-alpha-Wirkung gegeben. Das wirst Du besonders deutlich bei Videoaufnahmen sehen.
Grundlegend kann man die Bilder des GONG-Netzwerks als etwaigen Qualitätsmaßstab nehmen. Das, was dort auf den besten Bilder (herausragend und ziemlich dicht am PST dran ist da der Cerro) zu sehen ist, kannst Du so auch mit dem PST aufnehmen.
Okularprojektion geht, macht aber bei den schlappen 40mm Öffnung wenig Sinn. Du kommst zwar weiter rein ins Bild, die Auflösung lässt sich aber nun mal nicht über das hinaus steigern, was 40mm hergeben. Und das ist ziemlich begrenzt.

Klingt alles so ein bisschen bei Dir, als sei das PST nur eine Durchgangsstation.

So war es bei mir auch. Ich bin zufällig an das Teil gekommen (aus einem Nachlass), fand es interessant, mal wieder h-alpha zu gucken (ich hatte vor 20 Jahren schon mal ein Day-Star-Filter), aber die Ansprüche wuchsen rasant. Über den kurzen Zwischenschritt, einen 90er-Refraktor umzubauen, um die PST-Box ohne Rohr und Linse daran zu nutzen, sitzt die Box nun an einem 7"-Refraktor und produziert Ergebnisse, die Du in einigen Nachbarbeiträgen des Forums sehen kannst.

An den beiden Refraktoren brauchst Du dann aber besagtes Energy-Rejection-Filter, kurz ERF. Platt gesagt ein Frontglas vor dem Objektiv (optisch planparallel, daher schnell mit zunehmender Öffnung sehr kostspielig) mit einer Spezialbeschichtung, die alle Wärmestrahlung ausperrt. Das Filter macht also knapp jenseits der h-alpha-Linie zu. Du hast im Fokus ein rötliches, sehr helles Sonnenbild, so hell, dass man niemals ohne weitere Dämpffilter damit beobachten darf. Du kannst aber die Hand hinhalten und spürst nur ganz wenig Wärme, wo sie sonst binnen Sekundenbruchteilen Verbrennungen erleiden würde. Ist schon spektakulär. Mit einem solchen Filter wird die PST-Box am Fremdgerät zur Wunderwaffe. Ich kann sie aber jederzeit auch in der Originalkonfiguration wieder nutzen, um zum Beispiel Übersichtsaufnahmen zu machen. Mit den beiden Refraktoren bei 900 bzw. 1600mm kommen nur Ausschnitte ins Bild.
Vielleicht hilft Dir das ein wenig weiter.
CS
Rudolf
 

AstroBHO

Mitglied
Also auf meiner Terrasse habe ich von früh bis spät keine Abschattung und kann den ganzen Tag die Sonne beobachten. Ich bin aber fast nur visuell unterwegs. Ich kann nicht sagen, dass NUR morgens die Sonne am besten zu beobachten geht, aber meistens. Mittags ist es meistens schlecht, abends ab und zu auch mal sehr gut.
Ich habe es noch nie erlebt, dass ich gar nichts gesehen habe. Eine winzige Protuberanz gibt es immer, manche sind auch sehr schnell im Kommen- und Gehen. Die D-ERF lassen noch relativ viel IR durch. Aus diesem Grunde habe ich noch ein spezielles KG3-IR_Block vor dem H-Alpha eingebaut.
Ganze Sonne geht auch... aber dann sind die Protuberanzen am Rand schlecht zu sehen. Mit meinem "normalen" Refraktor schaue ich mit 137x, mit meinem "extra" dafür gebauten Refraktor mit 91x. Beobachtungstuch ist aber immer dabei: Zum Einen sind die Protuberanzen wesentlich besser zu sehen und zum Anderen schützt es auch den Kopf bei längerer Beobachtung.

CS Bernd
 

Sselhak

Mitglied
Hallo!

Ich kann dazu mal meiner Erfahrungen mit meinen PSTs (hab ein Singlestack und ein Doublestack) beisteuern. Vielleicht hilft es dir.

Ich betreibe meine PSTs auf einem Fotostativ mit Neiger und finde das sehr angenehm.

- Ich beobachte meist mit dem 24mm oder dem 13mm Okular. Höhere Vergrößerungen als das (13mm = etwa 30fach) dunkelt das Bild zu sehr ab und dann erkenne ich nicht mehr viel. Mehr Vergrößerung macht (für mich) am PST wenig Sinn. Wenn dir das Bild mit 20mm Okular also "viel zu klein" ist, dann ist das PST meiner Meinung nach das falsche Teleskop für dich!

- Zur Zeit ist auf der Sonne einfach fast nichts los! Hier siehst du immer das aktuelle Bild der Sternwarte Kanzelhöhe in H-Alpha. Und die haben ein großes Teleskop!
Wenn du also da nicht viel siehst, wirst du im PST erst recht nichts sehen können.
Die Sonne live - Bilder in Echtzeit der Sonne aktuell h-alpha-Licht
In ein paar Jahren sollte es wieder besser werden, aber aktuell ist auf der Sonne oft einfach nicht mehr los als die von dir genannten "haarfeinen Nadeln am Rand".
Und Granulation, wie du schreibst, dass du sie erwartest, kann man im H-Alpha sowieso nicht sehen. Granulation ist etwas, dass sich auf der Sonne nur in Weißlicht zeigt!


- Die Einstellung des Doublestack Filters ist nicht einfach. Er produziert immer eine Reflexion, sozusagen ein zweites Sonnenbild. Dieses kann aber mittels des kleinen Drehrades außerhalb des Blickfeldes positioniert werden. Und auch, dass das Sonnenbild mit Doublestack deutlich dunkler wird ist normal. Deshalb sollte man, gerade bei Doublestack, nicht zu hoch vergrößern, sonst wird das Bild zu dunkel.
Am besten gehst du so vor:
a, Bestes Bild mit dem Tuningring ohne Doublestack einstellen.
b, Doublestack-Filter aufschrauben.
c, Mit dem kleinen Rädchen die Reflexionen außerhalb des Sichtfeldes positionieren.
d, Mit dem Tuningring am Doublestack dieses auf das beste Bild einstellen.
Das alles bringt aber nur etwas, wenn auf der Sonne gerade etwas zu sehen ist (was in diesem Jahr bei weitem nicht jeden Tag der Fall ist.)

- Kamera am PST ist oft nicht so leicht. Ich arbeite mit meiner ASI 120mm und kann sagen, dass ich dabei den Sonnenrand stark vergrößere und dann am PST wie bei einem Okular, scharfstelle. Klappt, je nach Seeing, mal besser und mal schlechter.

- Zur Feinfühligkeit der Räder. Gerade die Tuningringe am PST und am Doublestack sind schon sehr feinfühlig einzustellen. 1-2mm weiter gedreht kann über Sehen oder nicht Sehen entscheiden.

- Am besten lässt sich die Sonne in den 2-3 Stunden nach Sonnenaufgang beobachten. Danach heizen sich Luft und Erde zu stark auf und das Seeing wird schlechter und schlechter. Ob Mittag oder Abend ist in der Regel (meiner Erfahrung nach) aber eher egal und gleich schlecht.

- Dunst oder Wolkenschleier nehmen einem am PST sehr schnell die Sicht. Also ja, blauer Himmel ist meiner Erfahrung nach Pflicht!

- Ich belichte mit meiner ZWO ASI 120MM mit niedrigem Gain aber durchaus mit 1/500 und mehr. Warum das Bild bei dir schon bei 1/1000 zu stark belichtet erscheint, kann ich nicht sagen. Ich kenne deine Kamera aber auch nicht direkt.

Soviel mal von mir im Bezug auf deine Aussagen und Fragen,
Grüße,
Mario
 

Mr. Spock

Mitglied
Ronald, Uwe, Jörg, Rudolf, Bernd, Mario ...

Ihr seid wirklich großartig. Das hilft mir enorm weiter. Nicht nur, dass ich jetzt einiges viel besser verstehe, was ich da beobachtet habe, Ihr habt mir auf viele Anregungen gegeben, wie es weiter gehen könnte. Nach Lage der Dinge habe ich jetzt drei Baustellen:

1) Das Buch "Die Sonne - Eine Einführung für Hobby-Astronomen" von Jürgen Banisch, das ich gerade lese ... nein "verschlinge". Eines der besten Sachbücher, das ich je in der Hand hatte, mit viel Theorie und Hintergrundinformationen.

2) Das Coronado PST. Ich weiß jetzt, das ich auf dem richtigen Weg bin. Eigentlich verhält es sich genau so, wie Ihr es beschreibt. Ein kleinwenig zickig, aber im Grunde tut es schon, was es soll. In den Grenzen, die bei 40 mm eben gegeben sind. Heute (Tag #3) habe ich zwei wunderschöne Protuberanzen gesehen. Im Gegensatz zu Tag #1 war das heute keine Vermutung, sondern eindeutig erkennbar. Es ist genau wie Mario geschrieben hat: Der Einstellbereich von "nichts sichtbar" über "maximal sichtbar" bis "nichts sichtbar" war genau 5 mm am Tuningring breit. Kamera und Doublestack lasse ich die nächsten Tage erstmal weg und versuche zu verstehen, wie man mit dem "Grundgerät umgeht". Heute bin ich jedenfalls viel zuversichtlicher als die letzten Tage.

3) Einen fünfstelligen Betrag werde ich aller Voraussicht nach in diesem Leben für ein Sonnenteleskop nicht mehr in die Hand nehmen, aber was Ihr da oben von Umbau, ERF und PST-Box geschrieben habt, das ist schon sehr interessant. Mittel- bis langfristig könnte das eine Perspektive sein ... wenn die beste Ehefrau von allen nichts dagegen hat. Das gehe ich aber erst dann konkret an, wenn ich die die Grenzen des Corona PST ausgelotet habe. Momentan lotet es eher meine Grenzen aus.

Nochmal vielen Dank. Ich hätte nicht gedacht, dass da so viele und so fundierte Antworten kommen, die mir wirklich weiter helfen.

Ciao
Peter
 

Mr. Spock

Mitglied
Hallo,

so, ich habe mich jetzt an verschiedenen Tagen mit dem PST beschäftigt und so langsam geht es vorwärts. Der Tuningring ist im interessanten Bereich wirklich extrem feinfühlig und gerade im "Hysterese-Bereich" bei der Richtungsänderung tut sich im Bild oft sehr viel ... allerdings in der Regel begrenzt auf ein Teil des Bildes und nicht auf die ganze Sonnenscheibe.
Da bei mir doch eher die Astrofotografie im Mittelpunkt steht, habe ich die letzten sonnigen Tagen dazu genutzt, das Equipment zu komplettieren und einen fotografischen Workflow zu erarbeiten. Und als es dann soweit war ... kam das schlechte Wetter :) ... aber ich bleibe dran.

Zwar wird mich das PST noch eine ganze Weile beschäftigen ... mittel- bis langfristig (denke ich mal) werde ich mich aber noch anderweitig umsehen. Am attraktivsten scheinen mir derzeit nicht die fertigen Solar-Teleskope von Coronado oder Lunt zu sein, sondern eher flexible Lösung bestehend aus einem normalen APO und den passenden Komponenten für die Sonnenbeobachtung dazu. Ich denke der nächste Schritt wird sein (parallel zum PST) ein 80 bis 100 mm APO zu kaufen, zunächst für die Sonnenbeobachtung im Weißlicht und zum späteren Umbau mit einem Daystar Quark oder einem ähnlichen Filter.
Taugt für dieses Vorhaben eigentlich "jedes" APO? Oder was müsste ich bei der Wahl noch berücksichtigen (außer natürlich der zum Sensor passenden Brennweite)? Gibt es für die Sonnenfotografie eigentlich ein ideales Öffnung-zu-Brennweite Verhältnis?

Danke
Peter
 

Optikus

Mitglied
Hallo Peter,

da tut's letztlich sogar ein preiswerter Achromat (ok, jetzt nicht im Weißlicht), da Du ja nur einen winzigen Bereich rausnimmst, das Objektiv muss halt gut sein, wenn das Murks ist wird's natürlich nix. Ein dicker Linsenstapel macht sich bei Sonne wegen der Wärme eher schlecht, auch wenn ein ERF-Filter natürlich Pflicht ist. Lass Dich da mal beraten, ich denke da kannst Du Geld sparen, dass dann der Quark-Filter auffrist.

CS
Jörg
 

Oreoluna

Mitglied
Ein dicker Linsenstapel macht sich bei Sonne wegen der Wärme eher schlecht, auch wenn ein ERF-Filter natürlich Pflicht ist.
Ich bin immer wieder fasziniert ob solcher Aussagen.....
Ich setze verschiedene Teleskope für die Sonnenbeobachtung ein: Intes Micro Alter 6“ f10, D-ERF vor der Optik. Dreilinser LZOS Apo 6“ f8, D-ERF vor der Optik. Selbstbau Achromat 8“ f6, D-ERF HINTER DER OPTIK. Und... keines der genannten Teleskope weder mit dem D-ERF vor der Optik noch das 8“ Objektiv wo der D-ERF hinter der Optik angebracht ist, haben sich jemals aufgeheizt. ;)

CS Jozef
 

Optikus

Mitglied
Moin,

nicht durch die Sonne im Teleskop - dagegen steht der ERF, sonst bräuchte man ihn nicht, von außen...

Der Hinweis stammt von einem Sonnenbeobachtungsevent vor einigen Jahren in der Gegend um Stuttgart, ich war auf ein Telekop aufmerksam geworden das mit Rettungsfolie abgedeckt war und immer nur "freigelegt" wurde wenn ein Beobachter durchsehen wollte, auf die Frage hin was das solle wies der Eigentümer, ein älterer Herr, darauf hin dass es sich im ein ölgefügtes Triplett handele und dieses auf die Erwärmung schlecht reagiere.

Das ist nachzuvollziehen, wenn man ein "langes Teleopjektiv" der Sonnenwärme aussetzt, die im Objektivkopf zumeist eine drei- oder vierlinsige Gruppe aufweisen die sicherlicht nicht ölgefügt ist, hier ein FDn 5.6 800mm (mod) kann man sehr gut beobachten, dass zeitweise die normale Schärfe verloren geht, bis der Tubus sich gleichmäßig erwärmt hat. Das fällt bei AF-fähigen Geräte nicht auf, da es laufend herauskompensiert wird, wenn man wie im vorliegenden Fall, der mich wieder daran erinnert hat, einen teleskopähnlichen mech. Fokus hat wird der Effekt sehr deutlich.

CS
Jörg
 

Oreoluna

Mitglied
Hallo Jörg.
Und wie erklärst du es, dass auch ein APQ von Zeiss sowie Tec, die ja ölgefüllte Objektive haben, bei Weißlich Beobachtung mit Herschelkeil störungsfrei arbeiten? und dies über Jahre ohne Schaden überstehen ;)
CS Jozef
 

Mr. Spock

Mitglied
Hallo,

hier also mein allererster Versuch mit dem Coronado PST ein Foto von der Sonne zu erstellen. Geknipst am letzten Sonntag mit einer ASI 178 MM und ohne weitere Optik zwischen PST und Kamera. Single Stack. Protuberanzen kommen später :) Gestackt aus etwa 250 Aufnahmen, wobei schlussendlich die Wolken das Video beendet haben. Nur rudimentär in Photoshop an der Gradationskurve etwas gebogen, nachgeschärft und koloriert. Kein Master-Flat.
firstSun.jpg

Ich muss sicher noch viel lernen ... aber es macht wirklich viel Freude.

Gruß
Peter
 
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