Doppelrefraktor aus 2 Vixen ED130SS - Umsetzung und erste Erfahrungen | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Doppelrefraktor aus 2 Vixen ED130SS - Umsetzung und erste Erfahrungen

DanielM

Mitglied
Guten Tag zusammen.

Seit mich 2016 das Binofieber ergriffen hat, habe ich mit meinem 100er APM Bino (Apo-Version) sehr viele und schöne Beobachtungen machen können. Dabei hat es mich auch schon auf Fernreisen begleitet. Die Kombi an Leistungsfähigkeit und (Noch-) Transportabilität ist wirklich sehr gut und vermutlich der beste Kompromiss, den man eingehen kann.

Und doch merkt man irgendwann: Ein bisschem mehr Öffnung wäre schon gut. Und ein bisschen mehr Vergrößerung (z.B. am Planeten) natürlich auch. Also machte ich mich alsbald an die Planung, mir einen Doppelrefraktor zuzulegen. Mir war klar, dass ich zwecks Finanzierung u.U. größere Veränderungen "im Bestand" dafür hinnehmen müsste, insbesondere mich von meinem 14 Zoll LX200 zu trennen, das fest aufgestellt im Garten steht / stand. Meine Wunschliste sah folgendermaßen aus:

- mind. 5 Zoll
- ED oder Apo
- Öffnungsverhältnis, dass sowohl Großfeldbeobachtungen ermöglicht, als auch Planetenbeobachtung mit hoher Vergrößerung
- hohe Qualität bei der optischen Realisierung (Umlenksystem etc.)
- noch alleine handhabbar und für Teleskop-Treffen noch transportabel
- noch stabil montierbar und so, dass es eine komfortabel Einblickhöhe gibt (idealer Weise mit Encodern)
- Möglichkeit zur Nutzung von 2 Zoll Okularen (große Felder)

Mit den o.g. Kriterien war klar: es wird wohl eher im Bereich von 120 - 140 mm Öffnung liegen und es musste ein Hersteller sein, bei dem die Tuben einigermaßen leicht sind (wenn das Teil am Ende 25 kg und mehr wiegen würde, wäre mit der Handhabbarkeit schon wieder vorbei (und außerdem kommt langsam das Alter mit den Bandscheiben ;-)).

Auch das Budget legte schon gewisse Grenzen fest. Denn 2 x 130er Tak oder Astro Physics hätten dann doch den Verkauf eines Autos erfordert und vermutlich unweigerlich zu unüberwindlichen Diskussionen zu Hause geführt :)

Ich besaß seit einigen Jahren einen ED130SS Refraktor von Vixen. Ein wahrer "verkannter" hidden Champion. Der Refraktor war zwar in Deutschland zu seiner Zeit laut Listenpreis sehr teuer und ist daher vermutlich nur selten verkauft worden, aber dafür, dass er ein zweilinsiger ED ist (drittes Korrekturelement am Okularauszug für Fotografie), ist das Ding wirklich leistungsfähig und braucht sich im direkten Vergleich mit dem Tak TOA 130 (mehrfach gemacht) nicht verstecken. Der Vixen hat zudem den Vorteil, sehr leicht zu sein. Mit Rohrschellen, wiegt der Tubus nur ca. 6 kg. Also dachte ich mir: Ich suche einfach einen zweiten ED130SS als Basis. Es dauerte einige Zeit, bis ich ein vernünftiges Angebot bekam. Wie gesagt, es gibt nicht viele davon. Als ich endlich die beiden Teleskope hatte, machte ich mich auf und besuchte Markus Schuhmann von der Fa. Binoptic. Ich hatte ihn einige Zeit zuvor kennengelernt und wir verstanden uns gut. Er machte mir ein vernünftiges Angebot, aus meinen beiden Vixen OTAs ein Bino in der bewährten und robusten Binoptic Bauart zu bauen. Die Bestellung wurde aufgegeben und meine beiden Tuben blieben dort. Jetzt hieß es in freudiger Erwartung Geduld haben.

Leider passierte dann, was keiner vorhersehen konnte und was wirklich tragisch war: Markus verstarb ganz plötzlich. So wurde der Traum vom "eigenen" Binoptic Bino nicht erfüllt, was aber angesichts der Tragik des Moments erst einmal in den Hintergrund trat. Ich musste mir nun überlegen, wie eine Alternative aussehen könnte. Zwar habe ich rudimentäres Werkzeug zur Metallverarbeitung zu Hause und auch keine zwei linken Hände, aber keine Fräse, Drehbank, geschweige denn CNC-Technologie Eine Recherche im Internet brachte mich auf die BB-160 Bino-Plattform der Fa. AOK Swiss von Herrn Kohler in der Schweiz. Hier sollte es die Möglichkeit geben, meine beiden Tuben ggf. mit den Original-Rohrschellen auf die Plattform zu montieren, die es erlaubt beide Teleskope in 3 Achsen zu bewegen und so absolut parallel zu bekommen. Außerdem erlaubt die Plattform den Abstand der Tuben zu verstellen (für die Einstellung des Augenabstandes). Ich nahm also Kontakt mit Herrn Kohler auf. Er fragte diverse Maße der Tuben und Okularauszüge ab und errechnete schließlich, dass er für die kurzbauenden 2,5 Zoll Feathertouch-Auszüge einen Tubusadapter drehen können, der so kurz ist, dass ich ohne die Tuben zu kürzen mit den Matsumoto-Umlenksystemen (mittlere Größe) in den Fokus kommen müsste. Und so wurde es dann auch beauftragt.

Hier seht Ihr das Resultat, dass ich jetzt seit gut einem Jahr im Einsatz habe. Der Doppelrefraktor wiegt mit Blattform und Umlenksystemen ca. 17,5 kg, mit großen Okularen also ca. 19 kg. Das geniale ist: Schraubt man die original Vixen OAZ wieder in den Tubus, hat man zwei unverbastelte und ungekürzte OTAs.

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Die nächste Frage war, wie das Teil montieren, damit es gut funktioniert und mobil eingesetzt werden kann. Ich hatte eine Giro-Montierung, ausgestattet mit Encodern und schaute mir die unterschiedlichen Schienen und Bauteile an, die in meiner Bastelschublade lagen. Inspiriert von diversen Bildern im Internet machte ich mich daran, an die Giro mittels zwei Prismenschienen und einem Überbau eine Basis zu schaffen und errechnete abgängig von Schwerpunkt und Gewichtsverteilung die nötigen Gegengewichte. Die fertige Konstruktion ist sicher nicht "perfekt" umgesetzt, aber funktioniert gut und stabil. Das Gerät bleibt in jeder beliebigen Stellung stehen und ist mittels Encodern ein (Muskel-) Goto. Ich betreibe die Montierung auf einer 140 cm hohen Säule.

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Im Feld nutze ich ein gebraucht erworbenes Linhof Stativ, was die ganze Sache gut und sicher trägt. Man muss natürlich bedenken: Hier sitzen mit Optik und Gegengewichten über 35 kg auf der Auflageplatte! Das Linhof hat eine 90mm Kurbelsäule, die sehr robust ist. Damit kann man in Grenzen eine komfortable Einblickhöhe sicherstellen. Das zeigt auch, wo die Grenze der Transportabilität ist. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das alles noch mit zwei 150ern funktionieren soll.

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Und wie schlägt sich das Ganze in der praktischen Beobachtung. Naja, natürlich hängt Herzblut darin, und meine Ausführungen sind sicher nicht so neutral wie sie sein müssten. Aber es haben ja auch schon andere durch das Gerät geschaut. Das Ergebnis ist der Hammer! Ich habe keine Sekunde bereut, den 14-Zöller verkauft zu haben. Unter einem einigermaßen dunkelen Himmel im Vogelsberg zeigt das Gerät Deep Sky wo der Hammer hängt. Während der 100er APM Bino bei Deep Sky schon den ein oder anderen 8-Zöller vom Bildeindruck in den Schatten gestellt hat. Jetzt mit dem 130er Doppelrefraktor: Orionnebel mit Grünschimmer und einem Detailreichtum in der Struktur, Andromedanebel durch das ganze Gesichtsfeld von 3 Grad in Vollausdehnung mit Staubband, M51 mit angedeuteter Spiralstruktur. Wir hatten einmal einen 16-Zöller daneben stehen und haben einige Objekte verglichen. Klar hat der Dobson mehr Helligkeit und sieht Schwächeres, aber an den gleichen Objekten war das Plus durch die beiden Optiken, das Stereosehen und die Rechnerleistung des Gehirns einfach genial. Selbst hier im Ruhrgebiet sehe ich mit beiden Augen ohne Filter den Cirrusnebel, mit Filter sogar Strukturen darin. Und am Planeten: Nun die EDs (die übrigens ohne den Korrektor am Okularauszug - braucht man für visuell nicht - f/7,35 haben, 955 mm Brennweite) bringen bei 5,2 mm Okularen 183x Vergrößerung ohne erkennbaren Farbfehler. Aufgrund des "Crop-Faktors" im Gehirn, erscheint das Bild ca. 1,4 x so groß, also als ob man ca. 250x vergrößert. Und was soll ich sagen: binokular mit 130er Öffnung und kontrastreicher Abbildung ist schon sehr beeindruckend. Da springt einem der GRF (der ja gerade kleiner wird) mal eben "ins Gesicht".

Alles in allem bin ich sehr zufrieden. Ich werde in den kommenden Monaten noch ein bisschen an der Stabilität der Montierung optimieren. Ansonsten habe ich jetzt viel Himmel zu entdecken mit diesem Setup.

Schauen wir uns die Kriterien noch einmal an:

- mind. 5 Zoll --> passt, sogar ein bisschen mehr als 5 Zoll

- ED oder Apo --> passt

- Öffnungsverhältnis, dass sowohl Großfeldbeobachtungen ermöglicht, als auch Planetenbeobachtung mit hoher Vergrößerung --> beides möglich. Mit 42 mm LVW von Vixen habe ich 5,7 mm AP, knapp 3 Grad Gesichtsfeld und 22x

- hohe Qualität bei der optischen Realisierung (Umlenksystem etc.) --> Die Matsumoto-Umlenkspiegelsysteme liefern ein aufrechtstehendes seitenrichtiges und kontrastreiches Bild. Mit 2,5 Zoll vignettieren die 42mm LVW nicht. Die Feineinstellung an einer Seite ermöglicht jedem Betrachter auch bei hoher Vergrößerung die Bilder übereinander zu legen.

- noch alleine handhabbar und für Teleskop-Treffen noch transportabel --> ja hat geklappt, wobei es schon grenzwertig ist, das Teil alleine auf die Montierung zu wuchten, wenn sie auf der 1,40 m Säule ist

- noch stabil montierbar und so, dass es eine komfortabel Einblickhöhe gibt --> die Giro trägt das ausbalancierte Gerät gut und mit kurzer Ausschwingzeit. Die Encoder mit NGC Max funktionieren einwandfrei

- Möglichkeit zur Nutzung von 2 Zoll Okularen (große Felder) --> ist gegeben. Einzige Limitierung ist immer der Augenabstand und die Nase, die u.U. nicht zwischen die dicken Okulare passt.

Es würde mich freuen, wenn der ein oder andere hier ein paar Inspirationen findet. Ich bin total happy mit dem Gerät es hat auch was, wenn man weiß, genau dieses Gerät gibt es kein zweites Mal. Aber ganz vorne steht immer der visuelle Genuss beim Beobachten. Und der ist und bleibt umwerfend.

VG und viel Spass bei unserem schönen Hobby.
Daniel

P.S. Alle geschilderten Eindrücke beim Beobachten sind subjektiv und beschreiben, was ich und ein paar Astro-Freunde gesehen und wahrgenommen haben. Ich wollte hier kein Posting aufmachen, um über Bino vs. Nicht-Bino, Öffnung vs. mehr Öffnung oder ob die EDs von Vixen echte Apos sind oder nicht usw. zu streiten :)
 

DanielM

Mitglied
Ach ja...es muss natürlich heißen: "
Der Doppelrefraktor wiegt mit Plattform und Umlenksystemen ca. 17,5 kg, mit großen Okularen also ca. 19 kg." ;)
 

b_schaefer

Mitglied
Hallo Daniel,

Glückwunsch zu diesem fantastischen Gerät! Vor allem, dass es Dir gelungen ist, ein vorhandenes Gerät zerstörungsfrei aufzudoppeln, macht die Lösung sehr elegant.

Eine Frage habe ich zu Deinen EMS: Da musste ja ein Verlängerungsstück rein, aber in der Basis sind das die 30mm Umlenkspiegel, oder? Und das vignettiert noch nicht mit den 42mm LVW? Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Luft man da offenbar noch hat, bevor ein zu kleiner Spiegel bildwirksam wird.

Zur Montierung könnest Du evtl. über eine Einarmmontierung nachdenken. Ich habe bei meinem Binoteleskop die Binoplattform nach oben gesetzt. Und Du scheinst ja ebenfalls genug Platz zwischen den Tuben zu haben.

90mm Kurbelsäule klingt ja extrem. Selbst das neue Monster-Berlebach hat nur 70mm. Die ca. 25mm dünne Kurbelsäule meines Slik Pro sind auf jeden Fall der Schwachpunkt meines Unterbaus. Was wiegt denn das Linhof?

Insgesamt hast Du wahrscheinlich ein ziemliches Optimum gefunden. Relativ viel Öffnung in noch handhabbarem Format. Und das, ohne die Bank zu sprengen. Zweilinser sind mir grundsympathisch und qualitativ bist Du mit den Vixen auf der sicheren Seite.

Viel Freude beim Beobachten mit Deinem Riesenfernglas!

Viele Grüße
Sebastian
 

TakFan

Mitglied
Hallo Daniel,

Ein dolles Projekt und eine Tolle Umsetzung. Glückwunsch zu diesem Doppel-Refraktor. Gewichtstechnisch eine gut handhabbare Grösse .

Viel Freude damit.
Gruss aus Dortmund
Dirk
 

DanielM

Mitglied
Hallo Sebastian.

Danke für das Feedback. Zu Deinen Fragen:

Die mittleren EMS haben einen freien Durchlass von 40mm. Die Steckhülse der LVW hat ca. 47 mm. Theoretisch sollte also eine geringe Randabschattung vorhanden sein. Ich bemerke davon nichts, was am Sternenhimmel stören würde. Mehr über die Matsumotos findest Du hier: Zu den EMS

Bei der Kurbelsäule muss ich korrigieren. Der Flachteller, auf dem die Montierung sitzt, hat 90 mm. Die Säule müsste ich nachmessen, denke sie ist tatsächlich eher vergleichbar mit der von Berlebach. Das Stativ gibt es übrigens noch, liegt aber preislich als neues Teil jenseits von Gut und Böse: Zum Linhof Stativ

Das geht alles, aber natürlich muss man bedenken, man kurbelt hier fast 40 kg Gewicht nach oben!

VG und CS
Daniel
 

donadani

Mitglied
Hallo Daniel,

"Grünschimmer" an Orion - oh ha! - Dein "ED" scheint ein rechter Farbwerfer zu sein - kein Wunder - so alt wie der ist - da kann ja auch kein FPL53 drin sein... ich würd´s lieber mal mit Bino am 250mm Spiegel probieren :D

...und nun im Ernst - finde Dein Projekt absolut klasse und hervorragend umgesetzt! genau so muss ein Bino aussehen! - könnt ich´s nutzen würde ich mir genau so ein Bino bauen!

Die Vixen ED´s - gerade die 130er - waren und sind ziemlich einzigartig bzgl. Leistung und Gewicht wenn man gute erwischt!

Klare Nächte!
Christoph
 

Manne

Mitglied
Bei der Kurbelsäule muss ich korrigieren. Der Flachteller, auf dem die Montierung sitzt, hat 90 mm. Die Säule müsste ich nachmessen, denke sie ist tatsächlich eher vergleichbar mit der von Berlebach. Das Stativ gibt es übrigens noch, liegt aber preislich als neues Teil jenseits von Gut und Böse: Zum Linhof Stativ
Daniel
Offenbar wird die Linhof-Preisliste gerade aktualisiert. Was jedoch das 'jenseits' betrifft, so war mir aus einem CN-Post geläufig, dass die dort vorgestellten, ähnlich dimensionierten Schwerlaststative aus angelsächsischer Provenienz (z.B. für Fachkameras, 4x5-Kameras u.ä.m.) nicht nur herstellermäßig mir völlig unbekannt waren, sondern sich auch preislich in Gefilden um die 2,5k€ plus Zubehör bewegten. Da spielt sicherlich auch die Kleinserie eine Rolle - die Anwender sind vmtl. an wenigen Händen abzählbar. So gesehen ist das BigBerle fast ein Schnapper… o_O

Nutzt Du das Linni ausschließlich im Sitzen? Die Frage bezieht sich auf das eingefahrene Stativsegment, welches ausgefahren (wie bei anderen Stativen natürlich auch) sicherlich zu einer Reduzierung der tolerablen Last hinsichtlich Schwingungsarmut führt. Ich gucke mit dem 100er-APM halt total gerne im Stehen, weil mich das beim Spaziergucken eher unterstützt. Über die große Säule des BigBerle habe ich auch schonmal (kurz) nachgedacht, denke aber dass natürlich auch ein UNI27 das 100er locker trägt, wobei auch da wiederum das ausgefahrene Segment die Schwingungsanfälligkeit erhöht. Jedoch beschränk' ich mich bei V auf max. 70x, da ich das ja auch nachschubsen muss.

Danke für's Zeigen und die ausführliche Beschreibung des schönen (und noch 'alltagstauglichen') Binos.

doppelter Gruß
Manfred
 

b_schaefer

Mitglied
Vielen Dank für die zusätzlichen Informationen, Daniel!

OK, mit den EMS-UL passen natürlich die 2" Okulare auf jeden Fall. Ich war bei "mittel" von den EMS-UM ausgegangen...

Eine schnelle und bequeme Höhenverstellung ist meines Erachtens nach für die Binobeobachtung Pflicht. Im Sitzen geht das mit einem verstellbaren Astrostuhl. Da ich aber wie Manfred lieber stehe, ist für mich eine Kurbelsäule unumgänglich.

Gewichtsmäßig könntest Du evtl. mit der Zentralarmmontierung von Matsumoto (etwas runterscrollen) ein wenig sparen, falls das bei Dir passt.

Viele Grüße
Sebastian
 

DanielM

Mitglied
Hallo Manfred.

Ich beobachte tatsächlich auch gern im Stehen. Das 100er APM habe ich auf einem Manfrottostativ, das bis Stehhöhe einigermaßen stabil ist. Das Linhof habe ich schon teilweise ausgefahren genutzt. Das geht noch. Aber die Tuben sind zu lang, als dass man im Zenit im Stehen schauen könnte, jedenfalls nicht, wenn man 1,94 m groß ist wie ich
;) . Da brächte mein eine wahrlich monströse Konstruktion...vielleicht baue ich irgendwann noch eine fette Parallelogramm-Montierung dafür...grins!

@Sebastian...welches Modell EMS ich genau habe, weiß ich gar nicht. Es heißt für meine Teile: "
Das mittlere EMS mit 2" Anschluss Teleskopseitig und 2" Okularseitig. Optischer Durchlass ca. 40 mm, optischer Versatz ca. 54 bis 75 mm (Abbildung ohne Distanzringe zwischen den beiden Hälften / Tubusdurchmesser bis ca. 150 mm)."

VG
Daniel
 

DanielM

Mitglied
Meines Wissens gibt es von der Stange noch den EMS mit 3" am Teleskop und 2" am Okular. Der leuchtet 45 mm aus. Aber das sind teure 5 mm :), wenn man den Aufpreis bedenkt...
 

Andreas_W

Mitglied
Hallo Daniel,

ein tolles Gerät, da kann ich meinen Vorrednern nur beipflichten! Hätte ich gewusst, dass Du beim ITV damit warst, wäre ich wohl doch gekommen. 2"-Fahigkeit und Primäroptiken, die auch bei hohen Vergrößerungen nicht einbrechen, stellen eine tolle Kombination dar! Bei der Beobachtung mit hoher Vergrößerungen ist eine motorische Nachführung eigentlich ein Muss... schon Mal darüber nachgedacht? So eine TTS 160 Panther würde dem Bino gut stehen (duckundwech), oder auch eine AZ-EQ 6 ;-)

Wie easy ist denn eigentlich die IPD-Einstellung über die Binoplattform? Ist das tauglich für Teleskoptreffen?

Viele Grüße
Andreas
 

DanielM

Mitglied
Hi Andreas.

Ich war nicht beim ITV sondern zeitgleich in Stumpertenrod auf dem "alten heiligen Rasen". Als Mitglied der Sternenwelt Vogelsberg zieht es mich meist eher dorthin, auch weil der Himmel noch besser ist.

Was meinst Du mit IPD? Also grundsätzlich ist die Binoplattform justierstabil, wenn man das Teil behutsam transportiert. Ich hab eine große Kiste dafür mit Schaumkern. Der Augenabstand lässt sich für jeden Nutzer einstellen. Man muss halt einenmlangen Arm machen ;-)

Über die Montierung denke ich noch mal nach , aber eine EQ6 o.ä. brächte noch mehr Gewicht auf ein Stativ und man verlöre die bequeme Höhenverstellung...und auch Dobsonauten haben sich ja ans Nachschubsen gewöhnt. Tut man hier auch...

VG und CS
 

Manne

Mitglied
Mit IPD ist die Interpupillärdistanz gemeint, welche (bei FG) natürlich nicht beliebig eng eingestellt werden kann, jedoch auch zum Maximalwert hin ggf. den Personenkreis der Beobachter einschränkt. So wie der Fahrersitz beim Pkw auf den 85%-Menschen abgestimmt ist, werden auch die Handferngläser darauf hin konstruiert. Wer eine sehr kleine (oder sehr große) IPD hat, bekommt bei der Auswahl mitunter Schwierigkeiten resp. muss mit dem eingeschränkten Angebot leben.
Bei den individuellen Lösungen wie der gezeigten Plattform ist u.U. vom Hersteller eine Anpassung für den Besitzer möglich - für alle Besucher eines Treffens ist dies natürlich nicht unbedingt gegeben. Dass die Methode 'langer Arm machen' für die gängige Praxis eines Treffens geeignet ist (aber ggf. funktioniert) beweist m.E. die Praxistauglichkeit des Binos. Mitunter können natürlich 2"-Okus zu fett für eine nötige kleine IPD sein, obwohl die Konstruktion der Matsumotos diese noch ergeben könnte - dann bleiben eben 'nur' die 1,25er (welche aber mitunter auch voluminös sein können). Gibt's für die unterschiedlichen Gewichtsklassen der Okulare eigentlich auch eine 'Feinabstimmung' mit Gegengewichten, oder ist der Okularkofferinhalt passend abgestimmt?

Ich wäre auch für eine Nachführung, weil ich mich nie an's Geschubse der Lichteimer gewöhnen konnte/wollte. Daher bleibe ich auch beim 100er bei moderaten Vergrößerungen (Fernglas eben…), sehe jedoch dass es außer den beiden genannten Montierungen für Doppelbinos kaum Auswahlmöglichkeiten gibt (Gabeln mal außen vor). Und sicher gibt es auch eine persönliche Gewichtsgrenze, über der man den Aufbau der Gerätschaften schon eher abwägt.

immer passende IPD wünscht
Manfred
 

Andreas_W

Mitglied
Hallo Daniel,

wie Manfred schon schrieb: IPD = interpuppillary distance, also Augenabstand. Mit Tauglichkeit für Teleskoptreffen meinte ich die Bedienerfreundlichkeit. Also ob jeder Nutzer das Gerät schnell und einfach auf seine individuelle Anatomie anpassen kann. Maßstab wäre z.B. ein normales Fernglas, wo jeder intuitiv weiß, was gemacht werden muss und es auch leicht tun kann. Ich verstehe Dich so, dass das tatsächlich so einfach geht (vorausgesetzt, die Arme sind lang genug). Also Top!

Für den mobilen Einsatz greife ich selbst ebenfalls auf eine unmotorisirte Montierung zurück. Aber zu Hause im Garten habe ich eine Säule mit einer alten AZ-EQ 6 stehen und benutze mein APM 120 gerne darauf. Ich habe mir hierfür einen stabilen L-Winkel aus Alu-Profilen gebaut und kann sehr wackelfrei damit beobachten. Ich finde es bei Grenzgrößen von bestenfalls 5.5 mag in manchen Himmelsregionen schwierig per Leuchtpunktsucher zu navigieren. Da lasse ich mir gerne beim Finden helfen und die Nachführung bei v > 100x möchte ich auch nicht missen :)

Viele Grüße
Andreas
 

DanielM

Mitglied
Hi Andreas. Ja, ich mag den Telrad zwar, aber wenn man wenig Zeit hat, ist Go-To schon schön, damit man sich nicht tot sucht. Ich habe das ja über Encoder und den guten alten NGC-Max gelöst. Geht auch super...muss eben nur das Teil "hinschubsen". Ich arbeite noch ein einer Lösung um einen Verstellgriff zu haben, damit ich nicht immer am Tubus bewegen muss. Vielleicht kombiniere ich das mit einer Lösung zum Ausbalancieren des Gewichts je nach Okulartyp. Also ich finde meist eine Stellung, die für die meisten meiner Okulare geht. Wenn nicht, muss man halt mal die Prismenschiene leicht verschieben...
 

Maiko

Mitglied
Hallo Daniel, Glückwunsch für dein Doppelgerät. Als Nutzer eines ED 120 er Binoptic kann ich deine Begeisterung gut verstehen. Empfehle die Nagler 22 und Nagler 12 als Ergänzung. CS Maiko
 

DanielM

Mitglied
Hallo Maiko.

Danke für den Tipp. Die sind nicht zu dick für binokulares Beobachten? Habe bislang keine Nagler....

VG
Daniel
 

Maiko

Mitglied
Hallo Daniel,

ich habe einen IPD von 65mm. An den Okus sind die Muscheln abmontiert, so komme ich bequem mit der Nase durch.

VG, Maiko
 

b_schaefer

Mitglied
Für meinen Augenabstand (IPD) von ca. 62mm waren die 22er zu unbequem, daher habe ich zwei Nagler 20mm T5. Die sind fantastisch, und für mich ohne Brille sehr bequem, trotz des knappen Pupillenabstands (12mm).

Für noch mehr Feld sind auch die APM UltraFlat 30mm (70°) sehr gut binokular geeignet. Die Hyperions 31 und 36mm sind für mein Gesicht wiederum etwas zu wuchtig/kantig.

Viele Grüße
Sebastian
 

Klotzi

Mitglied
Hallo Daniel,

ein schönes Teil hast du da, Glückwunsch! Eine ähnliche Lösung habe ich mittlerweile mit meine beiden Vixen ED 102SS auch implementiert, BB160 Plattform mit den mittleren Matsumotos plus Zwischenring. Die Plattform funktioniert wunderbar, ist ausreichend justierstabil und erlaubt bei häufig wechselnden Beobachtern ein schnelles und präzises Verstellen der beiden Tuben, wesentlich einfacher, als meine anfängliche Lösung mit Helikalfokussieren als Zwischenringe, welche immer ein Nachfokussieren und eine gleichmäßige Verstellung erforderten (was bei häufig wechselnden Beobachtern sehr unbequem ist). Na, dann wünsch ich mal viel Spaß mit dem guten Stück, vielleicht sieht man sich mal auf einem TT, würde gerne mal durchschauen ;-)

Viele Grüße
Thomas
 

Amin

Mitglied
Hallo Daniel,

schade, dass Dein Binoptc-Projekt zu spät kam. Aber schön, dass Du es trotzdem noch realisieren konntest!
Als Freund von Markus hatte ich noch Glück! Mein 150er f/7.9 mit den APM ED-Apos ging gerade noch zwei Monate zuvor durch. Das wiegt übrigens 17,5 kg und wurde wunschgemäß als Leichtbau incl. Einarm-Montierung konstruiert. ;) Hab den Markus immer mit solchen Projekten schwitzen lassen. :LOL:

Übrigens Dein Stativ sieht mir aber nicht sehr stabil aus! Für ein Kurbelstativ sind solche Binogrößen einfach zu viel. Ich würde ein fettes Astrostativ von Berlebach (ohne Mittelsäule) nehmen. Dazu ein Astrostuhl. Das wird bei mittleren bis höheren Vergrößerungen wesentlich wackelfreier sein!

Grüße, Amin
 

Antares

Mitglied
HI Daniel
tolles Bino hast Du da gemacht.Gratuliere. Vllt sieht man sich ja mal irgendwo, dann würde ich mich freuen, wenn ich das mal genauer inspizieren und natürlich durchsehen könnte.
CS
 

Andreas_W

Mitglied
Hallo Daniel,

tolles Setup (y)

Kannst Du schon etwas über das Schwingungsverhalten des Aufbaus sagen? So lange Elemente können diesbezüglich ja auch Nachteile haben. Sehe ich das richtig, dass die horizontale Plattform mit 2x 2 Schrauben und ohne Aussteifung an die GP-Schienen geschraubt ist? Wenn das alles wie gewünscht funktioniert, dann ist's perfekt, denn ich hätte da wahrscheinlich mehr Schrauben und Aussteifungen drangebaut und es vermutlich übertrieben :whistle:

Viele Grüße
Andreas
 

DanielM

Mitglied
Werde nochmal berichten. Die 3 Zollschienen und der Querträger sind ziemlich massiv. die Schrauben recht lang. Ich denke es wird gehen...wenn nicht mache ich genau was Du schreibst...
 

DanielM

Mitglied
So...wenigstens in Teilen endlich mal klarer Himmel - also erster Test und der noch geschuldete Bericht:

Sehr solides Set-up. Montierung schnurrt wie ein Kätzchen. 2-Star-Alignment gemacht und dann sehr präzise diverse Objekte angefahren. Die Motoren sind erfrischend leise - toll. Ich hatte noch die "Kreissägen" von meinem früheren LX200 im Ohr. Auch bei sehr hoher Vergrößerung saubere Nachführung. Die langen Schienen schwingen kaum - auch wenn man das Teleskop bzw. die Schienen anstößt sehr schnelles Ausschwingen. Werde also bis auf Weiteres keine weiteren Verstärkungen verbauen. Alles in allem bin ich sehr beeindruckt und zufrieden, wie die EQ6 das (sehr gut ausbalancierte) Gewicht wegsteckt.

Ich kann das alles empfehlen, falls jemand ein Binoscope mit Go-To montieren möchte. Die Montierung ist super.

VG und CS
Daniel
 

Hayabusa

Mitglied
Tolles Projekt! Vor allem mit hohem Qualitätsanspruch umgesetzt, gefällt mir.

Der Vixen ED 130 ss war schon als ED Refraktor eher selten anzutreffen. Also mir persönlich ist nie einer untergekommen. Ich kenne dieses schöne Gerät nur vom Hörensagen und aus dem Erfahrungsbericht von Wolfgang Paech.

Erfahrungsbericht Vixen ED 130 ss - Wolfgang Paech

Ich habe einen kleinen Binoptic Doppelrefraktor und zwar den TMB/Lomo 80/480 mit Spacelifter I. Ich bin vor allem an Weitfeld-Beobachtungen interessiert. Herr Schumann hatte mir angeboten, mein Gerät zu einem vernünftigen Preis auf 2" umzubauen. Leider ist es dazu nicht mehr gekommen. Da ich ihn auch persönlich kannte, war das ein ziemlicher Schock.

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