Eichung des Monatsteilkreises bei einer Bresser Exos-2 Montierung | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Eichung des Monatsteilkreises bei einer Bresser Exos-2 Montierung

Puppeteer

Mitglied
Aktuell versuche ich als Anfänger noch, die Technik und deren Bedienung besser in den Griff zu kriegen. 'Trockenübungen' bei schlechtem Wetter sollen helfen, bei der Beobachtung im Freien nicht groß über bestimmte Schritte nachzudenken oder gar nachzulesen müssen. Ich versuche auch die verschiedenen Justierungen nachzuvollziehen.

Allerdings habe ich Schwierigkeiten einen Teil in der Bedienungsanleitung meiner Bresser EXOS-2 Montierung zu verstehen bzw. nachzuvollziehen. Dabei geht es um die Anleitung zur Eichung des Monatsteilkreises am Polsucherfernrohr. In der Anleitung zur Montierung Anhang C, Abschnitt A.

Der Monatsteilkreis soll so gedreht werden, daß die lange Linie des Skalenplättchens im Monatsteilkreis auf den 1. Mai des Monatsteilkreises zeigt. Welches Ende? Das zur Mitte oder das zum Rand des Skalenplättchens? Zitat: "Wenn es Ihnen schwer fällt, die Linie im Okular und den Monatsteilkreis gleichzeitig zu sehen, können Sie den Polsucher auch in die Montierung einschrauben und so verdrehen, dass die lange Linie genau nach oben zeigt...".
Sollte der Polsucher vorher ausgebaut werden? Mit Monatsteilkreis? Wie geht das? Ich bekomme allenfalls den Polsucher heraus, wenn ich die Schrauben, die zur Justierung dienen, weiter herausdrehe. Und wieder die Frage, welches Ende der Linie gemeint ist.
Dann steht da "Der Konterring hinter dem Monatsteilkreis kann mittels eines Schraubendrehers gelockert werden;" Ich komme an keinen Konterring hinter dem Monatsteilkreis heran. Ich kann allenfalls den Ring mit der weißen Markierung vor dem Monatsteilkreis lockern und drehen.
Und am Ende des Abschnitts steht dann: "Schrauben Sie dann den Polsucher wieder in die Montierung ein.". Also sollte der Polsucher doch ausgebaut werden?

Ich weiß, ich kann den Pol auch per Kochab-Methode finden, ohne mich um den Monatsteilkreis zu kümmern. Aber ich würde trotzdem gerne verstehen, wie diese Einstellung wirklich gemacht werden soll. Auch weil ich mir vorstellen könnte, daß ich zumindest am Anfang so schneller zu brauchbaren Ergebnissen komme. Und weil das als Kontrolle meiner Versuche mit anderen Methoden dienen könnte. Als ich die Fragen beim Support von Bresser gestellt habe, bekam ich nur eine Kopie des Textes zurück.

In der englischen Anleitung steht da nur: "Now turn the month circle against the viewfinder until the 1st of May hits the vertical line. The month circle is secured by a counterring; it should be able to be turned but it should not come loose. Now you can put the viewfinder back into the RA axis."

Da wären wir bei der nächsten Frage: Wie soll die Linie im Skalenplättchen eigentlich ausgerichtet sein? Senkrecht? Und wieder die Frage: Welches Ende zeigt dann nach oben?

Für hilfreiche Hinweise wäre ich dankbar. Irgendwie fehlt mir hier der 'Pack an'.

Gruß
Berthold
 

Anhänge

  • 20210109_203846.jpg
    20210109_203846.jpg
    119,4 KB · Aufrufe: 25
  • 20210109_203900.jpg
    20210109_203900.jpg
    183,3 KB · Aufrufe: 23
  • 20210109_204132.jpg
    20210109_204132.jpg
    68,3 KB · Aufrufe: 24

mbba18

Mitglied
Hallo Berthold,

ein verspätetest Willkommen im Forum.

Ungefähr selber Jahrgang ;), nur ein Jahr mehr.
Komme auch (zu letzt) aus der IT, der ich allerdings den Rücken gekehrt habe. Knapp 20 Jahre reichen einfach :D.
Windowsfrei ist bei mir alles, bis auf gelegentliche Ausflüge in eine Dualinstalltion. Updates halt :ROFLMAO:.

Meine EQ-6 R sowie die iOptron Alt/AZ Pro GoTo werden über Linux, iOS iPad und Android-SmartPhone, eher weniger, das Display ist zu popelig, gesteuert.
Unter Linux ist Stellarium und CdC die erste Wahl.

Die Exos-2 ist auch in meinem Besitz, mit GoTo Upgrade.
Ich mag sie nicht und deshalb wird sie gar nicht mehr genutzt.

Ehrlich gesagt, mit den Skalen an den Montierungen habe ich mich bis jetzt nur rudimentär beschäftigt.
Dazu muss ich sagen, dass ich rein visuell beobachte, bis auf gelegentlich Ausflüge in die Planetenvideos und Live-Stacking.

Für das rein visuelle Beobachten reicht ein "grobes" Einnorden. Kompass ist da hilfreich.
Montierung in die Waage bringen usw. ...
Ein sauber durchgeführtes Alignment ist Voraussetzung um ein zufriedenstellendes Ergebnis fürs GoTo und der damit zusammenhängenden Nachführung zu bekommen.
Stimmt der Aufbau und das Alignment, funktioniert auch das GoTo/Nachführung gut.

Fürs Fotografische sollte man schon mit dem Polsucher arbeiten oder elektronische Helferlein zwischen schalten.
Da ist die Nachführung und noch mehr das Guiding dann das A&O.
Aber da sind andere berufener etwas dazu zu sagen.

Wenns weitere Fragen gibt, einfach hier oder auch ne PN.
 

AstroBHO

Mitglied
Hallo Berthold,

als "Schlechtwetterübung" nicht so verkehrt... in der Praxis reicht es, wenn Du den Polarstern in die Mitte des Polsucherfernrohrs stellst. Dann hast Du einen maximalen Fehler von 40' (der Polarstern ist ca. 40' vom Himmelspol entfernt. Da kannst Du relativ lange visuell beobachten. Zum Fotografieren ist ein Polsucherfernrohr eh zu ungenau bzw. wirst Du mit der EXOS-2 Montierung nicht ums Guiden herumkommen.

CS Bernd
 

axelm

Mitglied
Hallo,

auch wenn ich selbst weder eine Bresser EXOS-2 besitze, noch eine besessen habe, denke ich, dass ich halfen kann. Ich hatte in den späten 80ern mal eine Super Polaris Montierung von Vixen, die hatte in späteren Versionen einen ähnlich aufgebauten Polsucher.

Ich würde das Ganze so interpretieren:

Die "lange Linie des Skalenplättchens" ist die gravierte Linie, auf der die Einstellmarke für Polaris ist. Diese muss auf den 1. Mai zeigen, weil die gedachte Linie auf der Polaris sich am wahren Pol vorbei bewegt, an diesem Tag um 0h MEZ (auf 15° östlicher Länge, dem Zeitmeridian an dem die MEZ gemessen wird) genau in Meridianrichtung liegt.

Da die Beschreibung von Bresser sich auf das ausgebaute Polsucherfernrohr bezieht, musst Du aber IMO genaugenommen so vorgehen (da der Polsucher ja bereist in der Montierung steckt).

1) Den Monatsring so verdrehen, dass die "0" der O-W-Skala mit dem kleinen weißen Strich auf Deiner 2. Abbildung zusammenfällt. Das sagt aus, das die Einstellung genau für einen Ort auf dem Zeitmeridian (also 15° Ost bei uns) gilt.

2) Den Polsucher nach dem Lösen seiner Halteschrauben so relativ zum Monatsring verdrehen, dass die "lange Linie des Skalenplättchens" in Richtung des weißen Strichs / 1. Mai zeigt. Polsucher dann mit den Halteschrauben wieder fixieren.

Zur Benutzung kannst Du Dich gut nach der Beschreibung in der Bedienungsanleitung richten. (Kapitel: Beobachter auf der Nordhalbkugel der Erde)

...wenn Du es noch genauer haben willst, such Dir vorher heraus, wie weit Polaris am Beobachtungstag wirklich vom wahren Pol entfernt ist (aktuell ca. 39') und stelle Polaris auf diesen Wert auf der Linie ein. Wenn Du nämlich genau hinschaust, befindet sich auf der Linie neben dem kleinen Kreis auch eine Skala, auf der die Werte 40' und 60' markiert sind. Einfach abschätzen, wo der aktuelle Wert auf dieser Skala liegen würde und Polaris dann dort, anstatt im Kreis positionieren.

Zur erreichbaren Genauigkeit:

Wenn der Polsucher gut justiert wurde, ist damit eine Genauigkeit von etwas besser als ca. 3' möglich. Das hat bei mir früher ausgereicht um damit Aufnahmen mit f=750mm und einer Belichtungszeit von 40 bis 60 Minuten (!) zu machen. Wohlgemerkt BEVOR es Nachführkameras gab - also nur mittels Auge und Fadenkreuzokular. Ohne Nachführkontrolle war meine damalige SP-Montierung in der Lage ein 200er-Tele 15 Minuten lang punktförmig nachzuführen. So viel zu:

Zum Fotografieren ist ein Polsucherfernrohr eh zu ungenau

Der Polsucher meiner späteren Shinx-Montierung war übrigens so genau, dass man bei f=300mm und f/2.8 länger als 15min mit einer damaligen CCD-Kamera (KAF 8300 Chip) belichten konnte, ohne dass man Striche auf den Bildern hatte (...o.k. der Schneckenfehler der Sphinx ist sicher etwas kleiner als der einer EXOS-2 / SP Montierung). Meine H-alpha Aufnahmen konnte ich also einfach laufen lassen...

...und zu der Bemerkung

wirst Du mit der EXOS-2 Montierung nicht ums Guiden herumkommen

kann ich nur sagen: Ja, aber je genauer man mittels Polsucher die Montierung vorher ausgerichtet hat, desto weniger hat man später selbst bzw. die Nachführkamera bei der Nachführkontrolle zu tun. Außerdem vermeidet / minimiert man auf diese Weise die bei einer Falschausrichtung der Montierung unweigerlich entstehende Bildfelddrehung.

Also zumindest dann, wenn man fotografieren will, sollte man einen Polsucher auch benutzen, wenn die Montierung ihn besitzt...

Viele Grüße,
Axel
 

AstroBHO

Mitglied
Also zumindest dann, wenn man fotografieren will, sollte man einen Polsucher auch benutzen, wenn die Montierung ihn besitzt...
Ich bin fast nur visuell unterwegs... fotografiere nur ab und zu. Polsucher sind mir (viel) zu ungenau. Meine Montierungen sind immer zwischen 5 und 10" genau ausgerichtet. Da könnte ich dann auch mit Brennweiten über 1m noch mehrer Minuten belichten (schon gemacht) und zwar ohne Guiding.
Aber alle Liebesmüh die Du hier gemacht hast... wir schreiben hier über eine EXOS-2.

CS Bernd
 

axelm

Mitglied
Hallo Bernd,

ja, mir ist klar, dass wir über eine EXOS-2 / SP / GP / EQ-5 ... und unter welchem Namen solch eine Montierung zwischenzeitlich noch auf dem Markt war ... schreiben. Mir ist auch klar, dass man - will man mit langen Brennweiten ohne Guiding fotografieren - genauer ausrichten sollte ... so es denn der periodische Fehler der Montierung überhaupt zuläßt.

Aber ich behaupte ja auch nur, dass man es sich bei der Fotografie mit einer solchen Montierung deutlich einfacher macht, wenn man einen Polsucher für die Ausrichtung verwendet.

Klar ist, dass der periodische Fehler dieser Montierungen oftmals um die 25" beträgt. "Einfach laufen lassen" ist bei Brennweiten über 200mm damit sowieso nicht möglich! Wenn man das bei langen Brennweiten haben will, sollte man sich auch nach einer anderen (deutlich genaueren und damit auch deutlich schwereren und damit auch deutlich teuereren) Montierung umsehen.

Wenn Du von Aufstellgenauigkeiten Deiner Montierungen im Bogensekunden-Bereich schreibst: stationär oder transportabel? ...und über welche Montierungsgrößen reden wir jetzt gerade? Ich habe vor Weihnachten gerade meine neue GM 2000 geliefert bekommen. Die wird auch als "transportabel" beworben! Ganz ehrlich? Ich würde mir den mobilen Einsatz dieser Montierung nicht antun wollen! Da hat man doch spätestens nach der zweiten Beobachtungsnacht ganz übel "Rücken". ;)

Wenn ich damals, als ich noch mobil unterwegs war, immer erst auf Bogensekunden-Genauigkeit gescheinert hätte, wäre mir in den paar Nächten im Jahr zuviel Zeit drauf gegangen. Mittels Polsucher ausreichend genau aufzustellen, ist da durchaus praktikabel. Für den stationären Betrieb einer entsprechend genauer laufenden Montierung ist auch eine genauere Aufstellung aber auf jeden Fall sinnvoll...

...und mal ehrlich, wie viele der fotografisch mit mehr als 1000mm aufnehmenden Leute sind denn mobil unterwegs? ...und ich meine jetzt nicht nach Südeuropa oder gar Namibia wo man mehrere Tage gutes Wetter erwarten kann und die Montierung daher nur einmal aufbaut, sondern nur für eine Nacht in's nächste Mittelgebirge und dann morgens wieder abbauen und zurück nach Hause.

Wer sich so eine "kleine" Montierung, wie die, über die wir hier schreiben, kauft, wird damit (hoffentlich) nicht mit solchen Brennweiten fotografieren wollen.

Viele Grüße,
Axel
 

AstroBHO

Mitglied
Hallo Axel,
das schweift doch jetzt sehr vom ursprünglichen Thema ab...
Ich habe 2 AstroPhysics Montierungen und bestimmt 3 Polsucher 2 von AP, einen von Losmandy. Die sind alle perfekt justiert und auch nicht soo schlecht (ich habe eine feinmechanische Werkstatt und auch einen Meßraum mit einer optischen Bank (usw) und konnte das kontrollieren. Die Vergrößerung der Polsucher ist viel zu gering, deshalb ist eine genaue Einnordung nicht möglich.
Da Astronomie mein "Dritthobby" ist, war ich Mobil noch nie unterwegs... ich habe auf meiner Terrasse (bei guten Bedingungen) meist besser als
20200323_014240k_01.JPG

da muss ich nicht mobil sein (ausserdem fehlt mir die Zeit dafür).

Die Montierungen kann ich mit der angegebenen Genauigkeit auf die Terrasse stellen. Ich hatte alle paar Monate mal kontrolliert- seit dem ich das aber mit SharpCap mache (10 Minuten) kontrolliere ich öffter mal. Was Beseres als Einnorden mit SharpCap habe ich noch nicht gefunden. Vor allen Dingen kann man damit die Missweisung beider Achsen sehen und justieren - genial.

Herzlichen Glückwunsch noch zur GM2000 :y::y::y: allerdings würde ich die mobil auch nicht einsetzen (wollen) :)

CS Bernd
 

Puppeteer

Mitglied
Eine kurze Rückmeldung: Nach dem Lesen verschiedener Beiträge hier und an anderer Stelle hab ich das mit der Justierung halbwegs verstanden und annähernd hinbekommen. Noch nicht ganz optimal, aber so weit, daß ich den Polarstern 'treffe' und die Montierung nach einem 2Star-Alignment die Ziele halbwegs zielgenau anfährt. Die Wiederholgenauigkeit läßt noch zu wünschen übrig. Also heißt es jetzt tüfteln und zum Einen die Justierung des Polsuchers verbessern und zum Anderen, es auch mal mit der Kochab-Methode versuchen. Das nächste Problem kommt bestimmt.
 
Oben