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Ein Tipp zum Reinigen mit einem " Optical Cleaner"

astro_ebi

Mitglied
Hallo Sternfreunde!

Viele reinigen ihre Optik, also Spiegel und Glas zunächst mit der herkömmlichen und bewährten Methoden, mit Spülmittel und dest. Wasser. Nun möchte ich hier einmal eine "Spezialmischung" nennen, die sich zur Reinigung bei mir ebenfalls bestens bewährt hat.

Dieser Reiniger, nennen wir ihn mal "Optical Cleaner" :/ , setzt sich wie folgt zusammen:

Man mische 250ml dest. Wasser (demineralisiert) mit einem Teelöffel Klarspüler (ohne Zusätze oder Duftstoffe). Es dient zunächst als Tensid, um die Oberflächenspannung zu senken und ölhaltige Schutzpartikel/Substanzen in der Flüssigkeit mischbar bzw. aufnehmbar zu machen. Als Ergänzung gebe ich etwa 40 ml 70%iges Isopropanol (Höfer Chemie) hinzu, das der optimalen Entfettung und Reinigung, Desinfektion der Oberfläche und der Verflüchtigung der Reinigungssubstanz beim Vorgang dient.

Vor Aufgetragen der Flüssigkeit mit der Sprühflasche immer gut schütteln. Die Verteilung und Reinigung der Schutzpartikel und der Fettanhaftungen geschied unter sehr leichtem Druck mit den Fingern. Das anschliessende Abtrocknen am Besten mit fusselfreien Papiertüchern.

Diesen Mix habe ich nach einigen Experimenten herausgearbeitet. Er ist im richtigen Gebrauch und in der Anwendung schlieren- und fettfrei.

Wenn z.B. extreme Verschmutzung, Schimmel oder gar Glaspilz vorhanden sind, "bestrahle" ich zusätzlich noch mit einer UVC Lampe. UVC-Licht (z.B. zur Teichwasserbehandung) tötet Keime und Pilzsporen jeder Art vollständig ab.
Vorsicht, nicht zu lang hineinschauen; UVC schadet der Netzhaut. :neinnein:

Die Desinfektion geschied vollständig und ein Ausbreiten von Keime und Sporen ist ausgeschlossen.

Für einen regen Erfahrungsaustausch, weiteren Anregungen und Ergänzungen wäre ich dankbar.

LG
Eberhard
 
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Ralf

Mitglied
Moin Eberhard,
du weißt schon, dass der Klarspüler einen pH-Wert von etwa 2 hat? Sprich der ist extrem sauer, enthält also eine Säure. Säure und Aluminium vertragen sich in der Regel weniger gut. Ich wäre da seeehr vorsichtig. Für meine Spiegel würde ich es nicht benutzen.
Ich benutze eine Mischung aus dest. Wasser, Ethanol und n-Propanol, nicht zu verwechseln mit Iso-Propanol. Das entspricht in etwa dem Optical Wonder.

Gruß
Ralf
 

Ehemaliges Mitglied [16496]

Hallo,

Für die Reinigung von den Spiegeln meiner Teleskope wäre das
mir viel zu aufwändig.

Bisher habe ich die Spiegel mit der "herkömmlichen" Methode
die aus warmen Wasser und Spülmittel besteht erfolgreich
gereinigt.
Ich spüle dann mit herkömmlichen destillierten Wasser, das
es im jedem Supermarkt gibt nach.


Schimmel oder Glaspilz habe ich bisher auf keiner meiner
Optiken gehabt, bei richtiger Lagerung sollte es da auch
keine Probleme geben.


Anders kann es mit der Reinigung von Okularen aussehen.
Wenn es bei einem Okular mal ganz selten nötig sein sollte,
die augenseitige Linse zu reinigen, nehme ich das
"Optikal Wonder" von Baader.
Das kleine Fläschchen hält jahrelang, so das es sich kaum
lohnt, einzelne Komponenten für eine Reinigungsflüssigkeit
zu kaufen um diese dann selbst herzustellen.


Viele Grüße
*entfernt*
 

astro_ebi

Mitglied
Moin Ralf,

du hast natürlich zunächst recht.

1. Ich meinte natürlich ein herkömmliches Spülmittel als (Klar)spülmittel (ohne Zusätze oder Duftstoffe). Ein gutes Beispiel wäre Klar Eco Sensitiv von Alma-in.

2. OW hat eine ganz andere Zusammensetzung, viel mehr Ethanol und Isopropanol-Anteil, keinen Spülmittel-Anteil (Tenside!) und ist nach meinen Erfahrungen nicht schlierenfrei. Da kann ich auch Desinfektionsspray aus der Drogerie nehmen, das ist preiswerter.

Meine Zusammensetzung ist eigentlich genau aufgeführt. Vergleichbar sind daher die Inhaltstoffe sowie deren Funktion wie beschrieben...

Aber das Thema soll ja auch zum Erfahrungsaustausch dienen. Es geht nicht darum die herkömmliche Methode (Spülmittel/Wasser) in Zweifel zu ziehen, das bitte ich zu beachten.

3. Bezüglich Schimmel oder Glaspilz hatte ich leider selbst ein Gerät (C11) zum Reinigen hier. Es ist jedem klar das sowas schwierig zu entfernen ist. Daher ist es hier auch für diese Betroffen es weiterer Tipp aufgeführt.

LG
Eberhard
 
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astro_ebi

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Hallo Gerd,
Das kleine Fläschchen hält jahrelang, so das es sich kaum lohnt, einzelne Komponenten für eine Reinigungsflüssigkeit
zu kaufen um diese dann selbst herzustellen.
Na dann auch noch was zu den Kosten:
500ml Spülmittel (ohne Duftstoffe): 2€
250ml Isopropanol 70%ig: 2€
5l Dest. Wasser (demineralisiert): 3€
Herstellkosten, also Mischen-Schütteln-Fertig: :gutefrage:
Großzügig umgerechnet auf die angegebene Mischung sind das etwa 50 Cent. Aber eines ist gleich, eine befüllte Sprühflasche (250ml) hält jahrelang. ;)
Es seih denn, man reinigt damit auch andere Geräte (Teleskop,Display,Gehäuse usw.), was bei dem guten Preis/Leistungsverhältnis und guten Einsatzmöglichkeiten durchaus sinnvoll bzw. vertretbar erscheint.
LG
Eberhard
 
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MountyPython

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Hallo Eberhard,

OW ist nicht schlierenfrei und sehr teuer. Selbst die Microfasertücher. Ich habe da mittlerweile eine eigene Quelle...mein Optiker versorgt mich mit guten Tüchern.

Ich finde die Bekanntgabe Deiner Mixtur als sehr nette Sache. Damit kann sich doch jeder das Zeugs herstellen.
Als Sprühflaschen eignent sich ja dann die kleinen Flaschen von Sakrotan oder Ähnliches.
LG
Gerrit
 

Ralf

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Hallo Eberhard,
ah, das ist natürlich was anderes, ich dachte du meinst den Klarspüler welcher in die Spülmaschine kommt.
Zur Schlierenbildung, also die Mischung welche ich mir zusammen mische hinterlässt keinerlei Spuren. Das kommt wahrscheinlich daher dass ich reines Ethanol und kein vergälltes benutze.

Gruß
Ralf
 

astro_ebi

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Hallo Ralf,

Die technischen Unterschiede sind folgende:

2-Propanol, auch als Isopropylalkohol oder Isopropanol (abgekürzt IPA) bekannt, ist der kleinste sekundäre Alkohol. Es ist eine farblose, brennbare Flüssigkeit und hat einen leicht süßlichen, angenehmen Geruch ("Krankenhausgeruch"). Er ist preiswert herzustellen und hat vorzugsweise zur Reinigung und Desinfektion Einzug gehalten. Somit eine angenehm riechende, schnell verdunstende, farblose, brennbare Flüssigkeit, die mit Wasser in allen Verhältnissen mischbar ist.

Reines oder unvergälltes Ethanol bekommst nur in Apotheken, zumal es nur teuer herzustellen ist. Vergälltes Ethanol (Verwechslungsgefahr!) würde man auch auf der Oberfläche sehen, denn die Vergällungsmittel von der Herstellung bleiben nach dem Verdunsten als Belag zurück. Ethanol ist ebenfalls eine farblose, leicht entzündliche aber stechend riechende Flüssigkeit!

Zusammenfassend macht Ethanol zum Isopropanol in der Reinigungsanwendung keinen Unterschied, außer natürlich im Preis und vor allem im Geruch; ich benutze es daher schon lange nicht mehr.

Es macht für mich zur Reinigung auch keinen Sinn, die benannten Stoffgruppen in dieser hohen Konzentration zu verwenden. Schau bitte auf meine Mixtur und prüfe, ob es auch mit Ethanol in verdünnter Form reicht; ich denke ja. Denn die Oberfläche soll nur sauber, fettfrei und ohne schlieren sein.

LG
Eberhard
 
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Ralf

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Hallo Eberhard,
ich weiß, das ist mein Beruf.

Gruß
Ralf

PS: unvergälltes Ethanol ist nicht teuer in der Herstellung, das was ihn teuer macht ist die Branntweinsteuer die darauf erhoben wird. Diese entfällt bei vergälltem Ethanol.
 
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astro_ebi

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Hallo Ralf,

Danke für den Hinweis; falsch formuliert aber im Ergebnis bleibt es das Gleiche. Ethanol kann nur bis ca. 96% destilliert werden, die restlichen 4% sind Wasser und bilden mit dem Alkohol ein azeotropes Gemisch. Dieser Alkohol ist immer teuer, da er voll versteuert und damit anteilig über 30 Euro pro Liter kostet. Denn mal prost. ;)
LG
Eberhard
 
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astro_ebi

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Hallo fquadrat,
ich kenne es etwas anders. Ethanol gibts in vielen Formen, so auch z.B. als Weingeist, damit schmeckt auch der Eierlikör meiner Schwägerin richtig lecker. ;)

Wir reden jedoch vom Ethanol, das als Fungizit eingesetzt wird. Die Apotheker kennen die Zusammensetzung besser, da muss ich momentan leider passen. Es hat aber definitiv keinen angenehmen Geruch.

In dem Zusammenhang wird z.B. Ethanol oder Isopropanol auch nur in bis zu 70%iger Konzentration als Fungizit empfohlen, weil es in reinerer Form die zellaktive Wirkung verliert. Der Wasseranteil transportiert dabei den Alkohol ins Cytoplasma und zerstört das Eiweiß der Zelle, höhere Konzentrationen erzielen leider nur Schutzwirkung z.B. für Präparate.
Darüber hinaus wirkt Alkohol in hoher und natürlich auch in absoluter Konzentration dehydrierend.
LG
Eberhard
 
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Ralf

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Moin,
also ich kenne es wie fquadrat, wenn du den Riechkolben an Isopropanol hälst das pfeift dir bis ins Gehirn, Ethanol, vergällt oder unvergällt ist egal, riecht bei weitem nicht so stechend im Gegenteil.
Ich habe gerade beides vor mir stehen.
Gruß
Ralf
 
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astro_ebi

Mitglied
Hallo Ralf, hallo Fquadrat,

...Asche auf mein Haupt.
Ich habe eben unseren Apotheker in der Nachbarschaft gefragt. Als Reinigungs- und Desinfektionsmittel z.B. in Krankenhäusern wird das hochprozentige Ethanol mit Hilfsstoffen versetzt, um es für andere Einsatzzwecke "ungenießbar" zu machen, der Hilfsstoff ist aber rückstandsfrei.

Damit ist es dann (wie z.B. Brennspiritus) natürlich in der Verwendung steuerfrei und bezahlbar. Reines Ethanol ist meldepflichtig, wäre viel zu teuer und wird von ihm nicht angeboten.

Jetzt ist mir klar, warum es so stark roch, das Isopropanol riecht jedenfalls angenehmer.

Vielen Dank für's Mitdenken; wieder was dazu gelernt. :)

LG
Eberhard
 
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konfokal

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Hallo,

die berühmte Zeiss Optikputzmischung L kann man teuer kaufen, oder sich in der Apotheke preisgünstiger zusammenmischen lassen. (Ist nicht ganz billig, lohnt sich aber im Vergleich zu den kommerziell verkauften Fluids allemal). Sie besteht aus 85% Wundbenzin bzw. Petrolether (leichtflüchtige Mischung niedrig siedender Alkane, hat nix mit Ether zu tun, heißt nur so, weil die LöMi-Eigenschaften dieser Mischung denen von Diethylether ähneln) und 15% Isopropanol (höchsten Reinheitsgrades, die Reinheit bestimmt den Preis).

Perfekte Ergebnisse erhält man, wenn man kleine Portionen steriler Augenwatte um Holzstäbchen wickelt, die Watte damit kurz (!) tränkt, nach jedem Wischen wegwirft, (immer nur in eine Richtung arbeiten, nie hin- und her), und die dabei immer geringer werdenden Schmutzschlieren nach dem Verdunsten der Feuchtigkeit noch mehrmals mit frisch getränkter Watte nachreinigt. Einmal benutze Watte darf nach dem Reinigen nicht wieder verwendet werden, sonst trägt man den eben abgetragenen fettigen Schmier, der sich über die LöMi-getränkten Wattefasern verteilt hat, gleich wieder auf die Glasoberfläche auf... Wird bei Mikroskoplinsen, die ungleich empfindlicher auf kleinste Verunreinigungen reagieren, seit Jahrzehnten so gehandhabt, und auch die Hersteller verfahren beim Zusammenbau von Objektiven in dieser Art.

Mit einem Glasreiniger wie Sidolin lassen sich hartnäckige großflächige Verschmutzungen oft auch sehr gut und rückstandsfrei entfernen, (sogar Glaspilz). Vorsichtshalber kann/sollte man mit Bidest (oder der Putzmischung L) nachspülen, wenn man Angst hat, eine Vergütung könnte angegriffen werden - obwohl die Sorge bei modernen Vergütungen kaum begründet ist, weil der Gehalt an Tensiden oder Säuren sehr gering ist.

Last but not least: wenn man bei kleinen Fingerabdrücken oder Fettflecken nicht gleich feucht arbeiten will, sondern solche Beläge möglichst sofort und schnell wieder loswerden will, muß es nicht unbedingt ein Mikrofasertuch sein. Da leistet oft und frisch gewaschene feine Baumwolle (z.B. Unterwäsche :)) ebenso erstaunlich gute Dienste. Solange man nicht nur mit ein und derselben Stelle des Stoffs den fettigen Schmutz mehr oder weniger nur hin und herreibt und verteilt, sondern die wirksame Fläche des Stoffs mehrmals wechselt, und immer nur in eine Richtung arbeitet, ist deren Aufnahmefähigkeit für Schlieren etc. ebenfalls sehr hoch. Auch Optikputzleder haben eine erstaunliche Fettaufnahmefähigkeit. Großflächige Fettschichten, auch dünne, kaum sichtbare (z.B. nach unvollständigem Reinigen) sind Kontrastkiller Nr.1. Bis sich Staubteilchen ähnlich deutlich auswirken, muß bei denen schon eine ziemliche Fracht zusammenkommen.

Generell gilt, man sollte nicht zu oft Reinigen und vor allem nie mit Druck reiben. Das steigert nicht nur die Gefahr von Mikrokratzern, die zwar optisch anfangs nicht viel ausmachen, aber wenn es im Laufe der Zeit mehr werden, irgendwann schon. Außerdem setzen sich in denen dann gern fettige Rückstände fest. Obendrein laden sich die Oberflächen durch das Reiben meist auf, die ziehen dann wieder vermehrt Staub an, was neue überflüssige Reinigunsrunden auslöst usw...

Gruß,
Mathias
 
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fquadrat

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Hi!
Zitat von Ralf:
Ethanol, vergällt oder unvergällt ist egal, riecht bei weitem nicht so stechend im Gegenteil.
Hängt immer davon ab, womit man vergällt, siehe Brennspiritus. Pyridin riecht nicht gut, aber auch nicht stechend, MEK ist deutlich penetranter.

Reines Ethanol, auch mit Wasser, riecht, vergällt mit Petrolether, eben angenehm.

Unvergälltes Ethanol, in Schottland in Eichenfässern gelagert, kann sogar sehr angenehm schmecken. :)

Grüße

fquadrat
 

astro_ebi

Mitglied
Hallo Mathias,
...Sie besteht aus 85% Wundbenzin bzw. Petrolether (leichtflüchtige Mischung niedrig siedender Alkane, hat nix mit Ether zu tun, heißt nur so, weil die LöMi-Eigenschaften dieser Mischung denen von Diethylether ähneln) und 15% Isopropanol (höchsten Reinheitsgrades, die Reinheit bestimmt den Preis).
Sehr wichtig ist bei dieser Empfehlung, das nicht nur Isopropanol sondern besonders das n-Hexan den höchsten Reinheitsgrad (analysenrein) haben muss. Es gibt Sorten von Petrolether (n-Hexan), die nicht geeignet sind und sgar beim Reinigen unlösbaren Film auf der Glasoberfläche hinterlassen.

Beim selbstmixen solcher "Mittelchen" schaue ich mir gern auch mal das Sicherheits-Datenblatt an. Meiner Meinung nach muss man nicht so "scharf" mit LöMi an die Optik gehen, um ein gutes Reinigungsergebnis zu erzielen; da ist mir dann dest. Wasser und Spülmittel lieber.
LG
Eberhard
 
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fbrand

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Hallo zusammen,

ich stand in den letzten Wochen mit Eberhard per E-Mail in Kontakt, die Reinigung der Schmidtplatte meines C11 stand an. Da ich so etwas noch nie durchgeführt hatte, musste diese Reinigung sorgfältig geplant werden, um nicht in einem Fiasko zu enden! Da die ganze Aktion nun abgeschlossen ist möchte hier in diesem Thread noch meine Erfahrungen mit Eberhards „Optical Cleaner“ teilen, kleine Anleitung zur Vorgehensweise bei der Reinigung der Schmidtplatte eines C11 ist inklusive!

Vorab noch ein Hinweis: Die Angaben in diesem Bericht erheben nicht den Anspruch einer korrekten Vorgehensweise, ich übernehme keine Garantie, dass dieses an anderen Teleskopen immer genauso funktioniert. Nachahmung bitte auf eigene Gefahr, es besteht immer die Gefahr der irreversiblen Beschädigung!

Die Ausgangssituation

Mein C11 ist mittlerweile 8 Jahre alt, wurde regelmäßig zur Planetenbeobachtung genutzt, die Optik wurde außer „Abblasen mit einem Blasebalg“ nie gereinigt. Wenn man mit einer hellen Taschenlampe in den Tubus hineinleuchtet bietet sich mittlerweile folgendes Bild:

Link zur Grafik: http://www.frankbrandl.com/webspace/schmidtplatte_vorher_klein.jpg
Abbildung 1: Schmidtplatte vor der Reinigung. Neben Staubpartikeln fällt auch ein „schmieriger Belag“ auf. Es wird Zeit für eine Reinigung! Hier klicken zur Großansicht!

Bei der Suche nach einer geeigneten Reinigungsmethode und einem geeigneten Reiniger bin ich bei der Internetrecherche auf verschiedene Quellen gestoßen. Insbesondere wurde ich auf diesen Thread hier um Forum und auf den folgenden Thread in Cloudy Nights aufmerksam. In dem CN-Thread ist recht gut beschrieben, was einen beim Ausbau der Schmidtplatte erwarten kann, bzw. wie die Vorgehensweise sein kann.

Bezüglich des Reinigers habe ich zwei Möglichkeiten in Betracht gezogen: „Optical Wonder“ eines bekannten Händlers und der hier beschriebene „Optical Cleaner“. Das Rezept für „OC“ steht ja hier weiter oben und so ging es an die Beschaffung der Zutaten. Verschiedene Reformhäuser und Drogerien wurden abgeklappert, jedoch konnte ich nur das destillierte und demineralisierte Wasser im Supermarkt finden, den Rest (Isopropanol 70% von Höfer-Chemie und "Klar Eco Sensitive“ von Almawin) wurde dann bei Amazon bestellt. Die Vorräte, die ich jetzt davon habe sollten die nächsten 100 Jahre reichen :)

Das Abmischen des „OC“ war einfach: 250 ml dest. und demineralisiertes Wasser, 40 ml Isopropanol 70% (Höfer Chemie) + einen Teelöffel Klarspüler „Klar Eco Sensitive“ von Almawin. Den so gemischten Reiniger habe ich nun gegen Optical Wonder an einem gewöhnlichen Kosmetikspiegel antreten lassen. Der Kosmetikspiegel wurde gereinigt und dann auf einer Seite mit „OW“ und auf der anderen Seite mit „OC“ kräftig eingesprüht und trocknen lassen. Die Flächen wurden anschließend mit einer starken Lampe untersucht. Ergebnis: Das OC entwickelt Schaum (ist ja auch 1 Teelöffel Klarspüler enthalten) und der Baader-Reiniger entwickelt keinen Schaum. Der Baader-Reiniger trocknet schneller an als OC. Der Baader Reiniger hinterlässt gaaanz geringe, nur unter einer starken Lampe sichtbare Rückstände (sieht aus wie kleine Hexagone, wahrscheinlich aufgrund des feineren Zerstäubers an der Sprühflasche). Das OC hinterlässt geringe Rückstände an den Stellen, wo die Schaumbläschen angetrocknet waren, ferner sind einiger "Fließstrukturen" im getrockneten Zustand erkennbar.

Ich habe daraufhin das OC noch einmal neu abgemischt, diesmal mit nur ca. 1/3 Teelöffel anstatt einem Teelöffel Klarspüler. Ein erneuter Test brachte eindeutig ein besseres Ergebnis!

Auf Basis dieses Tests habe ich dann die Entscheidung getroffen, dass ich das OC mit weniger Klarspüler verwenden werde. Das OC auftragen und nicht trocknen lassen, sondern nach einer Einwirkzeit von wenigen Minuten mit destilliertem Wasser nachspülen und dann mit einer großen Anzahl von sauberen Kleenex trockentupfen bzw. mit einem Blasebalg die Tropfen dann nach außen von der Schmidtplatte pusten.

Die Reinigungsaktion

Bevor ich mit dem Ausbau der Schmidtplatte begonnen habe, habe ich Latex-Handschuhe angezogen um nicht versehentlich Fingerabdrücke auf der Schmidtplatte zu hinterlassen. Dann wurde der Tubus so aufgestellt, dass die Schmidtplatte leicht nach oben geneigt war (etwa wie in dem CN Thread beschrieben). Nun wurden die kleinen Schrauben des Halteringes vorsichtig mit einem Kreuzschlitz-Schraubendreher gelöst. Die waren nicht besonders fest angezogen und ließen sich ohne Probleme lösen. Dann wollte ich den Haltering entfernen, dieses gestaltete sich schwierig: Der Haltering ist innen mit einem schmalen Kork-Streifen beklebt, dieser hatte sich anscheinend im laufe der Zeit mit der Schmidtplatte leicht verbacken, er wollte sich nicht lösen. Unter Anwendung „sanfter Gewalt“ gab er allerdings dann doch nach und ließ sich entfernen. Nun kamen interessante Sachen zum Vorschein: Auf ca. 3:00 Uhr war eine kleine Gravur auf der Schmidtplatte sichtbar (diese wird normalerweise durch den Haltering verdeckt und hat daher keine negativen Eigenschaften auf die optische Leistungsfähigkeit des Teleskops). Hier war ein „x“ und eine vierstellige Nummer (5652) eingraviert. Im Prinzip entfällt dann die Markierung der Schmidtplatte, da man ja das „x“ auf 3:00 Uhr nehmen kann. Ferner war die Schmidtplatte durch 3 Korkplättchen seitlich fixiert. Im Prinzip waren es 2 Korkplättchen und ein Pappplättchen. Die Position der Korkplättchen und der Schmidtplatte habe ich markiert und fotografiert, damit ich sie später wieder an ihre Stelle setzten kann. Nun wollte ich die Schmidtplatte herausnehmen. Dabei habe ich mit einer Hand leicht an der Sekundärspiegelhalterung gezogen. Problem: Die Schmidtplatte saß "bombenfest" und ich habe sie partout nicht heraus bekommen - scheint über die Jahre ebenfalls mit dem Kork der dahinter befindlichen Halterung "verbacken" zu sein. Ich wollte auch nicht zu fest an der Sekundärspiegelhalterung ziehen, da ich befürchtete, dann etwas zu beschädigen. Ich habe die Schmidtplatte dann so belassen und im verbauten Zustand außen gereinigt. Die Reinigung musste ich dann natürlich etwas anders durchführen als ursprünglich geplant, hat aber gut geklappt, der Reiniger war sehr gut und der Belag ließ sich bereits im ersten Durchgang vollständig ablösen! Anschließend habe ich mit destilliertem Wasser noch einmal nachgespült und mit vielen Kleenex-Tüchern "trockengetupft" (ein Tuch pro „Tupfer“). Bei der Reinigung habe ich auch bemerkt, dass die Verunreinigung auch lediglich außen und nicht innen war. Anschließend habe ich das Teleskop eine Nacht ohne Staubschutzdeckel trocknen lassen und habe am morgen den Staubschutzdeckel darauf getan, innen habe ich "Silica-Perlen" in einem kleinen Beutel mit eingepackt, diese sollte die restliche Feuchtigkeit dann herausziehen.

Hier mal die Ansicht nach der Reinigungsaktion:
Link zur Grafik: http://www.frankbrandl.com/webspace/schmidtplatte_nachher_klein.jpg
Abbildung 2: Schmidtplatte nach der Reinigung. Kleine Staubpartikel sind noch sichtbar (diese wird man auch nicht komplett entfernen können), allerdings ist der schmierige Belag vollständig entfernt worden! Hier klicken zur Großansicht!

Nacharbeit

Der Umstand, dass die Schmidtplatte „festgebacken“ war, ließ mir keine Ruhe. Per E-Mail hat mir Eberhard auch geraten, dass sie einmal raus muss. Das ist auch einleuchtend, da diese Verklebung ja prinzipiell zu Verspannungen führen kann (besonders bei Temperaturänderungen usw.) Die Schmidtplatte sollte ja spannungsfrei gelagert sein. Also ging es an einem anderen Tag noch einmal ran. Ich habe das Teleskop wieder so geneigt aufgestellt wie oben beschrieben, die Latex-Handschuhe noch einmal angezogen und dann mit dem Schraubendreher den Haltering entfernt. Ein kleiner Zug an der Sekundärspiegelhalterung erbrachte: Die Schmidtplatte sitzt fest. Nun habe ich einen ganz feinen und sauberen Pinsel verwendet. Ich habe den Pinsel in dem 70%-igen Isopropanol getränkt und dann ganz vorsichtig damit den Zwischenraum zwischen Schmidtplatte und dem darunterliegenden Kork eingestrichen. Von außen konnte man gut erkennen, wie das Isoporpanol schön in die Zwischenräume gekrochen ist. Das habe ich dann einmal komplett über 360° so gemacht. Nach einer kurzen Einwirkzeit habe ich dann noch einmal vorsichtig an der Sekundärspiegelhalterung gezogen und nach einem kurzen Knacken war die Schmidtplatte wieder frei! Juhuu! Anschließend habe ich die Schmidtplatte bei Seite gelegt, die Kork-Auflage gereinigt (Isopropanol) und das Ganze etwas trocknen lassen. Die Schmidtplatte war ja schon sauber, musste also nicht mehr gereinigt werden. Nach einer kurzen Trocknungszeit habe ich alles wieder zusammengebaut, hier halfen mir die vorher gemachten Fotos um die genaue Position der Schmidtplatte und der Korkplättchen wiederherzustellen. Nun habe ich eine saubere, spannungsfrei gelagerte Schmidtplatte!

Sorry, ist ein etwas längerer Bericht geworden aber hoffentlich trotzdem interessant. Danke auch noch einmal an "astro_ebi" für die Hilfe!

Gruß

Frank
 

astro_ebi

Mitglied
Hallo Frank,
danke für die Einschätzung zum "Optical Cleaner". Ein sehr schöner Bericht deiner Erfahrungen mit dieser Mixtur und der praxisnahen Anwendung. :super:

Die Verwendung von weniger Spülmittel (Tenside) hängt natürlich vom Verschmutzungsgrad des Oberfläche ab. Ich hatte es schon einleitend beschrieben, es dient dazu, die Oberflächenspannung der Reinigungsflüssigkeit zu senken und ölhaltige Schutzpartikel/Substanzen wie z.B. Pollen in der Flüssigkeit viel besser aufzunehmen; die rückstandsfreie Reinigung ist in der Praxis wirklich besser. Als ich vor dem digitalen Zeitalter noch die Filmentwicklungen meiner Astrofotos machte, kam neben dest. Wasser (demineralisiert) auch etwas Spülmittel in das letzte Entwicklungsbad (Reinigung). Damit blieben dann keine Trocknungsflecken und Schlieren auf dem Film übrig.

Du kannst diese sehr milde Mischung auch getrost noch einmal direkt auf die Schmidtplatte auftragen und mit den (vorher gewaschenen) Fingern auf der Glasfläche sanft verreiben; der schäumende "Optical Cleaner" sollte dann auch die letzten, hartnäckigen Pollenanhaftungen lösen. Direkt danach mit Kleenex Tüchern trocknen oder das vorherige Bad mit dest. Wasser wählen. Die Oberfläche wird im Ergebnis frei von Anhaftungen, Fett- und Schlieren sein.

Ein reines LöMi wie z.B. OW würde die Anhaftungen zwar ebenfalls lösen, aber unweigerlich Schlieren auf der Glasfäche zurück lassen. Durch fehlende Tenside kann die Mixtur nur schwerlich Fettanhaftungen und Schmutzpartikel aufnehmen. Die schnelle Verflüchtigung der Flüssigkeit verhindert die Aufnahme zusätzlich. Den Link zu CN kannte ich schon; dort wird die Praxis zum Ausbau einer Schmidtplatte und des Hauptspiegels gut beschrieben; zum Reinigen und Verbessern würde ich doch einiges anders machen. ;)

LG
Eberhard
 
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Haramir

Mitglied
Hallo,

vielen Dank für den Bericht.
Wichtig beim Reinigen ist halt, dass die Platte nicht zerkratzt. Alles andere klingt zwar wie die Operation am offenen Herzen, ist aber für die Abbildungsqualität nicht von Belangen. Kratzer hingegen schon.

Gruß Jens
 

nachtvogel

Mitglied
Hatte auch kürzlich erst das Schmidtplattenreinigungsritual ... allerdings bin ich einer von den durchgeknallten, die das mit Kollodium machen ;-)

Für kleine Sachen benutze ich immer das was ich liebevoll " Baader-Plörre" nenne, die ich eigentlich als sehr gut empfinde. Weiter oben wird berichtet, dass das nicht rückstandsfrei ist. Das hatte ich nur mit einer sehr alten Flasche, nie mit neueren (putz damit auch Fotoausrüstung usw.). Kann es sein, dass sich das Zeug im Laufe der Zeit ändert, z.B. durch Verdunstung?
Vermutlich ist das doch auch nur irgend so eine Alkoholmischung, oder?

nv



 

astro_ebi

Mitglied
Hallo nv,

wo bekommst du das Kollodium den her?
Denn ich hatte es früher auch benutzt, das Zeug ist wirklich nur im Freien ratsam. Heute bekommt man es gar nicht mehr so leicht, weil die Chemikalienverordnung den Handel von Kollodium ohne Lizenz verbietet?

Zudem ist Discofilm (Beispiel) da sicherlich ratsamer und einfacher zu bekommen als Kollodium...

Ansonsten ist die Zusammensetzung von OW ja auch bekannt; Ethanol 25%, Propan-1-ol 35%, der Rest ist destilliertes Wasser. Da kann ich auch Desinfektionsspray aus der Drogerie nehmen, das ist ähnlich in der Zusammensetzung und "etwas" preiswerter.

LG
Eberhard
 
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nachtvogel

Mitglied
Ja die Arbeit mit Kollodium ist in der Tat nicht ganz ohne. Wenn man es mal raus hat ist es aber eine konkurrenzlose Reinigungsmethode. Und in geschlossenen Räumen stellt sich nur die Frage ob man zu erst erstickt oder in die Luft fliegt ;-)

Diskofilm, das Schallplattenzeugs müsste ich auch mal gehabt haben, war glaub ich eine große schwarze Flasche, hab ich mal für Sensoren hergenommen. Geht gut und stinkt in der Tat wesentlich weniger :)

Das Kollodium habe ich bis jetzt in der Apotheke bei uns bekommen. Allerdings war das letztes mal schon ein Kampf bis ich erklärt habe wofür ich einen Liter von dem Zeugs brauche. Wenn ich nicht recht entsinne musste ich beim letzten mal ... ca 1,5 Jahre war das glaub ich, auch was unterschreiben und hab es auch erst ein paar Tage später bekommen. Wäre sehr ärgerlich wenn das jetzt gar nicht mehr zu kaufen wäre .....

Und wenn ich mich recht erinnere, war die letzte Flasche auch plötzlich absurd teuer.

Ok, bei OW hätte ich einfach mal aufs Ettiket kucken können, auf die Idee kam ich gar nicht, dachte wäre was Supertollgeheimes.

Ethanol 25%, Propan-1-ol 35%, der Rest ist destilliertes Wasser??? Puh ... wenn es seinen Zweck erfüllt ist es ja ok, aber da ist der Preis gelinde gesagt ein Witz.

Danke für die Erkenntnis.

nv

Edit: Grad gesehen, daß es den Discofilm immer noch gibt. Glaub ich bestell mal paar Flaschen :)

 

fbrand

Mitglied
Hallo Nachtvogel,

Zitat von nachtvogel:
Weiter oben wird berichtet, dass das nicht rückstandsfrei ist. Das hatte ich nur mit einer sehr alten Flasche, nie mit neueren...
Da hast Du allerdings recht, der Versuch wurde mit älterem "OW" durchgeführt, war schon ein paar Jahre alt.

Zitat von nachtvogel:
Kann es sein, dass sich das Zeug im Laufe der Zeit ändert, z.B. durch Verdunstung?
Wäre eine Erklärung, dass sich im Laufe der Zeit durch Verdunstung doch die ursprüngliche Zusammensetzung etwas verändert. Also vorsicht bei altem OW!

Gruß

Frank
 

Miquel Prado

Mitglied
Habe jetzt eine berührungsfreie, relativ schnelle und kostengünstige Methode gefunden, mit der man zumindest den lockeren Schmutz wie Staub und ähnliche Kleinpartikel komplett entfernt bekommt.
Man trage "Latex extra dickflüssig" mit einem Pinsel auf Spiegel, Okular etc. auf.
Dabei nicht mit dem Pinsel "malen" im klassischen Sinne, sondern den Latextropfen eher nur von oben berühren und die Breite ziehen. So die komplette Fläche mit dem Latex überziehen. Ruhig grosszügig (nicht zu dünn) auftragen. Darauf achten, dass die Spiegel/Glass Fläche nicht mit dem Pinsel selbst in Berührung kommt.
Der Latex ist derart dickflüssig, dass man nicht befürchten muss, er würde zwischen Glass und Okularfassung laufen. Nach 30-60 min ist der Latex getrocknet und kann in einem Stück abgezogen werden. Er nimmt dabei sämtlichen Schmutz mit. Der Trocknungsvorgang kann mit einem Haarföhn beschleunigt werden. Hier ein Link zum Latex. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Ammoniakgehalt möglichst niedrig ist, wie bei diesem hier:
 
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