Erfahrung mit Explore Scientific Großferngläsern

astrofax66

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Hallo Community,
vorerst Frohe Weihnachten !
Hätte da wieder mal eine Frage: bin schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem ordentlichen Fernglas.
Grund - da ich mein Teleskop noch nicht fix aufgestellt habe, möchte ich halt gerne, ganz schnell und unkompliziert einige Himmelsobjekte öfters beobachten können.

Bin jetzt vermutlich fündig geworden:
Explore Scientific Großfernglas BT-82 SF 24x82mm mit 62 Grad LER-Okularen 20 mm - Kosten so ca. 1300 Euro.
Hierbei ist die U-Montierung bzw. ein Stativ (Kosten ca. 700 Euro) noch nicht enthalten.

Hat jemand von Euch Erfahrung mit Explore Scientific Großferngläsern?

Danke und LG,
Hans
 
Hallo Hans,

auch frohe Feiertage. Kenne das Glas nicht persönlich, aber liest sich und sieht aus wie ein Klon der APM/TS 82er Binos.

Denke die Testberichte dafür, die recht häufig sind, helfen weiter.
Ich selbst hatte nur die APM 82 SD Version. Großartiges Glas und absolut tolle Bilder. Die Achro-Version ala ES dürfte bei kleinen Vergrößerungen ähnlich ästhetische Bilder zeigen, aber bei 30x bis 40x ist dann halt vermutlich Schluss.
Was man damit alles sieht, hängt dann natürlich sehr vom Beobachtungsort ab.

Gruß
Florian
 
Hallo Hans, ich glaube nicht das es ein Klon der APM ist, es wird das gleiche Glas nur anders lackiert und anders gelabelt sein. APM scheint sich beim Hersteller nur exklusive Rechte für die ED und SD Optiken gesichert zu haben, denn diese gibt es meines Wissens nur bei APM. Bitte bedenke das es die ES Gläser nur mit 45* Einblick gibt, da diese non ED Gläser eher nur astronomisch Sinn machen, würde ich eher zu einer 90* Version greifen. Optisch sind diese Gläser aber wirklich sehr sehr gut (hatte selber das SA 70mm), egal welches Label drauf steht. Bei APM hast du halt zusätzlich eine Prüfung der Kollimation.
Gruß Holger
 
APM scheint sich beim Hersteller nur exklusive Rechte für die ED und SD Optiken gesichert zu haben
ED gibts als 100er auch von TS. Und gerade TS und APM sehen absolut baugleich aus
Vixen hat noch ED, die haben aber ein anderes Design. Gleiches gilt für Oberwerk. Die haben 70/82/100 als ED und 100 und 120, meine ich, auch als SD. Hatte auch mal ein Oberwerk 70ED. Ebenfalls sehr solide Ausführung und deutlich günstiger als APM.

Kann man vmtl ewig drüber debattieren... ;)

Gruß
Florian
 
Hi zusammen

ich habe ein 82SA von TS. Sehr solide und auch eine gute, achromatische Optik, gut kollomiert. Für max 40-50x sehr schön. Ist seit letztem Sommer mein Urlaubs- und Schnellspechtelbino.

Ein wesentlicher Unterschied der Oberwerk-Binos sind die kleineren Prismen. Ich meine mich zu erinnern, dass mit denen maximal 22-23 mm Feldblendendurchmesser ohne Vignettierung ausgeleuchtet werden.

VG
Andreas
 
Ich bringe den Thread nochmal nach oben weil ich seit kurzem das Explore Scientific 100mm habe. Zuerst überlegte ich das APM SD zu kaufen, aber bei 3000€ war ich dann doch unsicher ob sich das rentiert. Dann habe ich das von ES gesehen für weniger als die Hälfte und dachte mir - das probier ich mal.

Und was soll ich sagen, schon beim ersten durchschauen war ich total baff ob der überraschend hohen Qualität. Bei Tuben sind hervorragend justiert und liefern ein superklares Bild. In Verbindung mit den Morpheus 17,5 hat man das Gefühl man schaut durch ein Swarovski NL. Wird jetzt keiner glauben, aber es ist wirklich so! Kein Vergleich zu diesen geradsichtigen Großferngläsern mit schlechter Justage und untauglichen Okularen.

Obwohl es kein ED ist muß man bei 32-fach lange nach Farbfehlern suchen. Man braucht schon einen schwarzen Vogel vor hellem Hintergrund um ein bißchen Blaulicht zu finden. Selbst bei 55x ist das Bild noch sehr scharf, Mond eindrucksvoll, lediglich helle Sterne sind dann nicht mehr ganz so toll. Höhere Vergrößerungen gingen zwar auch noch, aber dann geht für meinen Geschmack das Fernglas-Feeling verloren. Dafür nimmt man besser den Dobson mit Binoansatz.

Desweiteren hat das Glas ein edles Design und eine excellente Verarbeitung die man zu diesem Preis kaum glauben kann. Einziger Schwachpunkt sind die Okularaufnahmen die so knapp gefertigt sind dass man die Okulare nur schwer rein und raus bekommt. Da ist jedesmal viel Kurbelei notwendig. Prismen sind etwa 26mm groß, so dass 32er Plössl eine deutliche Randabschattung zeigen.
Mit der APM Einarm-Montierung ist die Bewegung und Balance problemlos, lediglich das Wackeln bei der geringsten Berührung nervt weil der Arm zum Ende hin zu dünn wird für ein 7kg Fernglas.

Klare Kaufempfehlung, auch wenn mich der Unterschied zum SD immer wieder beschäftigt.
 
Gestern konnte ich das Explore Scientific 100mm erstmals richtig testen. 6.8mag im Zenit, die klarste Nacht seit Jahren.

Die besten Objekte im Frühling für so ein Fernglas sind ohne Zweifel die bekannten Sternhaufen des Winterhimmels. M35, 36, 37, 38, 48, 67 usw. Mit den 17er Morpheus hat man einen Anblick den kein Einzelfernrohr auch nur annähernd erreichen kann. Jedes mal schockierend wenn man ein Auge zumacht, wie langweilig die Objekte plötzlich werden. Mit 2 Augen hat man den Eindruck am Raumschiff-Fenster zu stehen, während die Morpheus ein glasklares Bild über das komplette Feld bieten.

Galaxien habe ich auch einige probiert, aber hier sind nur die größeren Kaliber sehenswert wie M51, 81-82, Leo-Triplet. Die 55-fache Vergrößerung war hier hilfreich um das ein oder andere Detail rauszuholen. Schwächere Exemplare kann man aber eher vergessen, im Virgohaufen sieht man zB. nur hier und da mal einen Blob.

Mit M13 habe ich mich dann noch länger beschäftigt. Hier mußte ich dann schon die 5mm Pentax aufbieten damit ein bißchen was ging. Dann zeigten sich so um die 30 Einzelsterne, aber hier muß ich konstatieren fehlt es doch an Öffnung. Der Anblick war eher matt, 2x 6 Zoll wären hier wünschenswert, oder gleich den Dobson nehmen.

Immerhin zeigte sich dass das Fernglas auch bei 110-fach noch ein ordentliches Bild liefert. Lediglich der linke Tubus zeigt leichte Schwächen wenn sich Sterne dem rechten Bildrand nähern. Ich vermute dass der linke Tubus benutzt wird um beide Seiten parallel zu bekommen und dadurch ist dieser in sich nicht mehr ganz optimal justiert. Aber das ist nur bei genauem Hinsehen von Belang, ansonsten ist die Bildqualität für ein Fernglas aller Ehren wert.

Der aufgehende Mond war dann auch noch interessant. Zwar leistet der Dobson mit Bino mehr, aber das seitenrichtige Bild und die Tatsache dass man ungefähr in die Richtung schaut in der das Objekt tatsächlich steht, sorgt dafür dass alles viel echter aussieht.

Zum Schluß noch die Frage welches der vielen Modelle man nehmen soll? Ich persönlich ziehe generell erstmal den 45°-Einblick vor, weil man mit diesem auch gut tagsüber beobachten kann. Bei 70° Höhe ist aber Schluß, da wäre dann die 90°-Version zu bevorzugen welche aber wieder den Nachteil bei horizontnahen Objekten hat wo man Richtung Boden schaut.

Als nächstes die Größe? Die 100mm halte ich schon für das mindeste was man für Astronomie haben sollte. Das 70mm ist eher für Tagbeobachtung gut, für Astro noch zu klein. Das 82mm ist ein guter Kompromiss wenn man es handlich haben will. Beim 120mm hingegen steigen Preis, Gewicht und Größe schon stark an, ohne zum 100mm einen großen Leistungssprung zu bieten. Das 150er wäre eigentlich ideal in Sachen Leistung, aber halt schon eine ganz andere Investition. Ich glaube das 100mm bietet den besten Kompromiss, leicht zu handhaben und man verschießt nicht allzu viel Geld.

Letzte Frage ist noch SA oder SD? Ich finde die achromatische Optik schon erstaunlich gut, bei niedriger Vergrößerung hat man praktisch keine Einbußen. Bei hoher Vergrößerung kann die SD-Version sicherlich noch ein paar Zehntel an Größenklasse mehr rausholen und tagsüber ist es sicherlich nice to have. Bis zum 100mm würde ich mit den gemachten Erfahrungen jetzt wohl doch zum SD greifen. Beim 120mm erscheint mir aber der Preisunterschied zu heftig und man muß sich auch fragen wie schnell so eine immer noch recht kleine Optik dann doch wieder ausgereizt ist?
 
Also ich habe mir das 120 iger SA von TS geholt. (Egal ob APM, TS, oder sonst was die Linsen dürften eh vom selben Hersteller sein)
Mich hat es schlicht weg umgehauen was damit schon geht.
Ich würde es jederzeit wieder kaufen.
War mir auch nicht schlüssig ob 45 oder 90 Grad.
Aber einen Tod muss man ja wohl sterben. Den angenehmere Tod war dann doch der mit 90°.
Das Gewicht ist beim 120 iger. schon enorm. Ein guter unterbau ist da schon extrem wichtig das die Ganze Sache auch Spaß macht.
 
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