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Erinnerungen an Thomas Heising

Nils_Eggert

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Liebe Optik-Fans und Astrofreunde,

der Schrecken des Jahres 2020 nimmt leider kein Ende. Habe ich bereits zwei liebe Menschen aus meinem Bekanntenkreis verloren, muss ich jetzt noch einmal Abschied nehmen. Ich bin immer noch sehr traurig darüber und kann es immer noch nicht fassen.
Thomas Heising ist am 24.12.2020 von uns gegangen. Es kam aus heiterem Himmel und völlig unerwartet, besonders deshalb, weil ich ihn noch vor 2 Monaten besucht und wir eine schöne Zeit hatten. Die Familie möchte die Todesursache nicht veröffentlichen, weshalb ich Euch bitte von Nachfragen diesbezüglich abzusehen.
Viele werden ihn als die "Materialzentrale" der VdS kennen. In den 90ern war das Thema Spiegelschleifen noch nicht sehr bekannt und so war Thomas von der VdS einer der wenigen, die Material dazu angeboten hatten. Außerdem hatte er immer ein offenes Ohr für die Probleme bei der Herstellung von Spiegeln.
Ich habe Thomas im Jahr 1998 kennengelernt. Damals hatte mich auch das Spiegelschleif-Fieber gepackt und so bestellte ich bei ihm ein 8 Zoll Spiegelschleifset (noch eine der alten Duran 50 Scheiben). Wie aufregend die damalige Zeit war, besonders weil ich Anfang 20 war, muss ich nicht erwähnen. Man kann das nur verstehen, wenn man selbst einmal diesem Fieber erlegen war. Damals wohnte ich noch in Frankfurt am Main. Im Jahr 2001 sollte es mich dann in meine alte Heimat nach Mecklenburg Vorpommern verschlagen, und mein Fieber und auch der lose Kontakt zu Thomas riss nicht ab. Er hatte damals die Produktionsreste von Schott erworben und hatte mir eine dieser 8 cm dicken 14 Zoll Duranscheiben offeriert.
Und so entschloss ich mich eine dieser Scheiben zu erwerben und bei meinem Umzug nach MeckPomm bei Thomas persönlich abzuholen. Wie noch aufregender das war kann ich nicht in Worte fassen. Er war ja bereits als der Testguru bekannt, der damals auf diversen Teleskoptreffen mit Hilfe seines Planspiegels und Foucaultmessgerätes die Spiegel unzähliger Teleskopbesitzern begutachtete. Sicherlich nicht immer zu Freuden der Händler hatte er nüchtern und trocken die Wahrheit, ob gut oder schlecht, offengelegt. Und dann das erste mal in seine Werkstatt zu kommen, werde ich nie mehr vergessen. Besonders, weil da unzählige Rohlinge lagen und meine Augen immer größer wurden. Seitdem hatten wir immer wieder Kontakt. Ich lud ihn 2003 zu mir ein und wir veranstalteten zusammen mit der Sternwarte Rostock einen Spiegelschleifkurs. In den folgenden Jahren konnte ich ihn immer wieder zum Spiegelschleifen Fragen stellen und er beantwortete sie stehts mit seiner begeisternden Art. Er war genau der Richtige dafür. Er lebte das. Er erzählte mir mal, er wäre auch sehr gerne Feinoptiker geworden. Seine Passion ging soweit, dass er sogar ein freiwilliges Praktikum (im Urlaub!) in den ZEISS Werkstätten absolvierte, um die Herstellung von Planflächen zu perfektionieren.
In letzter Zeit hatten wir wieder öfter Kontakt und so beschlossen wir während meines letzten Besuchs eine Astrocamping Tour in 2021 zu unternehmen, sobald die Pandemie dies wieder zulassen würde. Leider wird dies nicht mehr stattfinden.
Ich werde die Zeit in seiner Werkstatt sehr vermissen und wünsche seiner Familie, Freunden und Bekannten die Kraft die schwere Zeit zu überstehen und ihn in positiver Erinnerung zu behalten.
Vielleicht gibts ja im Himmel eine kleine Ecke, in der er seine Schleifmaschine aufbauen und weiter machen kann.

Nils

P.S. diese Traueranzeige habe ich absichtlich hier im Optikforum platziert, da die meisten Leute, die ihn kannten, sich wohl hier am häufigsten treffen. Daher meine Bitte diese hier zu belassen.
 
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