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Gesteinsbestimmung Suevit?

Emissionsnebel

Mitglied
Hallo,

ist es für den Laien möglich, verschiedene Gesteinseinschlüsse in Suevit zu bestimmen? Bei bisheriger Recherche bin ich nur auf allgemeinere Hinweise gestoßen, aber z.B. die Info, dass Suevit einiges an Feldspat enthält, hilft mir nur bedingt weiter. Kennt da jemand eine gute Seite, oder sonstige Quelle, die mir weiterhelfen könnte?

Und ist es eigentlich für Laien auch möglich festzustellen, ob die Gesteine geschockt sind oder nicht, also eine Schockmetamorphose durchlaufen haben? Nachdem was ich bisher gelesen habe, sind Merkmale für geschockte Gesteine, wie z.B. planare Deformationselemente nur unter speziellen Mikroskopen sichtbar. Ebenso der Nachweis von den hochdruckformen von Quarz, Coesit und Stishovit, die in Nördlingen ein klares Indiz für einen Impakt sind. Aber gibt es noch andere Indikatoren dafür, die ich auch selbst nachvollziehen könnte?

Ich weiß, sehr spezielle Fragen zu einem speziellen Thema, das nur indirekt mit Astronomie zu tun hat, aber vielleicht kann mir ja trotzdem jemand helfen.

Viele Grüße
Kalle
 

DieterRei

Mitglied
Hallo Kalle,
das ist nun wirklich tiefste Geologie/Mineralogie; ich befasse mich mikroskopisch mit diesen Themen am Polarisationsmikroskop. Die Methode ist nicht zu verwechseln mit der einfachen Polarisationsmikroskopie, es werden spezielle Objektive und Mikroskope benötigt. Diese Untersuchungen führt man an Dünnschliffen durch, deren Herstellung ein eigenes Thema ist. Es würde aber wirklich jeden Rahmen sprengen hier auch nur ansatzweise in die Themen einzusteigen. Ich kann Dich daher nur auf das Mikroforum und einschlägige Lehrbücher verweisen.
Neben der Mikroskopie kann man in einer ersten Grobbestimmung die Gesteine auch makroskopisch mit der Lupe untersuchen, siehe Lehrbücher.
CS
Dieter
 

Emissionsnebel

Mitglied
Hallo Dieter und Jiri,

danke für eure Antworten. Ok, also gibt es keinen einfachen Weg, das hab ich mir schon fast gedacht.

Neben der Mikroskopie kann man in einer ersten Grobbestimmung die Gesteine auch makroskopisch mit der Lupe untersuchen, siehe Lehrbücher.
Darauf hatte ich gehofft! Kannst du für den speziellen Fall etwas empfehlen, oder würde da ein einfachstes Gesteinsbestimmungsbuch reichen?

Danke euch,
Kalle
 

DieterRei

Mitglied
Hallo Kalle,
Deine Vorkenntnisse sind mir natürlich völlig unbekannt. Ich würde einfach beim großen Fluß mal nach dem Thema suchen, i.d.R. sind ein paar Seiten inkl. Inhaltsverueichnis zu sehen, auch die Zielgruppe wird meist genannt.
CS
Dieter
 

j.gardavsky

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Hallo Kalle,

Ich habe kein Bestimmungsbuch, aber für einige Mineralien, die auch zu meinen Hobbies gezählt werden dürften, benutze ich ein altes ZEISS STEMI Stereomikroskop. Und als eine hochvergrößernde Lupe nehme ich in die Hand das alte Leitz LL 20x Mikroskopobjektiv - viel besser geeignet als die aplanatischen Lupen von Carl Zeiss Jena und von anderen namenhaften Herstellern.

Sollte Dein Interesse länger anhalten, dann würde sich eventuell eine Anschaffung eines Stereomikroskops lohnen. Die gebrauchten, die kosten kein Vermögen, und die Okulare aus dem Zubehör, wie die Carl Zeiss E-Pl, S-Pl und W-Pl sind auch für die Astronomie hervorragend gut geeignet. Ich benutze diese Okulare für die größeren lichtschwachen galaktischen Nebel, und auch für die IFN.
(Die Stereomikroskope werden aber nicht, und können auch nicht, für die Polarisationsmikroskopie eingesetzt werden.)

Viel Spaß,
Jiri
 

Emissionsnebel

Mitglied
Super, danke für eure Antworten und die Empfehlungen.

Neben der Mikroskopie kann man in einer ersten Grobbestimmung die Gesteine auch makroskopisch mit der Lupe untersuchen, siehe Lehrbücher.
Da hab ich mich mal ein bisschen rangesetzt und hab auch erste Ergebnisse. Was ich sicher bestimmen kann, sind kleinere Einschlüsse von Kalkstein mit einer Länge bis zu 1cm, die meisten eher kleiner. Außerdem - etwas seltener vertreten - kleine Feldspateinschlüsse. Granitartiges Tiefengestein lässt sich auch ab und an erkennen, teilweise sogar über 1cm Einschlüsse. Ich tippe auf Granit, kann aber auch Granodiorit oder ähnliches sein, dass kann ich nicht genau bestimmen. Dürfte aber aufjedenfall Gestein aus dem Grundgebirge sein, das bei dem Asteroideneinschlag zertrümmert und herausgeschleudert wurde. Verrückte Vorstellung :oops:
Das dunkle Impaktglas war natürlich leicht zu erkennen, geschmolzener Ton- und Sandstein aus dem mesozoischen Deckgebirge. Einige Kristalle und Einschlüsse konnte ich aber auch garnicht zuordnen. In dem Granitgestein sind aber teilweise zahlreiche kleine (~0,5mm) blutrote Kristalle. Könnte das Granat sein?
Die feine Matrix ist sehr kalkhaltig, das hab ich mit Salzsäure getestet.
Bevor ich die Salzsäure draufgetröpfelt habe, habe ich aber einen Magneten durch das feine Pulver gezogen, weil ich wissen wollte ob wohl auch magnetisches Material enthalten ist. Tatsächlich blieb einiges hängen.

20210128_131826.jpg

Was könnte das alles sein? Der Asteroid ist beim Einschlag ja verdampft, aber könnte es sein, dass er teilweise wieder kristallisiert ist, oder sonst irgendwelche Spuren von ihm im Suevit zu finden sind?

Viele Grüße
Kalle
 

47Tau

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Hallo Kalle,
sowiet ich das in Erinnerung habe, gibt es so gut wie nichts an Überrest des Impaktors. Allerdings vor vier Jahren wurde erstmals ein Einschluß entdeckt, den man als Überrest des Meteoriten betrachtet. DA gabs eine Info zu...
Gruß
Thorsten
 

Emissionsnebel

Mitglied
Hallo Thorsten,
Danke für den Link, sehr interessant!
Gut, dann sind das wohl alles irdische Metalle. Hat jemand eine Idee, um welche magnetischen Gesteine es sich handeln könnte? Sedimente sind ja nicht magnetisch, also vielleicht irgendetwas magnetithaltiges? Mich wundert eben nur, das die magnetischen Einschlüsse so winzig sind, im Gegensatz zu anderen Gesteinseinschlüssen im Zentimeterbereich. Deshalb dachte ich eben, dass da Spuren vom Impaktkörper dabei sein könnten.

Viele Grüße
Kalle
 

47Tau

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Hi, Kalle,
auch dazu gibts eine Erklärung. Hier. Demnach "konnte aber gezeigt werden (Pohl 1965), dass auch die Suevite eine beträchtliche Magnetisierung besitzen konnten". Zitat aus dem Artikel
Gruß
Thorsten
 

47Tau

Mitglied
Erklärung nicht im Sinne einer Ursache, aber dass es mit dem Impakt zu tun haben müßte ist natürlich naheliegend.
War aber auch eher als Hinweis gedacht, dass magnetisierte Teile dort nicht selten sind. Auch bei meinen Handstücken ist das feststellbar.
Gruß
Thorsten

P.S. Wobei natürlich die starke Magnetisierung von z.B. Basalten (kristallines Grundgestein) auch ein starkes Argument ist ;)
 
Zuletzt bearbeitet:

Emissionsnebel

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Hallo Thorsten,

Naja, die Frage ist aber, ob es sich um magnetische Teile des Impaktors, oder um magnetische Teile aus der Erdkruste handelt. Dass Suevit keine Stücke des Asteroiden im Sinne eines Bruchstücks enthält ist klar, hast du ja auch oben geschrieben, aber vielleicht in Form geschmolzenem Metalls in kleinen Kügelchen? Oder eben Gestein aus magnetischen Mineralien aus der Erdkruste. Aber zumindest menschliche Herkunft kann man ausschließen, genauso wie die oberen Schichten der Erdkruste, da Sedimentgestein wie Jura-Kalke nichts magnetisches enthalten, soweit ich weiß.
Aber gut zu wissen das meine Proben keine Ausnahmen darstellen.

Gruß
Kalle

P.S. Hab dein P.S. erst jetzt gesehen...
 

47Tau

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Hallo Kalle,
ich bin zwar in der Sache auch nur dilettierender Laie, aber meines Wissens enthält auch Kalkstein magnetische/magnetisierte Minerale. Allerdings nur schwach. Ob das für den Nachweis mittels Magnet ausreichend sein kann oder ob es diffizilerer Nachweismethoden bedarf ist mir leider nicht bekannt. Da hast du mich wieder an meine Gesteinssammlung geführt :cool:

Vielleicht kann uns ja einer der Cracks hier Hinweise geben.
Gruß
Thorsten
 

Emissionsnebel

Mitglied
Hallo Thorsten,

also im Spektrum.de Lexikon steht zu dem Thema Gesteinsmagnetismus folgendes:
"Die wichtigsten natürlichen ferrimagnetischen Minerale sind der Magnetit, die Titanomagnetite und der Magnetkies. Bereits winzige Spuren dieser stark ferrimagnetischen Minerale dominieren die magnetischen Eigenschaften der Gesteine. Der Gehalt an stark magnetischen Mineralen hängt von der Lithologie ab. Am stärksten magnetisch sind neben den Eisenerzen mit hohen Konzentrationen an Magnetit die magmatischen Gesteine, allen voran die Basalte, die in den Ozeanen riesige Flächen bedecken. Basisches Gestein (Basalt, Gabbro, Serpentinit, Grünschiefer, Amphibolit) ist stärker magnetisch als saure Gesteine (Granit, Syenit). Rote Sandsteine können durch ihren Eisengehalt auch recht stark magnetisch sein. Sehr viel schwächer magnetisch sind Sedimente (Kalkstein, heller Sandstein) und die meisten metamorphen Gesteine (Gneis)."

Die Partikel die ich mit dem Magneten angezogen habe, sind keine Kalksteine. Erstens hätte dann nämlich ein Haufen Kalkpulver am Magnet hängen müssen, zweitens sehen die meisten auch anders aus. Basalte sind in Suevit meines Wissens nicht enthalten, also tippe ich entweder auf Eisenerz (Magnetit,...) oder tatsächlich - wenn das theoretisch überhaupt möglich ist - auf Spuren des Impaktkörpers.

Aber wie du ja schon sagst, vielleicht kennt sich ja hier noch der ein oder andere damit aus und kann helfen.

Gruß
Kalle
 

47Tau

Mitglied
Hi,
ohne das jetzt ins Uferlose auszuweiten möchte ich doch noch auf zwei Arbeiten hinweisen:
1. Eine Veröffentlichung von Stuart Gilder und Jean Paul aus dem Jahr 2018 mit dem Titel "Magnetic Signatures of Terrestrial Meteorite Impact Craters: A Summary".
Ein Punkt der Diskussion liegt dabei auf der Frage, inwieweit große Impakte durch Druck und Hitze in der Lage sind, magnetische Eigenschaften von Gesteinen der Zielgebiete zu verändern - in dem Sinne, dass die ursprünglich eingeschriebene Ausrichtung verloren gehen und modifiziert werden kann.
2. "Enhancement of magnetic signatures of impact structures" von Gordan R.J. Cooper aus 2005. Er geht darin neben der eigentlichen Frage der Messungen auch auf die "noch wenig verstandenen Abläufe" ein im Zusammenhang mit "Re-Magnetisierung" durch die Einschläge.

Ist also noch Forschungsgebiet... es bleibt spannend. :)

Gruß
Thorsten

 
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