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Hallo aus der Pfalz

thludwig

Mitglied
Hallo zusammen.

Ich bin neu hier, männlich, Baujahr 68 ♌ (verheiratet, 2 erwachsene Kinder), komme aus der Pfalz und wohne dort auch.

Ich hab mir erst vor ein paar Tagen einen lange unter der Oberfläche ruhenden, ab und an nach oben durchbrechenden und dann wieder zurückgedrängten Jugendtraum erfüllt und mir ein gebrauchtes Teleskop (Dobson 254/1250 von Omegon, Details weiter unten) gekauft. Ich starte jetzt erst mal gemütlich mit dem Mond und ein paar der offensichtlichen Objekte am Himmel, will mich dann aber mit etwas Erfahrung mit dem Gerät an Jupiter und Saturn wagen, wenn sie mal wieder gut am Himmel stehen, und dann irgendwann auch mal an Nebel und Galaxien. Stück für Stück vorantasten. Von der Fotografie lasse ich erst mal die Finger weg, dafür ist ein Dobson ja eher ungeeignet von wegen Nachführung bei längerer Belichtung etc.

Ich hoffe, bei eventuellen Fragen ein paar gute Praxistipps von erfahrenen Leuten zu kriegen und verspreche, dass ich mich benehmen werde :giggle:

Gruß
Thorsten

So, das war die Kurzfassung. Wer Lust und Zeit hat, darf gerne weiterlesen ;)

Warnung: als Pfälzer schwafle ich gerne, es folgt jetzt ein längerer Text…also entweder den Zurück-Button betätigen oder Kaffee/Tee/Weinschorle/etc. holen, vielleicht auch einen kleinen Snack, um Ermüdungserscheinungen entgegenwirken zu können.

Ich bin recht neu im Thema Astronomie, wenn man mal von meiner bereits sehr früh aufgekeimten Begeisterung für das Thema Weltall absieht. Natürlich war da immer der Wunsch nach einem Teleskop, aber früher war das für mich einfach nicht bezahlbar. Da ich ein anderes Hobby zum größten Teil aufgegeben und einen Teil der Gerätschaften verkauft habe, war jetzt Geld für ein neues Hobby übrig. Angefangen habe ich Ende letzten Jahres mit einem Fernglas (das 20x80 Triplett von TS Optics). Naiv, wie ich nunmal bin, war ich der Meinung, mein Kamerastativ aus Aluminium würde schon reichen, das Ding einigermaßen wackelfrei zu positionieren. Naja, nein, nicht wirklich. Ich meine, es war schon beeindruckend, wieviel Licht und für meine Augen unsichtbaren Dinge da oben plötzlich zu sehen waren. Die Pleiaden, andeutungsweise der Orion-Nebel, der Mond natürlich, waren schon schön anzuschauen. Aber das Stativ war einfach zu gakelig und auch viel zu klein, so dass ich mich da immer verbiegen musste, wenn es weiter Richtung Zenit ging….mit fortschreitendem Alter nicht gerade das, was man außerhalb der Seniorengymnastik zu oft machen sollte.

Ich hab mich also informiert und musste feststellen, dass das Geld, was ich in ein einigermaßen gutes und stabiles Stativ investieren müsste, schon eine nette Anzahlung für ein Teleskop darstellt. Meine Google-Suche änderte sich schlagartig und ich informierte mich über die verschiedenen Teleskoparten. Dabei stolperte ich zwangsläufig auch immer wieder in dieses Forum. Angemeldet habe ich mich allerdings nicht, weil ich schon in den 80ern in den Mailboxen unterwegs war und in den 90ern schnell den Bogen zu den Internet-Foren geschlagen hatte und somit wusste, dass Foren ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten Meinungen sind. Gerne wird man dort durch neue Perspektiven dermaßen verwirrt, dass man überhaupt ncht mehr weiß, wo vorne und hinten ist. Daher habe ich hier immer wieder mal nach speziellen Themen gesucht und wertvolle Infos gefunden….schon jetzt danke dafür!

Meine Wahl ist auf ein 10“ Dobson von Omegon gefallen. Während ich mich noch mit der Entscheidung rumgeschlagen habe, ob ich das Advanced X nehme, wo ich das Push+ System anbauen kann, oder das besser gelagerte ProDob (wo das Push-System wegen besagter Lagerung nicht angebaut werden kann), habe ich bei ebay Kleinanzeigen ein Set aus Teleskop und diversem Zubehör nicht allzu weit weg von mir gefunden. Der Verkäufer hatte sich das alles erst 2020 geholt, hat dann aber Lust und Zeit daran verloren und hat jetzt angefangen, Gitarre zu lernen…..könnte ich gewesen sein. Ich hab 1550€ dafür bezahlt. Nachdem ich die aktuellen Preise mal durchgerechnet habe, fand ich das einen guten Preis (2.500 nur das Teleskop mit Push+ und den optischen Teilen).

Es handelt sich um ein Omegon Advanced X N 254/1250 mit dem erwähnten Push+ System schon angebaut (was ich ganz sicher brauchen werde).

Außerdem war das folgende Zubehör dabei:

Okular - Omegon 2 Zoll Panorama II 15 mm, 100°
Okular - Omegon 2 Zoll SWA 32 mm, 70°
Okular - Explore Scientific 1,25 Zoll 26 mm, 62°
Okular - Explore Scientific 1,25 Zoll 8,8 mm, 82°
Okular - Explore Scientific 1,25 Zoll 4,7 mm, 82°
Okular - Meade 1,25 Zoll HD-60 6 Element, 6,5 mm
Barlow Linse - Explore Scientific Fokal Extender 3x 2 Zoll
Okularauszug - Omegon Steeltrail 2'' Newton Crayford, Dual Speed
Filter- Omegon 2 Zoll Variable Polarising, drehbar
Filter- Omegon 1,25 Zoll Premium-Mondfilter
Omegon Justier- Laser Newton 1,25 Zoll mit Sichtfenster
Vixen Stirnlampe SG- L01 Rot & Weißlicht
Justierokular Cheshire 1,25 Zoll

+ ein kleiner Alukoffer mit Würfelschaumstoff für die Okulare.

Am letzten Sonntag (18.4.) hab ich das ganze abgeholt. Da der Himmel dauerverhangen war, hab ich zuhause erst mal versucht, von unserer Terrasse aus den Wasserturm in der Ortsmitte anzupeilen, um damit den Sucher auf das Teleskop auszurichten, wie ich es im Netz mehrfach gelesen hatte. Zu meinem Erstaunen ist es mir mit keinem der Okulare gelungen, ein scharfes Bild des Wasserturms zu bekommen. Ich dachte, es läge an der geringen Entfernung zum Wasserturm (ca. 500m, wie gesagt, ich bin recht neu im Thema), schließlich will ich damit Dinge anschauen, die Hunderttausende oder gar Millionen von Kilometern weg sind. Am Dienstag war dann gegen Abend endlich mal eine ausreichend große Lücke rund um den Mond. Ich hab mit der kleinsten Vergrößerung angefangen, aber auch hier: kein scharfes Bild, mit keinem der Okulare. Ich hätte das Okular gefühlt noch ein ganzes Stück weiter rausdrehen müssen, aber es war bereits am Anschlag (auf die Idee, einfach mal das Okular etwas rauszuziehen, um meine Theorie zu überprüfen, kam ich leider erst viel später). Ich habe im Internet recherchiert, mehrfach justiert, konnte nichts entdecken, was ich falsch gemacht haben könnte. Ich wandte mich an den Verkäufer und er meinte, dass könne eigentlich nicht sein, dass es vielleicht durch den Transport verstellt sein könnte und wir können gerne mal telefonieren. Da ich bereits vorher Kontakt mit dem Astroshop hatte, hab ich dort mal nachgefragt und ein Bild vom Teleskop und dem OAZ mit einem Okular angehängt. Die haben sehr schnell geantwortet und meinten, dass der verbaute DualSpeed-Auszug (der wurde vom Verkäufer nachträglich angeschafft) ganz toll sei, weil man wegen der kürzeren Bauweise "mit einer Kamera in den Fokus komme" ......aber für die visuelle Beobachtung bräuchte ich eine 35mm Verlängerungshülse. Ich war sehr verwirrt, habe erst mal in den Kisten nach solch einer Hülse gesucht, die ich sicherlich vergessen hatte, anzubauen. Ich hab aber keine gefunden und habe mir daher vom Astroshop (danke für eure Geduld!) nochmals bestätigen lassen, dass mit dem aktuellen Setup kein scharfes Bild auf dem Auge möglich wäre. Ebenso habe ich den Verkäufer danach gefragt, auch, wie er denn ohne diese Hülse ein scharfes Bild hingekriegt hätte. Er meinte, er hätte halt so lange rumgedoktert, bis es einigermaßen gepasst hätte. Dass er für den OAZ eine Hülse benötigen würde, davon hätte er ehrlich nichts gewusst. Wenn bei seinen Herumdoktereien das gleiche Bild wie bei mir rausgekommen ist, wovon ich ausgehe, dann wundert es mich nicht, dass er die Lust daran verloren hat :rolleyes:

Ich hab also den (wesentlich größeren/längeren) Original-OAZ wieder angebaut, das Teleskop abends auf die Terrasse bugsiert und siehe da….gestochen scharfe Mondkrater…und am oben genannten Wasserturm kann ich mit dem 15mm-Okular in der Spitze der daneben stehenden Tanne die Zapfen zählen und sogar deren Schuppenstruktur erkennen….einfach der Hammer :cool:

Ich hab mir jetzt die vom Astroshop genannte 35mm-Verlängerungshülse und auch gleich einen zum Teleskop passenden Sonnenfilter (euro EMC SF100) bestellt, weil ich mit dem Rohr unbedingt auch die Sonne anschauen möchte. Die Sachen sind heute angekommen. Für den Sucher hab ich mir einen Sonnenfilter gebastelt, weil ich noch ein Stück Folie über hatte (für das TS Optics Fernglas habe ich mir auch einen Sonnenfilter gebaut). Ich freu mich schon auf den ersten vergrößerten Blick in die Sonne.

Ich hab mir im Baumarkt noch eine 19mm MDF-Platte und vier Rollen mit Bremse beschafft. Ich möchte diese Platte unter die Rocker-Box bauen, damit ich das Teleskop nicht immer auseinandernehmen muss, sondern einfach auf die Terrasse schieben kann. Dabei gilt es den Türrahmen sowie eine Stufe zu überwinden….ich plane, das mit entsprechenden Rampen zu lösen. Ich wollte die Rollen zuerst direkt an die Grundplatte der Montierung schrauben, hab mich dann aber dafür entschieden, eine Platte anzufertigen. In die Platte mache ich Bohrungen, in die ich dann die Füße der Montierung stelle, so dass ich sie jederzeit ohne Werkzeug wieder aus der Platte rausheben kann. Falls das rutscht, kann ich immer noch mit ein paar Zwingen oder im Notfall auch Schrauben fixieren. Wenn ich soweit bin, kann ich ja mal Bilder posten. Muss mal suchen, ob hier schon mal jemand sowas gemacht hat.

So, das war’s jetzt aber tatsächlich von mir….aufwachen, weitermachen!! :)
 
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Harald.

Mitglied
Na dann Thorsten, Willkommen!

Ich bin auch erst seit vier Monaten richtig aktiv. Wollte eigentlich nur Mond und Planeten, stellte aber schnell fest das auch mehr geht, obwohl ich in Stadtnähe wohne. Aufgrund meiner beruflichen IT-lastigen Vergangenheit haben mich vor allem die technischen Möglichkeiten interessiert und bin daher vordergründig bei der EAA gelandet. Ich wollte auch bei der Kälte nicht nur draußen sein.
 

Lloyd69

Mitglied
Servus Thorsten, na so schlimm und lang war dein Bericht dann doch nicht. Schön das Du zu uns gefunden hast. Also ein Willkommen in die Pfalz :)
 

thludwig

Mitglied
Hallo mal wieder.

Extra einen eigenen Thread dafür zu starten, erschien mir übertrieben, aber irgendwo hinschreiben wollte ich das trotzdem.
Nach dem die letzten Wochen wettermäßig ja eher sch..lecht waren und ich außer dem Mond so gut wie nix anschauen konnte, war gestern Abend mal wieder etwas klarer. Wir sind kurz nach Mitternacht nach Hause gekommen und ich dachte mir, schaust du mal ein bisschen in die Sterne....ohne Teleskop und hab mir das 20x80 geschnappt. Ich hab dann in Richtung des hellen "Sterns" im Süden geschaut und dachte mir, das könnte ja durchaus....Oh mein Gott....tatsächlich, da war er, der Jupiter mit den 4 Monden o_O Ich wusste, dass der im Juli wieder besser zu sehen sein würde, aber ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass er schon so gut steht. Dann war ich natürlich angefixt und hab das Teleskop auf die Terrasse geholt. Hammer!! OK, das Seeing war echt miserabel. Tagsüber war es recht warm, die Luft flimmerte stark und Jupiter stand direkt über einer "meiner" Straßenlampen. Aber trotzdem, das war schon beeindruckend, um nicht zu sagen GEIL! Auch mein Sohn war von den Socken und hat direkt Facts über den Jupiter gegoogelt und war noch mehr von den Socken, als er gelesen hat, wie weit der Kollege von uns entfernt ist.

Das war also mit meinen fast 53 Jahren das erste Mal, dass ich einen Planeten mit eigenen Augen gesehen habe :love: Wie ich gerade über Stellarium feststellen musste, wäre auch Saturn zu sehen gewesen, aber den hab ich nicht gesehen, weil er hat sich hinter dem Strommast verborgen hat, der vor unserem Haus steht.

Das war mein "first sight"...wenn man das so sagt :venus:

Gruß und besseres Wetter (auch oder gerade für die Opfer des Hochwassers!) !!
Thorsten
 
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