Halpha-Beobachtung und Fraunhoferlinie bei 656 nm

Eisenmeteorit

Mitglied
Hallo,

jetzt beobachtet ich die Sonne schon so lange im Halpha-Licht und spiele schon so lange mit dem Spektroskop herum und erst jetzt stellt sich mir eine Frage, die ich nicht beantworten kann.

Im Spektroskop ist die Linie C bei 656,281 nm dunkel, bedingt durch Absorption des entsprechenden Gases in der Sonnen-Chromosphäre.
Ein Halpha-Teleskop nutzt aber genau diese Wellenlänge, um das ionisierte Wasserstoffgas sichtbar zu machen.

Aber warum sehe ich dann im PST überhaut etwas, wenn die 656 doch bereits von der Sonne herausgefiltert wurden? :unsure:

Fragende Grüße
Frank

Drizzle30_SonnaHalpha.jpg
 

RaBaeh

Mitglied
Hallo Frank,
das Geheimnis lautet Emissionslinie und Absorbtionslinie.
Ich denke der kleine Denkanstoss reicht ;)

Grüße Rainer
 

halbetzen

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Nee, Rainer,
das hilft mir nicht. Warum kann ich im Nichtlicht einer Absorbtionslinie etwas sehen.
Gruesse
Dietrich
 
Zuletzt bearbeitet:

halbetzen

Mitglied
Hallo Rainer,
lange zusammenhängende Texte... Bedeuten sie, dass es dennoch Licht in einer Absorbtionslinie gibt.
Gruesse
Dietrich
 

Gerd_K

Mitglied
Die Chromosphäre sendet selbst Licht aus. Die Emissionslinie ist allerdings sehr schwach.
Im Bereich der Absorpionslinien kann nicht mehr auf die darunterliegende Photosphäre geschaut werden. In der Linie von 656,281nm wird das wenige Licht, das die Chromosphäre selbst aussendet empfangen. Dieses sieht man dann in den H-alpha Teleskopen.

Das ist vereinfacht geschrieben. Die Anregung und damit auch die Emission der Wasserstoffatome durch die darunter liegende Photosphäre ist umfangreicher zu beschreiben.

Viele Grüße
Gerd
 

mettling

Mitglied
Hallo Rainer,

wenn Du die Antwort auf diese Frage kennst, sage sie doch einfach.
Ich finde die Frage nämlich sehr interessant und absolut nicht trivial.

Meine Erklärung (nach Studium des verlinkten Artikels): das H-Alphalicht der Sonne wird beim Durchgang durch die Korona teilweise absorbiert und dann isotrop (= in alle Richtungen) wieder abgestrahlt. Das bedeutet, dass die Strahlungsintensität in Richtung Beobachter abnimmt.
Aber abnehmen bedeutet nicht auslöschen. Ein Teil des isotrop abgestrahlten Lichtes geht ja auch in Richtung Beobachter. Und zusätzlich wird auch ein großer Teil der H-Alphastrahlung die Korona unabsorbiert durchqueren.

Dietrich, deine Vermutung ist also richtig. Auch in der Absoptionslinie gibt es immer noch Licht, nur halt weniger als seitlich davon. Aber immer noch genug, dass man es mit einem H-Alphateleskop beobachten kann.
Das ist ähnlich wie mit den Sonnenflecken im Weißlicht. Die sind ja auch nicht richtig schwarz, sondern nur dunkler als die umgebende Sonnenoberfläche. Würde man sie isoliert betrachten, würden sie immer noch hell strahlen. Aber mit einem Weißlichtfilter ND5,0 erscheinen sie dennoch schwarz. Ähnlich die die Absorpionslinie des H-Alpha im Spektroskop. Die ist nicht schwarz, sondern nur dunkler als das umgebende Spektrum.

Bis dann:
Marcus

EDIT nach Lektüre von Gerds Posting.:
Ich dachte immer, die im Spektroskop beobachteten Absorptionslinien haben ihren Ursprung in der Korona. Ist das richtig oder liege ich da falsch?
 

Okke_Dillen

Mitglied
Moin,

wesentlich ist diese Erklärung, die so im "langen zusammenhängenden Text" steht (aka Wikipedia, Quelle):
Beides führt dazu, dass das Licht vom durchstrahlten Stoff bei dieser Frequenz diffus gestreut wird. Sofern ausreichend viele absorbierende Atome vorhanden sind, kommt es dadurch zu
  • einer dunklen Linie im kontinuierlichen Spektrum des durchscheinenden Lichts (Fraunhoferlinie);
  • einer hellen Linie vor dunklem Hintergrund, wenn das vom Gas seitlich austretende gestreute Licht analysiert wird.
Das Wort "diffus" ist dabei wesentlich (von mir hervorgehoben). Denn das bedeutet, daß Licht, das zuvor in unsere Blickrichtung unterwegs war (also von uns hätte gesehen werden können), nun ein Elektron anregt, das beim Rückfall ein Photon irgendwohin abgibt, also nicht notwendigerweise bzw nur noch zu einem statistischen Anteil in unsere Richtung. Meistens wird das Photon also in irgendeine Richtung abgegeben und deswegen auch nicht in unserem beobachtenden Auge landen, sondern woanders -->dunkel ;)

Gruß
Okke
 

Eisenmeteorit

Mitglied
Erst einmal meinen Dank für die (auf)klärenden Texte.

Bei den Protuberanzen hatte ich mir den emittierenden Vorgang schon vorgestellt, denn hier wird die Halpha-Wellenlänge ja oberhalb der Chromosphäre erzeugt und kann durch diese nicht weggefiltert werden.
Nur für die Sonnenoberfläche versagte meine Vorstellungskraft. Hier war ein Gedanke sogar, ... dass die HWB des Filters ja rechts und links neben der Halpha-Linie noch "Licht" durchlässt und dadurch der Kontrast zur dunklen 656nm-Linie erzeugt wird.

Als Fazit für mich nehme ich also mit, dass die innnerhalb oder oberhalb der Chromosphäre erzeugte 656nm-Linie, von der Intensität nicht ausreicht, die dunkle C-Absorptionslinie in Spektroskop zu "erhellen".

Viele Grüße
Frank
 

Eisenmeteorit

Mitglied
Vielleicht als Anregung für diejenigen interessant, die auch ein Handspektroskop nutzen ....

... ein über einem Mikroskopfuß montiertem Spektroskop mit einfacher Skalenbeleuchtung, Durchlicht für die Filterbeurteilung und einschwenkbarem Mikroskopspiegel für ... z.B. die F. linien unserer Sonne.

Farbige Grüße
Frank

IMG_6230.JPG
 
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