Kaiser Yao und die älteste Beobachtung einer Supernova

jbrachte

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Wahrscheinlich geschah die älteste aufzeichnete Beobachtung einer Supernova in China im Jahr 2300 v. Chr. durch den legendären Kaiser Yao. Dafür argumentiert jedenfalls der Historiker Wu Jiabin in der letzten Nummer der Acta Astronomica Sinica. Das wäre dann mit Abstand die früheste aufgezeichnete Supernovabeobachtung. Wu zufolge handelt es sich um das Objekt PKS 1209-52 im Sternbild Zentaurus. Das Objekt ist ca. 3000 Lichtjahre weit entfernt. Es ist zwar optisch nicht mehr sichtbar, aber röntgenteleskopisch ist es gut untersucht, vor allem durch eRosita.

Allerdings stammt der schriftliche Beobachtungsbericht nicht von Kaiser Yao, sondern erst aus der Zeit der „streitenden Reiche“ (ca. 450-200 v. Chr.). In den „Bambus Annalen“ wird erwähnt, daß Kaiser Yao im 42. Jahr seiner Regierungszeit eine Supernova abseits der Milchstraße beobachtet habe. Der Historiker Wu hat in einem Katalog der Supernovaüberreste 20 mögliche Kandidaten gefunden, kommt aber zu dem Schluß, daß hinsichtlich des Alters und der damaligen Helligkeit nur PKS 1209-52 in Frage komme.



Viele Grüße
Johannes
 
Der Historiker Wu hat in einem Katalog der Supernovaüberreste 20 mögliche Kandidaten gefunden, kommt aber zu dem Schluß, daß hinsichtlich des Alters und der damaligen Helligkeit nur PKS 1209-52 in Frage komme.
Die Chinesen sind ja schon lange bekannt für ihre vorzüglichen Aufzeichnungen zu historischen astronomischen Ereignissen. Man denke nur an die Supernova von 1054 AD im Stermnbild Stier, dort wo jetzt der Krebsnebel als SN-Remnant steht. Von dieser berühmten SN existieren aus Europa nämlich genau null Berichte, weshalb man hierzulande wohl zurecht vom Dunklen Zeitalter spricht.

Der Supernova Remnant PKS 1209-51/52 = G296.5-+10.0 wurde erstmals Ende der Siebziger Jahre vom Einstein Observatory im Röntgenlicht gefunden. Die Wolter-Optik mit ihren mehrfach ineinander geschachtelten Spiegeln wurde am Goddard Space Flight Center gebaut, wo ich sie damals auch bewundern konnte. Seitdem wurden solche hochkomplizierten Röntgenoptiken auch von XMM-Newton und eROSITA eingesetzt. Die SN-Remnants wurden aber auch mit Radioteleskopen eingehend untersucht.

Was weiß man seitdem über diese Remnants und den mutmaßlich dazugehörigen Pulsar 1E 1207.4-5209 ?

Aus der Expansionsgeschwindigkeit des Remnants schließt man auf ein Alter von ca. 7000 Jahren, allerdings mit einem grotesk großen Fehler vom dreifachen dieses Wertes. Damit ist also bis 20.000 BC alles drin und ein SN-Ereignis zu Lebzeiten des genannten Kaisers vor ca. 4000 Jahren somit jedenfalls nicht ausgeschlossen.

Die Position des Remnants am Himmel (Deklination -52°26') ist für uns in Europa zwar unerreichbar, wohl aber aus dem Süden von China. Also auch das passt grundsätzlich.

Aus der zunehmenden Spinperiode des Pulsars, die jetzt bei 424 ms liegt, schätzt man ein Alter der Neutronensterngenese, die das Alter des SN-Remnants bei weitem übersteigt. Zu diesem scheinbaren Widerspruch gibt es anscheinend noch keine plausible Erklärung.

Insgesamt ist die Evidenz für eine Deutung der SN und eine Zuordnung zu den historischen Berichten also noch sehr dünn. Vielleich gelingt es aber, mit weiteren Forschungen hier Klarheit zu schaffen.

Gruß, Peter

Hier sind ein paar Links zu astronomischen Publikationen:

R.S. Roger et al.

XMM-Newton and VLT observations of the isolated neutron star 1E 1207.4–5209

eROSITA’s X-ray eyes on the Universe
 
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