Kaltweiße Straßenbeleuchtung für uns doch besser als orangene ? | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Kaltweiße Straßenbeleuchtung für uns doch besser als orangene ?

Simon 81Bay

Mitglied
Hallo Sternfreunde :),
ich hatte oft beim Thema Light Pollution sinngemäß gelesen : Orangene Beleuchtung gut, kaltweiße, d.h. mit hohen Blauanteilen, immer "böse". Die Begründung ist, dass kürzere Wellenlängen mehr Rayleigh-Streuung erfahren.
Die Kehrseite der stärkeren Streuung von blauem Licht ist aber DIE GERINGERE REICHWEITE dieses kurzwelligeren Lichts (sieht man ja beim Sonnenuntergang).
Die Lichtglocken von orangener Stadtbeleuchtung versauen uns also VIEL GRÖẞERE GEBIETE !
Die mit kaltweißem Licht dagegen erzeugen nur lokal mehr Himmelsaufhellung, nehmen aber schneller mit Entfernung von den Städten ab.
Besser für uns Hobbyastronomen , die wir doch ohnehin aus der Stadtregion rausfahren :teleskop:;)

Ich hab das Mal skizziert:

IMG_20210115_193804.jpg

Ich bin übrigens durch diesen Cloudy Nigths Beitrag darauf gekommen: The Last Dark Sky Site? - Light Pollution - Cloudy Nights
Übersetzter Screenshot:
Screenshot_2021-01-15-20-14-13-909_com.android.chrome.jpg
Freundliche Grüße. Simon
 
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schmitzac

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Zumindest ist das weisse Licht deutlich gesundheitsschädliche, schädigt die Augen und ruiniert das Nachterleben nachhaltig.

Gruss


Andreas
 

MeisterDee

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Hallo Simon,
bei der Farbtemperatur von Außenbeleuchtungen sollten wir nicht nur an uns denken.
An unsere Augen, unseren Schlaf und unser lichtsensibles Hobby.

Kaltweiße Lampen richten auch bei den Insekten einen enormen Schaden an. Von dem hohen Blauanteil werden sehr viele Insekten geblendet, und daher können sie nur dorthin fliegen. Sie umkreisen die Lichtquelle bis sie vor Erschöpfung zu Boden gehen oder den Spinnen zum Opfer fallen. Sie werden nicht „vom Licht angezogen“, das Licht ist nicht attraktiv für die Flieger. Sie können nicht anders.

Gelbliches Licht hingegen nehmen die meisten Insekten gar nicht richtig war.
Für längerwelliges Licht sind ihre Augen einfach nicht empfindlich genug.

Das weiß man schon sehr, sehr lang. Aber leider hat es das Wissen nicht bis in die heutige Zeit geschafft, oder es wird einfach ignoriert.
Früher gab es sogar spezielle Lampen von Osram, mit der Bezeichnung „Insecta“.
Diese gelblich leuchtenden Lampen erlaubten Sommerabende im Garten oder auf der Terrasse mit Licht, aber ohne die mitunter stechenden Plagegeister , die bei normalem Licht bald herbeieilen. Denn wie schon gesagt, sehen die das gelbliche Licht kaum.

Damals hat ja niemand an das Wohl der Insekten gedacht. Doch heute, wo jeder schon etwas vom Insektensterben gehört hat, könnte man mit der Kenntnis Einiges für die Insektenwelt tun. ..............Es interessiert nur leider kaum jemanden.......

Dunkle Nächte wünscht

Dietmar
 

JonasK.

Mitglied
Zumindest ist das weisse Licht deutlich gesundheitsschädliche, schädigt die Augen und ruiniert das Nachterleben nachhaltig.

Gruss


Andreas
Hallo Andreas,

Inwiefer schädigt weisses Licht die Augen? UV Licht ja, Laser ja, aber normales Weißlicht, was soll da passieren? Sehen wir mal davon ab, dass man direkt in die Sonne schaut... Oder in andere sehr sehr helle Lichtquellen, da ist die Wellenlänge aber egal.

Für Pflanzen und Tiere ist die helle Nacht natürlich nicht gut. Das schlimmste ist Bäume von unten anzuleuchten... Wir können uns ja selbst entscheiden welche Lampen wir daheim verwenden :)

Ein riesiger Vorteil von gelben Na-Dampflampen ist, dass es ein definierten Wellenlängenbereich aufweißt, den man mit geeignetem Filter wegbekommt. Moderne leuchtmittitel haben sehr komplexe Emissionsspektren und je nach Bauart sehr verschiedene dazu. Ergo kann man das nie mit einem Bandfilter wegbekommen.

CS Jonas
 
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schmitzac

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lieber jonas,

10 min weisses LED - Licht aus der Nähe und deine Netzhaut hat einen irreversiblen Schaden. Daher immer Blaulicht am Smartphone ausschalten !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Andreas
 

JonasK.

Mitglied
Hallo Andreas,

Ja wie gesagt, mal abgesehen von Sonne oder anderer extrem heller Lichtquelle. Wenn weißlich normaler Helligkeit so schädlich wäre, könnte ich und du vermutlich auch nicht hier im Forum lesen. Die Sonne strahlt ja genug davon ab.....

Die Lichtintensität im sichtbaren Bereich muss so hoch sein, dass der netzhautschaden schnell Eintritt. Dein Gehirn hat nämlich einen schutzreflex. Bei zu hellem Licht verengen sich deine Pupillen schnell, du machst die Augen zu und drehst den Kopf weg. Du kannst also garnicht einfach mal so 10 Minuten in eine viel zu helle Lichtquelle schauen...
Ich spreche da aus Erfahrung. Ich hab in meiner Promotion mit high-power (unter anderem UV) LEDs gearbeitet und mich da auch schon verblitz.
Bei normalen Intensität geht deine Netzhaut nicht dauerhaft kaputt. Gefährlich ist UV Licht, weil du das nicht wahrnehmen kannst und dementsprechend die Schutzmechanismen nicht wirken.

Auf Molekulare Ebene verblassen die Farbstoffe in deinen Stäbchen und Zapfen zwar auch photochemisch, dafür gibt's aber Reperaturmechanismen...

Den Blaulichtanteil zu reduzieren hat wohl eher was mit dem Melatonin Haushalt zu tun, der dein Schlafwachrhytmus beeinflusst.

Viele Grüße Jonas
 

schmitzac

Mitglied
Lieber Jonas, ich bin gestandener Mediziner und bitte Dich inständig, diesen Unsinn ni ht weiter zu verbreiten, da solltest Du erst einmal in die Medizinische Literatur gucken.

Wissen ersetzt nicht leihenhafte Vermutungen.

Andreas
 

JonasK.

Mitglied
Lieber Andreas,

Ich bin Chemiker, ich wäre sehr an den veröffentlichungen interessiert, auf denen deine Behauptung basiert :).
Als Mediziner weißt du bestimmt, dass es entsprechende Gefährdungsklassen für Lichtquellen gibt, für die nachweislich Schäden Auftreten können.
Dazu gibt es eine Norm

Falls du aktuelle Studien zu dem Thema parat hast, wäre ich sehr interessiert.
Kannst du mir Wellenlängen und strahlungsflüsse sagen wo das auftritt?
Du als Mediziner solltest auch wissen, daß weißes Licht ALLE Farben enthält, das musst du dann schon bitte spezifizieren, wenn du mir Unwissenheit vorwirfst...

Viele Grüße
Jonas

Ps: Du als arzt kannst mir vllt. wissenschaftlich erkläre, wie die Schädigung genau abläuft. Ich lasse mich da gerne belehren.
 
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MeisterDee

Mitglied
Hallo Andreas,
ich weiß nicht, welche von Jonas genannten Thesen genau Du als Unsinn bezeichnest.
Vielleicht kannst Du die aus Medizinersicht unrichtigen Passagen kommentieren und richtig stellen.
Ein allgemeines Aburteilen des gesamten Beitrages wird diesem möglicherweise nicht ganz gerecht.

Viele Aussagen halte ich im Grunde gar nicht für falsch.

Zum Beispiel ist es mittlerweile unbestritten, dass es einen Zusammenhang von Augenproblemen und Kunstlicht mit besonders hohem Blauanteil gibt. Menschen, deren Arbeitsplatz mit Farbtemperaturen um 6500 K hell beleuchtet ist, haben ein erheblich größeres Risiko, Probleme mit der Netzhaut zu bekommen, im Vergleich mit Anderen, deren Arbeitsplatz Neutralweiß (4000 K) oder Warmweiß (<3000 K) beleuchtet ist. Nicht ohne Grund werben Optiker mit Brillen und speziellen Kontaktlinsen, die Schutz vor den negativen Folgen der extrem kaltweißen Beleuchtung versprechen. (6000 K und höher)

Ebenso als erwiesen wird angesehen, dass Menschen, die unter solchen Beleuchtungen arbeiten, z.B. Schicht- oder Nachtarbeiter, sehr viel öfter erhebliche Schwierigkeiten haben, kurz nach längerer Exposition in erholsamen Schlaf zu kommen.
Abhängigkeiten von Schlafbereitschaft und Licht / Lichtfarbe sind heute allseits bekannt.
Mein IPad hat sogar einen „Night Shift“ Modus, für die Stunden vor dem Zubettgehen. Das ist kein Werbegag.

Sehr lange genoss die Beleuchtung mit sehr „kaltem“ Licht um 6500 K den Ruf, ganz besonders die Aufmerksamkeit zu unterstützen, die dem Licht ausgesetzten Menschen einfach „wacher“ zu halten. Die Statistiken wiesen sogar eine geringere Unfallhäufigkeit aus. Beides machte diese Lichtfarbe unter Arbeitgebern recht beliebt.
Wohlklingende Bezeichungen, wie „Daylight Deluxe“ unterstrichen dabei die vermeintlich positiven Effekte, erhöhten die Akzeptanz.

Mittlerweile stehen die Beleuchtungen mit dieser Lichtfarbe absolut nicht mehr so hoch im Kurs. Im Gegenteil.


Ich bin kein Mediziner, befasse mich aber berufsbedingt regelmäßig intensiv mit Beleuchtung in großen Gewerbeanlagen.

Es währe schön, wenn Du als Mediziner Dein Wissen über dieses interessante Thema mit uns teilen würdest.

CS

Dietmar
 

JonasK.

Mitglied
Also ich denke auch, dass Andreas den Blauanteil in kalte-weißem Licht meint. Da gibt es die sog. Photoretinitis. Dabei wird der Photrezeptor photochemisch oxidiert. Das kann bei einer Wellenlänge des Lichtes von 440 nm passiern. Das ist mir tatsächlich neu, als Chemiker aber sehr wohl nachvollziehbar.
Es bleibt aber immernoch eine Frage der Dosis und ist nicht per se ein Problem mit Weißlicht, wie du, Andreas, in deinem ersten Post geschrieben hast. Und genau deswegen habe ich da auch danach gefragt.
Die 440 nm sind ja auch in den Emissions Spektren diverser Sterne vorhanden.... Und wir hobby Astros schauen auch noch direkt mit riesigen Lichtsammeltöpfen dahin. Da ist aber die Intensität trotz Teleskop vermutlich eher gering, oder sollten wir uns Sorgen machen?

CS Jonas
 
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