"Ketzerei": Beobachten durch's (geöffnete) Fenster | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

"Ketzerei": Beobachten durch's (geöffnete) Fenster

Der_Peter

Mitglied
Hallo zusammen,

ich spiele mit dem Gedanken, Refraktor und Montierung quasi unter/vor einem Dachfenster zu lagern und ab und zu zum Schnellspechteln durch's geschlossene oder auch geöffnete Fenster zu linsen.

Mir ist klar, dass das fast an astronomische Ketzerei grenzt, aber praktisch und bequem wär's schon. In manchen Beobachtungsberichten kommt ab und zu durch, dass ich nicht alleine mit der Idee bin.

Ein Fenster oder auch die bei geöffnetem Fenster aufsteigende, warme Luft (Seeing...) begrenzen natürlich die Vergrößerung erheblich, aber 30fach am Mond sollte doch möglich sein oder?

Dank des heutigen Dauer-Stratus kann ich's gerade nicht selbst ausprobieren, aber vielleicht habt Ihr es ja auch schon mal versucht. ;)
Was meint Ihr?
 

CaptainKirk

Mitglied
Hallo Peter,
ich hatte 2012 hier schon mal die Idee gepostet, das offene Fenster mit Folie abzukleben und das Teleskop durch einen Spalt nach draußen schauen zu lassen, das gibt dann kein Warmluftseeing. Eventuell lange Taukappe verwenden um die aufsteigende Warmluft von der Hauswand abzuhalten.
Hier noch der Link von damals:
http://forum.astronomie.de/phpapps/...081/Re:_Kuppelseeing_-_Fensterseei#Post913081
Viel Spaß beim ausprobieren. Olaf.
Link passt nicht, dann eben der Text noch kopiert:
Bei unserem gestrigen Astrostammtisch erzählte ein Vereinsmitglied, das er kürzlich einen anderen Sternfreund besuchte, welcher eine Sternwartenkuppel besitzt. Leider war es kein Erlebnis, da die Beobachtung auf Grund der drei Personen in der Kuppel wohl durch die Personenwärme stark beeinträchtigt wurde (Wärme entweicht durch Kuppelspalt=Kuppelseeing). Das gleiche passiert ja auch bei Beobachtung durch ein geöffnetes Fenster.
Ich konnte hier meine schon mal praktisch ausprobierte Idee einbringen, welche ich mit Erfolg schon eingesetzt habe (dieses lässt sich so auch auf einen Kuppelspalt anwenden): eine dünne Folie (Malerfolie aus dem Baumarkt) mehrlagig übereinanderlegen (größere Fläche als das Fenster bzw. der Kuppelspalt-fernrohr muß beweglich bleiben), da so eine bessere Wärmeisolierung durch die Schichten erfolgt (daher mehrlagig) und am Rand mit z.B dickem Klebeband verkleben. In den Innenrand des Fensterrahmens wird umlaufend ein Klettband geklebt (gibt es passend für Insektenschutz, nur wir nehmen natürlich nicht das Insektennetz). Das Gegenstück des Klettbandes kommt auf den Rand unserer Isolierfolie. Nun brauchen wir noch eine Öffnung in der Folie, durch die unser Fernrohrtubus gesteckt werden kann, diese sollte natürlich (Gummiband) halbwegs Luftdicht sein. Die Folie ist wie schon geschrieben größer als das Fenster (oder eben Kuppelspalt), so das das Fernrohr trotzdem motorisch sich bewegen kann. Günstig ist eine längere Taukappe, damit das ganze etwas über die Hauswand ragt (dort steigt ja auch Wärme auf). So kann man auch problemlos und sehr kostengünstig seinen Kuppelspalt „schließen“ und doch beobachten ohne aufsteigende Wärme. Eigentlich kann man so auch bei geheiztem Zimmer beobachten, sitzt im Warmen und Trockenen. Bei der Kuppel sollte man wohl noch darauf achten, ob diese an sich auch isoliert ist, viele Kunststoffkuppeln sollten ja nicht so viel Wärme ableiten.

Wer von Euch hat das so schon mal ausprobiert ?
Falls ihr es probiert, würde mich mal interessierte, ob ihr auch positive Erfahrungen macht (ich testete es mit der Fensterversion).
Viele Grüße Olaf.
 
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Felix42

Mitglied
Hallo Peter und Olaf,


Ketzerei - da bin ich dabei! :D

Also, ich habe jahrelang einen 80/1500 Refraktor am Dachfenster stehen gehabt und kann nur sagen: wenn man nicht über das von der Sonne erhitzte Dach auf der windabgewandten Seite beobachtet geht da einiges. Im Frühjahr und Herbst gab es die geringsten Seeingprobleme, Im Winter hab ich vor das relativ kleine Fenster ein Tuch gespannt durch das nur der Refraktor schaute. Ideal ist es wenn der Wind ganz leicht auf das Fenster zuweht oder am Dach entlang und der Refraktor weit rausragt. Allerdings war die Qualität der Scheibe so schlecht daß man nicht lohnend durchbeobachten konnte, nicht mal mit einem Fernglas.

Auch wenn wir jetzt auf den Scheiterhaufen kommen: versuch einfach was geht, Wolkenlücken nutzen am Dachfenster ist viel besser als nix :/

Um der Ketzterei die Krone aufzusetzen: genau da werde ich meinen gerade entstehenden Zeiss AS 80/1200 einsetzen... :erschreck:


Viele Grüße Felix
 

Der_Peter

Mitglied
Super Ihr beiden; gute Erfahrungsberichte und Tipps! :super:

Ich seh' allerdings jetzt schon die brennenden Fackeln in unsere Richtung fliegen... ;)

Na, mal sehen; vielleicht haben noch andere ihr Comming Out.
 

Hajoo

Mitglied
hallo ,
warum Ketzerei ...
man muss wissen was man möchte ,was einem ausreicht auch mal...sehe gerade wieder den Beitrag ,
hatte mal vor kurzem folgendes geschrieben
http://forum.astronomie.de/phpapps/.../topics/1255510/Orion_im_Warmen..#Post1255510
also im Warmen ,Schöne Musik.. -das hat auch mal was
und bleibt mir sehr in Erinnerung.
Hauptsache es ist ein fantastischer Eindruck , Zusammenspiel von allem Möglichen
das war mein Coming out ,Smile
CS Hans
 

astrobembel

Mitglied
Liebe Ketzer,

im Warmen und bei schöner Musik geht z.B. auch auf Hawaii.

Aber mal ernsthaft, selbst wenn man das Thema "Dachfensterseeing" mit der Folienlösung bändigen kann (macht beim Anfahren der einzelnen Objekte bestimmt ein Geraschel wie 20 Chipstüten im Kino), bleibt immer noch das Drama mit dem Temperaturverlauf im Teleskop. Am einen Ende zumindest ist das Instrument dann hübsch kalt, am anderen Ende schön warm.

Aloha, Stephan
 
Hallo Peter,

willkommen bei den (ehemaligen) Ketzern! Auch ich hatte, als ich noch im Kleinstädtchen Furtwangen im Schwarzwald wohnte, ua. einen Dachfensterbank-Beobachtungsplatz, den ich hochtrabend FUSEL-Observatorium taufte. Nach der Herkunft der Idee.....hicks!

Meine Dachfenster waren Doppelglasexemplare der Firma Velux, die erstaunlicherweise kaum Abberationen erzeugten, bis auf einen ganz leichten Astigmatismus im Bild (siehe Webcam-Bild Gamma Leonis). Nur wenn man ganz schräg an den Fensterkanten schaute wurde das Bild gruseliger. Ausgelöst wurde das Ganze durch einen 'Lustkauf' in vorweihnachtlicher Stimmung im Lidl - ein Meade ETX-70 Minirefraktor und später eine Meade DS-2000 Montierung für meinen 80mm Apo.

Meistens habe ich dort visuell beobachtet, es war schön bei -25°C Außentemperatur in Pantoffeln und Schlafanzug per GOTO durchs Universum zu streifen, ohne dabei frieren zu müssen.

Eine Sache geht allerdings absolut nicht: Niemals, never ever, öffne das Fenster zum Beobachten!!! Die dann resultierende Seeing-Katastrophe ruiniert die Aussicht mehr als Vogelkot auf der Scheibe, die man aber vor der Beobachtung putzen sollte. Sind die Scheiben zu schlecht erwäge einen Austausch.

Hier einige Bilder als Anregung:

http://www.coyote-point-observatory.de/NET_IMAGES/FUSEL/ETX70_GammaLeonis.jpg
http://www.coyote-point-observatory.de/NET_IMAGES/FUSEL/Fusel_Bosma_DS2000_1_small.jpg
http://www.coyote-point-observatory.de/NET_IMAGES/FUSEL/ETX_Clamp_small.jpg
http://www.coyote-point-observatory.de/NET_IMAGES/FUSEL/ETX_Clamp_small_2.jpg
http://www.coyote-point-observatory.de/NET_IMAGES/FUSEL/Saturn_M44.jpg
http://www.coyote-point-observatory.de/NET_IMAGES/FUSEL/R_Leporis.jpg

Grüßle, Coyote

PS: Spart euch das Feuerholz für den Scheiterhaufen, ich bin absolut unbrennbar. :smiley61:
 
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Anette_Aslan

Mitglied
ooooch, dann bin ich schon fällig für den Scheiterhaufen, wenn´s um Ketzerei geht:

mit dem 102/1000 FH liegend im Bett durchs geschlossene Fenster auf den hereinscheinenden Mond ...........ich war begeistert und konnte vom genussvollen Beobachtungsmodus gleich in den Schlafmodus umschalten....

abwegige Grüsse von Anette
 

AntonBoettcher

Mitglied
Hallo Rolf,

den Holmes hatte ich November 2007 auch im Visier.
Das war ja wirklich ein Superding. Den konnte man ja fast durch
Milchglas noch sehen ;) ;)
Da konnte ich die gesamte Nachbarschaft begeistern.
Bloßes Auge reichte.
Solch ein Koloss fehlt in letzter Zeit.

Gruß Anton.
 

Auriga_HH

Mitglied
Auch ich bekenne mich der Ketzerei schuldig. Mich hat die Venus verführt.

Es war am 24. März kurz vor der unteren Konjunktion. Morgens um 6 war ich nicht bereit nochmal früh aufzustehen. Ich hatte ja meine Beute bereits in den Tagen vorher festgemacht.

Die schöne Sichel im Fernglas verleitete mich dann aber doch, ein Foto per Teleobjektiv zu schießen. Deutlich sind auf diesem Bild die Reflektionen des Mückengitters vor meinem Schlafzimmerfenster zu erkennen.
 

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Uchemnitz

Mitglied
Hi
bin auch ein Ketzer :smiley64:
Mein Refraktor steht im DG immer bereit ;)
gut das Gebäudeseeing versaut einen oft das Bild aber wenn der Raum vorher ordentlich abgekühlt wurde (Frauschen ist da im Winter begeistert, :totlach: ) geht es manchmal erstaunlich gut.
Konnte so schon die Polkappe auf Mars beobachten, auch der GRF und divese Mondschatten auf Jupiter gehen.
Kommt immer darauf an wie die Außenhaut des Gebäudes zur Umgebungsluft von der Temperatur her ist, Delta t sollte möglichst klein sein. Das ist bei mir im Frühjahr oft so, da meine Beobachtungsrichtung gen Süden geht scheint die Sonne da schon eine Weile nicht mehr auf die Hauswand.
also probieren :super:
Grüße Uwe
 
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