Koma-Korrektor .. ein paar Fragen

#1
Hallo zusammen,

nachdem immer wieder zu lesen ist, dass ein Koma-Korrektor am schnellen Newton deutlich was bringen soll bezüglich Randabbildung, wollte ich mich mit dem Thema auseinandersetzen und hab ein paar Fragen (es geht ausschließlich um visuellen Einsatz).

Zur Verdeutlichung meiner Fragen nehme ich den Paracorr-2 als "Muster"
Tele Vue Optics: Paracorr
Ganz runter scrollen auf die Darstellung...

Also wenn ich das richtig verstehe, dann liegt der Fokus vom der Primäroptik auf der Linie, wo steht "prime focus".
Der Paracorr legt von dort aus den Brennpunkt um 46mm weiter raus.
Dort wo steht "Paracorr Focus" soll schließlich die Feldblende der Okulare hin.
Der Ganze "Rest", also die Mechanik mit den Stufen A .. H dient dann "nur" dazu,
die Feldblende unterschiedlicher Okulare auf die Linie "Paracorr Focus" zu bringen (richtig?)

Angenommen, meine Okulare wären alle homofokal (sind sie),
dann bräuchte ich die ganze Mechanik eigentlich nicht, oder?

Gibt es da optisch gelungene Alternativen zum Paracorr,
ohne die ganze Mechanik drum rum; also nur einschrauben (aber wo ?)
Und, bringt das auch was an 8" f/6 oder ist das Unfug ... ?

Danke schon mal vorab.

Gruß Martin
 
#2
Hallo Martin,

sorry, bin kein visueller, insofern kann ich Dir hier nichts genaues sagen,
aber fotografisch haben wir ja einen fixen Abstand bzgl. Chip, deshalb
hatte ich mir hier, als ich den genauen Abstand endlich raus hatte, mir
einen T2 Adapter drehen lassen, der die genaue Länge hatte, damit ich
immer im Focus bin.

Aber alle Komakorrektoren, die ich mal so hatte, waren definitv für schnellere
Systeme, als Dein F6er ...

Habe eben auch das hier noch gefunden:

Koma-Korrektor visuell

Gruß Tom
 
#3
Hallo Martin,

homofokale Okulare sind das ja nur für Normalsichtige. Weiter gibt es selbst innerhalb eines Herstellersortiments keine einheitliche Norm. Televue verwendet ja homofokale Gruppen. Es wäre nun unsinnig, einen Komakorrektor für nur die eine homofokale Gruppe zu optimieren, und der Rest an Okularen bildet nicht optimal ab. Das wäre allein bei der Preisvorstellung für den Paracorr II geradezu unfreundlich... Letztendlich jedenfalls ist die ganze Adaptionseinheit ein Nach-Fokussierer, nachdem der Paracorr an sich in der richtigen Position sitzt. Hier ist Explore Scientific mit dem HRCC soweit, dass für diesen Korrektor eine genaue Anleitung vorliegt, wie der ohne Okular drin in die richtige Position gebracht wird. In der Position kann man den eigentlichen OAZ einfach festsetzen und dann die Fokussiermechanik des HRCC oder auch des Paracorr I wie II verwenden. Unter der Prämisse, dass deren Spielraum auch ausreicht!
Im Prinzip aber kannst Du den Paracorr II auch einfach auf niedrigste Stellung herunterdrehen und einfach mit dieser suboptimalen Einstellung leben. Interessanterweise sind gerade die beiden Top-Okulare der Nagler 5 Reihe nach Berechnungen selbst mit der niedrigst möglichen Einstellung des Paracorr I wie II noch nicht optimal bedient. Dabei brauchen 31mm Nagler und 26mm Nagler wegen der großen Feldblende gerade die korrekte Bildfeldebnung neben der Komakorrektur, um bestmöglich abzubilden.
Ein Komakorrektor ohne diesen Schnickschnack ist der GPU. Der bekommt eine 2" Steckhülse auf sein Gewinde geschraubt, hat die Auflagekante dann meiner Erinnerung nach 55mm über dem T2, und wenn die Feldblende nahe der Auflagekante liegt, passt's optimal.

Ich persönlich habe bis herunter zu f/4 die Erfahrung gemacht, dass der HRCC keine Nachteile aber einen deutlichen Preisvorteil gegenüber dem Paracorr II hat. Er verlängert auch etwas weniger, was man als Vorteil wie auch als Nachteil sehen kann. Vorteil, weil die Okularabstimmung zum Gerät sehr ähnlich ist und der maximale Himmelsausschnitt nur unwesentlich schrumpft, Nachteil, weil das durch die Verlängerung kleinere Öffnungsverhältnis es dem Okular einfacher macht. Auch der Paracorr I reicht dazu aus, allerdings ist die meist anzutreffende Version PCV-2000 mechanisch unzureichend für schwere Okulare, was eben an dieser Einstellmechanik liegt, die nur über die Klemmschraube gestützt wird und je nach Lage verkippt. Der PVL-2008 hat dann schon eine Mechanik mit drei Stützstellen, die dann ja auch der Paracorr II VIP-2010 erhalten hat. Beim HRCC hingegen wurde einfach ein Gewinde verwendet. Das bedeutet mehr kurbeln, verkippt und verdreht sich aber nicht.

An 8" f/6 - braucht man alle vier nicht unbedingt. Die Frage ist, ob es Dich derzeit stört, und ob das, was Du an der Randabbildung vielleicht zu bemängeln hast, auf Koma und/oder Bildfeldwölbung zurückzuführen ist. Ein einfaches Erfle machst Du auch mit dem Komakorrektor nicht randscharf.

Clear Skies
Sven
 
#4
Hallo zusammen,

das ist schon Klasse, was ihr euch Zeit nehmt, für die Beantwortung solcher Fragen.
Ich hab mir ein paar Ethosse gekauft und parfokalisiert mit Verlängerungshülsen und Stoppringen.
Und heute erst den 8" f/6. Jetzt ist natürlich zugezogen ...

Nächstes Jahr soll auch ein schnellerer 16" kommen zwischen f/4 und 4.5
spätestens dann wird es interessant bezüglich dem Korrektor.
Ich hätte mir aber auch gerne schon mal vorab eine mögliche Lösung angesehen, daher die Frage zum f/6.

Bezüglich unterschiedlicher Okularreihen hätte ich versucht, mit einer Reihe alles zu erschlagen.
Aber klar, wenn man mal andere testen will, ist eine Mechanik natürlich schon wieder sinnvoll...

Ich werde mal googeln zu deinen Vorschlägen mit dem GPU und dem HRCC.
Erst mal eine nicht so teure Lösung, um zu sehen, was es überhaupt bringt.

Und noch eine dämliche Frage am Schluss.
Wenn man einen Bildfehler (in dem Fall Koma oder Wölbung) weg korrigieren will,
muss man ja den Fehler "andersrum" beisteuern, damit er sich dann aufhebt.
Wenn das Teleskop jetzt selbst keine wesentliche Koma zeigt und man setzt einen Korrektor ein,
dann ist das kontraproduktiv, wahrscheinlich?

Danke für eure Mühen :coffee:

Gruß Martin
 
#5
Hallo Martin,

fange ich mal unten an: Koma kommt ja beim Parabolspiegel sozusagen von außen, vom Spiegelrand, somit vom Rand des Strahlenkegels her. Somit wirkt ein Komakorrektor stark bei einem stumpfen f/4 Kegel und fast gar nicht bei einem schlanken f/8 Kegel. Wenn man sich mal einen 150/1200 Newton anschaut und einen 300/1200, dann kann man sagen, dass man beim 300/1200 zur existierenden 150/1200 Fläche "mehr Fläche hinzugenommen" hat. Mit dem Bild kann man sich vorstellen, dass der Komakorrektor eben hauptsächlich an den Teilen des Strahlenkegels arbeitet, die in 150/1200 gar nicht vorkommen. Somit ist es gar kein Problem, an einem f/8 Newton einen Komakorrektor einzusetzen und er würde an einem komafreien f/8 Refraktor auch nicht viel kaputt machen - außer unnötig Linsenflächen und Glasweg einzubringen.
An einem komafreien f/4-System würde aber quasi inverse Koma in heftigem Ausmaß eingeführt.

Okularreihen: Ich würde es als eine große Einschränkung empfinden, wenn ich alles aus einer Okukarreihe bestücken müsste, denn meine Anforderungen ans Okular ändern sich mit der Okularbrennweite und auch dem jeweiligen Teleskop. So finde ich 100° im AP Bereich 2mm bis 7mm wesentlich interessanter (auch wenn ich für meine Geräte ab 6mm AP nur noch 82° kaufen kann), als im Bereich zwischen 0,5mm und 2mm AP, wo ich mit hochwertigen 40° bis 70° auch zufrieden bin, wenn da in den Abbildungseigenschaften eine Mehrleistung bei heraus kommt.

Clear Skies
Sven
 
#6
Hallo Sven,

verdammt, das mit dem stumpfen Kegel ist logisch.
Das habe ich jetzt verstanden. Danke!

Der HRCC sieht interessant aus und ist noch relativ günstig.
Schade, dass man da kein steiles "Gewinde" dran gemacht hat.
Die Schrauberei könnte bei dem feinen Gewinde nervig sein.
Wahrscheinlich hat TV ein Patent drauf :)

Ich probiere den mal aus und werde berichten.

GRuß Martin
 
#7
Ich konnte gestern zum ersten mal mit den Ethossen am 8" f/6 beobachten.
Da ist bezüglich Koma-Korrektor absolut kein Handlungsbedarf.
Die Abbildung ist perfekt bis zum Rand.

Dann wärme ich das Thema wieder auf, wenn ein schnellerer Newton kommt :coffee:
 

Neustes Astronomie Foto

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